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zum Sonntag Misericordias Domini
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 10. April 2005,
Misericordias Domini

Der wahre Hirte

1 Das Wort des Herrn erging an mich:
2 Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet, und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden? 10 So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ICH gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein.
11 Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ICH meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. 12 Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben. 13 Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes. 14 Auf gute Weide will ich sie führen, im Bergland Israels werden ihre Weideplätze sein. Dort sollen sie auf guten Weideplätzen lagern, auf den Bergen Israels sollen sie fette Weide finden. 15 Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ICH werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn. 16 Die verlorengegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. ICH will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.
31 Ihr seid Meine Schafe, ihr seid die Herde Meiner Weide. ICH bin euer Gott - Spruch Gottes, des Herrn.

Hesekiel 34, 1-2.10-16.31

Liebe Gemeinde!

1.0 Wohl kaum einer hat die letzten Tage erlebt, ohne vom Sterben und der Beerdigung Papst Paul Johannes des II berührt worden zu sein. Unzählige Pilgerströme erfüllten Rom, normale Menschen und hohe Staatsoberhäupter. An vielen Orten der Welt sammelten sich die Menschen spontan zu Gedenkgottesdiensten.
Der Papst gehörte zu den Persönlichkeiten, der wohl 300 Millionen Menschen kannte. Nie vor ihm war das einem Menschen vergönnt gewesen. Mancher Politiker wäre glücklich, wenn ihm nur ein zehntel der Anerkennung zukäme, die der Papst hatte.

1.1 Spontan wollten ihn bei der Beisetzung in Rom Menschen selig gesprochen wissen. Er wäre d e r Hirte der Kirche. Fast 10 Minuten musste Kardinal Ratzinger warten, um den Abschlusssegen zu sprechen, weil die Massen sich mit Klatschen für Carol Wojtyla zu Wort meldeten. D e r Hirte der Kirche.

1.2 Zweifellos war Papst Paul Johannes der II ein besonderer Mann großer Ausstrahlung auf unzählige Menschen und politischer Systeme. Doch was ein Hirte ist, das legt noch immer Gottes Wort und Seine Stimme selbst fest. Kein Mensch ist unser Richter. Und allzu schnell verrutscht das Evangelium. Das war sogar im Bild klar zu erkennen. Beinahe hätte es der starke Wind vom Sarg des Papstes weggeweht.

1.3 Was Hirten Gottes sind, das wird in unserem heutigen Predigttext gesagt. Und Gott spart nicht an Deutlichkeit. Erschreckend wie ER durch Worte des Propheten redet. Hören wir.


2.0 Hesekiel war wahrscheinlich selbst Priester, der die Deportation des Volkes Israel nach Babylonien miterlebte. Doch was Gott dem Volk Israel sagte und was der Prophet von IHM hörte, waren nicht Warnungen über kommende schlechte Zeiten. Es waren Warnungen vor der Kirche, der Priesterschaft, der Leitung.

2.1 Hirten, die nach Hirten aussehen, aber keine sind. Priester, die das Opfer kennen, aber nicht ihr eigenes. Leiter, die sich selber leiten, aber nicht die Menschen, die ihnen anvertraut sind.

2.2 Wer kennt nicht dieses Bild von denen da oben, das Hesekiel hier zeichnet. Leitung ist kein Dienst mehr, sondern mehr ein Verdienst. Einsatz dient nicht den Bedürftigen, es nutzt den Mächtigen.

2.3 Und Gott greift ein, so sagt es der Prophet. ICH reiße Meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein (10). Und ER tat es. Ein ganzes Volk starb fast bei Seinem Gericht. Kein Leiter überlebte und viele aus dem Volk. War das die Lösung?


3.1 Die Worte des Propheten weisen weiter. ICH will mich meiner Herde selbst annehmen (11), spricht der Herr. Wann würde das geschehen?

3.2 Als Christen wissen wir, dass Jesus diese Worte aufnahm als ER von sich als dem guten Hirten sprach. Es gab unzählige Pastoren und Priester auch nach der babylonischen Gefangenschaft. Und es gab unzählige nach Jesus bis zum heutigen Tag. Und doch gibt es nur Einen, IHN, der Gottes Wort wirklich erfüllt. ICH bin d e r gute Hirte. Das sagt Jesus. ER sagt es nur von sich.

3.3 Was zeichnet diesen guten Hirten aus nach Gottes Wort? Woran erkennen wir IHN? Es tut so gut zu hören, was ER tut. Es tut so gut, weil ER auch heute lebt. Sein Wirken ist bis heute wahr. ER ist was ER ist.


4.1 Das Erste: ICH kümmere Mich um Meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben (13).
Damals war sicherlich damit gemeint, dass Israel die Heimat Seines Glaubens verloren hatte, verstreut in der Fremde. Die Rückkehr damals und die Rückkehr in der Gründung des Staates Israel sahen viele als Erfüllung. Sicher gilt dies. Doch es sagt mehr.

Wo immer wir uns selbst verloren haben in Schicksalsschlägen oder Irrtum oder Schuld - der Hirte sucht uns da auf, wo wir stecken. Verlorene sind für IHN noch nicht verloren. Komm mit! An Meiner Hand richte dich auf. ICH bin bei dir.
Das ist die Botschaft unseres guten Hirten. ER nimmt uns unter Sein Kreuz, wo wir ein Kreuz tragen, und spricht: Leg ab. ER schenkt uns Vergebung, wo wir bereit sind, uns beschenken zu lassen. ER ist ein guter Vater, eine gute Mutter.

4.2 Auf gute Weide will ICH sie führen (14). Mit diesen Worten wird die zweite Eigenart des Hirten genannt.
Und wieder hatte damals dieses Wort konkrete Wirkung. Die Zukunft ist nicht grau. Wir packen an. Auf uns wartet die grüne Weide. Und wenn wir jetzt nur Steine finden, dann räumen wir sie weg, bis alles blüht. Mit dieser Hoffnung lebt bis heute Gottes Volk.
Doch es ist wieder mehr.

Wie viele Menschen trauen Gott nichts Gutes zu. Dabei will ER auf gute Weide führen. Der Plan des guten Hirten ist Erlösung, nicht Ausbeutung, Zerstörung oder Angst.
Wo wir in Zweifeln stecken, da ist die Güte Gottes da. Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Sich täglich neu in der Barmherzigkeit des Herrn im Herzen aufladen, das ist der Weg der Hoffnung unseres guten Hirten.

4.3 Das Dritte ist das Schönste. Der Hirte schenkt Seine Ruhe. Das ist nicht Stillstand, Tod und Sterben. Das ist zu Hause sein, beim Ziel des Lebens ankommen.
Die verlorengegangenen Tiere will ICH suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten (16). Jeder kommt bei IHM vor, jeder erhält das, was er braucht, jeder ist IHM wichtig. ER weiß, was ich brauche. ER gibt es. So ist der Hirte Jesus. So ist ER. Jeden führt ER zur Fülle. Kein Ort ohne IHN. Und wo ER ist ist Fülle.


5.1 Kann ich so einen Hirten haben? Kann das ein Mensch für mich erfüllen? Ihr seid Meine Schafe, ihr seid die Herde Meiner Weide (31). Das sagt der Prophet vom guten Hirten. Als Christen wissen wir, dass das der Herr erfüllt. Der Auferstandene erfüllt bis heute seinen Hirtendienst. IHM gehören wir. Zu IHM ist jeder unmittelbar.

5.2 Seit ER der Hirte ist, können die Hirten dieser Erde nur Wegweiser zu diesem Hirten sein.
Und selig ist, wer dem folgt und dabei selbst den wahren Hirten findet. So folgen wir dem Herrn und suchen IHN in allem. Das hilft beim Umgang mit allen irdischen Hirten.



Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)