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zum zweiten Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 5. Juni 2005,
2. Sonntag nach Trinitatis

Das Ziel der Kirche, die Hochzeit

1 Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: 2 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. 3 Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. 4 Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! 5 Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, 6 wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. 7 Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. 8 Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert (eingeladen zu werden). 9 Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. 10 Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. 11 Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte. 12 Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen. 13 Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. 14 Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.

Matthäus 22, 1-14

Liebe Gemeinde!

1.1 Sehr häufig wird das Kommen der Herrschaft Gottes in der Bibel mit einer Hochzeit verglichen. Jesus der Bräutigam heiratet die Kirche, Seine Braut.
Warum das Bild der Hochzeit? Nun, heiraten ist schön, so schön, dass es als Bild für die Vollendung, das Ziel der Kirche gilt. Das Schöne liegt darin, dass etwas, was nicht zusammenpasst - Mann und Frau - doch eine Einheit werden. Für dieses Wunder steht die Hochzeit.

1.2 Es wundert nicht, dass die Bibel dieses Bild für die Verbindung zwischen Gott und Mensch, zwischen Jesus und der Kirche wählt. Wie unterschiedlich sind doch beide Partner.


1.3 Es ist freilich auch oft gefragt worden, ob es überhaupt möglich ist, von einer Hochzeit beider zu sprechen. Können so ungleiche Partner je zusammenkommen? Passt das Bild der Hochzeit überhaupt angesichts so grundlegender Unterschiede?

1.4 Der Theologe und Philosoph Kierkegaard hat sich ausführlich in seinem Gedankenwerk mit dieser Frage beschäftigt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Menschwerdung Gottes in Jesus die Voraussetzung für die Einheit ist. Ohne den Menschen Jesus wäre das Bild der Hochzeit schräg. Gott und Mensch - sie werden an sich nie eins. Doch in Jesus kommt Gott uns Menschen nah. Das Ziel ist, dass ER Seine Braut zu sich nimmt.


1.5 Vor diesem Hintergrund gewinnt das Bild der Hochzeit an Klarheit. Wir können jetzt verstehen wie es dem Bräutigam Jesus geht.

1.6 In Liebe sucht ER Seine Kirche und wartet auf Ihr Echo. ER liebt sie doch. Wo hören wir das noch in unseren Kirchen?

1.7 Mit Schmerz spürt ER die Trennung, wenn Seine Kirche ohne IHN, den auferstandenen Jesus, lebt. Mit Schmerz nimmt ER zur Kenntnis, wo man mit Seinen Gedanken weiterarbeitet als gäbe es IHN heute nicht. Stellen Sie sich vor, Ihr Partner machte das und täte so als gäbe es Sie nicht. Er spräche so mit Ihnen als wären Sie schon lange tot. Das wäre nicht zum Aushalten.

1.8 Doch ebenso wird klar wie gut die Hochzeitsstimmung zu verstehen ist, die manche Christen prägt. Die Herzensfreude und das lichte Wesen, das Christen haben, die in der Gegenwart des Auferstandenen leben. Die Braut strahlt, wenn sie den Bräutigam erblickt und umgekehrt. Das ist die innere Freude eines Christen, der den Herrn liebt und IHN erfährt. Schon jetzt ist Seine Gegenwart hier Freude. Und diese Freude wird einmal vollendet. Das ist die Hochzeit.

1.9 Im Kreis der Kirchen hat sich so vieles aufgespalten, was doch zusammengehört: So rühmen sich die Charismatiker, die frohe Hochzeitsstimmung auszudrücken. Die Kerngemeinde der verfassten Kirchen rühmt sich, den Ehealltag mit dem Herrn tagtäglich durchzustehen. Und die ganz Ausgetretene nehmen für sich in Anspruch, das Singledasein ohne Gott zu schaffen, was auch zu den Erfahrungen des Lebens oft gehört.

1.10 Das alles können wir verstehen, wenn wir das Bild der Hochzeit als dem Ziel der Kirche in Jesu Wort begreifen.


2.1 In unserem Text nun geht Jesus auf einen weiteren Aspekt des Bildes von der Hochzeit ein. Und es scheint so als habe Matthäus in seinem Gleichnis gleich zwei Auslegungen Jesu zusammengebunden. Jesu Kernaussage: Die Teilnahme an der Hochzeit ist gefährdet. Du kannst out sprich Draußen sein, obwohl Du geladen bist. Und Du kannst out und Draußen sein, obwohl du dabei bist.
Das wollen wir uns näher anschauen. Zunächst: Draußen obwohl geladen.

2.2 Matthäus spricht hier die Gruppe der Alt-Eingesessenen an. Sie meinen, es sich leisten zu können, die königliche Einladung abzulehnen.

2.3 Das ist fremd: Wer will, der geht doch hin, macht mit, nimmt Teil am Fest, stellt Alltagsdinge hinten an. Es soll doch weiter gehen. Der Glaube ist doch hier noch nicht am Ende.

2.4 Doch diese Menschen wollen gar nicht weiter kommen. Sie haben mit sich selbst genug. Sie sind schon fertig.

2.5 Damals waren das die Juden. Sie hatten ihren Glauben wie es mit Gott ist. Fertig. Schluss. Was soll noch eine Hochzeit?

2.6 Und sicherlich ist heute diese Gruppe überall vertreten, in der Kirche, außerhalb der Kirche. Wir wissen schon. Wir sind damit schon fertig. Wir kennen diese Kirche. Wir haben unsere Meinung. Danke.
Aber auch innerhalb der Kirche. Wir waren auch in der Jugendarbeit damals und haben Lieder gesungen. Wir haben auch schon einmal einen Kurs gemacht. Wir haben damals auch im Kindergottesdienst geholfen. Wir wissen Bescheid. Danke.

2.7 Jeder, der nicht frisch im Glauben steht, sondern von alten Konten lebt, sich ständig alter Erfahrungen nur rühmt, der ist gemeint. Natürlich gilt das nicht für jeden Alt-Eingesessenen. Doch gerade die sind nach den Worten Jesu am meisten gefährdet.

2.8 Im Gleichnis wird sogar darauf hin gewiesen, dass einige von denen besonders aggressiv auf weitere Einladungen reagieren. Geht mir weg mit Eurem König. Sie sind bereit zum Kirchenkampf. Die Alten führen ihn, selten die Neuen.

2.9 Ihr Ende ist die Asche, sagt das Gleichnis. Die Zerstörung Jerusalems war gerade geschehen und den Hörern der Worte von Matthäus bildlich vor Augen. Die Stadt der alteingesessenen Gotteskinder lag in Schutt und Asche.


3.1 Die zweite Warnung. Sie geht an die Frisch-bekehrten und Geisteserfüllten, die oft Jungen im Glauben. Draußen obwohl dabei.

3.2 Sie nehmen ja nach ihrem Selbstverständnis an der Hochzeit teil. Sie kennen innere Freude, singen gerne Lieder für den Herrn, sie lieben das Abendmahl. Kurz: sie leben in der Gemeinschaft mit IHM.

3.3 Nach unserem Text droht ihnen eine andere Gefahr. Sie nehmen Teil an der Hochzeit aber sie bleiben die Alten. Sie führen kein Leben in Reinheit.
Das Alte kleidet sie auch wenn sie neue Gotteskinder sind: Oft ist es die Verachtung der Kirche. Wir sind die Besseren. Oft ist es das Empfinden: Gut ist nur, wenn ich versorgt werde. Ein frommer Egoismus ist die Folge. Und was hier angesprochen wird: Der Glaube wird nicht umgesetzt in Alltagshandeln. Nicht dass wir alle Sünder sind und schmutzige Kleider haben ist der Punkt. Es fehlt die Buße, sich davon loszusagen und sich im Namen Jesu ständig neu die Reinheit schenken zu lassen. Auch sie bleiben die Alten, obwohl sie sich neu geben.

3.4 Ihr Ende ist das Feuer, sagt Jesus. Es ist das Bild der Prüfung und der Reinigung. Verbrannt wird, was nicht Gold und Silber ist, Wahrheit und Liebe. Das fromme irdische Getue hat keinen Bestand bei der Hochzeit des Herrn.


4.1 So gibt uns Jesus durch Matthäus diese beiden Warnungen weiter, das Ziel der Kirche und des Glaubenslebens nicht zu verpassen. Am Fest der Einheit mit dem Herrn können wir teilnehmen. Jeder ist eingeladen. Das Ende muss nicht Asche, muss nicht Feuer sein. Doch dafür braucht es dieses innere Ja, dem Alten abzusagen und der ständigen Einladung unseres Herrn zu folgen.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)