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zum 22. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 23. Oktober 2005

Mittendrin

(15 Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. 16 Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. 17 Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.)
18 Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. 19 Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Mattäus 18, 15-20

Liebe Gemeinde!

1.1 Manchmal haben Christen merkwürdige Angewohnheiten, jedenfalls in den Augen von Menschen, die nicht glauben. Sie beginnen eine Autofahrt und starten, indem sie beten. Sie sagen vielleicht: Herr, bewahre uns auf dieser Fahrt und lass uns für andere ein Segen sein.
Oder Christen sitzen im Flugzeug und sprechen vor dem Start ein stilles Gebet: Herr, segne alle Menschen hier in dieser Maschine und lass kein Unglück passieren. Segne besonders den Kapitän und die Mannschaft, aber auch alle Gespräche die ich vielleicht hier führe.
Oder Christen betreten ein Kaufhaus und sprechen im Stillen ein Gebet: Herr segne alle, die hier arbeiten. Lass mich finden, was ich suche. Und segne alle, die hier ohne Hoffnung ihr Glück suchen.
Ich könnte weiter erzählen, von Fußballplätzen, Konferenzzentren, Bürogebäuden, Hotelzimmern, Kirchen. Stets wird durch ein Gebet die Gegenwart des Herrn bewusst gemacht, ausgesprochen und in Anspruch genommen.
Katholische Christen machen oft dazu oder stattdessen für sich noch ein Kreuzzeichen.

1.2 Wenn Sie das nicht kennen ist es vielleicht für Sie ein interessanter Hinweis. Er macht deutlich, dass nicht nur in der Kirche, am Grab oder bei Katastrophen gebetet wird, sondern viel häufiger als andere es wissen im Alltag unseres Lebens. Und Christen brauchen dafür keinen Teppich auf dem Bürgersteig ausrollen. Sie tun das im Herzen, mit meist offenen Augen. Es ist nicht nötig, dafür die Hände zu falten.

1.3 Aber warum? Was ist der Sinn? Und warum könnte das eine der interessantesten Anwendungen des Glaubens im eigenen Alltagsleben werden?


2.1 Wenn wir den Religionsunterricht in der Schule beginnen wird zunächst die große Taufkerze angezündet, die ich jedes Mal mitbringe. Die Kinder wissen: Wenn dies Licht leuchtet ist das Zeichen dafür, dass Gott hier ist. Das Licht sagt: ICH bin da, ICH, der auferstandene Herr. ICH bin das Licht der Welt.

2.2 Es leuchtet unmittelbar ein, dass die Gegenwart Gottes anders ist als die einer menschlichen Person. Ich kann nicht in die Mitte treten und Gott die Hand zur Begrüßung schütteln und sagen: Schön, dass Du gekommen bist. Wenn ich das vormache, lachen alle.

2.3 Gott ist Geist. Schon Liebe kann ich nicht sehen, lediglich die Auswirkungen. Freude kann ich nicht sehen, allein die Auswirkungen spüre ich. Alle geistigen Werte sind unsichtbar. Wir spüren nur ihre Wirkung.
So ist es auch mit Gott. ER ist da. Wir können Seine Wirkung spüren. Und wie das Licht macht ER auch unsere oftmals dunkle Welt hell. Ist ER da erleuchtet ER unseren Geist. Mit IHM wird es innerlich hell.

2.4 Viele Menschen fragen heute danach, wie sie denn neu Kraft und Nahrung oder auch neue Werte für ihren Geist bekommen. Die Gegenwart Gottes, die Wirklichkeit des auferstandenen Jesus Christus in unserem Leben ist ein solcher neuer Wert. Der Herr ist wie eine Quelle für unseren Geist. Aus IHM sprudelt Leben in Fülle. Ist ER nahe kommt unser Leben aus einer Grauzone heraus. Mit IHM ist immer Sinn in unserem Leben. In IHM ist Freude die Fülle. Doch wie bekommen ich Anschluss an diese Wirklichkeit? Das Licht leuchtet - doch wo leuchtet ER? Wo ist Gott für mich erlebbar?


3.1 In unserem Text macht Jesus interessante Aussagen darüber, wo ER gegenwärtig ist. Wir merken, hier spricht ER nicht mehr von sich als menschlicher Person. Dann müsste ER sagen: An dem Tag bin ich zu der Uhrzeit dort und dort.
Hier spricht ER von sich als Gottes Sohn, als Herr, der auferstanden ist in eine neue Wirklichkeit, die uns als Gottes Gegenwart ständig umgibt. Wir können sie nicht sehen, und doch ist sie uns nah. Wie ist ER da?

3.2 Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (20)
Höchst merkwürdig: Der Herr hat Seine Gegenwart nicht an eine Regel oder an ein Gesetz gebunden. ER hat Sich nicht an eine Leistung, die ich erbringe, gekoppelt. Und ER hat auch keinen Status von mir zur Voraussetzung erkoren: Hast du was, kriegst du was. ER hat noch nicht einmal davon gesprochen, dass ein Kirchgebäude dafür notwendig sei.

3.3 Nein, der Herr sagt: Seid ihr in Meinem Namen zusammen, dann bin ich unter euch. ICH bin in eurer Mitte. Ich bin in eurer Beziehung, die ihr in Meinem Namen teilt.
Gehörst du zu Mir und respektierst die Gegenwart von Mir auch in dem anderen, dann bin ICH in eurer Mitte noch einmal anders intensiv gegenwärtig. ICH bin zwischen euch da.
ICH in dir, ICH in ihm oder ihr, ICH in euch: Mittendrin. Das ist die Botschaft Jesu.

3.4 Es ist wie mit der Liebe. Keiner hat sie. Es lässt sich nur daran arbeiten, dass sie zwischen uns bleibt. Der Herr ist auch Liebe.
Wo ist der Herr? Mitten unter uns. Mittendrin.


4.1 Jetzt wird auch klar, warum Christen zum Gottesdienst gehen. Dort haben sie die Chance, die Gegenwart des Herrn noch anders zu erleben: Wir sind alle Gäste dieses unsichtbaren Herrn. ER ist der Herr in jedem Gottesdienst. Jeder Gottesdienst beginnt im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. In Seinem Namen. ER ist mitten unter uns.
Und manchmal lässt sich die Wirkung auch in unseren Empfindungen wahrnehmen.

4.2 Und jetzt verstehen wir, warum Christen wenn sie zusammenkommen auch noch beten. Sie drücken damit aus: Der Herr ist hier. In unserer Mitte ist ER gegenwärtig.
Gut. Wenn das so ist, dann hat das Konsequenzen.


5.1 Wo ER ist, da ist Himmel. ER ist doch Gott. Und wo ER eingreift, da verändert sich die Wirklichkeit unserer Welt. ER ist doch Schöpfer.
Darauf weist Jesus hin, wenn ER diese Verheißung unseres Textes sagt:
Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. (18)
Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. (19)
Jesus meint: Du darfst himmlische und irdische Dinge erbeten. Wo ICH bin ist die größte Chance, dass diese auch geschehen. Deswegen: Bete. ICH bin da in eurer Mitte: Bete. Nimm Meine Gegenwart in Anspruch. Sei gewiss. Bete. ICH leite euch. ICH führe euch. ICH stehe euch zur Seite.

5.2 In dieser großen Welt der Gegenwart Gottes darf unser Geist leben. Wir können dabei getrost unseren gesunden Menschenverstand behalten. Aber wir können ihn auch getröstet sein lassen von dem großen Frieden der Gegenwart des Herrn in unserer Mitte.
Das ist die Chance unserer Gemeinschaft, der Gemeinschaft der Christen, der Heiligen.
Nutzen wir sie. Der Herr hat sie mit Seiner Gegenwart gewürdigt. ER ist mittendrin.



Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)