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zum dritten Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 12. Juni 2005,
3. Sonntag nach Trinitatis

Gleichnisse vom Verlorenen

1 Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.
3 Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: 4 Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? 5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, 6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

8 Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? 9 Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. 10 Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Lukas 15, 1-10

Liebe Gemeinde!

1.1 Älter werden hat viele schöne Seiten. Alles Neue ist nicht mehr so neu, dass es Angst macht. Manche Fehler, fremde und auch eigene, führen nicht mehr gleich zum Zusammenbruch. Die Erfahrung birgt den großen Schatz in sich zu wissen: So schnell stirbt man nicht. Und manches im Leben lässt sich reparieren. Wichtig ist zu wollen und wichtig ist eine Hoffnung zu haben.

1.2 Natürlich zahlt man im Alter auch manchen Preis. Einer ist das Vergessen. Wissen Sie immer, wo Ihre Ersatzbrille liegt? In der Regel weiß man das nur, wenn sie dort liegt, wo sie immer liegt. Wissen Sie noch alle Pin Nummern Ihrer Sicherheitsanlage, des Kontos, des E-Mails, des Kofferschlosses? Wissen Sie überhaupt Ihre Autonummer auswendig?

1.3 Da fängt es an. Das Vergessen begleitet trotz Auffrischmedizin und Vitaminen alles Altern. Neben manchem Ärger über offen gelassene Fenster und Türen wird es dann kritisch, wichtige Sachen verloren gehen. Wo ist der Personalausweis? Wo ist der Schlüssel?

1.4 So mancher hat in diesem Fall schon angefangen, laut zu beten. Zum Heiligen Antonius: Bitte zeige mir wo mein Geld liegt. Zu Gott: Der Ort des Schlüssels ist Dir bekannt. Bitte zeige ihn auch mir. Und mancher hat die erstaunlichsten Gebetserhörungen erlebt als das Geld dann wirklich auftauchte und der Schlüssel plötzlich da lag. Die Freude ist groß, wenn das geschieht. Wer kennt das nicht.


2.1 In unserem Text heute wird dies Thema angesprochen. Doch geht es in dem Gleichnis anders als in unserem Alltag um einen Perspektivenwechsel. Nicht wir verlieren etwas und suchen dann nach den entsprechenden Kleinigkeiten. Im Gleichnis ist es andersherum. Gott selbst verliert etwas, etwas sehr Wichtiges. Was IHM verloren geht sind - wir.

2.2 Nun sagen Sie vielleicht: Wieso bin ich verloren? Ich bin wohl kein Cent Stück, noch bin ich ein verlorenes Schaf. Wenn, dann sind das eher die anderen. Ich fühle mich nicht so.

2.3 Natürlich könnte ich Ihnen Recht geben. Sie sind kein Schaf. Schon Ihr Widerspruch zeigt wie schlau Sie sind. Und obendrein sind Sie ein Goldstück, also viel mehr wert als ein Cent. Doch beim genauen Hinschauen auf den Text könnte das Ergebnis noch anders aussehen. Wir könnten nämlich eine Ebene entdecken, die uns sehr wohl betrifft.

2.4 Die von uns unterstellte Wertlosigkeit des verlorenen Schafs und Drachmen trifft nämlich nicht den Kern. Es gibt nichts Größeres im Glauben als zu der Herde Gottes zu gehören. Ein Schaf ist dafür Bild. Ich bin ein Kind des Herrn. Ich gehöre auch zu Schafen Seiner Weide. ER ist mein Hirte. Das ist das Bild für jeden, der im Glauben lebt. Wir singen das, wenn wir anstimmen: Ich bin getauft auf Deinen Namen. Wir beten das, wenn wir gemeinsam sprechen: Ich glaube an Gott, den Vater.
Und auch die Drachme ist nicht wenig. Sie ist der zehnte Teil von dem Besitz - die zehn ist immer Hinweis auf das Reich des Herrn. Der Zehnte ist der Teil der Gott gehört von allem, was ich habe, so sagt die Bibel. Der Zehnte steht Gott zu.

2.5 So meinen diese Bilder nicht irgendwelche Alltagskleinigkeiten. Sie zielen auf das Herzstück unseres Glaubens. Was aber kann daran verloren gehen?


3.1 Wir finden das am ehesten heraus, wenn wir den Perspektivenwechsel teilen. Auch wenn es schwer fällt: Tun wir doch einmal so als wären wir ein Schaf, tun wir doch so als wären wir ein Zehnter.


3.2 Zunächst kann ich Sie beruhigen. Machen Sie sich bitte keinen Vorwurf darüber, dass Sie verloren gingen. Wir Schafe haben keinen Kopf für unsere Richtung. Links, rechts, wir wissen nichts davon. Deswegen bleiben wir bei der Herde. Der Hirte ist die Richtung. Wo ER hin geht, da geht es lang.

3.3 Wo ist ER nur geblieben? Ich habe nicht hingeguckt, wo ER hin ging. Und schon war ER weg. Ja und, habe ich gedacht. Was macht das schon. Ich kenne doch den Weg. Es ging doch immer so. Also ging ich nur weiter, nur weiter, nichts anderes. Doch ER war hier nicht, ER war da nicht. Ich hatte IHN verloren.
Es sind ja noch die anderen Schafe da. Wo sind sie nur? Wo finde ich sie? Natürlich hier. Doch wo ist hier? Nicht eines sehe ich. Ich habe sie verloren.

3.4 Mein Glaube kennt den Herrn, mein Glaube weiß um die Führung, mein Glaube sucht die Einheit der Herde. Doch es ist alles weg. Ich bin allein. Die Nähe des Herrn ist weg, die nächste Weide ist nicht zu sehen, die Einheit der Herde ist verschwunden. Wer kennt nicht diese Erfahrung in seinem Glauben?
Es ist der Verlust der Einheit mit der Herde und dem Hirten, den Jesus in diesem Gleichnis damit anspricht.

3.5 Und wenn Sie meinen, das sei doch immer so, dann heißt das nur: Wie tief stehen Sie im Glauben, dass Sie das überhaupt wahrnehmen. Denn viele spüren diesen Mangel gar nicht.
Und es heißt weiter: Wie lange hängen wir schon in unserem einsamen Gestrüpp, dass wir Verlorenheit als ganz normal empfinden. Es steht nicht gut um Gottes Herde.


4.1 Nicht anders ist es mit der Drachme, unserem Zehnten. Wenn wir ein Geldstück wären, eines von Zehn, dann würden wir wohl hinter einem Schrankbein liegen. Und was wäre dann?

4.2 Auch wo ist nur das Klimpern meiner Freunde? Die anderen Neun, wo sind sie nur? Es ist so schön mit all den anderen im Geldbeutel.
Nichts tut so gut wie wenn das Geld im Portemonnaie zusammen ist.

4.3 Was sind wir, wenn wir als Gottes Schatz zwar nicht vergraben aber verloren sind, für IHN nicht einsetzbar, nicht mehr in Seiner Hand. Mit der verlorenen Einheit sind wir nicht mehr verfügbar. Wir haben Wert, doch kann ER den nicht nutzen. Verloren für das Reich Gottes.


5.1 Hören wir dies verstärkt sich unser Beobachtung. Als ob Jesus dieses Gleichnis als prophetisches Wort über die Zukunft der Kirchen gesprochen hätte. Das neue Leben - unser Schaf - , der neue Wert Gottes - unsere Drachme -, alles ist da. Das ist heute so. Doch ist das nicht in Seiner Hand verfügbar, fehlt Einheit Seiner Herde unter Seiner Führung - verloren geht Sein Leben, verloren ist Sein Schatz.

5.2 Auf diese Wirklichkeit weist unser Gleichnis hin. Was Jesus schon voraussah.


6.1 Erinnen Sie sich noch, was Alter auszeichnen kann? Der Wille und die Hoffnung vermag sehr viel zu reparieren. Wie gut, dass Gott die Eigenarten mit bringt.
In unserem Gleichnis wird ER als der Liebende beschrieben, der sucht und findet und sich freut. Das will ER, mit dieser Hoffnung kommt ER.

6.2 ER ist der Hirt, der jeden Einzelnen zur Einheit Seines Reiches selbst hinschleppt. ER ist die Frau, die jeden Einzelnen wieder den Wert zurückgibt, den wir vor Gott haben sollen.
Das Schaf bleibt nicht zurück. ER sucht und findet uns. Der Zehnte bleibt nicht verloren. Wir sind IHM so viel wert. ER bringt uns zu Seinem Einsatz, in seinen himmlischen Schatz ein. ER will es, ER hat die Hoffnung. Sein Ziel bleibt die Erlösung. Am Ende steht Seine Freude.

6.3 Was sehen wir daraus?
Mit großer Aufmerksamkeit soll uns der Herr selbst stets vor Augen sein. Ist ER da ist wichtig, IHN weiter im Blick zu halten, nicht zu verlieren. Geht ER uns doch verloren, so ist es wichtig, auf Seine Rettung zu vertrauen. ER wird uns holen. Herr, Du wirst kommen.
Was sind wir wert? Was zählen wir? Herr, Du wirst uns unseren Platz in Deinem Schatz zuweisen. Darauf vertraue ich. Ich zähle. Ich bin ein Teil von Deinem Schatz. DU wirst das machen.

6.4 Mag sein, dass über diese Zuversicht des Glaubens manch anderer neidisch oder wütend wird wie damals auch. Das braucht uns nicht zu stören. Am Ende steht die Freude.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)