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zum Sonntag Reminiscere
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 12. März 2006

Der Weinberg des Herrn seid ihr

1 Ich will ein Lied singen von meinem geliebten Freund, ein Lied vom Weinberg meines Liebsten. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. 2 Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit den edelsten Reben. Er baute mitten darin einen Turm und hieb eine Kelter darin aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure Beeren.
3 Nun sprecht das Urteil, Jerusalems Bürger und ihr Männer von Juda, im Streit zwischen mir und dem Weinberg!
4 Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn tat? Warum hoffte ich denn auf süße Trauben? Warum brachte er nur saure Beeren?
5 Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: Ich entferne seine schützende Hecke; so wird er zur Weide. Seine Mauer reiße ich ein; dann wird er zertrampelt. 6 Zu Ödland will ich ihn machen. Man soll seine Reben nicht schneiden und soll ihn nicht hacken; Dornen und Disteln werden dort wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu spenden.
7 Ja, der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel, und die Männer von Juda sind die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat. Er hoffte auf Rechtsspruch - doch siehe da: Rechtsbruch, und auf Gerechtigkeit - doch siehe da: Der Rechtlose schreit.

Jesaja 5, 1-7

Liebe Gemeinde!

1.1 Wir neigen alle dazu, uns etwas vorzumachen. Lieber etwas sehen was nicht ist als eine Illusion verlieren.
Das weit bekannte Beispiel dafür ist Hauptmanns Novelle Des Kaisers neue Kleider. Ein Hochstapler verkauft unsichtbar prachtvolle Gewänder. Der Kaiser posiert in der nackten Tracht. Ein Kind deckt den Schwindel auf: Er ist nackt!, ruft es laut und unbefangen. Alle lachen.
Wenn es gut geht, kann man lachen. Aber wie viel wird für unsichtbare Kleider bezahlt.

1.2 Als Christen sind wir nicht besser dran. Der hohe Anspruch und das Bild von Gott verleiten dazu, uns gut zu reden. Verständlich ist das sofort. Lieber blind für einen Fehler als unter hohem Maßstab leiden. Schließlich bemisst man doch so gerne damit, vor allem die anderen. Und wie stünden wir da, wenn uns das Urteil über andere selber träfe. Illusionen schützen.
Nur der Demütige, der weiß, das kann mir selber auch passieren, lässt Illusionen. Der Selbstgerechte braucht Illusionen, vor allem für sich selbst.

1.3 Gott baut Menschenherzen auf. Deshalb ist klar, dass ER von Illusionen nichts hält. ER möchte nicht, dass wir gut wirken und christliche Masken tragen. ER möchte uns begegnen, uns Seine Güte schenken. Dafür nimmt ER Illusionen fort.
Täte ER das nicht, dann wären wir gerichtet und erledigt. Dann hätte ER uns abgeschrieben.
Noch scheut ER keine Mühe, uns unsere Illusionen wegzunehmen und Seine Kleider neuen Heils uns anzubieten.
Wie damals bei Jesaja.


2.1 Wir befinden uns auf dem Marktplatz von Jerusalem. Lebendiges turbulentes Treiben.
Da steigt jemand auf eine Kiste, gürtet seinen Umhang und zieht eine Laute heraus. - Ach du meine Güte! Das ist ja der Prophet, so der Kommentar der Zuschauer. Dann stimmt er seine Laute und erhebt seine Stimme. - Und wie der singt! So die Zuhörer.

2.2 Und Jesaja singt:
Ich grub ihn um. Ich machte ihn frei von Steinen und von Dornen. - Arbeiten tut er auch. Gut zu hören.
Ich pflanzte ein, ich säte aus ganz neue, edle Reben. -Sparsam ist er nicht.
Ich baute auf, ich schuf ganz neu, die Kelter für die Trauben. - Es sei dir gegönnt.
Ich suchte, dass er Trauben brächte. - Was denn sonst! Was soll ein Weinberg sonst bringen.
Vergeblich nur, es waren schlechte! - Jesaja. Du bist ein armer Tropf!

2.3 Nun Bürger von Jerusalem, richtet doch selbst. - Worüber?
Und nun sprach Jesaja: Was soll geschehen? Was soll ich tun? Noch einmal:
Ich suchte, dass er Trauben brächte. Vergeblich nur, es waren schlechte.
Was tue ich mit meinem Berg? -Na ja. Wir sehen dich schon weinen statt Wein trinken. Was soll man tun?

2.4 Und erneut singt Jesaja: Ich will euch sagen, liebe Leute. Und er spricht: Ich will den Zaun wegnehmen und verwüsten, was ich gepflanzt habe und begoss. Den Hunden und den Schweinen geben, es bleiben Dornen, Disteln noch. - Du machst es aber gründlich. Recht so. Klare Verhältnisse.


3.1 Und wieder hören sie Jesaja singen:
Ihr lieben Leute, hört nur zu: Ihr seid der Weinberg, immerzu.

3.2 Denn Gott sucht Frucht bei euch von Seiner Pflege. ER gab euch Boden, Licht und Nahrung. ER schützte euch mit Seinen Geboten. An euch hängt ER Sein Herz. ER suchte den Wein der Freude bei euch.

3.3 Doch nur vergeblich. ER suchte Herzen. Wer liebte Ihn? Wer nahm Ihn auf? So wuchs in Seinem Weinberg schlechte Frucht. ER suchte Gerechtigkeit. Siehe, da war Geschrei und Schlechtigkeit (7).

3.4 Was soll ER tun? Soll ER den Zaun um uns einreißen?

3.5 So sprach Jesaja. Er nahm seine Laute und ging.


4.1 Szenenwechsel. Ein Haus in Jerusalem. Man ist gerade vom Markt gekommen. Erzählt. Hört.

4.2 Verrückte Predigt! So etwas uns zu erzählen.
Natürlich sind wir Gottes Pflanzung. Aber wir sind nicht so ein Krüppelgarten wie der verhunzte Weinberg dieses Propheten. Wenn er nicht wirtschaften kann, dann muss er das uns nicht anhängen.
Er hat mich gemeint. Keine Frucht! Unverschämt.

4.3 Und in einem anderen Haus nebenan:

4.4 Er hat mich gemeint. Demütig: ER hat mich gemeint. Gott hat mich damit angesprochen.
Herr, Du mein Gott. Du hast Recht.
Welche Frucht habe ich gebracht, was ist bei mir gewachsen?
Ich lief Dir weg.
Du hast Recht in Deinem Tun. Lass mich in Deinem Weinberg. Höre Deine Pflege noch nicht auf. Noch ist in meinem Leben Zeit und Raum für Deine Frucht. Lass sie bei mir auch wachsen.


5.1 Vielleicht wohnten beide in einer Straße, vielleicht in einem Haus. Vielleicht saßen beide in einer Bank im Tempel.

5.2 Vom Herz des einen war eine Maske weggenommen. Und der Himmel lachte, weil sein Licht dort strahlt.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)