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zum Sonntag Invokavit
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 5. März 2006

Glaubwürdige Umstände

1 Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.
2 Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tag der Rettung helfe ich dir. Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.

3 Niemand geben wir auch nur den geringsten Anstoß, damit unser Dienst nicht getadelt werden kann.
4 In allem erweisen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst, 5 unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten,
6 durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe, 7 durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten (Trutz) und in der Linken (Schutz), 8 bei Ehrung und Schmähung, bei übler Nachrede und bei Lob.

Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig; 9 wir werden verkannt und doch anerkannt; wir sind wie Sterbende, und seht: wir leben; wir werden gezüchtigt und doch nicht getötet; 10 uns wird Leid zugefügt, und doch sind wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich; wir haben nichts und haben doch alles.

2. Korinther 6, 1-10

Liebe Gemeinde!

1.1 Wenn ich Menschen spreche, die aus der Kirche ausgetreten sind, dann sagen Sie mir oft: Herr Pastor, das hat nichts mit meinem Glauben zu tun. Und meist erzählen sie mir dann eine Geschichte, wo sie ein Pastor oder kirchlicher Mitarbeiter enttäuscht hat. Sie hatten etwas erwartet, oft berechtigt oder zumindest verständlich. Ihre Erwartung wurde enttäuscht. Oft schlimm enttäuscht. Dann traten sie aus.
Natürlich gibt es auch Menschen, die aus finanziellen Gründen austreten, weil sie die Kirchensteuer sparen wollen. Aber ganz oft sind es die Vertreter des Glaubens, nicht der Glauben selbst. Es heißt dann: Wenn so etwas in der Kirche vorkommt, dann ohne mich. Lange Jahre der Kirchenmitgliedschaft werden durch eine starke Kränkung beendet.

1.2 Ich will nicht darüber urteilen, was davon wirklich berechtigt ist, und was auch bei genauem Hinsehen einer Prüfung nicht standhält. Unstrittig ist aber, dass Mitarbeitende der Kirche unter besonderen Erwartungen betrachtet werden. Das ist heute so. Das war schon zu Zeiten des Paulus so. Das wird wohl auch so bleiben.

1.3 Lassen Sie mal einen Professor rote Socken tragen und einen Ohrring in Gold. Dann heißt es: Na ja, der ist halt ein zerstreuter Professor. Oder: Der spinnt. Aber so etwas soll mal ein Pastor auf der Kanzel tragen. Da heißt es gleich: Dem kann man ja gar nichts mehr abnehmen. Wie soll man dem noch vertrauen. Da ist der Glaube in Gefahr, unglaubwürdig zu werden.


2.1 Die besondere Erwartung hat ja auch einen besonderen Grund.
Man kann ja schließlich auch keine Blinddarm Operation in der Küche oder im Kohlenkeller durchführen. Es mag Momente der Not geben, wo so etwas nötig ist. Doch in der Regel ist das unverantwortlich und nicht hinnehmbar. Eine Operation erfordert klinische Hygiene. Besondere Situationen fordern besondere Umstände.

2.2 Und so ist es mit dem Glauben auch.
Die Nähe Gottes erfordert Reinheit des Herzens. Die Verkündigung des heiligen Gottes erfordert Ehrfurcht und Heiligung. Die Einladung zum Glauben erfordert Respekt und Anerkennung der Menschen. Die Lebendigkeit des Heiligen Geistes erfordert Präsenz und Wachheit. Die Liebe Gottes fordert Freundlichkeit. Die Vergebung Gottes fordert Barmherzigkeit.
Ich könnte weitermachen. Gottes Gegenwart braucht unsere ganze Menschlichkeit. Lassen wir sie draußen vor, dann wird es auch danach. Die Unglaubwürdigkeit blockiert alles.

2.3 Und selbst wenn Menschen kein Gespür mehr für den Glauben haben. Gespür für unpassende Umstände haben sie sehr wohl. Wenn es da so und so zugeht, dann kann es mit dem Glauben nicht sehr glaubwürdig sein. Wenn das und das passiert, dann ist es mit der Liebe Gottes nicht weit her.

2.4 Entscheidend ist oft nicht der Glaube, sondern dessen Glaubwürdigkeit. Es zählen die Umstände, in denen er sich zeigt.
Ist nicht für uns alle der schöne Kuchen beim Kirchcafe, das Lachen der Gemeinde und das freundliche Gesicht an der Tür das Erste, was anzieht? Die lebendigen Umstände machen den Weg frei für die Erfahrung mit dem lebendigen und auferstandenen Jesus. Mancher ist zum Glauben gekommen, weil ein Mitarbeiter zu ihm nett war.

2.5 Paulus ist an diesem Punkt moderner Missionar. Als Apostel sagt er nicht Basta. Ich habe es gesagt, ihr habt das so zu glauben. Vielmehr weiß er um die besonderen Umstände einer werbenden Verkündigung. Und er nimmt sie auf, er nimmt sie an und er lebt danach.
Schauen wir, was Paulus an glaubwürdigen Umständen für nötig erachtet.


3.1 Das Erste. Kein Anstoß.
Wir geben in keiner Weise Anstoß, damit auf unseren Dienst kein Tadel falle (3). Was ist gemeint?

3.2 Nebensachen werden so schnell zu Hauptsachen. Das ist in der Ehe so, das ist im Glauben so. Haben sie einmal einen Partnerkrach über Grundsätzliches erlebt. In der Regel ist es das Fenster, was einer nicht zumacht oder die Zahnbürste, die nicht richtig eingehängt ist.
So ist es auch in der Gemeinde. Schiefe Bänke. Gesangbücher, die nicht richtig angereicht werden, Informationen, die nicht korrekt weitergegeben werden. Das alles ist vom Glauben aus gesehen Nebensache. Doch diese Nebensachen werden in der Regel zu Hauptsachen. Da soll ich noch was vom Glauben mitnehmen! So etwas soll überzeugend sein! Nebensache als Hauptsache.

3.3 Und Paulus sagt: Wir geben keinen Anstoß. Wir machen alle Nebensachen so gut wie es irgend geht. Wir vermeiden Anstöße. Damit nicht einer durch Nebensachen vom Evangelium abgehalten wird. Missionarische Umstände: Anstoß vermeiden.


3.4 Wenn wir jetzt schauen, welche Beispiele Paulus aufzählt, dann kann uns mulmig werden. Es sind nämlich nicht Zugluft und lesbare Kopierblätter, an die er denkt. Paulus spricht von (4.5) Ausdauer in Trübsal, Schlägen in Gefängnissen, Nachtwachen und Fasten. Darin ist er ohne Anstoß.
Er verzweifelt nicht im Leid, hält Folter aus, bleibt dran auch bei fehlendem Schlaf. Das ist die Glaubwürdigkeit des Paulus. Was für ein Weg. Darin bewährt sich für ihn Treue. Er ist leidensfähig. Wahrscheinlich ist das die größte Glaubwürdigkeit. Sie hat das meiste Gewicht. Sie macht uns tief.


4.1 Das Zweite. Wir bewähren uns.
Worin? In Reinheit des Lebens, durch Erkenntnis, Langmut und freundliches Wesen, Wirken im Heiligen Geist und ungeheuchelter Liebe, durch Verkündigung der Wahrheit und Erweisung der Gotteskraft (6.7).
Was sagt Paulus da? Nicht nur das Dunkle aushalten. Nein, das Helle ausstrahlen. So versteht er Tugenden. Sie schaffen glaubwürdige Umstände.

4.2 Ja, da wirst du nicht missbraucht für irgendetwas: Reinheit des Lebens. Ja, da wirst du nicht für dumm verkauft: Erkenntnis zählt. Ja, da wirst du nicht an die Wand geklatscht oder bekommst einen über den Kopf: Freundliches Wesen. Ja, da ist Jesus lebendig: Wirken im Heiligen Geist. Ja, da hörst du das Evangelium: Verkündigung der Wahrheit. Ja, da spricht der Herr: Erweisung der Gotteskraft.
Tugenden für glaubwürdige Umstände, die dem Herrn den Weg bereiten. Darin bewährt sich Paulus.


5.1 Das Letzte, worauf er hinweist. Verkannt sein. Nicht verstanden werden.
Glaubwürdige Umstände für den Herrn schließen das ein, verkannt zu werden. Denn Anstöße leidensfähig ausräumen, Tugenden leben, dass der Herr dadurch Raum bekommt, das versteht ja ein normaler Mensch gar nicht. Warum machst du das, frage er. Das ist doch dumm.
(10) Man denkt, wir müssten traurig sein, und wir sind immer fröhlich. Man hält uns für Bettler, aber wir machen viele reich.
Verkannt in den Motiven, verkannt in den Einschätzungen, verkannt in der Haltung.

5.2 Wie Christen das kennen, die mit dem Herrn leben. Es wird ihnen vorgeworfen, sie hätten wer weiß welche Absichten, dabei folgen sie dem Herrn. Sie werden bedauert für einen Weg, dabei gehen sie ihn voll Freude im Herrn.
Es ist schwer als Christ Freunde zu finden. Denn wenn der Herr die Führung übernimmt, wenn Anstöße vermieden werden, Tugenden zählen, dann macht das für andere keinen Sinn.

5.3 Paulus ist nicht umgefallen.
(8) Wir bleiben fest, mag unser Weg durch Ehre oder Schande führen, mag man uns schmähen oder rühmen. Verkannt sein ertragen. In der Gewissheit bleiben: Es scheint wir hätten nichts, und wir besitzen doch alles! (10).


6.1 Das sind die Umstände, von denen Paulus meint, sie machen Verkündigung glaubwürdig.
Anstoß vermeiden. Sich in Tugenden bewähren. Verkannt sein ertragen.

6.2 Es ist gut, dass nicht unser Gewissen, sondern der Herr Richter unseres Glaubensweges ist. Wo stünden wir sonst. Doch es ist auch gut, dass wir das Beispiel des Paulus sehen. Er ermutigt damals wie heute: (1) Lasst Gottes Gnade, die ihr empfangen habt, nicht ohne Wirkung bei euch bleiben.
Also dann.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)