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zum 1. Advent,
von Sonja Schäfer,
Torrox-Costa, Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Sonja Schäfer)

Gottesdienst am 26. November 2005

Probepredigt zur PrädikantInnenausbildung

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und auch an jedem neuen Tag.

Liebe Gemeinde!

Diese Worte von Dietrich Bonhoeffer habe ich zu Beginn gewählt, weil sie mich auf meinem Lebensweg oft begleitet haben.
So auch in der vergangenen Zeit, in der ich mich auf den heutigen Tag und ganz besonders den jetzigen Augenblick vorbereitet habe.
Nicht weil der Predigttext so schwierig oder schlecht zu verstehen ist. Nein, es gibt einen anderen Grund, dies ist meine erste Predigt. Nun werden Sie sicherlich verstehen, dass meine Aufregung ernorm hoch ist.
Trotz aller Anspannung, freut es mich sehr, dass Sie in diesem Gottesdienst meine Zuhörer sind. Danke.

Zunächst möchte ich Ihnen den heutigen Predigttext aus Markus 2, Vers 1 - 12 vorlesen.

1. Einige Tage später kam Jesus nach Kafarnaum zurück, und bald wusste jeder, dass er wieder zu Hause war. 2. Die Menschen strömten zahlreich zusammen, dass kein Platz mehr blieb, nicht einmal draußen vor der Tür. Jesus verkündete ihnen die Botschaft Gottes. 3. Da brachten vier Männer einen Gelähmten herbei, 4. aber sie kamen wegen der Menschenmenge nicht bis zu Jesus durch. Darum stiegen sie auf das flache Dach, gruben die Lehmdecke auf und beseitigten das Holzgeflecht, genau über der Stelle, wo Jesus war. 5. Als Jesus sah, wie groß ihr Vertrauen war, sagte er zu dem Gelähmten: "Mein Kind, deine Schuld ist vergeben!" 6. Da saßen aber einige Gesetzeslehrer, die dachten bei sich: 7. "Was nimmt der sich heraus! Das ist Gotteslästerung! Nur Gott kann den Menschen ihre Schuld vergeben, sonst niemand!" 8. Jesus erkannte sofort, dass sie das dachten, und fragte sie: "Was macht ihr euch da für Gedanken? 9. Was ist leichter - diesem Gelähmten zu sagen: Deine Schuld ist dir vergeben! Oder: Steh auf, nimm deine Matte und geh umher!? 10. Aber ihr sollt sehen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Schuld zu vergeben!" Und er sagte zu dem Gelähmten: 11. "Ich befehle dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause!" 12. Der Mann stand auf, nahm seine Matte und ging vor aller Augen weg. Da waren alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: "So etwas haben wir noch nie erlebt."

Markus 2, 1-12

Ein Wunder war geschehen! Gott hat ein Wunder geschehen lassen, er vergibt Sünden und Schuld, er heilt Gelähmte.

Sicherlich können Sie nun sagen, dies alles geschah vor etlichen Jahren. Aber wie ist es heute?
Ich bin überzeugt, jedem von Ihnen fällt dazu sofort etwas ein. Jeder von Ihnen kann sagen, ein Wunder oder eine wundersame Heilung, echter Neuanfang und Vergebung.

Auch ich möchte von Wunder Erfahrungen erzählen, solche, die heute noch geschehen. Dazu mein erstes Beispiel:

Vor einigen Jahren litt meine Schwester an einem Bandscheibenvorfall. Zu einer Operation konnte sie sich jedoch nicht gleich entschließen. Sie suchte einen weiteren Arzt auf, den eine Freundin ihr empfohlen hatte. Meine Schwester fuhr zur angegebenen Adresse in den Schwarzwald. Dort traf sie natürlich viele Menschen mit den gleichen Beschwerden.
Das Schicksal eines jungen Mannes bewegte alle sehr. Er kam im Rollstuhl. Er trug Windeln und konnte ab der Taille nichts mehr bewegen.
Alle fragten ihn, was geschehen war. Der junge Mann begann zu erzählen.
Er sei 32 Jahre alt, habe eine Frau und 2 Kinder. Seit 3 Jahren habe er die Metzgerei seiner Eltern übernommen. Er müsse hart und viel arbeiten, aber der Erfolg bereitete ihm große Freude.
Plötzlich von einem Tag zum anderen konnte er nicht mehr gehen oder stehen. Er konnte nicht mehr arbeiten, und war ständig auf fremde Hilfe angewiesen. Seine Frau führte viele Gespräche mit Ärzten - ihm fehlte dazu die Kraft - und so war er nun in den Schwarzwald gereist.
Mit der großen Hoffnung auf ein Wunder.
Alle Patienten wurden untersucht. Die Therapie konnte beginnen.
Über eine kleine Sonde im Rücken wurde innerhalb von 3 Tagen ein Medikament gespritzt.
Am ersten Tag geschah nichts. Auch der zweite Tag brachte keine Besserung. Am dritten Tag jedoch geschah das Unfassbare. Der junge Mann konnte seinen Rollstuhl verlassen.
Ein Wunder ? Ja, auch wenn andere sagen "medizinisch geheilt", ja und? Für den Betroffenen, seine Familie und viele, die es mitbekamen, war es ein Wunder.

Wie Jesus damals den Gelähmten heilte, so schenkt Gott auch heute noch wundersame Heilung. Was durch das Wort Jesus und seine Hand geschah, kann Gott heute durch die Hände anderer geschehen lassen.
ER heilt bis heute.

Erinnern wir uns nun noch einmal an unseren Predigttext, der außer der Heilung des Gelähmten doch auch den starken Glauben an Gott deutlich werden lässt. Gott vergibt Schuld. Das erlebte der Gelähmte. Jesus sagte: "Dir sind deine Sünden vergeben!"

Wie groß und herrlich ist dieser Glaube an Vergebung. Wieder möchte ich ihnen ein Beispiel dazu erzählen, das deutlich macht, worum es bis heute geht. Dazu lese ich einen Brief eines Gefängnisinsassen aus Madrid vor.

Der Mann beginnt seinen Brief mit folgenden Worten:

An unserem letzten Treffen hier im Gefängnis Madrid 3 fragte uns Pastor Johannes Bauer ob irgendeiner von uns Insassen bereit wäre, für den nächsten Gemeindebrief einen Beitrag zu schreiben.

Da mir die monatlichen Besuche von Pastor Bauer und seinem sympathischen Team sehr ans Herz gewachsen sind, dachte ich mir, ich versuche es einmal.
Ich bin weis Gott kein natürlicher "Autor", und da ich in den letzten 14 Jahren in England gelebt habe, geht mir die deutsche Rechtschreibung auch nicht mehr so leicht von der Hand. Mit ein bisschen Glück werden nicht allzu viele Leser vor Langeweile in einen 100 jährigen Schlaf verfallen.
Weiter berichtet er.
Ich selbst bin nun mehr als 15 Monate hier in einer Auslieferungshaft, unter Bedingungen, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte.
In der gesamten Zeit habe ich meine Töchter (10 und 11 Jahre alt) nicht ein einziges Mal gesehen. Meine Frau leider auch nur 2-mal, da alle auf den Kanaren leben und weitere Besuche für uns unerschwinglich sind.
Aber ich möchte hier nicht über mein oder das Schicksal von Mitinsassen berichten.
Für mich gibt es da nämlich etwas anderes, von dem ich gerne erzählen möchte.

Er setzt seinen Brief mit den Gedanken fort.
In den letzten Monaten habe ich Gott gefunden, und das hat mich sehr überrascht. Ich bin sicher, dass ich nicht der Erste und auch nicht der Letzte bin, dem dies zugute kommt.
Aber ganz ehrlich, das Letzte, was ich erwartet hätte. Ich habe mein Leben lang daran geglaubt, dass es Gott gibt; glaube ich zumindest, aber ich habe nie viel an ihn gedacht. Es gab Zeiten, als ich davon überzeugt war, dass es ihn für mich nicht gibt.
Aber zu meiner großen Überraschung ist genau das Gegenteil für mich eingetreten. Ich fühle mich innerlich warm und wohl und voller guter Gedanken. Er ist jetzt immer an meiner Seite. Wie ist das geschehen?

Wenn man in dieser gefühlskalten und harschen Anstalt sitzt, wird es einem sehr schwer gemacht, an etwas Gutes zu glauben.
Meine Weise über Gott und die Welt nachzudenken hat sich geändert, durch die sorgfältigen und wohlwollend ausgewählten Worte von Pastor Bauer. Ich saugte sie tief in mich ein, und fing an, anders über Dinge und Gott nachzudenken. Ich fing an zu beten, lernte mich wieder über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen und hörte auf zu fragen, warum Gott all diese Leid und Ungerechtigkeit für mich zuließ. Ich fing an ihm wieder zu vertrauen.

Zum Schluss seines Briefes merkte er an, dass sich an seiner Lage nichts verändert habe, er aber nun ein glücklicherer Mensch sei, der langsam wieder Freude an seinem Leben habe, und täglich fühle, wie die Liebe und Gnade Gottes ihn verändere. Dafür sei er sehr dankbar.

Hier schreibt jemand, der gefangen sitzt nicht in einer Krankheit wohl aber in einem Gefängnis. Er fand wieder neu Lebensmut und Freude, er fand heraus aus seinem inneren Gefängnis. Gottes Wort hat ihn erreicht und er konnte es für sich annehmen.

So ist es wohl dem Gelähmten unserer Geschichte ergangen. Auch in sein Leben traf Gottes Wort der Vergebung. Es richtete ihn neu auf.

Wie groß ist unser Glaube. Bis heute trifft es uns, bis heute spricht ER uns Vergebung zu, bis heute baut es uns auf. Mit solchen Worten unseres Herrn können wir bis heute rechnen. Vielleicht sind wir das nächste Beispiel dafür. Ich wünsche es uns.


Ich möchte nun noch ein Gebet sprechen.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Strasse um seines Namens Willen. Der Herr ist mein Hirte.
Und ob ich schon wandere im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)