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zum Sonntag Cantate
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 24. April 2005,
Cantate

Singt dem Herrn

14 Im Tempel kamen Lahme und Blinde zu ihm, und er heilte sie. 15 Als nun die Hohenpriester und die Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder im Tempel rufen hörten: Hosianna dem Sohn Davids!, da wurden sie ärgerlich 16 und sagten zu ihm: Hörst du, was sie rufen? Jesus antwortete ihnen: Ja, ich höre es. Habt ihr nie gelesen: Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob? 17 Und er ließ sie stehen und ging aus der Stadt hinaus nach Betanien; dort übernachtete er.

Matthäus 21, 1-17

Liebe Gemeinde!

1.1 Cantate heißt singt. Und gemeint ist nicht ein Ständchen - es mag gut tun, wenn uns das gesungen wird - , nicht eine Oper - die mag schön sein, wenn wir sie hören - , sondern ein Lied für den Herrn. Singt dem Herrn.

1.2 Fast nichts ist in der Bibel so häufig genannt wie die Aufforderung zum Singen. Im Alten Testament heißt das Lob Gottes Halleluja - Lobe den Herrn - oder Hosianna - Gelobt sei der Herr. Und dieses Lob Gottes wird im Neuen Testament fortgeführt. Wer das zählen will findet Hunderte Bibelstellen.
Christen waren immer ein singendes Volk.

1.3 Denken Sie an die ersten Verfolgungen der Christen. In den Katakomben musste man Schweigen, um nicht belauscht zu werden. Doch als die ersten Märtyrer verhaftet wurden und in die Arena einzogen, um den Löwen vorgeworfen zu werden, da haben sie gesungen. Das machte sie bekannt. Sie gingen singend in den Tod. Und man stellte besonders fest, dass es keine Angst wäre. Voll Freude hätten sie gesungen.

1.4 Kenne Sie das? Das Quempas Singen in der Adventszeit an besonderen Orten des Dorfes. Oder das Ostersingen am Ostermorgen auf dem Friedhof. Die frohe Botschaft kommt durch ein frohes Medium, das Lied.

1.5 Wenn es klappt ist auch im Zeitalter der MP3 Player das Singen noch schön.
Viele Jugendliche wissen gar nicht wie das geht, singen. Es ist wirklich nötig zu erklären: Für das Singen musst Du Deinen Mund aufmachen und die Stimme von Dir herauslassen. Und Du lässt heraus, was in Deinem Herzen ist. Und schön ist nicht perfekt. Mache keinen Vergleich mit einer CD, sondern schön ist, was von Dir kommt, was Du in Dir hast, was Du singst, egal wie es klingt. Manchmal macht das Mut.

1.6 Warum ist Singen so schwer? Oder warum fällt es uns oft so schwer?
Singen ist gefährlich nah an unserem Inneren, viel näher als unsere Gedanken. Es wundert daher nicht, dass oft die Tränen fließen, wenn ich am Krankenbett ein vertrautes Lied singe. Lieder gehen unter die Haut, tiefer als Gedanken, hinter unseren Alltag mit seinen Sicherheiten. Lieder öffnen. Lieder sitzen tief.

1.7 Ist Ihnen das hier in Spanien schon aufgefallen. Viele katholische Kirchen hier haben keine Orgel. Warum? Es gibt nicht wie in Deutschland den evangelischen Choral. Das Evangelium ist in der Reformationszeit nicht nur durch den Buchdruck verbreitet worden. Das sicherlich auch. Die Reformation ist durch die Strassen gesungen worden mit den vielen Glaubensliedern. Und wahrscheinlich hat es dadurch mehr Menschen erreicht als alle Bücher. Gedanken hängen nach, Lieder gehen mit.

1.8 Singet dem Herrn. Das ist auch die Botschaft für uns heute. Schauen wir in unseren Bibeltext nach einer der Quellen dieses Wortes Cantate! Singet!


2.1 Jesus befindet sich im Tempel. Hier ist der Ort der Anbetung Gottes. Von weit und nah kommt man zusammen. Nur hier ist Gott wirklich gegenwärtig. Die Gott anbeten müssen Ihn nicht im Geist und in der Wahrheit, sondern hier anbeten.
Es muss ein gewaltiger Betrieb gewesen sein. Natürlich gab es neben der großen Schar der Priester auch die Sängerchöre, die die Psalmen anstimmten. Morgens und Abends fand der tägliche Gottesdienst statt. Und den Tag über endete nicht das zusätzliche Opferritual mit den weiteren Gebeten und Gesängen.

2.2 Stellen Sie sich vor was dann passiert. Mitten in dem ganzen Betrieb tönen plötzlich andere Stimmen. Können die sich denn nicht an den Tackt halten. Was platzen die dazwischen. Und nicht nur das. Sondern nach dem bekannten Hosianna hört man noch ganz andere Worte: Hosianna dem Sohn Davids. Das war der Messiasruf. Der war dem größten Augenblick in der Geschichte vorbehalten, dem Augenblick, wenn alles seine Erfüllung findet und der Messias kommt.
Und dann sah man Ihn. Jesus stand mitten in dem Trubel. Um Ihn und für Ihn erschallen diese Lieder: Hosianna dem Sohn Davids.

2.3 Es ist schon ausgesprochen höflich, wenn die Verantwortlichen in einem solchen Augenblick nur ärgerlich nachfragen, ob Er denn nicht höre, was die Menschen einschließlich aller Kinder singen. Ich hätte mir auch andere Reaktionen denken können. Stellen Sie sich vor, hier würden während einer Lesung oder des Gebets ein paar Bankreihen da hinten anfangen, eigene Lieder zu singen. Ich wüsste nicht wie mancher reagiert. Lieder, die stören.


3.1 Wir müssen sehen, warum die Menschen plötzlich jede Ordnung kippen und außerhalb der Reihe singen.
Sie waren Gottes Heil begegnet. Jesus war da und mit Ihm Gottes Herrschaft. Krankheit geh! Und sie ging. Sünde weiche. Und sie verschwand.
Das alles geschah mitten im Tempel. Gibt es denn Schöneres wenn Kirche plötzlich Gottes Heimat wird.

3.2 Wir müssen stets damit rechnen, dass Gottes Gegenwart unsere kirchliche Ordnung stört. Und auch unsere eigene Ordnung. Der Segen floss nicht erst, als er nach der Reihenfolge dran war. Die Gegenwart Gottes kam nicht nur im Opfer, sondern auch schon nebenbei.
Gott ist so frei, unsere Ordnungen zu gebrauchen und manchmal auch das, was außerhalb von ihnen liegt. So war es hier. Für Ordnungshüter wahrlich nicht ganz einfach. Doch Gott, ER zeigte sich in Jesus, nicht in der Ordnung.

3.3 Es ist so tragisch hier zu sehen, wodurch viele nicht zum Singen kamen. Die einen taten es, die anderen blieben stumm. Warum? Sie konnten sich nicht anstecken lassen, weil sie in Jesus Gottes Gegenwart nicht sehen konnten. Die Quelle blieb verschlossen. Das Herz war zu. Der Mund fand nicht zum Lied.

3.4 Doch andere sangen. Hosianna. Das war bestimmt nicht gut im Takt, vielleicht auch schräg. Doch es geschah aus vollem Herzen. Ich habe für mich Heil erfahren, Gott ist da. Lobe den Herrn.


4.1 Vielleicht stören Loblieder Gottes immer. Wenn sie das auch nicht äußerlich tun - schließlich singen wir hier ja nicht alle durcheinander - so stellen sie doch immer Gottes Größe in die Mitte. Und dieses stört.

4.2 In unserem eigenen Herzen sind so viele Dinge quer. Das Loblied rückt die Mitte wieder fest ins Zentrum. Du Herr bist alles.
In unseren Wohnungen ist so viel neben Gott. Wenn dort das Lob von Gott gesungen wird verändert sich der Raum. Der Herr rückt in die Mitte.
Wenn wir im Kreis von Menschen Gottes Lob anstimmen, dann ist ER groß. Das stört die ganzen anderen Sachen, die sich als Großes in die Mitte schieben.

4.3 Singen schafft Raum für Gott. Es stört die Dinge, die Gott klein machen. Es macht IHN groß. Das ist wohl das Geheimnis.


5.1 Ob wir uns heute davon anstecken lassen und unser Leben ein Stück Lied wird, Loblied für den Herrn. Wir sind ja so vieles, haben oft so vieles. Und dieser ganze Reichtum ist doch nicht die Quelle. Die Quelle ist der Herr und Seine Liebe. Wo sie in mir sprudelt da beginnt das Lob. Loben wir IHN.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)