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zum fünften Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 26. Juni 2005,
5. Sonntag nach Trinitatis

Nachfolge

35 Am Tag darauf stand Johannes wieder dort, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. 36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! 37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus.
38 Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? 39 Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. 40 Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. 41 Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). 42 Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels (Petrus).

Johannes 1, 35-42

Liebe Gemeinde!

1.1 Manche Menschen fragen: Wie finde ich zu einer lebendigen Nachfolge von Jesus Christus? In einer Zeit, wo es für alles Rezepte gibt - vom weniger Schnarchen in der Nacht bis zur Glücksvermehrung trotz Glatze - ist das selbstverständlich so zu fragen. Warum nicht Rezepte für die Christusnachfolge.

1.2 Unbestreitbar gibt es mannigfaltige Hinweise auch für ein Leben in der Nachfolge Jesu. Doch wie bei allem ist auch hier Vorsicht geboten. Rezepte berücksichtigen nicht, dass Leben sich oft lebendig entfaltet und nicht nach den Ordnungen eines Rezeptes. Das gilt nun auch in Glaubensdingen.

1.3 Wie findet einer in eine lebendige Nachfolge Jesu? Dazu hörte ich eine interessante Geschichte.
Eine alte Frau war bekannt für ihren tiefen Glauben. So mancher kam in ihren Hauskreis, um davon zu profitieren. Wie kommt es, dass Sie Jesus so intensiv erfahren, so fragte wieder einer der Besucher. - Ach, wissen Sie das nicht? Dann kommen Sie mal. - Und sie führte den verdutzten Gast in ihre Küche. Dort stand ein alter Herd. - Wissen Sie, wie ich zu meinem intensiven Glauben fand? Ich steckte meinen Kopf in diesen Backofen und betete dort. Und dann hat sich der Herr mir offenbart. - Und glauben Sie, dass das bei mir auch klappt. Warum im Backofen? - Versuchen Sie, Sie werden sehen. - Und sie wies mit der Hand auf die geöffnete Klappe.
Was meinen Sie. Nach einigem Zögern ging der Besucher auf die Knie und steckte seinen Kopf zum Gebet in den Backofen. Nach einigen Minuten zog er den Kopf wieder heraus. Er strahlte. Jetzt, sagte er, habe ich IHN auch gefunden. Ich weiß, ER lebt.

1.4 Was wir aus dieser Geschichte lernen können ist nicht, dass wir alle unseren Kopf in einen Backofen stecken müssen. Es gilt vielmehr dies: Selbst in einem Backofen ist ER zu finden. Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo die lebendige Nachfolge Jesu nicht beginnen könnte. Es gibt dafür kein Rezept. Selbst dort, im Backofen, klappt es.

1.5 Ein jeder Weg des Glaubens ist einmalig. Selbst der der ersten Jünger ist nicht zu kopieren. Was sie erfuhren muss auf diese Weise nicht bei jedem auch so sein. Ihr Weg ist nicht mein Weg, und meiner nicht der Ihre. Dies scheint mir wichtig bevor wir unseren Text betrachten.

1.6 Um unseren eigenen Weg zu finden ist es ganz nützlich, vom Weg der anderen zu hören. Das wollen wir in unserem Text jetzt tun. Wie fanden Jesu Jünger zu ihrer Nachfolge? In unserem Fall waren es gleich drei: Andreas und mit ihm später sein Bruder Simon, und einer ohne Namen, wahrscheinlich Johannes selbst. Was war ihr Backofen? Mir fallen drei typische Dinge auf.


2.1 Das Erste: Die Jünger stehen bei Johannes dem Täufer.
Das war zur Zeit von Jesus eine geistliche Kapazität. Wo der auftrat, da blieb kein Auge trocken im wahrsten Sinne des Wortes. Mit großer Vollmacht wies der auf Gottes Herrschaft hin. Er tat dies so, dass viele Augen weinten. Aus allen Schichten der Gesellschaft rief er Menschen auf, ihr Leben nach Gott auszurichten. Wenn ihre Herzen umkehrten und weinten, dann gab er ihnen das Wasser der Buße als Zeichen göttlicher Gnade. Bei ihm standen die Jünger.

2.2 Das ist oft so bei der Nachfolge. Wir haben eine innere Frage, die uns nicht loslässt.
- Das kann ein großer Kummer sein. Ich will nicht mehr. Wer tröstet mich, erreicht mein Herz?
- Ich habe das und das getan. Wie kriege ich in meinem Leben wieder Ruhe?
- Ich habe alles, doch ich bin nicht erfüllt. Was tue ich? Wie werde ich nur wirklich satt?
Gott wirft durch eine Frage oft die Angel aus. Und Fragen können lange überleben. Nach Jahren sind sie plötzlich wieder da. Ein Anstoß zur Nachfolge: Die offenen Seiten, Fragen unseres Lebens.


3.1 Das Zweite: Die Jünger hören von Johannes dem Täufer etwas sehr Unverständliches. Siehe, das Lamm Gottes, welches hinweg trägt die Sünde der Welt.

3.2 Für uns mag dieses Wort auf Anhieb sehr vertraut sein. Singen wir es doch als Lied in jeder Abendmahlsliturgie: Christe, Du Lamm Gottes. Doch warum Lamm? Und warum ER, Jesus?

3.3 Für Juden ist das Passahlamm ganz fest verbunden mit einem Ritus, der an den Auszug aus Ägypten jeden erinnert. Dort hatte Gott das Passahlamm als Zeichen der Errettung eingesetzt. Wer Blut des Passahlammes über sich am Türbalken hatte, den würde Gottes Todesengel schonen. Wer an dem Fest des Passahlammes teilnahm, der zog aus der Knechtschaft aus hin in das gelobte Land.

3.4 Mit diesem Bild des Glaubens benennt hier Johannes Jesus. ER ist das Lamm. Nicht nur Errettung für ein Haus, nicht nur Errettung für das Haus Israel. Vielmehr: Errettung für alle, für die ganze Welt. Siehe, das Lamm Gottes, welches hinweg trägt die Sünde der Welt.

3.5 Das muss ein prophetisches Wort gewesen sein. Denn Johannes konnte das alles von Jesus gar nicht wissen. Erst später zeigte sich wie sich dies Wort erfüllte, durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz, durch Seine Auferstehung als Sieger über den Tod und die Sünde.
Und noch viel weniger konnten die Jünger bei ihm dieses Wort verstehen. Das ist mir völlig unklar, völlig unverständlich, so könnten sie gedacht haben.

3.6 Wie typisch für den Weg des Glaubens.
Oft ist das bei der Nachfolge so. Das ist mir völlig unverständlich. Das kann ich gar nicht sehen. So was verstehe ich nicht. Kennen Sie das von sich und anderen?
Gott wirft oft Seine Angel aus durch Dinge, die uns rätselhaft erscheinen. Nicht Antworten, sondern ganz Unverständliches ist oft der Weg zu IHM. Weil vieles unklar ist suchen wir nach Lösungen. Haben Sie etwa die Worte erfahrener Christen auf Anhieb verstanden? Ein weiterer Anstoß zur Nachfolge: Die Rätsel unseres Glaubens.


4.1 Das Dritte scheint mir besonders wichtig. Denn viele Menschen haben Fragen und stehen auch vor Rätseln ihres Lebens. Doch stehen sie und stehen. Im Bild gesprochen: Sie stecken ihren Kopf nicht in den Backofen hinein. Sie gehen nicht. Das aber tuen Jesu Jünger. Sie gehen Jesus nach.

4.2 Als Jesus sie dann fragt geben sie nicht eine besonders intelligente Sache von sich. Sie fragen wo ER wohnt. Na ja, wie tröstlich. Das ist nicht promotionsverdächtig, jemanden nach seiner Adresse zu fragen. Das könnte uns auch noch einfallen.
Am besten finde ich, dass Jesus das gar nicht stört, sondern dass ER ihnen eine kluge Antwort gibt: Kommt mit und seht! Und das tun sie: Sie kommen und sehen viel mehr als die Adresse.

4.3 Wie schön, dass Jesus alles an uns interessant findet, Hauptsache wir wagen den Kontakt. Es mag das Schnarchen in der Nacht oder die Glatze sein, es mögen ungelöste Lebensfragen oder Schuld sein, es mag ein Glaubensrätsel oder sonst etwas sein, was wir wollen. Suchen wir Kontakt nimmt ER uns mit: Komm und sieh.

4.4 Ich bin überzeugt, dass jeder auch von den Jüngern damals anders mitgekommen ist und anderes gesehen hat. Doch in Jesu Nähe entsteht genau das Wesentliche für einen eigenen, lebendigen Glauben: Kein Rezept wie es geht, sondern eine Beziehung, die erfüllt. Das haben die beiden damals erlebt.


5.1 Es ist übrigens interessant, dass jeder von ihnen seine Erfahrung auch wieder anders ausdrückt und umsetzt. Der eine, Andreas, sagt es sofort seinem Bruder Simon und holt den auch zu Jesus. Auch Simon fand zu seinem Weg des Glaubens. Er wurde Petrus, Gottes Fels.

5.2 Der andere, wahrscheinlich Johannes, stellt fest: Es war die zehnte Stunde. Er zeigt, was er prophetisch sah, als er als Jünger weiter wuchs und später daran dachte wie es anfing. Die Zehn ist Zeichen für die Herrschaft Gottes, die dort begann in seinem eigenen Leben. Wie vieles hat Johannes später von diesen Geheimnissen des Herrn gezeigt.

5.3 So lassen Sie uns unseren Weg des Glaubens in der Beziehung mit dem Herrn finden. ER lockt uns, nimmt uns mit.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)