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zum letzten Sonntag im Kirchenjahr,
Ewigkeitssonntag,
von Ulli Oetzmann,
Marbella, Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Ulli Oetzmann)

Gottesdienst am 20. November 2005

Probepredigt zur PrädikantInnenausbildung

1. Einige Tage später kam Jesus nach Kafarnaum zurück, und bald wusste jeder, dass er wieder zu Hause war. 2. Die Menschen strömten zahlreich zusammen, dass kein Platz mehr blieb, nicht einmal draußen vor der Tür. Jesus verkündete ihnen die Botschaft Gottes. 3. Da brachten vier Männer einen Gelähmten herbei, 4. aber sie kamen wegen der Menschenmenge nicht bis zu Jesus durch. Darum stiegen sie auf das flache Dach, gruben die Lehmdecke auf und beseitigten das Holzgeflecht, genau über der Stelle, wo Jesus war. 5. Als Jesus sah, wie groß ihr Vertrauen war, sagte er zu dem Gelähmten: "Mein Kind, deine Schuld ist vergeben!" 6. Da saßen aber einige Gesetzeslehrer, die dachten bei sich: 7. "Was nimmt der sich heraus! Das ist Gotteslästerung! Nur Gott kann den Menschen ihre Schuld vergeben, sonst niemand!" 8. Jesus erkannte sofort, dass sie das dachten, und fragte sie: "Was macht ihr euch da für Gedanken? 9. Was ist leichter - diesem Gelähmten zu sagen: Deine Schuld ist dir vergeben! Oder: Steh auf, nimm deine Matte und geh umher!? 10. Aber ihr sollt sehen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Schuld zu vergeben!" Und er sagte zu dem Gelähmten: 11. "Ich befehle dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause!" 12. Der Mann stand auf, nahm seine Matte und ging vor aller Augen weg. Da waren alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: "So etwas haben wir noch nie erlebt."

Markus 2, 1-12

Liebe Gemeinde!

Einige von Ihnen kennen mich schon, den anderen Gottesdienstteilnehmern möchte ich mich gerne kurz vorstellen.
Mein Name ist Ulrike Oetzmann. Ich habe im Juni dieses Jahres mit noch zwei anderen Mitgliedern unserer Gemeinde am ersten Teil eines Prädikantenseminars der evangelischen Kirche Deutschland teilgenommen.
Als Prädikanten haben wir nicht die Aufgabe ,unseren sehr geschätzten Pastor Peters zu ersetzen, sondern ihn zu unterstützen, und da wir an der Costa del Sol drei Gottesdienststellen haben, ist die Notwendigkeit des Prädikantendienstes wohl für jeden verständlich.
Eine der Aufgaben in dem Prädikantenseminar ist die Erarbeitung und das Vortragen einer Predigt, zu dem alle Seminarteilnehmer den gleichen Text erhalten.
Und jetzt stehe ich hier mit meiner ersten eigenen Predigt und hoffe, dass man mir meine Aufregung nicht zu sehr anmerkt.

Das Ende des Kirchenjahres begehen wir mit dem Ewigkeitssonntag als Ausdruck der Hoffnung für alle Lebenden und Toten und für die Zukunft der Welt.

Nun wird in unserem Predigttext darüber berichtet, wie Jesus einen Gelähmten heilt. Welch großes Wunder hat er da vollbracht.

Aber, in Gedanken an die geliebten Menschen, die durch ihren Tod für uns nicht mehr präsent sind, ist es schon schwer, an Wunder zu glauben.
Gerade dieser Verlust ist es doch, der uns fragen lässt.
Warum hat er mich nicht gehört als ich ihn bat, mich nicht allein zu lassen.
Wo waren die Schutzengel als der Unfall passierte?
Hätte nicht auch hier ein Wunder passieren können?

Ich glaube, dass es Wunder gibt, liebe Gemeinde. Ich glaube aber auch, dass wir diese Wunder oft nicht als solche erkennen, oder ein anderes Wunder erwartet haben. Ich komme später noch darauf zurück.
Lassen sie mich aber erst etwas anderes aus dem Bibeltext erläutern.

In der Übersetzung des Neuen Testaments wird sowohl im revidierten Luthertext als auch in der Übersetzung von Jörg Zink von einem Gichtkranken berichtet.
Von dieser Aussage möchte ich mich distanzieren. Gicht wurde schon sehr früh als Wohlstandskrankheit bezeichnet. Wäre dieser Gelähmte wohlhabend gewesen, wäre die Menschenmenge bestimmt zur Seite gegangen und hätten ihn und seine Freunde durchgelassen.
Die Ursache der Lähmung ist für uns nicht mehr nachzuvollziehen. Schon damals gab es wie heute viele verschiedene Gründe.

Heute wissen wir, dass viele Komponenten zur Besserung oder sogar zur Heilung einer Krankheit beitragen können.
- Die weit fortgeschrittene Medizin,
- der eigene Wille gesund zu werden,
- positives Denken
- und natürlich Familie und Freunde haben großen Einfluss auf Heilungsprozesse.

Wir wissen doch alle wie schön es ist, liebevoll umsorgt zu werden wenn wir krank sind. Natürlich ist niemand gerne krank, aber die Aufmerksamkeit der Anderen tut schon gut, ist Balsam für die Seele und hilft uns gesund zu werden.

Und es ist auch nicht neu, dass fehlende Aufmerksamkeit und Einsamkeit heute viele Menschen krank macht und sie in ihrer Lebensfreude lähmt. Denn Lähmungen können viele Gründe haben.
Ich möchte ihnen das an einem Beispiel erläutern:


Vor vielen Jahren, liebe Gemeinde, habe ich Einblick in eine psychosomatische Therapie gewinnen können. Die Grundkenntnis lässt sich so beschreiben: Die Seele ist krank und, weil sie nichts sagen kann reagiert der Körper zum Beispiel mit Schmerzen.
Beispiele dafür kennen wir aus Sprichwörtern, Angst im Nacken, sich einen Kopf machen, sich gerade machen wenn der Rücken mal wieder schmerzt, weil einem etwas auf der Seele liegt.

Während dieser Zeit habe ich eine Frau kennen gelernt. Nennen wir sie Karin. Karin war zu dem Zeitpunkt 39 Jahre alt und befand sich mit dem Verdacht auf Multiple Sklerose in Therapie. Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Die Patienten sind irgendwann auf den Rollstuhl angewiesen. Die Symptome dieser Krankheit waren also da, medizinisch aber nicht nachzuweisen.

In Gesprächen mit Karin habe ich auch Zeichnungen von ihr gesehen. Eines ihrer Bilder habe ich noch in guter Erinnerung. Ich möchte es ihnen gerne beschreiben:
Auf den ersten Blick war es ein Haus mit Garten. Um das Haus war ein Zaun und im Garten standen Blumen. Die Sonne strahlte aus einer Bilderecke, und einige Vögel flogen über das Haus. Es sah aus wie ein fröhliches Kinderbild.
Nach längerem Hinschauen änderte sich dieser Eindruck jedoch mehr und mehr.
Das Haus war schwarz umrandet, die Fröhlichkeit schien sich außerhalb, also im Garten abzuspielen.
Und noch etwas viel nach einiger Zeit auf. Das Haus hatte 4 Fenster; der Zaun hatte 4 Pfosten und 4 Querlatten; es gab 4 Blumen im Garten und 4 Vögel flogen über das Haus. Selbst die gemalten Dachpfannen schienen eine Reihe von Vieren zu sein. Dieses Bild war überfüllt mit Vieren.

Was hatte das mit den ganzen Vieren nur auf sich? Es gab viele Gespräche in denen die Therapeuten langsam die Lösung fanden.
Auf Karins viertem Geburtstag starb ihr Vater, als sie 14 Jahre alt war hatte ihr Bruder einen schweren Unfall, mit 24 Jahren erlitt sie eine Fehlgeburt und als sie 34 Jahre alt war brannte ihr Elternhaus fast ganz ab. Jetzt stand sie kurz vor ihren 40. Geburtstag.
Es kam also eine große 4 auf Karin zu.
Dass in einer solchen Lebensgeschichte die Seele krank vor Angst werden kann und Karin wie gelähmt war, kann ich gut verstehen.

Die Therapeuten konnten Karin die Angst mit der Zeit nehmen. Sie wurde nach neun Wochen und vielen Gesprächen aus der Therapie geheilt entlassen. Für mich ist diese Geschichte ein wirkliches Wunder.


Ist es einigen von Ihnen auch schon so ergangen? Machtlos, bewegungslos vor Angst, gelähmt vor Trauer und Schmerz. Da gab es keinen Ausweg mehr und alles war starr und festgefahren.
Und wie sind wir da wieder herausgekommen, aus dieser Starre?

Wenn Sie daran zurückdenken: War es Disziplin? Oder hat "die Zeit die Wunden geheilt "?


Vielleicht waren es auch kleine Wunder,
- ein Zeitungsartikel über Trauer, den wir zufällig irgendwo gelesen haben,
- ein zufälliges Gespräch mit einem Unbekannten im Wartezimmer,
- der Anruf eines Freundes, von dem wir lange nichts gehört haben und der gerade die richtigen Wörter fand.

Das alles sind Situationen, die uns andere Denkensweisen gegeben haben. Alles Zufälle, liebe Gemeinde? Oder kleine Wunder!

Ich glaube, dass Gott auch heute noch viele Wunder tut!

Denn Gott ist gegenwärtig und lebendig.
Seine Güte und Barmherzigkeit können wir jeden Tag erleben - wenn wir hinschauen und hinhören.

Gott lässt uns in unserer Trauer nicht allein.
Wenn wir IHN an unserer Traurigkeit teilhaben lassen, ihm von unserer "Gelähmtheit" erzählen und um Hilfe bitten, wird ER uns aus dieser Starre herausleiten. Wie? Da müssen wir nur hinschauen.
Denn wenn zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort das Richtige passiert sollten wir dem Zufall auch die Möglichkeit lassen, ein Wunder zu sein.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)