Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt
zum Sonntag Sexagesimae
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 19. Februar 2006

Anerkennung

Begnadung und Schwachheit des Apostels:
1 Ich muss mich ja rühmen; zwar nützt es nichts, trotzdem will ich jetzt von Erscheinungen und Offenbarungen sprechen, die mir der Herr geschenkt hat. 2 Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es.
3/4 Und ich weiß, dass dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann.
5 Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit.
6 Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.
7 Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.
8 Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
9 Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
10 Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

2. Korinther 12, 1-10

Liebe Gemeinde!

1.1 Wofür ist Anerkennung da? Wofür brauchen wir sie?

1.2 Anerkennung baut auf. Sie stützt, wenn wir niedergeschlagen sind. Sie hilft in der Schule, bei beruflichen Fragen, bei Problemen der Partnerschaft, im Stimmungstief. Für mich bist du wer! Wer das wahrhaft hört und erfährt, für den sieht die Welt schon anders aus.
Gut wer Anerkennung findet. Wir sollen aufrecht durchs Leben gehen.

1.3 Es gibt aber auch Menschen, die nutzen Anerkennung oder was sie dafür halten zum Aufbau ihres falschen Selbst. Bin ich nicht ein toller Kerl? Oder: Du hältst mich wohl für keinen!
Eigenlob und Selbstruhm stehen hinter Wort und Tat dieser Personen. Sie machen mit ihren Bemerkungen nicht wirklich froh, weder den Geber noch den Nehmer dieser Worte. Stützen sie doch ein brüchiges Bild von sich, das gar nicht wirklich existiert. Der Volksmund sagt: Eigenlob stinkt.


2.1 Die Gemeinde ist nicht frei von diesen Dingen. Denn sie besteht aus Menschen. Und Menschen kennen Eigenlob. Natürlich. Und nicht nur die anderen.

2.2 Es gibt noch einen zweiten Grund für die Verdrehung rechter Anerkennung.
Wir alle sind unterschiedlich begabt. Die gleichen Aufgaben können wir unterschiedlich gut bewältigen. Wenn ich nun sehe, jemand anderes macht eine Sache besser als ich, was liegt da näher als mich selbst zu rühmen.
Im Berufsleben ist das so. Da heißt es: Die können nicht so gute Altenheime bauen wie wir. Wenn sie bei denen reinkommen. Ach. Und kommen Sie dagegen bei uns einmal ins Haus. Sie werden sehen.
Als Jungs haben wir das als Spiel getrieben. Wer aus der Verwandtschaft besaß das schnellste Auto? Und irgendeinen Onkel mussten wir dann erfinden, der ein noch schnelleres Auto besaß. Schließlich wollte man doch wer sein.
In der Schule wurde das dann irgendwann durchschaut. Und es hieß nur abfällig: Torheit trumpft.
Doch leider haben wir oft als Erwachsene bei diesem Thema noch nicht ausgelernt. Natürlich heißt es: Wie schön ist es, wenn ein anderer etwas besser kann als ich. Ist das wirklich schön?


3.1 Für gesunde Beziehungen ist Sucht nach falscher Anerkennung Gift. Solche Beziehungen sind anstrengend, weil sie ein falsches Bild stützen, das aufrechterhalten werden soll.
Und für die Gemeinde, für die Verkündigung, für Aufgaben und für Leitung ist falsche Anerkennung ebenfalls nicht gut. Das können wir uns sofort vorstellen. Geistlich ist das alles falsch.
Doch es kommt vor. Viele merken es. Doch viele kennen keine Alternative oder können sie nicht leben.

3.2 Mal wieder ist es Paulus, der uns hier weit voraus ist. Natürlich hat er das auch schon erlebt.
Er, der Apostel, der die Gemeinde in Korinth aufbaute, er sei unterlegen in Redegewandtheit und Führungskraft - wir sind viel besser als du! Er, der das Evangelium vorlebte, sei mittelmäßig in geistlichen Höhenflügen - wir erleben da viel mehr als du! Das muss er sich sagen lassen.
Abwertung auf der ganzen Linie, die den Paulus trifft. Das ist ja oft ein Instrument, wenn falsche Anerkennung im Spiel ist. Der andere muss runter oder weg.

3.3 Und was hat Paulus getan? Wie hat er geantwortet? Welchen Schlüssel fand er, um mit der Sucht nach falscher Anerkennung umzugehen?
Seine Antworten stellen mal wieder alles auf den Kopf. Schauen wir hin wie er es macht.


4.1 Es scheint in unserem Text, als machte er den Wettlauf mit: Wer ist der Größte in der Gemeinde? Wer hat die meisten Tugenden?
Doch schnell merkt man: Er zählt nur auf, wo er, Paulus, als Verlierer dasteht: Verhauen, gesteinigt schiffbrüchig, gefangen, ausgeraubt, ohne Essen, in Gefahr, verraten, erfroren.
Schwach, schwach, schwach. Sieger in Schwäche.

4.2 Armer Tropf, denkt man.
Dann sagt er es selbst: Ich rühme mich - wofür? Was ist da noch? - meiner Schwachheit. Er meint es ernst. Verblüffend.

4.3 Kein Stärkewahn. Nicht der Größte sein wollen. Kein Angeben. Er, der Erste, hat es aufgegeben. Er will nicht Nummer Eins sein.
Es ist fast gemein. Paulus macht das Spiel der anderen mit, um es umzudrehen. Er tritt aus. Die Anerkennungsrolle: Du musst aber! Du hast aber! zieht Paulus sich nicht an.
Als Schwacher hat er seine Größe.


5.1 Dann ein neuer Anlauf. Ein zweites Mahl spielt er: Rühmen muss sein!
Jetzt schildert er von seinen Offenbarungen. Wissen Sie wie viel Himmel es gibt? Paulus wusste es. Im dritten war er einmal und dann im Paradies. Er konnte davon erzählen.

5.2 Donnerwetter! Was für ein Heiliger. Also doch ein Großer.
Ach, sagt Paulus, davon erzähle ich am besten gar nicht. - Doch, doch. Das ist doch was! - Eben, deswegen nicht. Jemand könnte denken, das sei etwas, was zählt. Ich rühm mich meiner Schwachheit.


6.1 Und damit kein Zweifel bleibt macht Paulus noch eine dritte Runde. Ganz offen berichtet er, dass der Teufel ihm an den Fersen hängt. - Der Teufel? Ihm? - Der plage ihn. Ein Pfahl sei deshalb in seinem Fleisch. Eine Wunde, die quält und nicht heilt. Was wissen wir nicht. Und Gott habe ihm dazu gesagt: Das soll bleiben. - Doch ein armer Tropf! Von Gott gestraft. Echte Schwäche. Das sieht nun jeder.


7.1 Und dann erklärt Paulus, warum er sich seiner Schwachheit rühmt: Damit die Kraft Christi bei mir wohnt. Das ist seine Größe: Viel Wohnraum für den Herrn. Wenig eigene Möbel und Schaustücke.

7.2 Christi Größe ist besonders klar in meiner Schwäche. Was trägt mich? Woran halte ich mich? Was ist mein Fundament? Was bekommen andere von mir als Großes mit?
Nicht mich und mein Können, sondern Ihn und Sein Können, Seine Verheißungen, Seine Größe. Darum geht es. Was ER durch uns tut, das wird uns groß machen. Manchmal ist das in unseren Fehlern und Schwächen deutlicher als bei unseren großartigen Seiten.

7.3 Die Frage meiner Anerkennung tauscht Paulus aus gegen die Frage nach Jesu Anerkennung. Die Frage meiner Stärke wechselt er ein gegen die Frage nach Gottes Stärke in mir.


8.1 Hat man das damals gemocht? Hat man Paulus dafür geliebt? - Nein, gewiss nicht. Denn so etwas tötet den Stolz und stützt keine falsche Anerkennung. Paulus war Spielverderber für eine ganze Reihe von Menschen.

8.2 Doch ist es gut, dass wir dieses Beispiel von ihm haben. Die wahre Anerkennung findet so Raum in der Gemeinde und auch bei uns, wenn wir es wie Paulus machen.
Wer Schwäche nicht ausklammert und Gott ranlässt, der wird Gefäß für Ihn. Das ist die tragfähigste Anerkennung unseres Lebens. Gefäß für Ihn sein, stark durch Ihn sein. Das ist es.
Vom Herrn aus lebt sich besser. Selbst bei der Frage der Anerkennung.

Amen.





Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)