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zum 21. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 16. Oktober 2005

Mach dich los!

(34 Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 35 Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; 36 und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. 37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.)
38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.
39 Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

Mattäus 10, 34-39

Liebe Gemeinde!

1.1 Outen ist heute in. Woran liegt das eigentlich?
Es ist wahr. Unser Leben besteht nicht nur aus Gewinn. Verluste sind die unleugbare Kehrseite unseres nach außen prächtigen Lebens. Aber wer will davon etwas wissen? Verluste anrechnen und bestaunen lassen, das geht nicht - außer beim Finanzamt. Und selbst da wird es immer schwieriger.

1.2 Und mit dem Ausblenden unserer schwachen Seite wächst auch das Bedürfnis, diese mitzuteilen. Outen schafft Entlastung. Und die es hören denken oft: "Ach, da gibt es ja noch so einen armen Teufel!" So etwas tut gut. Es tröstet manchmal. Doch hilft es auch?

1.3 Das Zeichen des Verkehrten ist das Kreuz. Überflüssig zu sagen, dass wir das nicht lieben, bei uns nicht und auch bei anderen nicht, außer wir sind gemein. Doch jeder hat ein Kreuz. Ein jeder hat seine dunkle Seite.


2.1 Nun hat Jesus viele Dinge über das Leben mit und unter Gottes Gegenwart gesagt. Vieles tut uns gut. Denken Sie nur an die Seligpreisungen: Selig, die reinen Herzens sind. Sie werden Gott schauen. Oder an Worte der Entlastung wie: Sorget nicht. ER sorgt für euch.

2.2 Aber Jesus hat das Kreuz nicht ausgelassen, unseres nicht, Seines nicht. Und Jesus hat noch zugelegt, wenn ER sagt: Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt, ist Mein nicht wert (38). Und es stimmt ja. ER selbst heißt ja schließlich: Der Gekreuzigte. Wie könnte Nachfolge von Ihm möglich sein ohne Kreuz?

2.3 In unserem Text sagt Jesus etwas zum Kreuz. Und es ist anders als die gängige Weisheit, die ja auch wahr ist: Ein jeder hat sein Päckchen zu tragen. Es ist bemerkenswert hilfreich, hilfreicher als pures Outen.


3.1 Das erste ist das Annehmen des Kreuzes.
Beim Annehmen unserer schlechten Seite sind wir ja alle von Geburt an Feiglinge. Oder kennen sie jemand, der sagt: Ach, diesen Fehler wollte ich dir immer schon zugeben, immer schon verzeihen. Vielmehr haben wir ein großes Repertoire, um Kreuze wegzudrücken. Die großen Ver-s. Wir verbiegen, verleugnen, verbergen, verdrehen, vergessen, verleumden.

3.2 Unser Dilemma: Kreuze sterben nicht. Sie wachsen wie Unkraut. Es gibt die Auferstehung des Unheils im Zwang der Wiederholung. Annehmen ist der erste Schritt aus diesem Teufelskreis.
Ja, es war falsch! Ja, was ich hier sehe ist nicht recht. Ja zu dem, was nicht sein darf, sagen.
Das Ende mancher Lebenslüge könnte so entstehen.

3.3 Das ist das Erste, was Jesus sagt: Wer sein Leben mit allen Lebenslügen verliert, der wird es gewinnen (39). ER gibt den Mut zur Selbstannahme.
Mit dieser Haltung des Herrn können Sie getrost vor den Spiegel treten und reinschauen.


4.1 Das Zweite nach dem Annehmen ist das Auf - sich - Nehmen. Wer sein Kreuz auf sich nimmt (38).
Viele geben ihre Kreuze zu, jammern auch über sie. Und dann gehen sie und lassen es für andere stehen.

4.2 Bevor wir jetzt in Empörung an alle unberechtigten Schuldzuweisungen und stundenlangen Jammergeschichten denken - nicht wahr, Sie kennen das auch - wollen wir kurz innehalten. Wirklich etwas auf sich nehmen ist auch schwer. Es braucht viel Demut. Ich muss mich bücken. Ich muss klein sein können. Ich muss zugeben können. Ich muss unten sein. Und da steckt der zweite Haken beim Kreuz.

4.3 In der Regel sind wir alle Könige und zwar angeborene. Wir denken, wir sind groß, selbst wenn wir wissen, wir sind es nicht.

4.4 Ohne Demut kein Kreuz tragen. Jeder hat dafür seine Übung. Denn viele Stimmen in uns sagen gleich im Chor: Ich doch nicht! Mit mir doch nicht! Ich bin im Recht!
Der Weg des Glaubens trägt das eigene Kreuz. Er lässt es nicht für andere stehen. Er übernimmt für sich, was nur das Eigene ist und sein kann.

4.5 Und wieder wird diese widersprüchliche Botschaft Jesu klarer: Wer sein Leben im Hochmut verliert, der wird es gewinnen (39).


5.1 Annahme und Übernahme, das könnte Jesus als guten Therapeuten auszeichnen. Doch Jesus sagt noch ein Drittes, was alle Lebensweisheit sprengt. … und folge Mir!

5.2 Kreuzträger können Jesus folgen. Es ist eine stille Übereinkunft, die allem anderen vorausgeht:
Ach, Herr, ich folge Dir? - Ja, Mein Kind. Gehst du mit Mir, dann gehst du einen Gottesweg in deinem eigenen Leben. Das biete ICH dir.
Die Solidarität: Ist es zu schwer, ICH geh voran, ICH stehe euch an der Seite.
Die Gemeinschaft: ICH bin nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.
Die Hoffnung: Du bist wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Hoffnung ist in dir.
Das alles und viel mehr wirst du erfahren auf dem Weg mit Mir.
Mach dich los, Mein Kind. Vom Irrtum über dich. Mach dich los von aller nichtigen Größe. Mach dich los von dir und folge Mir.

5.3 Und dies ist eine noch weitere Verheißung:
Mach dich los, Mein Kind. Du sollst nicht nur ein Halt sein, an dem sich andere festmachen, sondern du sollst selber ein Boot sein für die Gemeinde, das hinausfährt.


6.1 So zeigt uns der Herr in diesem Wort vom Kreuz, was uns zum Guten dient.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)