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zum Sonntag Septuagesimae
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 12. Februar 2006

Jeremia

22 So spricht der Herr: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums.
23 Nein, wer sich rühmen will, rühme sich dessen, dass er Einsicht hat und mich erkennt, dass er weiß: Ich, der Herr, bin es, der auf der Erde Gnade, Recht und Gerechtigkeit schafft. Denn an solchen Menschen habe ich Gefallen - Spruch des Herrn.

Jeremia 9, 22-23

Liebe Gemeinde!

1.1 Unser Text ist von trauriger Aktualität. Er führt uns vor Augen, dass die gegenwärtige Krise im Atomstreit mit dem Iran und die Androhung der Vernichtung Israels durch seinen Präsidenten eine 2500 Jahre alte Vorgeschichte hat. Diese ist nachzulesen im Buch des Propheten Jeremia und im Buch der Könige.

1.2 Auch damals ging es um die Vernichtung des Volkes Israel. Sie war ebenfalls angekündigt worden durch die damalige babylonische Großmacht. Und sie hatte stattgefunden. In der sprichwörtlichen babylonischen Gefangenschaft war das Volk Gottes quasi ausgelöscht worden. Ein Rest überlebte.

1.3 Natürlich waren die politischen Verwicklungen damals anders als heute. Doch die Bedrohung war die gleiche. Man teilte sie nur anders mit - sie wurde mündlich ausgerufen - und führte sie mit anderen Waffen aus - Ächtungen, Blendungen und Massaker, Völkervertreibung.
Merkwürdig welche Rillen die Geschichte aufweist, in welchen Spuren sich Leben wiederholt. Als ob die Platte einen Kratzer hätte. Immer noch das gleiche Todeslied nach 2500 Jahren.


2.1 Wir machen eine kleine Zeitreise, um den Hintergrund zu verstehen.

2.2 Ein "Marbella" der damaligen Zeit hatte in dem sonst unscheinbaren Ländchen Israel der König Manasse erfunden: Jerusalem. Alles war erlaubt und alles sollte schön sein. Geld floss, Ansehen war käuflich geworden. Wer bei den schönen Reichen sein wollte ging nach Jerusalem.
Der Preis war freilich groß, den man dafür bezahlte. Nichts galt mehr. Alles war beliebig: Die Moral - jeder tat was ihm passte. Die Wirtschaft - wer zahlte hatte Recht. Der Glaube - der Gott Israels war passe. Ein neuer Geist der Freiheit ohne Gesetz löste altes Denken ab.

2.3 Aus einem von Gott geführten Volk war ein verführtes Volk geworden. Doch das sah kaum jemand. Denn alle profitierten auf irgendeine Weise von der großen Welt. Doch waren es alle? Nicht alle.

2.4 Die große Welt veränderte sich jedoch. Die alte Schutzmacht Assur brach zusammen. Die neue Weltmacht Babylon war Israel nicht geheuer. Man ging auf Abstand und verlor den anerkannten Platz. Dann starb der König Weltkönig Manasse in Jerusalem.

2.5 In diese Zeit fällt die Berufung eines jungen Mannes aus einer Priesterfamilie mit Namen Jeremia. Zu ihm spricht Gott: ICH habe dich zum Propheten für die Völker bestimmt (1, 5). - Ach, mein Gott und Herr. Ich kann nicht reden, ich bin ja noch so jung.
Und dann folgt das berühmte Wort: Sage nicht, Ich bin zu jung. Wohin ICH dich sende, dahin sollst zu gehen. Was ICH dir auftrage, das sollst du verkünden (1, 7).

2.6 Wir erleben gerade hier in Andalusien wieder das Wunder der Mandelbaumblüte. Was für eine Pracht bricht da hervor. Wenn ich die blühenden Bäume in den Bergen sehe, halte ich an, um es zu betrachten. Mich erinnert das immer an Jeremia. Seine erste mitgeteilte Vision war das Bild vom Mandelzweig, der blüht.
Das Wort des Herrn erging an mich: Was siehst du, Jeremia? Ich antwortete: Einen Mandelzweig sehe ich. Da sprach der Herr zu mir: Du hast richtig gesehen; denn ICH wache über mein Wort und führe es aus (1, 11.12). Schaked heißt im Hebräischen der Mandelbaum. Schakad heißt im Hebräischen wachen. Ein Wortspiel. Der Herr steht zu seinem Wort. Wenn ER sagt, dann geschieht es. Sagt ER: Verdorre. Dann geht es zu Ende. Sagt ER: Blühe. Dann bricht aus Totem neues Leben. Der Mandelbaum zeigt es mit seiner wunderbaren Blüte. Schaked - Schakad.

2.7 Jeremia sieht den Abfall vom Glauben, vom respektvollen Umgang miteinander, die Abgründe der Korruption, das verborgene Elend.
Das Wort des Herrn sagt: ICH werde Mein Urteil über sie sprechen und sie strafen für alles Böse, das sie getan haben, weil sie Mich verlassen, anderen Göttern geopfert und das Werk ihrer eigenen Hände angebetet haben. Erschrick nicht vor ihnen (1, 16.17).


3.1 Wir unterbrechen hier unsere kleine Zeitreise und halten ein paar Dinge fest.

3.2 Es ist erstaunlich, wie der von Menschen totgesagte Gott lebt und handelt. Wie?
ER nimmt Platz ein nicht in den Schlagzeilen der Presse. Vielmehr nimmt ER Raum ein in Herzen von Menschen, die Er sich dafür aussucht. Wer war schon Jeremia. Ein unscheinbarer Mensch, geboren in einer Priesterfamilie. Wahrlich keine Berühmtheit. Der wird zum Sprachrohr Gottes.
Es ist von daher schlau, im Glauben auf solche Unscheinbaren zu achten, in denen Gott wohnt. Was haben sie zu sagen, direkt vom Herrn. Es könnte sein, dass dort der Mainstream Gottes lebt.

3.3 Noch etwas Erstaunliches. Jeremia hält sich selbst gar nicht für geeignet. Wir hörten seine Worte zu seiner Berufung. Wie verträgt sich das mit seiner später wahrhaft wichtigen Bedeutung?
Wir sehen hier, dass Berufung nicht auf menschlichem Selbstbewusstsein aufgebaut ist. Wäre das der Fall, hätte Gott schlechte Personalpolitik betrieben. Was Gott macht ruht auf Seinem "Fürchte dich nicht". Das ist und bleibt der Grund, Seine Verheißung.
Eigene Abgründe - sie sprechen nicht gegen die Berufung. Eigene Zweifel - sie bedeuten nicht, dass der Herr nicht durchkäme. Eines ist allerdings unverzichtbar. Dem Herrn mehr zuzutrauen als allem anderen. Sein Wort "ICH bin mit dir" steht über, besser unter allem. Der Weg ist, daran festzuhalten.


4.1 Wir reisen wieder zurück in die Zeit des Jeremia.
Der neue König Joschija ist ein Reformer. Er gräbt den alten Glauben wieder aus, im wahrsten Sinne des Wortes. Das alte Gesetzbuch wird im Tempel unter Gerümpel gefunden und neu aufgelegt. Umkehr geschieht. Ist Jeremia am Ziel? Hat Gottes Wort in seinem Wort gewirkt?
Die goldene Zeit, sie dauerte zwar länger als sieben Jahre. Doch viel mehr war es auch nicht. Der neue König Joschija stirbt auf dem Schlachtfeld. Sein Nachfolger Jojakim dreht das Ruder wieder rum. Heidnische Sitten dominieren erneut öffentliches Leben und Politik.

4.2 Die Priester fragten nicht: Wo ist der Herr? Die Hüter des Gesetzes kannten mich nicht, die Hirten des Volkes wurden mir untreu (2, 8). Hat je ein Volk seine Götter gewechselt? Dabei sind es gar keine Götter. Mein Volk aber hat seinen Ruhm gegen unnütze Götzen vertauscht. Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten (2, 11.13). Mein Volk hat Mich vergessen seit ungezählten Tagen (1, 32).

4.3 Die Worte bleiben nicht ohne Echo. Allerdings ist es ein anderes Echo als Jeremia es sich wünscht. Der neue König Jojakim verfolgt den lästigen Mahner. Seine bisherigen Vertrauten wenden sich von ihm ab. Seine eigenen Verwandten und Landsleute stellen ihm nach. Jeremia auf der Flucht.
Er hat nur noch einen Zuhörer. Verzweifelt wendet er sich an Gott selbst. Kein anderer will ihn mehr hören. So entstehen die Konfessionen des Jeremia.
Weh mir, dass ich geboren bin. Ich bin niemands Gläubiger und niemands Schuldner, und doch fluchen mir alle. Du weißt es Herr. Denk an mich, und nimm dich meiner an (15, 10.15).

4.4 Der nachfolgende König Zidkija (597-586) nimmt sich Jeremias an. Er nimmt ihn kurzerhand im Palast gefangen. Dort stirbt er fast. Nach der ersten großen Angriffswelle Babylons auf Israel wurde König Jojachin 597 verschleppt. Keine Wende im Denken. Keine Umkehr. Jeremia warnt weiter: Ihre Stirn ist härter als Stein, sie weigern sich umzukehren (5, 3). Das war zu viel. Der Mann muss weg.


5.1 Doch Gott kann man nicht wegschaffen. Man kann die mundtot machen, die Sein Wort sagen. Doch die Wirklichkeit entsteht durch Gott. ER lenkt sie. ER macht sie. Das mussten auch die Führer der damaligen Zeit erleben.
Und dies ist unsere nächste Quintessens. Der totgesagte Gott lebt sehr wohl weiter. Selbst wenn man seine Boten umbringt und verschwinden lässt. ER lebt und wirkt.

5.2 Und noch etwas. Für Gottes Boten bleibt am Ende immer Einer, der zuhört und versteht. Der Auftraggeber selbst, der Herr. Bei IHM sind alle Worte, alle Nöte, alles Scheitern aufgehoben. ER bleibt. Das Scheitern von Gotteskindern ist Scheitern eines Weges, doch nie das Scheitern ihres Glaubens, mit dem sie gehen. Der Herr und Seine Aufträge sind manchmal dunkel. Es scheint, als fährt ER vor die Wand. Doch steht am Ende immer nur ER selbst vor uns.

5.3 Was Jeremia hier erfährt hat Jesus ganz erlebt. Die Konfessionen des Jeremia sind Ouvertüre eines Weges, den Jesus bis zum Ende ging am Kreuz.


6.1 Doch Jeremia stirbt nicht im Palast. Das Spiel ist aus für Israel. Gott macht die Wirklichkeit. Jerusalem wird eingenommen. Die Weltmacht Babylon lässt nichts so wie es war. Der Tempel wird im Jahr 586 geschleift, Jerusalem zerstört, das Volk wird in die Sklaverei, die babylonische Gefangenschaft, verschleppt. Jeremia lässt man laufen.

6.2 Und wieder mahnt er mit deutlichen Worten als man unter den Zurückgebliebenen erneuten einen Aufstand plant. Vergeblich. Die Gescholtenen setzen sich durch, scheitern mit ihrem Anliegen und müssen nach Ägypten fliehen. Jeremia nehmen sie als Gefangenen mit.
Fern in Ägypten stirbt Jeremia wohl als alter Mann, in dem Land, aus dem Israel aus seiner ersten Sklaverei befreit wurde. Dorthin muss er zurück. Alles in seinem Leben wird zum Zeichen für das Wort des Herrn. Er trägt es an sich.


7.1 Die Botschaft seines Lebens fasst sich in unserem Text zusammen. Wir können es jetzt verstehen.
22 So spricht der Herr: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums.
23 Nein, wer sich rühmen will, rühme sich dessen, dass er Einsicht hat und mich erkennt, dass er weiß: Ich, der Herr, bin es, der auf der Erde Gnade, Recht und Gerechtigkeit schafft. Denn an solchen Menschen habe ich Gefallen - Spruch des Herrn.
Ich füge noch das Wort hinzu.
An der Erfüllung des prophetischen Wortes erkennt man den Propheten, den der Herr wirklich gesandt hat (28, 9).

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)