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zum 2. Sonntag nach Epiphanias
von Prädikant Günther Tittmann,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Prädikant Günther Tittmann)

Gottesdienst am 15. Januar 2006

Weisheit Gottes

Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheiten vorzutragen, sondern um das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch. Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.
Und doch verkündigen wir Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden. Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung. Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt; denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.
Nein, wir verkündigen , wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.

1. Korinther 2, 1-10

Liebe Gemeinde!

Unser heutiger Bibeltext für den 2. Sonntag nach Epiphanias steht im ersten Brief des Apostel Paulus an die Korinther.
Der Apostel Paulus begleitete über etwa zwei Jahre eine "Auslandspfarrstelle" in Korinth. In dieser Zeit gründete er dort die christliche Gemeinde und begleitete sie eine Zeit lang. Danach zog er weiter, um das Evangelium von Jesus Christus möglichst noch durch die ganze Welt zu tragen.

Während seiner Abwesenheit entstanden beim praktischen Vollzug christlichen Lebens in der Gemeinde zu Korinth viele Fragen.
So zum Beispiel die Frage des Umgangs mit Götzenopferfleisch. Götzenopferfleisch war fast alles Fleisch, welches man damals auf dem Markt kaufen konnte, da die Tiere bei der Schlachtung immer irgendwelchen Götzen geweiht wurden. Kann man als Christ solches Fleisch konsumieren? Das war eine echte Frage der damaligen Zeit.
Zum Glück haben wir heute kein Problem mit Götzenopferfleisch - eher haben wir ein Problem mit Gammelfleisch - das liegt aber auf einer anderen Ebene.

Jedenfalls schrieben die Christen der Gemeinde von Korinth ihre Fragen an den Apostel Paulus. In seinen Briefen antwortet er darauf. Welche konkreten Fragen unseren heutigen Text vorausgegangen sind, wissen wir nicht. Wir können sie lediglich anhand der Ausführungen des Apostels Paulus erahnen.

Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.
Und doch verkündigen wir Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden.
Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung.

Paulus, der Verkünder der Weisheit Gottes.

Glänzende Reden, in sich schlüssige Theorien, mitreißende Rhetorik, das ist das " Handwerkszeug", mit welchen Politiker "geschnitzt" werden. Je mehr es gelingt, die Massen von sich zu begeistern, desto größer stehen die Erfolgsaussichten. Sich gut darstellen können, sich profilieren, in gewisser Weise sich auch selbst verwirklichen, das ist der Weg auf der Karriereleiter nach oben.
Und wenn es dann noch gelingt, den "Gegner" farblos und blass aussehen zu lassen, um mit etwas "Ellenbogeneinsatz" das Feld zu beräumen, hat man alle Voraussetzungen, Ansehen und Macht zu erlangen.

Gelehrte Weisheiten, gelerntes Wissen - dem ist nichts Negatives nachzusagen, dennoch bleibt es Menschenweisheit. Sie ist relativ und unterliegt der Vergänglichkeit. Selbst Irrtümer sind hierbei nicht ausgeschlossen. Ganze Weltbilder mussten im Laufe der Forschungsgeschichte völlig neu erstellt werden, denn die menschliche Erkenntnis ist und bleibt Stückwerk.
Wie jämmerlich sind alte "wissenschaftliche Dogmen" zerbrochen, als Nikolaus Kopernikus durch seine Entdeckungen das bisherige ptolemäische (geozentrische) Weltbild in Frage stellte, und ein heliozentrisches Weltbild entwickelte! Es ist doch anders als man bis dato glaubte.

Wenn dann noch menschliche Weisheit eine religiöse Unterlage erhält, so kann das fatale Folgen haben. Ich denke dabei an das traurige Kapitel der Inquisition, wo Menschen für ihre Ansichten, die von herrschender Lehrmeinung abwichen, auf den Scheiterhaufen oder im Gefängnis landeten.
Als Kolumbus hinter dem Horizont des Atlantiks (bisher das Ende der Welt) weiteres Land vermutete, wurde er von den Inquisitoren nach Sevilla geladen. Dort erklärte man ihm: Es kann hinter dem Horizont des Atlantiks nichts mehr sein, da der Heilige Augustinus die Welt schon vollständig beschrieben habe. Dort kommt derartiges nicht vor.
Dabei ging es keinesfalls nur um Wahrheitsfindung oder Weisheit, es ging vielmehr darum, eigene Positionen mit Gewalt zu verteidigen.
Solche Positionen wurden nicht nur mit dem Mittel der Überredung und der gewandten und klugen Worte verteidigt, sondern auch mit Hilfe des zur Verfügung stehenden Machtapparates.

Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt; denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.
So oder so ähnlich sah der Befund des Apostels Paulus aus, als er diesen Brief an die Korinther schrieb.

Korinth, was war das für eine Stadt?
Als griechische Hafenstadt war sie Dreh- und Angelpunkt des Welthandels der damaligen bekannten Welt rund um das Mittelmeer. Zwei Drittel der Bevölkerung bestand aus Sklaven und der Rest mehr oder weniger aus Händlern und Gewerbetreibende. Diese Zusammenstellung lässt schon Rückschlüsse auf die sozialen Spannungen dieser Stadt zu.

Korinth als Welthandelsplatz war ebenfalls Umschlagplatz und Sammelstelle aller möglichen Religionen des Orient und Okzident. Auch die griechischen Philosophien fanden in Korinth ihre Anhänger. So reichten die Lebensarten der Korinther von der Tempelprostitution (Tempelkult der Aphrodite) bis zur Selbstbefreiung vom Materiellen durch Erkenntnis (Gnosis), also von der maßlosen Zügellosigkeit bis zur strengsten Askese.
Die Vielfalt der Religionen und die Mannigfaltigkeit der Lebensweisen in Korinth waren mindesten so bunt durchmischt wie an der Costa del Sol.
Dem monumentalen Spektrum von Religionen und Lebensphilosophien einer Weltstadt sieht sich Paulus mit seinem Zeugnis des Gekreuzigten fast wie auf verlorenem Posten.
Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht zitternd, bebend zu euch.

Das Zeugnis Gottes verkündigen kann da recht unpopulär sein. Jesus Christus als den Gekreuzigten bekennen trifft weder die Vorstellungen der Griechen in Korinth über Gott, noch erschien es Juden als ein Weg, in Gottes Nähe zu kommen.
Es kommt ihnen eher wie Blasphemie (Gotteslästerung) vor. So schreibt der Apostel Paulus im ersten Kapitel desselben Briefes: Christus der Gekreuzigte ist für die Juden ein empörendes Ärgernis und für die Griechen eine Torheit.

Es ist heute nicht anders als damals. Trotz 2000 jähriger Kirchengeschichte hat sich nicht viel geändert. Man ist nicht zeitgemäß, wenn man auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu sprechen kommt, besonders dann nicht, wenn es um die persönliche Beziehung zu Jesus Christus geht. Christlicher Glaube wird weithin unter der Rubrik "Kirche" abgehakt. Man sieht in ihr oft allein den Vollzug von Traditionen.
Aber was Paulus anzubieten hat, ist nicht eine neue Nuance von Frömmigkeit, sondern das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes.

Was verbirgt sich denn hinter diesem Geheimnis? Wenn alles so einfach und klar wäre, so brauchte Paulus nicht von einem Geheimnis sprechen.
Doch er hat eine Ahnung von dem bekommen, was es heißt, Jesus als den HERRN zu begegnen. Das sind keine theologischen Lehrsätze, die irgendwo in einer Studierstube entwickelt wurden. Nein, was Paulus zu sagen hat, entspringt direkt der persönlichen Begegnung mit dem Auferstandenen. Sein Dienst und sein Leben sind ein einziges lebendiges Zeugnis vom HERRN.
Er hat es selbst erfahren, dass weder asketische Übungen noch religiöse Anstrengungen den Menschen frei machen, sondern Gott kommt in Jesus Christus zu den Menschen.
Im Kind in der Krippe und in dem Mann am Kreuz ist Gott bis auf die unterste Ebene menschlichen Lebens - oder menschlichen Elends - gekommen.
Gott kommt zu uns - ER nimmt uns an wie wir sind - ER will unser Begleiter des Lebens sein! Er will nicht nur Begleiter des Lebens hier auf diese Erde sein. Nein, ER möchte uns über den Tod hinweg seine Gemeinschaft bis in seine ewige Herrlichkeit schenken.
Das ist die Kraft Gottes und die Weisheit unter den Vollkommenen!

Wie kann ich das erfahren?
Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist Gottes (Heiliger Geist) kann nicht erworben werden, ER kommt zu denen, die IHM Einlass ins Leben gewähren.
Sie lernen Gott lieben, entdecken IHN als ihre Lebensgrundlage. Der Geist Gottes wird ihnen das Geheimnis der Weisheit Gottes Schritt für Schritt lüften. Es ist ein spannender Weg - und ein lohnender Weg bis sie eines Tages entdecken dürfen:
Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, hat Gott denen bereitet, die IHN lieben.
Dazu möchte der Apostel Paulus in seinem Brief die Korinther einladen.

Lassen Sie sich auch einladen. Es gibt nichts Lohnenderes auf dieser Welt!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus bis in alle Ewigkeit.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)