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zum Reformationstag 2005
23. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 30. Oktober 2005

Alles umsonst
Hohenzoller Albrecht, Erzbischof von Mainz und Magdeburg Luther Papst Leo X
Erzbischof Albrecht Martin Luther Papst Leo X

21 Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, bezeugt vom Gesetz und von den Propheten: 22 die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus, offenbart für alle, die glauben.
Denn es gibt keinen Unterschied: 23 Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. 24 Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. 25 Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit seiner Geduld, begangen wurden; 26 er erweist seine Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen, dass er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt. 27 Kann man sich da noch rühmen? Das ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das der Werke? Nein, durch das Gesetz des Glaubens.
28 Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes.

Römer 3, 21-28

Liebe Gemeinde!

1.1 "Umsonst ist nichts, Herr Bischof", sagte der Leiter der Fugger Bank. Auch wenn dieser Satz sehr modern klingt führt er uns doch in eine Zeit, die beinahe 500 Jahr zurückliegt. Finanzgespräche gab es eben zu allen Zeiten. Die Anlässe waren gar nicht so verschieden.
"Sie wollen mehr Geld zu weniger Zinsen, Herr Bischof? Es heißt doch, Sie sind von Gottes Gnaden. Sie wären dann von Fuggers Gnaden. Das können wir nicht wollen. Deshalb müssen wir bei unserem üblichen Zins bleiben."

1.2 Vielleicht hat es so geklungen als sich der Hohenzoller Albrecht, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, bei seiner Hausbank, den Fuggern, eingeladen hat. Es war immer noch etwas Besonderes, wenn ein Bischof selber kam und die Vorstandsetage des Bankkonzerns betrat. Schließlich waren beide Organisationen, Bank und Kirche, weltweit gut organisiert. Die Fugger unterhielten ein ausgezeichnetes Finanznetz bis nach Spanien. Die römische Kurie regierte seit gut 1000 Jahren in der ganzen bekannten Welt. Man kannte sich und wusste, was man voneinander hatte.

1.3 Doch jetzt war Krisenzeit. Die bröckelnden Macht der Kirche sollte mit einem Prunkbau in Rom neu gefestigt werden: Der Petersdom sollte alles übertreffen.
Doch Leo dem X ging das Geld aus. Eine Bauruine war kein Gütesiegel für eine starke Kirche. Jetzt musste Freundschaft sich bewähren. Die Fugger hatten Geld. Und deutsche Erzbischöfe hielten ihre Hand auch über sie. Jetzt sollten sie dafür die Hände füllen. Für Rom.

1.4 "Die Preise sind gestiegen, Herr Bischof, sagen Sie? Was Sie nicht sagen.
Ich wiederhole nur: Umsonst ist nichts. Entscheiden müssen Sie schon selbst, ob Sie in Zukunft nur von Fuggers Gnaden leben wollen. Denn Sonderkonditionen gibt es nicht. Wir würden dann entscheiden in der Kirche? Wollen Sie das? So bleibt für mich die Frage: Was kann schon teurer werden in der Kirche!"


2.1 Buße ist die Reinigung des Herzens.
Sie ist das Schönste, was wir hier auf Erden kennen. Ein neuer Morgen im alten Leben. Entlastung und Neubeginn ist möglich.

2.2 Und ohne Reue gibt es die Buße nicht. Die Reinigung des Herzens braucht manchmal auch die Tränen. Herr, so einer, so eine bin ich. Ich stehe dazu. Ich bin gefallen. Doch Du lässt mich nicht fallen. Ich lasse mich los. Doch Du hältst mich, nimmst mich in Ehren an.

2.3 Und Reue zeigt sich dann auch in der Bereitschaft wieder gut zumachen, was verdarb. Manchmal geht das an alter Stelle. Doch manchmal nicht. Dann helfe ich, wo andere versagten. Das lasse ich mir etwas kosten, auch an Geld.

2.4 Findet Vergebung so einen Weg in meinem Leben ist das in Ordnung. Gutes entsteht, wo Böses herrschte.
Und damals in der Kirche hieß das Ablassgeld. Man nannte es auch das Zachäusgeld. Zachäus wollte Unrecht vielfach wieder gut machen. So sagte er dem Herrn.


3.1 "Herr Bischof, Sie fragen immer noch. Mit uns ist nichts zu machen.
Die Leute zahlen doch. Sie zahlen gut. Sie zahlen ihr Ablassgeld. Erhöhen sie doch die Preise. - Das ginge nicht? Die Sünde und die Spende, die Reue und die Bezahlung, sie dürften nicht aus dem Lot geraten, sie müssten einander entsprechen?
Nun gut. Wenn die Leute nicht mehr zahlen, dann lassen Sie doch mehr Leute zahlen. Nehmen sie doch flugs die Toten mit dazu. Sie können zwar nicht weinen und bezahlen, doch können es die Lebenden für sie. Herr Bischof, Sie sind doch der Fachmann für die Ewigkeit. Ist das ein Weg für Sie und Ihren Dom in Rom?

3.2 Die Ewigkeit zahlt mit. Fortan wurde auch für Tote Ablassgeld genommen.


4.1 Das aber war zuviel. Nicht nur für Luther, doch auch für ihn.
Tote weinen nicht. Und Tote haben keine Chance der Wiedergutmachung. Die Reue ist etwas von dieser Welt, die Buße Chance für uns, die Lebenden.
Hier wurde ein falscher Geist dann wirklich offenbar. Luther fand hier den Ansatz seiner Kritik. Protest war angesagt.

4.2 Luther schrieb seine 95 Thesen, was als Initialzündung der Reformation angesehen wird. Wider falschen Ablass sprach er davon, dass das ganze Leben eine Buße sei und der Mensch nicht gerecht wird aufgrund seiner Werke. Bedenkenswert, dass das die Botschaft zu Beginn der Neuzeit ist. Das sagen Protestanten. Und sagen sie es noch?


5.1 "Die Ewigkeit zahlt mit". Ja. Aber anders. Nicht mit den Toten. Allein mit einem, der für uns gestorben ist und heute lebt. Jesus Christus, der Ewige, der Auferstandene. ER starb für uns. Durch Ihn hat Gott die Sühne aller Menschen aufgehoben. Durch Ihn haben wir Vergebung der Sünde vor Gott.

5.2 So gilt: Alles umsonst. Gottes Botschaft ist anders als die der Fugger: "Nichts ist umsonst, Herr Bischof." Alles umsonst.
Der Segen ist umsonst. Die Vergebung ist umsonst. Wir sind erlöst, den Preis bezahlte unser Herr, der Auferstandene selbst.
Wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben (28).
Wie gut ist es, dass das gilt. Wir sind dadurch in keines Menschen Hand, allein in Seiner, Gottes. Von Ihm sind wir abhängig. Und ER erhöht die Zinsen nicht.

5.3 Wo immer in der Geschichte der Kirche die Gnade Gottes nicht mehr geschenkt, sondern verrechnet wird, da ist Protest angesagt. Luther tat das damals.
Wie wichtig ist es, dass wir Protestanten bleiben, wenn es um diese Frage der Gnade geht: Alles umsonst?

5.4 Irrtümer hat es zu allen Zeiten in allen Kirchen gegeben, auch in den Protestantischen Kirchen. Wir Evangelische stehen heute nicht besser da als unsere katholischen Geschwister. Die Frage des Ablass trennt heute unsere Kirchen nicht mehr. Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1998 hat den Streit beendet. Gott sei Dank.
Umso schöner, dass wir heute gemeinsam als Christen festhalten: Allein aus Gnade zähle ich vor Gott. Und das umsonst.



Amen.





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Zuletzt geändert am 11.08.2008 von: (fp)