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zum fünfzehnten Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 4. September 2005,
15. Sonntag nach Trinitatis

Nachfolge

28 Da sagte Petrus: Du weißt, wir haben unser Eigentum verlassen und sind dir nachgefolgt. 29 Jesus antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat, 30 wird dafür schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Lukas 18, 28-30

Liebe Gemeinde!

1.1 Es gibt so viel Schönes, was über Glauben und die Nachfolge Jesu Christi zu sagen ist. Denken Sie nur an das bekannte Wort von Papst Benedikt XVI, das er bei seiner Einführung sagte und auf dem Weltjugendtag wiederholte: Wer glaubt ist nie allein. Er meint ja damit, dass die Einsamkeit überwunden wird, wenn der Herr ins eigene Leben tritt. Viele Jugendliche hat dieses Wort angesprochen. Aber es stimmt ja nicht nur für Jugendliche.
Oder denken Sie an Worte von Jesus selbst: Wer Mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Wie oft haben Sie das selbst erlebt oder können es in Zukunft für sich erleben und in Anspruch nehmen. Tritt der Herr ins eigene Leben, so geht das einher mit einer inneren Aufrichtung und Erleuchtung. Mit IHM wird es stets hell. ER ist halt die Quelle eines lichten Geistes. Und der macht ein Leben schön.
Oder denken Sie neben der Erfahrung von Nähe und Licht an die Führung im Glauben, wie sie in dem Bibelwort ausgedrückt wird: Nähme ich Flügel der Morgenröte und flöge bis zum äußersten Meer, so würde mich doch Deine Hand daselbst führen und Deine Rechte mich leiten. Nichts macht uns Haltlos in der Nachfolge unseres Herrn. Seine Führung reißt nicht ab.

Mit diesen und vielen anderen großen Verheißungen des Glaubens leben wir in der Nachfolge von Jesus. Das ist ein großes Geschenk an jedem Tag unseres Lebens. Manchem ginge es besser, wenn er oder sie davon wüsste oder davon lebte. Bleibt es in uns lebendig, dann bleiben wir ein lebendiges Zeichen für das Schöne des Glaubens und der Nachfolge Jesu Christi.

1.2 Doch dann gibt es noch die andere Seite der Nachfolge. Die spricht von Verlassen, Aufgeben, Opfern. Da sagt Jesus: Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
Was uns soeben noch als schöner Zugewinn durch den Glauben vorkam, scheint in solchen Worten wieder umgekehrt zu werden. Und es entstehen sofort Fragen:
Wie kann Verlieren Gewinn sein? Wie kann Verlassen bedeuten, vieles zu erhalten?

1.3 In unserem Wort haben wir es auch mit dieser anderen Seite der Nachfolge Jesu Christi zu tun. Jesus sagt: Jeder, der um des Reiches Gottes will Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat, wird dafür schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben. Auch hier: Durch Verlassen kommt der vielfache Erhalt, ja sogar der große Gewinn ewigen Lebens. Was meint Jesus mit einem solchen Wort der Nachfolge?

1.4 Zu aller erst möchte ich hinzufügen: Keine Sorge! Hier wird nicht nach schönen Versprechungen am Anfang endlich deutlich, was die wahre bittere Pille des Glaubens ist. Die andere Seite der Nachfolge ist nicht wie das Kleingedruckte mancher Verträge, wo einem alles wieder abgezogen wird, was vorher versprochen wurde. Es ist vielmehr eher wie die zweite Klasse in der Nachfolge, ein neuer Lernschritt, ein Fortschritt im Glauben. Schauen wir uns das an.


2.1 Was tut jemand, der mit Seinem Leben in die Nachfolge Jesu Christi tritt?
Er setzt das um, was in der Taufe als Sakrament festgehalten ist:
Du, Herr, bist die Quelle des Lebens. Ich bin ein Teil von Dir. Danke. Auch in mir fließt Dein lebendiges Wasser.
Du, Herr, bist das Licht des Lebens. Ich bin ein Teil von Dir. Danke. Auch in mir leuchtet Dein ewiges Licht.
Du, Herr, bist Vergebung und ewiges Leben. Ich bin ein Teil von Dir. Danke. Auch in mir lebt jetzt Deine Vergebung. Ich habe Teil an Deinem ewigen Leben.
Das sind die großen Geschenke des Glaubens.

2.2 Doch wer so etwas sagt und lebt, der gibt ja stets auch etwas anderes dafür auf. Wer sich auf die Quelle des Lebens in Jesus verlässt, der lässt ja sich und das eigene Ego als Quelle aller Maßstäbe hinter sich. Das fällt vielleicht oft nicht auf, dass wir hier auch etwas verlassen, weil wir mancher Orts nicht gerade Ozeane sind, sondern eher zu vertrocknenden Stauseen geworden sind. In der Dürre sprudelt jede Quelle recht. Doch wir verlassen unsere Trockenheit wo Jesus für uns lebendiges Wasser wird.

2.3 Und ebenso ist es ist beim Licht des Lebens. Wo Jesus uns zur inneren Erleuchtung wird, da lassen wir gerne unsere eigenen Dunkelheiten. Doch wir verlassen sie auch.

2.4 Mit jedem Guten, was wir wählen, verlassen wir das Schlechte. Sehr deutlich wird das, wenn wir Vergebung vom Herrn für uns in Anspruch nehmen. Wie schön ist das, ein unbeschwertes Herz.
Doch: wir haben dieses nur, wenn wir die Schuld auch lassen, loslassen, am Kreuz von Jesus lassen. Dann vergeben wir und finden auch Vergebung.

2.5 Sich verlassen durchzieht alle Bereiche der Nachfolge Jesu, auch die - wie wir sie nannten - schönen. Nur weil eher Unangenehmes zurückgelassen wird fällt es nicht gleich so auf: Nur der gewinnt neues Leben, der altes verliert. Das gilt immer.


3.1 Warum kommt Jesus auf die Idee, dass wir Haus und Familie verlassen sollen? Die Familie wird sogar noch einzeln aufgezählt: Frau, Bruder, Eltern, Kinder. Warum nur Frau? Warum nicht ebenso auch Mann?
Ist Jesus hier Garant für die Auflösung der Familie? Sicher nicht. Nirgendwo wird das belegt.

3.2 Aus Seiner Zeit wird vielmehr deutlich, was ER meint. Es wird auch klar, warum keine Frauen die Männer verlassen, sondern nur Männer die Frauen.
Jesus meint den Eintritt in den Stand des Schülers eines Rabbiners, der nur Männern erlaubt war. Der Schüler folgt dem Meister, um Neues zu lernen. Er verlässt Haus und Familie, die wohl versorgt war. Er verlässt sein gewohntes zu Hause und damit alle Bequemlichkeit des normalen Lebens. In der Gemeinschaft mit dem Lehrer entdeckt er Neues. Dafür muss er das Gute, was er im Leben mit Haus und Hof und Familie zuvor schuf, erst verlassen. Darauf mag Jesus mit Seinem Wort anspielen.


3.3 Damit sagt Jesus: Der Weg der Nachfolge geht weiter. Nicht nur die dunklen Seiten unseres Herzens sollen in Sein Licht eingetaucht werden. Nicht nur die belastende Schuld unseres Lebens soll durch Seine Vergebung ausgeräumt werden. Nicht nur die Dürre unseres Lebens soll frisch werden durch IHN, die Quelle des Lebens.

3.4 Auch unsere starken Seiten sollen IHM gehören und unter Seine Herrschaft kommen. Unser Eigentum, das uns gehört, gehört IHM. Wie zeigt sich? Unsere Lebenskraft, mit der wir schaffen, gehört IHM. Wie zeigt sich das? Unsere Familien, für die wir leben und von der leben, gehört IHM. Wie wird das deutlich?


4.1 Da, wo wir gut und stark sind, sind wir für uns die Ersten. Der erste Platz wird in der Nachfolge Jesu geräumt. Er wird von IHM eingenommen.
Herr, Du bist der Erste bei dem, was ich habe an Gesundheit und an Lebenskraft, was ich besitze an Haus und Hof, was ich mit meinen Fähigkeiten kann, wofür ich bei meinen Lieben lebe und bei meinen vielleicht gar nicht so lieben Verwandten eintrete. Du bist der Erste.

4.2 Das ist wie die zweite Klasse der Nachfolge. Ich verlasse meinen mir erworbenen inneren ersten Platz in den schönen Bereichen von Haus und Familie und schenke ihn dem Herrn. Warum?


4.3 Segen fließt stets vom Herrn, kommt immer von oben. Wenn ER der Erste in meinem Haus ist, dann ist der Segen frei für IHN. Wie schön, wenn ER der Erste ist. Wenn ER der Erste in meiner Familie ist, dann ist ER auch dort die Quelle für Frieden, Vergebung und Lebendigkeit. Nicht nur, wo es bei mir mangelt, auch dort, wo etwas steht, zählt ER zuerst. Es ist schön, wenn ER der Erste sein darf, auch dort.

4.4 Jesus meint, wer so lebt wird auf Erden reich gesegnet. Und wo wir uns im Mangel und in Stärke auf den Herrn verlassen, steht nichts im Weg, dass dieser Segen Gottes uns bis ins ewige Leben trägt. Der Herr hat freie Bahn. ER setzt sich durch. Wir werden dafür schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben (30).


4.5 Das heißt: Haus und Hof und Familie verlassen, den ersten Platz dort IHM, dem Herrn, einräumen. Ich verlasse mich, ich verlasse mich auf IHN.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)