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zum Osterfest
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 27. März 2005,
Ostersonntag

Die Osterfreude

1 Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. 4 Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. 8 Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
9 Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.

Matthäus 28, 1-10

Liebe Gemeinde!

1.1 Diese Erzählung trifft ins Herz christlicher Botschaft. Das Urdatum des christlichen Glaubens heißt: Vivit! ER lebt!
Wir reden nicht von Jesus oder über IHN in der Kirche, wenn wir glauben. Das tun wir auch. Wir reden mit IHM.
Wir lesen nicht Geschichten über IHN in der Bibel, das tun wir auch. Wir hören in diesen Geschichten Seine Stimme heute. ER selber redet, weil ER lebt.

1.2 Deswegen wird das alles festgehalten. Das leere Grab. Die Wächter, die umfielen. Erscheinungen von Engeln und ihre Botschaft. Wie Jesus sich den Frauen zeigte als erste Begegnung mit dem Auferstandenen. Die Erfahrung des Emmaus Jünger. Die Begegnung mit dem ungläubigen Thomas. Die Erscheinung am See, der Fang der 153 Fische und das Essen mit den Jüngern.
Diese Themen der Ostergeschichten sind nur berichtet, weil Jesus lebt. Das ist ihre gemeinsame Botschaft.

1.3 Wir sollen nicht auf Engelserscheinungen warten oder am Wasserufer hocken, wenn wir das alles hören. Es geht darum in unserem Alltag zu erlauschen, wo der Herr, der Lebendige, der Auferstandene uns anspricht und wir IHM antworten können. Das kann wie damals mitten bei der Alltagsbeschäftigung geschehen oder sogar beim Austritt aus der Kirche, wenn wir uns gerade vom Glauben lossagen wollen. Wie damals so auch heute: Jesus ist da. Wer das erfährt freut sich zutiefst in seinem Herzen. Es werden Bereiche froh in seinem Geist, die sonst durch beinahe nichts erreichbar sind. Das ist die Osterfreude,die persönliche Seite von Ostern.


1.4 Es gibt nun viele Menschen in der Kirche, die diese oder ähnliche Worte schon oft gehört haben. Sie wissen um dies Wissen von Jesus, dem Auferstandenen. Doch Osterfreude - Herr, Du lebst! - die stellt sich nicht ein.

1.5 Natürlich lebt der Herr. Den Glauben habe ich schon. Doch ich bin richtig enttäuscht.
Schau dir doch alle Kirchen an, wie es da aussieht. Was machen denn die Menschen, die Ihm folgen. Vertrauen in den Herrn wurde erdrückt durch Fehler von Pastoren. Gemeinschaft, die man suchte, erwies sich in der Kirche als brüchig und hohl. Und Hilfe, die man brauchte, die blieb aus. So starb der Glaube.

1.6 Ich denke auch an die, die Jesus kennen, doch Seine Wege nicht verstehen. Jesus, wie kannst Du zulassen! Jesus, wie kann das Recht sein! Wie viele offene Fragen, Nöte haben Christen. Wo ist der Herr? Die Antwort fehlt. Ich finde keine Deutung. Am Ende stehe ich ohnmächtig, hilflos da. Wo ist mein Glaube?

1.7 Die wenigsten Christen kommen über derartige Enttäuschungen hinweg. Ihr Leben lang verweilen sie am Grab ihres kirchlichen Glaubens. Viele gute Erfahrungen, aber im Kern enttäuscht. Wenn sie noch reden, schimpft ihr Mund, klagt er. Doch eigentlich möchten sie nur weinen. Sie haben ihren Herrn verloren. Wie oft wurde der Herr von uns derart beerdigt.


2.1 Wie die Maria.
Beide Marias sind so enttäuschte Menschen. Was sollten sie denn machen? Lösungen waren nicht in Sicht, nicht einmal für die Salbung des Toten Jesus.

2.2 Nun ist interessant, dass die beiden Frauen genau dort ihre Osterfreude fanden, wo sie sie eigentlich verloren. Nicht irgendwo, sondern am Grab fing alles an. Das ist ein wichtiger Hinweis.

2.3 Keiner kann sich die Tränen schenken, die er innerlich weint. Wo es klemmt, das muss heraus.
Wer sich das sparen will, der landet in der Skepsis beim Denken und seelisch in der Bitterkeit. Alt werden über alte Fragen ist kein Heilmittel. Tränen sitzen sich nicht aus. Man bleibt nämlich immer an der gleichen Stelle stehen, auch wenn die Themen wechseln.
Deswegen ist es wichtig, nicht vor sich wegzulaufen, die Fragen auszusprechen. Der Kummer muss heraus. Es hilft auf das zu schauen, was mich am meisten enttäuscht. Denn ganz genau an dieser Stelle auch kann auch die Freude in der Zukunft Wurzeln schlagen.

2.4 Die Frauen waren dazu bereit. Dadurch wurde ihr Leben noch einmal anders als bisher, es blieb nicht stehen. Sie fanden für sich wirklich ihre Osterfreude.


3.1 Zwei wichtige Geburtshelfer gab es für sie. Zunächst der Engel.

3.2 Merkwürdig, was er als erstes sagt. Nicht: ER hatte doch die Auferstehung angesagt. Was zweifelt ihr. Seht doch selbst hin, was hier geschah. Nein. Als erstes: Fürchtet euch nicht.
Als ob sie nicht voller Furcht steckten. Doch das muss raus. Ein Glas mit trübem Wasser wird nicht hell durch Eingießen von klarem. Erst muss das Trübe raus. Fürchtet euch nicht.

3.3 Gott ist geduldig. ER hat für jeden Zeit und Weg. Selbst im Moment himmlischer Freude über den Anfang einer neuen Heilszeit der Ewigkeit, da kümmert er sich um die Furcht in unseren Herzen. Ist das nicht nett. Wir können unsere Furcht vor Ihm ablegen.
Wer in Enttäuschungen verharrt, der fürchtet neue Schritte. Wir können unsere Enttäuschungen wegtun.
Gott heilt bevor ER Freude gibt.

3.4 Danach zeigen die Boten alle Zeichen. Das leere Grab. Die Deutung. Den Auftrag.
Ist jetzt nicht alles gut? Reicht das nicht. Nein. Es heißt: 8 Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern.
Erstaunlich ist, ohne den ersten Geburtshelfer geht es nicht, die Botschaft von der inneren Heilung und den äußeren Zeichen. Es bleibt danach die Ambivalenz: Furcht und Freude. Beide Seiten in einem Herz.


4.1 Der zweite Geburtshelfer ist Jesus selbst. ER kommt und spricht sie an. 9 Seid gegrüßt! Mit diesem Wort des Herrn verwandelt sich die Welt in ihnen. Als ER jetzt wiederholt: 10 Fürchtet euch nicht da weicht die Furcht vollends.

4.2 Worte der Vergebung: Dir sind deine Sünden vergeben! oder Worte der Segnung: ER schenke dir Seinen Frieden! geschehen und haben Kraft, wenn wir sie als Worte des Herrn für uns hören und nehmen. Was ER sagt, das geschieht. Wir Menschen können sie nur sagen. Ist ER in ihnen werden sie Kraft.

4.3 Das spüren hier die Frauen. Sie kriegen in den Worten Jesu mit, das Auferstehungskräfte fließen. Sie sind jetzt angeschlossen an die Kraft der Ewigkeit. Ein Wort, das reicht. Doch es muss als ein Wort des Herrn gesagt und auch empfangen sein.

4.4 So öffnet sich die Osterfreude in den Herzen. Der Auferstandene selbst ist dafür der Schlüssel. Und die Begegnung mit Ihm öffnet die Tür.


5.1 Die alte Kirche hat lange gezögert, das Unfassbare des Auferstandenen darzustellen. Auf einem der ersten Osterbilder ist dies festgehalten. Da sind die Wächter, die am Boden liegen und Engel, die von oben schauen. Die eigentliche Mitte, Jesus der Auferstandene, ist festgehalten durch - was? Durch eine brennende Kerze. ER, Jesus, das Osterlicht.

5.2 Wie Gott damals sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht. So hat ER jetzt wieder gesprochen. Das Auferstehungslicht wird durch den Tod nicht mehr ausgepustet wie unser Lebenslicht. Einen Hauch bläst der Tod, dann sind wir weg. Mit dem Auferstehungsleben ist das anders. Der Tod bläst und bläst und bläst. Es flackert nicht einmal. Es entsteht in Jesus. Es wandert durch Mauern, über Kontinente, durch Jahrhunderte. Es geht durch Herzen, durch Erfahrungen, durch Worte. Was für ein Geschehen. Der Heilige Geist entzündet es als Osterfreude in uns an wie damals in den Frauen.

5.3 Das ist ja der Grund, warum in Kirchen Kerzen brennen, selbst heute hier im hellen Tageslicht. Es ist Zeichen Seines neuen Auferstehungslebens, der Osterfreude in uns. ER lebt. Wie schön.



Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)