Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt
zum vorletzten Sonntag im Kirchenjahr
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 13. November 2005

Von Gottes Klugheit

1 Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. 2 Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. 3 Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. 4 Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. 5 Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? 6 Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib "fünfzig". 7 Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib "achtzig". 8 Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters: Denn die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.
9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.

Lukas 16, 1-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Über diese Geschichte ist viel herumgerätselt worden. Sie passt so gar nicht in die Ethik und Logik unseres Herrn, so einen Betrug noch gut zu finden. Und fromme Menschen hätten hier einmal gerne die kritische Bibelauslegung in Anspruch genommen. Wenn der Text vielleicht gar nicht echt wäre und Jesus nur untergeschoben worden ist, das wäre doch gut.

1.2 Mit ein paar Erklärungen lässt sich deutlich machen, dass es anders ist. Was uns stört wird - wenn wir es verstehen - oft zur wertvollen Hilfe. So auch hier.


2.1 Der Herr lobte seinen betrügerischen Verwalter, weil er klug gehandelt habe (8). Erklärung 1: Selbstverständlich nicht der Herr Jesus, sondern der Herr des Verwalters lobte seinen Knecht.

2.2 Es muss ein sehr schlauer und genialer Chef gewesen sein, den dieser Verwalter hatte. Er erkannte im Betrug die Raffinesse seines Mitarbeiters und - würdigt sie. Wie kann er das? Er war reif genug, nicht nur seinen Schaden zu sehen, sondern auch noch das Talent des Schadenden. Mag sein, dass er genug hatte und deshalb so reagieren konnte. Mag sein, dass er selbst so ein schlauer Fuchs war oder es selbst so getrieben hatte und dachte: Donnerwetter. Endlich finde ich einen, der es kann wie ich. Vielleicht bewegte ihn bei dem geplanten Rausschmiss auch die Pfiffigkeit des Mannes. Soll ich ihn vielleicht doch behalten? Was er für sich erreicht hat, warum soll er das nicht auch für mich und unter meiner Fahne schaffen?

2.3 Das alles sind Gedanken, die im Hintergrund stehen, wenn Jesus als Erläuterung bemerkt: Die Kinder dieser Weltzeit sind im Verkehr mit Ihresgleichen klug.
Es stimmt, klug sind beide. Klug ist der Verwalter und klug ist auch der Chef. Der Verwalter hatte die Schuldner seines Herrn durch veränderte Schuldscheine mit niedrigeren Beträgen in der Hand. Und der Chef hatte einen schlauen Mitarbeiter entdeckt und dessen - wir würden heute sagen - durchaus kriminelle Energie durchschaut. Er lobt ihn, nicht den Betrug, der ihm schadet, weil er dessen Schlauheit vielleicht für sich gewinnen kann.


3.1 Erklärung zwei: Es ist beschämend zu sehen, dass die Christen - Kinder des Lichtes - nicht sehen, dass ihr himmlischer Chef genau so klug mit ihnen umgeht. Jesus meint, wir haben in unserem himmlischen Vater einen Herrn, dem alles gehört, was wir in unserem Leben hier so haben und verwalten. Und ER hätte schon lange das Recht, uns zu entlassen. Du kannst nicht länger in Meinem Dienst bleiben (2). Und angesichts unserer großen und kleinen Lebensschlauheiten und Tüchtigkeiten steht am Ende doch nur unser Bankrott vor dem Herrn.

3.2 Und was macht dieser Herr? ER lobt uns noch. Wenn ER nicht großzügig ist, wer dann? Wenn seine Anerkennung statt Donnerwetter nicht unfassbar ist, was dann?

3.3 So ist der Herr. Natürlich ist er schlau. ER will uns doch gewinnen. Dafür setzt ER alles ein.
ER möchte doch, dass wir nicht entlassen werden aus Seinem Dienst. ER will uns doch halten in Seinem Reich.

3.4 Dafür steht die Gnade am Anfang. Dafür sagt ER: Betrug, ja. Doch du hast es doch gemacht, damit etwas Gutes geschieht. ER sucht das Helle im Dunkeln, das Gute im Schlechten, die Liebe in unseren Bosheiten. ER handelt wirklich nicht mit uns nach unseren Sünden, sondern nach Seiner großen Barmherzigkeit. Was für ein Herr!


4.1 Klüger seien die Kinder dieser Weltzeit im Verkehr mit ihresgleichen als die Kinder des Lichtes, sagt Jesus. Klüger? Ja.

4.2 Wie schnell wird dieser Verwalter zugegriffen haben, als sein Chef die Klugheit lobte statt den Betrug zu ahnden.
Und wie stehen wir als Christen da. Erkennen wir die Klugheit Gottes, wenn ER uns mit Barmherzigkeit begegnet? Greifen wir sofort zu und sagen:
Das ist sehr großzügig von Dir, Herr. Ich bin dabei. Wo kann ich beichten? Wie kann ich das bereinigen? Wie kann ich neu in Deinen Diensten stehen? Was kann ich sonst noch für Dich tun? Herzlichen Dank für Dein Entgegenkommen. Danke, Gott. Ich gehöre neu zu Dir. Ich bin Dein. Du hast mich gewonnen.

4.3 Die Kinder dieser Weltzeit sind klüger als die Kinder des Lichtes.
Ob Jesus das durchschaut hat, wie viele Menschen gegenüber der klugen Barmherzigkeit Gottes blind sind, nie umgekehrt sind und die Wege des Gerichtes weitergehen?


5.1 Die Klugheit Gottes. Wir sollten sie erkennen, meint Jesus. Und ER gibt dafür gleich noch ein Bespiel hinterher, so als ob ER es erläutern wollte.
Erklärung drei: Auch Ich sage euch: Macht euch Freunde (und keine Feindschaft sogar) mit dem Geld, an dem oft so viel Unrecht klebt, damit ihr bei dem Scheiden aus dieser Welt in den ewigen Wohnungen Aufnahme findet (9).

5.2 Wir sehen hier eine Anwendung der Klugheit Gottes, wie Jesus sie versteht. Wie euer himmlischer Vater barmherzig ist, so seid auch ihr barmherzig. Wie euer himmlischer Vater verzeiht, so sollt auch ihr verzeihen. Es ist wie im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld wie wir vergeben unseren Schuldigern.
Wie ER so wir. Seine Klugheit soll unsere Klugheit werden.
Oder wie Paulus es sagt (Römer 12, 2): Bildet euch nicht nach den Grundsätzen dieser Weltzeit. Nehmt vielmehr ein anderes Wesen an, indem sich euer Sinn erneuert.

5.3 Das heißt konkret: Wenn andere Böses machen, dann macht ihr daraus etwas Gutes. Wie der Herr. Wenn andere Unrecht schaffen, dann bringt ihr das in Ordnung. Wie der Herr. Wenn andere etwas oder andere fallen lassen, dann hebt ihr es oder sie wieder auf. Wie der Herr. Wenn andere urteilen und hetzen, dann redet ihr Gutes und würdigt. Sie der Herr.

5.4 Und jetzt unser Wort: Wenn andere mit Geld nur sich suchen, Geld an dem oft so viel Unrecht klebt, dann macht ihr mit eurem Geld Gutes. Schafft damit Freude und Freunde.


6.1 Wenn ihr also alles mit der Klugheit Eures himmlischen Vaters anpackt, dann findet ihr bei dem Scheiden aus dieser Welt in den ewigen Wohnungen Aufnahme. Denn ihr seid schon längst Kinder des Lichtes, Erben Seiner Herrlichkeit. Ihr seid mit eurem Leben in dieser Weltzeit schon dort zu Hause. Ihr kommt heim.

6.2 Drei Erklärungen, die gut tun. Sie zeigen wie wir Gutes tun und die Klugheit unseres himmlischen Vaters dabei für uns gewinnen.


Amen.





Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)