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zum ersten Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 27. November 2005

Macht hoch die Tür

Der Einzug des Herrn in sein Heiligtum
1 Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. 2 Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt. 3 Wer darf hinauf ziehen zum Berg des Herrn, wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? 4 Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, der nicht betrügt und keinen Meineid schwört. 5 Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott, seinem Helfer. 6 Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs.
7 Ihr Tore, hebt euch nach oben, / hebt euch, ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit.
8 Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und gewaltig, der Herr, mächtig im Kampf.
9 Ihr Tore, hebt euch nach oben, / hebt euch, ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit.
10 Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.

Psalm 24

1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; der halben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.
2. Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, der halben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.
3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.
4. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, eu'r Herz zum Tempel zubereit'. Die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud; so kommt der König auch zu euch, ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad.
5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.

EG 1, Macht hoch die Tür

Liebe Gemeinde!

1.1 Georg Weissel, Pfarrer (1590-1635) an der Altroßgärtner Kirche in Königsburg in Ostpreußen, dichtete 1623 das bekannte Adventslied "Macht hoch die Tür". Die Veröffentlichung kam einem politischen Selbst mord gleich. Wir befinden uns mitten im 30 jährigen Krieg, der seit 5 Jahren in Europa tobte und von Spanien bis Ungarn Landflächen in Schutt und Asche legte. Was war geschehen?

2.1 Die Gegenreformation war im vollen Gange, die Rückgewinnung der protestantischen Gebiete unter die Herrschaft des Papstes. So mancher der Herrschenden brachte unter diesem großen Konflikt sein eigenes Interesse unter.


Ferdinand II.


Ferdinand II.
Ferdinand II. betrieb sowohl als König von Böhmen (1617-1619) wie auch als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (1619-1637) intensiv die Gegenreformation. Durch diese Rekatholisierungspolitik provozierte er 1618 den so genannten Prager Fenstersturz, der den Böhmischen Aufstand gegen die habsburgische Herrschaft auslöste; der Böhmische Aufstand wiederum mündete schließlich in den Dreißigjährigen Krieg.

2.2 Im Osten flammte der Widerstand auf. Aus Protest gegen König Ferdinands II Rekatholisierungsmaßnahmen in Böhmen warfen 1618 böhmische Aufständische zwei Beamte Ferdinands aus einem Fenster der Prager Burg. Dieser so genannte Prager Fenstersturz war Beginn des Böhmischen Aufstandes, der dann im Dreißigjährigen Krieg eskalierte.
Die Böhmen setzten Ferdinand im August 1619 ab und erhoben Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem neuen König. Doch eine Woche später, am 28. August 1619, wurde Ferdinand zum König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Er verbündete sich mit Bayern und der katholischen Liga und besiegte 1620 in der Schlacht am Weißen Berg die Böhmen. Er setzte Friedrich wieder ab, verstärkte seine Rekatholisierungsmaßnahmen, zog die Güter protestantischer Adliger ein und zwang sie so zur Auswanderung.
Noch lange blieb der Friede aus.

2.3 Christian IV, König von Dänemark, greift ein - und wird geschlagen. Im Frieden von Lübeck 1629 wird festgehalten, dass die Heere Wallensteins und Tillis Norddeutschland unterwarfen.

2.4 Gustav II Adolf, König von Schweden, greift ein, indem er 1630 in Pommern landet. Sein Sieg von Breitenfeld 1631 bringt protestantischen Gewinn. In der Schlacht von Lützen gegen Wallensteint stirbt er 1632.


2.5 Und was war das Ergebnis?
Pest und Seuchen überziehen das Land, Aberglauben und Hexenverbrennung bestimmten das Glaubensklima. Armut und Not quälte die Bevölkerung. Die Moral verfällt rapide: Mord und Stehlen regierten im Alltag. Und über allem lag der große Zweifel an diesem Krieg. Der Zeitgenosse Friedrich von Logau sagt das so: Lutherisch, päpstlich und calvinistisch, diese Glauben alle drei sind vorhanden. Doch der Zweifel ist, wo das Christentum denn sei.

3.1 In diese Welt hinein dichtet der Königsburger Pastor Weissel sein Lied.

3.2 Strophe 1: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt … Kaiser Ferdinand?, Christian IV?, Gustav II Adolf? … der Herr der Herrlichkeit. Ist das der Kaiser? Ist das sein Gegner? Ein König aller Königreich. Das ist keiner von unseren Herrschern. Ein Heiland aller Welt zugleich. O nein. Der Heil und Leben mit sich bringt. Nein, das haben wir noch nicht erlebt. Wo unsere Könige auftraten zog Unheil und Tod ein. Der halben jauchzt mit Freuden singt. Dieses Jauchzen und Singen haben wir satt. Es war doch stets nur Anfang neuer Tränen. Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

3.3 Es gibt einen König, der Leben mit sich bringt, sagt Georg Weissel. Und Staatskritik schwang mit: Wider alle göttliche Anmaßung von Kirche und Staat. König aller Königreiche ist nicht Kaiser und nicht König, es ist der eine Herr. Dem macht das Tor auf.


4.1 Strophe 2: ER ist gerecht, ein Helfer wert ... .
Es gibt nur einen Helfer, so sagt das Lied. Wider alle falschen Versprechungen. Wider alle Lügen der Mächtigen. Wider die Propagandareden der päpstlichen und der protestantischen Parteiungen. Und woran kann man das erkennen?

4.2 Sanftmütigkeit ist sein Gefährt. Sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit.
Das ist ein anderer König. Von Ihm können wir erwarten: All unsere Not zum End Er bringt. ER lebt nicht auf unsere Kosten. ER trug unsere Kosten und gab Sein Leben für uns.
Das ist Ideologiekritik gegen alle falschen Versprechungen.


5.1 Strophe 3: O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat.
Das sollte es geben? Ein König ist da und es ist trotzdem gut? In der Regel galt das immer nur für ein paar Bevorzugte, die davon profitierten. Die anderen bezahlten mit Enteignung oder sogar mit dem Leben.

5.2 Es gibt nur einen Frieden, sagt das Lied. Nicht die Konfessionen, sondern ihr Herr macht Frieden. Das ist Religionskritik. Keiner hat das absolute Wort. Die Freudensonne leuchtet nur bei einem, dem Herrn, dem Tröster.


6.1 Strophe 4: Es gibt nur eine Weise seines Kommens. Nicht Prunk, nicht Heere machen es aus, sondern Herzen, die offen sind. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, euer Herz zum Tempel zubereit.

6.2 Das ist Machtkritik. Wie ließ man sich feiern mit Fahnen und wedelnden Zweigen. Nein. Gottseligkeit, Anbetung Gottes, nicht Anbetung der Macht, sei der Weg zum Frieden.


7.1 Strophe 5: Bekenntnis schwarz, Bekenntnis rot. So ging es hin und her je nach politischer Macht. Nein, sagt das Lied. Es gibt nur ein Bekenntnis. Meins Herzens Tür Dir offen ist.

7.2 Das ist Zeitkritik. Nicht Menschen führen die Geschichte. Dein Heiliger Geist uns führ und leit den Weg zur ewigen Seligkeit.


8.1 Staatskritik, Ideologiekritik, Religionskritik, Machtkritik, Zeitkritik - das ist der Hintergrund der 5 Strophen eines Kirchenliedes. Es besingt den einzigen Herrn, den wir zu Advent erwarten. Gegen Pest, Aberglauben, Not, Verfall und Zweifel und die Herrscher der damaligen Zeit hält es an IHM fest. Macht hoch die Tür - IHM. Keinem anderen.

8.2 Wir sollten den Mut und Glauben sehen, der in diesen Zeilen mitschwingt. Und wir sollten es anstimmen, wenn wir den Mut und Glauben brauchen, den richtigen Dingen die Tür zu öffnen.


Amen.





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Zuletzt geändert am 30.09.2007 von: (fp)