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zum Sonntag Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 22. Mai 2005,
Trinitatis

Trinitatis

1 Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. 2 Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße, und mit zwei flogen sie. 3 Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. 4 Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf, und der Tempel füllte sich mit Rauch. 5 Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen. 6 Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. 7 Er berührte damit meinen Mund und sagte: Das hier hat deine Lippen berührt: Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt. 8 Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!

Jesaja 6, 1-13 i.A.

Liebe Gemeinde!

1.1 Was fällt mir ein, wenn ich mich auf Gott besinne? Zugegeben, die Frage ist ein wenig ungewöhnlich aber bestimmt hoch interessant.
Denken Sie an die Kinderzeit, in der die Mutter oder die Oma Ihnen ein Lied vorgesungen hat, vielleicht zur Gute Nacht oder zum Abendgebet? Gott die Brücke in den Schlaf?
Denken Sie an die Verbote Ihres Gewissens? Stop. Halt. Das nicht. Gott der Wächter und Schutzmann?
Denken Sie an Zeiten, in denen Sie Abstand von der Kirche hielten, doch die Verbindung zum Glauben bewahrten. Im zarten Zwiegespräch ihres Herzens war Gott ein erahntes Gegenüber?
Denken Sie an Momente erfüllten Glaubens: Bei der Taufe, zu Weihnachten, bei einer Beerdigung. Da war Gott da als Trost.

1.2 Was immer Sie an Erfahrungen gesammelt haben mit Ihrem Gottesbild, es zeichnet sich durch Eines aus. Es stützt Ihr Vertrauen. Das lässt sich sogar umkehren. Was mein Vertrauen stützt, das ist zumindest ein Teil meines Gottesbildes.
Habe ich in mir nur schwache Bilder eines fernen Gottes, dann kann ein Sturzbach des Schicksals die Straße meines Lebens einreißen. Wir wissen hier in Spanien welche Verheerungen das anrichtet, wenn das äußerlich geschieht. Innerlich verlaufen solche Katastrophen nicht weniger schlimm.
Ist mir Gott vertraut wie ein liebender Vater mit großer innerer Präsenz, dann vermag ich vielem in Geduld stand zu halten. Dann ist das Haus meines Lebens auf festem Grund verankert trotz Sturm, der um mich tobt.

1.3 Wir sind alt und lebenserfahren genug um zu wissen, was ein tragfähiges Gottesbild für jeden von uns wert ist. Jesaja bietet uns ein Gottesbild an, das trägt. In unserem heutigen Bibeltext ist es festgehalten.

1.4 Und Gott sei Dank sind Gottesbilder nicht angeboren, nicht Schicksalswege oder mit meiner Kindheit abgeschlossen. In jedem Augenblick kann ich neu schauen und erkennen, was ein anderer mir zeigt. Das einzige, was nötig ist: Mein Herz muss es selbst aufnehmen. Sonst bleibt der größte Reichtum auch des Gottesbildes nur Schatz des anderen. Schauen wir hin, was einst Jesaja sah.


2.1 Nicht jedem ist der Einblick in die unsichtbare Welt gewährt. Und auch Jesaja sieht, was ihm gezeigt wird, nicht an jedem Tag. (1) Im Todesjahr des Königs Usija ... . Ein einmaliges Geschehen auch für ihn.

2.2 Was sieht er? Es sind zunächst drei Dinge: Den Thron, den Saum und die Seraphimen. Und weil diese Dinge in der Regel nicht zu unseren angelernten Gottesbild gehören, wollen wir sie betrachten.


3.1 Der Thron ist ein Zeichen für Gottes Herrschaft. Wo er ist begegnet mir letzte Autorität.

3.2 Vertrauen kann ich. Nichts geschieht in meinem Leben, was nicht am Thron Gottes vorbeigeht. Stop sagt ER, wenn es Seinem Plan nicht entspricht. Weiter sagt ER, wenn es in Seiner Liebe mit mir einen Platz hat.

3.3 Hoffen kann ich. Am Ende stehe ich vor keinem kümmerlichen oder reichen Memoirenband einer Erinnerung an mein Leben. Am Ende stehe ich vor dem Thron Gottes. Sein Ja oder Sein Nein hat Bestand. Das kann schon jetzt mein Leben prägen. Ich stehe unter höherem Befehl. Wer vor dem Thron Gottes kniet, der braucht vor nichts anderem mehr in die Knie gehen, vor keinem Mensch, vor keinem Umstand.

3.4 Der Thron Gottes als Zeichen Seiner Autorität fordert von meinem Glauben eine Antwort. Sie werden das selbst merken, wenn Sie sich in Ihrem Herzen dahin begeben. Die Antwort ist: Ja oder Nein. Gehorsam oder nicht gehorsam. Das ist so bei Autoritäten. Wer mit dem Ja, Du Herr!, vom Thron Gottes weggeht, den trägt eine große Stärke. Der erste Segen des Gottesbildes von Jesaja.


4.1 Der Saum. Wir kennen dieses Bild vom Königsmantel oder Brautgewand. Es füllt den Weg, es breitet Wirkung aus, es ist das Zeichen der Erfüllung. Was bedeutet, den Saum von Gottes Mantel zu berühren?

4.2 Zwischen Andacht und Andacht gibt es ja einen Unterschied. Das eine: Ich sammele mich. Ich bin bereit zur inneren Stille. Ich richte mein Herz auf Gott auf. Ich lausche. Das ist gut. Ich werde ruhig und finde vielleicht neue Kräfte, vielleicht aber auch neue Probleme.

4.3 Das andere: Ich werde vom Saum des Herrn berührt. Frieden dringt in mich ein. Ich werde neu. Ich spüre die Berührung auf aller tiefsten Niveau. Die Gegenwart des Herrn ist ganz gewiss. Ich sage: Du bist da. Der Saum des Herrn, die Fülle Seiner Gegenwart ist jetzt da, und sie erfüllt auch mich.

4.4 Wer diesen Teil des Gottesbildes von Jesaja kennt, der weiß, was unser Glaube tut, wenn er von Gottes Saum berührt wird. Ja sagen zum Heiligen Geist. Ja sagen, dass der Geist Gottes unserem Geist sagt, dass wir Gottes Kinder sind.
Jeden Tag eine Berührung vom Saum des Herrn. Das ist ein guter Grundsatz für lebendigen Glauben. Der zweite Segen des Gottesbildes von Jesaja. Er erfüllt unser Herz.


5.1 Das dritte: Die Seraphim. Es sind die guten Geister Gottes, die vor Gott stehen.
Wir haben gelegentlich in den Predigten das Thema der Engel berührt. Wir wissen, dass sie in unserer Zeit wachsender religiöser Bedürfnisse wieder an Bedeutung gewinnen. Ich will heute nur aufgreifen, worauf unser Wort hinweist.

5.2 Besonders erwähnt werden Kopf, Füße und Flügel. Dies ist kein Zufall. Es hätten ja auch völlig andere Sachen der großartigen Gestalten genannt sein können. Weil Engel für uns sorgen, wird mit diesen Hinweisen genannt, wofür Gott bei uns Sorge trägt.

5.3 Der Kopf der Engel weist auf die Seelsorge hin, die unserem Herrn wichtig ist. Der Glaube unseres Herzens soll in klaren Gedanken, mit reinem Willen, in geordneten Empfindungen und mit deutlicher Gestaltungskraft in uns wohnen. Das hat Christus, das Haupt der Kirche, in Seinem Leib bewirkt. Und das soll auch in unserem Leben ein Abbild finden. Wissen wir, dass Engel für uns sorgen? Wissen wir, dass ihnen unser Glaube wichtig ist, wie wir ihn leben, ihn gestalten?

5.4 Die Engel haben Füße. Wie gut. Sie können laufen, eilen, rennen. Ich glaube, manchmal sind Engelsfüße auf der N 340 nötig, wenn wieder ein spanisches Verkehrs Chaos abläuft, wo man am Ende fragt, warum nicht mehr passiert ist. Engelsfüße. Sie laufen weit zu unserer Hilfe. Die Füße sind himmlische Hilfe.

5.5 Die Engel besitzen Flügel. Nichts ist bekannter als das. Doch was bedeutet es?
Die Flügel sind das Zeichen der Verbindung. Durch sie kommt, dass Generationen übersprungen werden, Kulturen keine Barriere mehr sind, Konfessionen nicht mehr trennen, wenn Gottes Geist in Herzen lebt. Dann kriegt der Glaube Flügel. Dann wird die Gotteskindschaft groß. Dann wächst die Einheit nicht auf dem Papier, sondern im Leben, von innen her. Die Flügel sind das Zeichen für göttliche Einheit, Einheit, die der Herr schenkt. Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude ... . In diesem alten Abendlied ist dies Geheimnis festgehalten, wo wahre Ruhe ist.

5.6 Ein reiches Gottesbild der Seraphim. Ein Glaube, der das annimmt, sagt Ja zu Gottes Dienern. Der dritte Segen. Wichtig: Der Herr sendet seine Engel aus. Ich denke, sie hören auf Seine Stimme. Deswegen gehören unsere Gebete dem Herrn und nicht den Engeln.


6.1 Was wir mit diesem Gottesbildern machen, das ist die Frage. Sie bleiben tote Bilder ohne Licht, wenn wir vorübergehen. Doch wenn sie uns berühren, wie spüren wie stark sie sind und was sie tragen, dann ist es wichtig, inne zu halten. Dann gilt: Innerlich anschauen und - wenn sie leben - aufnehmen. Den Rest macht dann der Herr. ER lebt.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)