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zum Sonntag Trinitatis
von PrädikantInnen
Margrit Stiftel und Jürgen Neusinger,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
PrädikantInnen
Margrit Stiftel und Jürgen Neusinger)

Gottesdienst am 29. Mai 2005,
1. Sonntag nach Trinitatis

Dialogpredigt: Maria Magdalena und Simon Petrus

Vorstellung des Petrus: (Matthäus 16, 13-20)

Friede sei mit Euch! Mein ursprünglicher Name ist Simon, später erhielt ich den Beinamen PETRUS, das ist griechisch oder KEFAS, das ist aramäisch und heißt in beiden Sprachen FELS.
Geboren und aufgewachsen bin ich in Galiläa, und mit meinem Bruder Andreas ging ich in Betsaida dem Gewerbe des Fischfangs nach, im See Genezareth. Fische waren ein Grundnahrungsmittel, und wir waren in unserem Gewerbe angesehen und wohl auch erfolgreich, denn wir hatten es zu Wohlstand gebracht.
Als aber eines Tages Jesus vorbeikam und uns beim Fischfang sah, und zu uns sagte: "Folgt mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen", da verließen wir unsere Netze, Haus und alles, was wir besaßen, um aus unserem Beruf unsere Berufung zu machen. Was uns veranlasst hat? Ich weiß es nicht. Es liegt sicher in dem Wort B e r u f u n g !
Was war geschehen? An diesem Tag waren wir nicht erfolgreich gewesen. Wir kehrten ohne Fang gegen Abend zurück. Jesus predigte am Ufer und als die Menge immer zahlreicher wurde, stieg er zu uns ins Boot, um von dort aus besser zu den Menschen sprechen zu können.
Dann befahl er uns, erneut auf den See hinaus zu fahren und unsere Netze an der tiefsten Stelle auszuwerfen. Und - entgegen aller unserer Berufserfahrung, an einer tiefen Stelle gegen Abend erfolgreiche Fische fangen zu können - trauten wir unseren Augen nicht, denn es war der beste Fischfang aller Zeiten. Unsere Netze waren so zum Zerreißen gefüllt, dass wir den Fang nicht ins Boot holen konnten. Er musste von Land aus geborgen werden.
Ich war gedemütigt und schämte mich gleichzeitig meiner Kleingläubigkeit, als Jesus mich mit den Worten aufrichtete: "Von jetzt ab sollst Du KEFAS - der Fels heißen und mir nachfolgen, denn auf diesem Fels will ich meine Kirche errichten."

Vorstellung Maria Magdalena: (Lukas 8, 1 - 3)

Friede sei mit Euch! Ich heiße Maria. Maria war ein Allerweltsname zur Zeit meines irdischen Lebens. Fast jede dritte Frau trug diesen Namen. Ich komme aus Magdala, einer Stadt in Galiläa am See Genezareth. Deshalb nennt man mich Maria aus Magdala oder Maria Magdalena. Nun erinnern Sie sich sicherlich, wer ich bin. Viele Menschen halten mich für eine große Sünderin, sogar für eine Prostituierte.
Alle diese Dinge stimmen nicht. Ich bin eine Frau, die nicht von einem Vater, Bruder oder Mann abhängig war. Deshalb nennt mich auch niemand Tochter von.. oder Frau von.... Ich selbst bin nicht ganz unvermögend. In meiner Stadt gab es zu meiner Zeit, also vor 2000 Jahren eine blühende Fischindustrie. Es gab große Fischpökeleien und auch Garum, die Würzsoße der Römer, wurde hergestellt. Ich kann also unabhängig leben. Das habe ich auch getan bis, ja bis ich sehr krank wurde. Fragen Sie mich nicht, welche Krankheit das war. Ich weiß es nicht. Ich war nicht mehr ich selbst, schrie die Menschen an, konnte meinen Geschäften nicht mehr nachgehen und an manchen Tagen verkroch ich mich in einer dunklen Ecke. Niemand konnte mir helfen. Wahrscheinlich hätte ich durch diese Krankheit ganz schnell mein Vermögen verloren, weil ich es nicht mehr selbst verwalten konnte. Da hörte ich von durchziehenden Händlern, dass in der Nähe ein Wanderprediger mit Namen Jesus, der Sohn eines Zimmermannes, herumzog, der Menschen von bösen Krankheiten heilte und die Botschaft vom Reich Gottes verkündete. In einem meiner lichten Augenblicke beschloss ich ihn zu suchen. Er war meine letzte Hoffnung. So machte ich mich auf den Weg, suchte und fand ihn in einem der kleinen Dörfer in der Nähe. Er war von einer großen Menschenmenge umgeben, so dass ich ihn nicht genau sehen konnte. Ich konnte mich zu ihm durchdrängen. Was war das für ein Mensch! Welche klaren Augen hatte er. Wie mitfühlend sah er die Menschen an! Er blickte auf mich.... und wenige Augenblicke später ging es mir gut. Man sagte mir, dass sieben böse Geister aus mir herausgefahren seien. An mir zeigte Jesus den umfassenden Heilswillen Gottes, an dem alle satanischen Mächte scheitern. Von dieser Stunde an habe ich Jesus nicht mehr verlassen. Ich begleitete ihn mit anderen Frauen auf seinem Weg nach Jerusalem. Auf diesem Weg lernte ich die 12 Männer, die immer um Jesus waren, kennen. Ihr Sprecher war Simon, den man auch Petrus nannte, ein Fischer, der sich Ihnen ja schon vorgestellt hat. Wir beide zusammen möchten ich Ihnen heute vom Leben, Sterben und der Auferstehung unseres Herrn Jesus erzählen, obwohl wir auf dem langen Weg nach Jerusalem nicht immer einer Meinung waren und Du, Petrus, vielleicht heute noch nicht ganz überzeugt bist, dass auch Frauen in der Öffentlichkeit reden dürfen. (Marienevangelium)


Petrus:

Ja, liebe Maria, sicher war Jesus der Erste, der Euch Frauen so behandelte wie uns Männer, nur wir haben es nicht so aufgefasst und selbst danach gehandelt. Er predigte zu uns Menschen und vollbrachte seine Wunder an uns allen. Nur in der Öffentlichkeit wurdet Ihr nicht akzeptiert wie die Männer und fandet auch nicht die entsprechende Würdigung und Erwähnung.
Wo waren denn die Frauen als ich Kleingläubiger es dem Herrn nachtun wollte und auf dem See wie er wandeln wollte? Nur wir Zwölf waren da und erschraken als wir ihn auf dem Wasser gehen sahen. Und als er sagte: "Seid getrost, ich bin es; fürchtet euch nicht", da fasste ich mir als einziger ein Herz und sagte: "Herr, bist Du es, so befiehl mir, zu Dir zu kommen auf dem Wasser."
Und ich tat es, die anderen unternahmen nicht einmal den Versuch. Als ich dann aber den Sturm spürte und die hohen Wellen sah, verließ mich der Mut und ich begann zu sinken und musste den Herrn um Hilfe bitten. Jesus streckte seine Hand aus und half mir Kleingläubigen erneut mit den Worten: "Warum hast Du gezweifelt?" Dann traten wir in das Boot und alsbald legte sich der Wind und die im Boot waren, fielen vor ihm nieder, und riefen: "Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!"
Diese Erlebnisse haben uns geprägt und haben unseren Glauben an ihn und das Reich Gottes gefestigt. Aber wo ward Ihr in solchen Momenten, um darüber Zeugnis ablegen zu können?


Maria Magdalena:

Lieber Petrus, es stimmt, dass Frauen in unserer Zeit nicht in der Öffentlichkeit vorhanden waren. Es stimmt, dass man mit ihnen nicht sprach. Jesus hat mit dieser Sitte gebrochen. Er sprach mit der Frau am Jakobsbrunnen (Johannes 4, 1 - 26). Ich war Jesus sehr nahe. Viele Leute denken heute, dass ich seine Frau gewesen sei. Das stimmt aber nicht. Gewiss liebte ich ihn sehr, vielleicht mehr als alle anderen in seiner Begleitung. Er behandelte mich wie ein großer Bruder. Da ich mit anderen Frauen für sein leibliches Wohl sorgte, seine Wäsche wusch, ihm sein Essen vorsetzte und mich darum kümmerte, dass er sich nicht überanstrengte, war ich oft in seiner Nähe. Er redete viel mit mir. Ich glaube, dass ich verstand, was er den Menschen sagen wollte. Jedes Wort von ihm habe ich behalten. Das gefiel Dir, Petrus, nicht so ganz. Du wolltest immer unserem Herrn am nächsten sein, die anderen Jünger übrigens auch. Trotzdem waren wir alle eine große Familie, die zusammen wanderte, zusammen aß und zusammen lebte. Auch Du, Petrus, warst voller Glauben an das Reich Gottes. (Evangelium der Maria)


Petrus:

Ja, natürlich haben wir das erlebt, und vielleicht waren wir auch ein wenig neidisch und eifersüchtig auf Euch. Wir waren es einfach noch nicht gewohnt, dass Frauen so behandelt wurden und auch behandelt werden konnten.
Wir alle wollten derjenige sein, der dem Herrn am nächsten stand. Und trotzdem hat ihn einer von uns verraten und ich habe ihn dreimal verleugnet ehe der Hahn am Morgen krähte, ganz wie er es mir vorausgesagt hatte. Rein gefühlsmäßig schäme ich mich dafür und mich tröstet nur die Gewissheit, dass der Herr mir verziehen hat.
Verstandesmäßig konnte ich nicht anders handeln, wie hätte ich sonst seinen Auftrag der Nachfolge erfüllen können? Andererseits hätte ich durch die vielen Erlebnisse mit ihm wissen müssen, dass er mich auch unter der Bekennung und den damit verbundenen Gefahren gerettet hätte. Wieder einmal bin ich Opfer meiner Kleingläubigkeit geworden, und ich bin nicht stolz darauf.


Maria Magdalena: (Markus 15, 40 f; Matthäus 27, 55)

Ja, das war eine schlimme Zeit in Jerusalem vor dem Passahfest. Was taten sie unserem Herrn aus Angst vor Machtverlust an. Alle hatten wir Angst und versteckten uns zunächst. Da warst Du, Petrus, noch der Tapferste, wenn Du auch geleugnet hast, unseren Herrn zu kennen. Jeder, der einem Verurteilten half oder zeigte, dass er zu ihm gehörte, wurde selbst gefangen genommen. Deshalb die große Angst der Anhänger unseres Herrn, nicht nur die 12 waren in Gefahr, wir alle waren gefährdet. Von weitem folgte ich mit anderen Frauen dem Zug über die Via Dolorosa bis nach Golgatha. Vor lauter Tränen konnte ich nicht alles sehen. Unser Herr ertrug Schmerz und Leid, bis er endlich davon erlöst wurde. Selbst der römische Hauptmann, der beim Kreuz stand, glaubte nun an seine Botschaft.
(Matthäus 27, 61 u. Lukas 23, 55)Ich sah dann wie ein Ratsherr mit Namen Josef, er kam aus Arimathäa, den Leichnam Jesu abnahm, in ein Leinentuch wickelte, und in ein neues Felsengrab in einem Garten in der Nähe legte. Er hatte sich dafür eine Ausnahmegenehmigung vom römischen Statthalter Pilatus besorgt, wie ich später erfuhr. Da das Passahfest begann, konnten wir Frauen den Leichnam nicht für die ewige Ruhe herrichten. Wir mussten bis nach dem Fest warten.


Petrus:

Ja Maria, und wir kehrten in die Stadt, nach Jerusalem zurück von dem Berg, der da Ölberg heißt, von dem aus wir alles, vor allem die Kreuzigung beobachtet hatten, und wir stiegen hinauf in das Obergeschoss des Hauses, wo wir uns aufzuhalten pflegten. Wie immer waren wir zwölf Apostel beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.


Maria Magdalena: (Johannes 20, 1 - 10)

Morgens ganz früh am ersten Tag der Woche ging ich zum Grab. Der schwere Stein, der davor gerollt worden war, lag nicht mehr vor dem Eingang. Ich rannte zu dem Haus zurück, in dem die 12 und alle anderen waren, und rief: "Sie haben unseren Herrn gestohlen aus dem Grab. Wir wissen nun nicht, wo er ist."

Petrus:

Ja Maria, ich erinnere mich genau, wie Du erschrocken zu uns kamst und uns berichtet hast, und wie wir uns beeilten, um zum Grab zu gelangen. Zunächst waren wir genauso erschrocken wie Du, das Grab war leer, dann sahen wir die Leichentücher und das Schweißtuch, das Jesus um das Haupt gebunden war. Es lag nicht bei den Leichentüchern, sondern daneben, zusammengewickelt, an einem besonderen Ort.
Vor mir war noch ein anderer Jünger beim Grab angelangt, der sich aber zunächst nicht hineintraute. Jetzt folgte er mir, sah und glaubte, denn noch verstanden wir nicht die Schrift, dass er von den Toten auferstehen müsste, und wir gingen wieder heim.
Aber, Maria, sag Du mir, was weiter geschah!


Maria Magdalena: (Johannes 20, 11 - 18)

Ich ging zurück zum Grab. Es war so unwahrscheinlich schlimm für mich, dass ich überhaupt nicht aufhören konnte zu weinen. Unwillkürlich schaute ich in das Grab hinein. Da sah ich zwei Engel dort sitzen. Sie fragten mich: "Frau, warum weinst Du?" Ich antwortete: "Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben". In dem Augenblick hatte ich das Gefühl, dass jemand hinter mir stand. Ich drehte mich um und sah einen Mann dort stehen. Ich glaubte, dass es der Gärtner sei und flehte ihn an: "Hast Du meinen Herrn weggetragen? Sage mir, wo er ist, damit ich ihn holen kann." Der Mann sah mich an und sagte: "Maria", nicht mehr. Da wusste ich, wer dieser Mann war. Ich rief: "Rabbuni - Meister!" und wollte auf ihn zugehen. Er sagte: "Rühr mich nicht an! Ich bin noch nicht zu meinem Vater aufgefahren. Gehe aber zu meinen Brüdern (vielleicht hat er auch gesagt und zu meinen Schwestern) und sage ihnen: ‚Ich fahre auf zu meinem Vater und zu Eurem Vater, zu meinem Gott und zu Eurem Gott.'" Er sagte weiterhin zu mir, dass er seine Brüder in Galiläa treffen würde (Matthäus 28, 7; Markus 16, 7). Da lief ich wieder zu dem Haus, in dem alle versammelt waren und berichtete ihnen, was ich erlebt hatte. Ich war nun nicht mehr traurig. Er, unser Herr lebte, und das durfte ich als Erste verkündigen. Ich werde darüber reden, solange ich lebe. Deshalb stehe ich heute als Apostola Apostolorum (Gesandte der Apostel) vor Euch und sage Euch: "Jesus Christus lebt. Ich bin die Einzige, die Leben, Tod und Auferstehung kontinuierlich miterlebt hat. Ich habe vom Herrn als Erste den Auftrag zur Verkündigung der Osterbotschaft erhalten. Deshalb gehöre ich auch zu den Gesandten des Herrn".


Petrus:

Aber, Maria, Du musst die Situation verstehen; wie konnten wir davon ausgehen, dass der Herr Euch als Frauen in Eurer gesellschaftlichen Stellung dazu auserkoren hatte, die frohe Botschaft seiner Auferstehung zu verkündigen? Wer sollte Euch denn glauben?
Erst als uns der Herr erschien und sich offenbarte und uns schalt wegen unseres Unglaubens und der Härte unserer Herzen denen gegenüber, die ihn als Auferstandenen gesehen hatten, waren wir sicher und überzeugt.
Und nun handelten wir in seinem Auftrag, denn er sprach zu uns: "Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt sein."
Damit will ich nicht aberkennen, dass auch Du im Auftrag des Herrn handelst, aber nur die Zukunft wird zeigen, ob Du dabei die dafür notwendige Aufmerksamkeit und Anerkennung finden wirst.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)