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zum Sonntag Laetare
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 26. März 2006

Christus mein Leben

15 Einige verkündigen Christus zwar aus Neid und Streitsucht, andere aber in guter Absicht. 16 Die einen predigen Christus aus Liebe, weil sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums bestimmt bin, 17 die andern aus Ehrgeiz, nicht in redlicher Gesinnung; sie möchten die Last meiner Ketten noch schwerer machen. 18 Aber was liegt daran? Auf jede Weise, ob in unlauterer oder lauterer Absicht, wird Christus verkündigt, und darüber freue ich mich. Aber ich werde mich auch in Zukunft freuen. 19 Denn ich weiß: Das wird zu meiner Rettung führen durch euer Gebet und durch die Hilfe des Geistes Jesu Christi. 20 Darauf warte und hoffe ich, dass ich in keiner Hinsicht beschämt werde, dass vielmehr Christus in aller Öffentlichkeit - wie immer, so auch jetzt - durch meinen Leib verherrlicht wird, ob ich lebe oder sterbe.
21 Denn für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn.

Philipper 1, 15-21

Liebe Gemeinde!

1.1 Es war in Philippi in Ostmazedonien.
Plitsch. Der Tropfen platschte auf den kalten Gefängnisboden.
Sie hatten nichts anderes getan als dem traurigen Gesicht dieser Frau eine neue Hoffnung gegeben, sie, Paulus und Silas, Apostel, Boten Gottes.
Plitsch. Plitsch. Es war feucht in diesem vermoderten Gemäuer. Sie steckten im hintersten Verlies.
Die Frau hatte als Wahrsagerin gearbeitet, versklavt von einem Zuhälterring. Und dann hatte sie jeden Tag geschrieen: Ihr seid Boten des lebendigen Gottes. Eine wahre Botschaft in teuflischer Qual hervorgestoßen. Sie hatten im Namen Jesu gesagt: Schweig. Es war wie eine Erlösung. Die Frau fand zu sich. Ihre Qual war zu Ende. Was sie geschrieen hatte war plötzlich ihr eigenes Erleben: Jesus. Sie war frei.
Plitsch. Plitsch. Plitsch. Und jetzt steckten sie im Gefängnis. Man hatte sie von der Straße aus verhaftet. Geschäftsschädigung hatte man gesagt. Ohne Prozess ins finsterste Loch.
Plitsch. Was für ein Loch. Kein Lichtstrahl, Keine Stimme. Und dazu das Brennen der Wunden nach der Geißelung. Plitsch. Kein Tropfen Wasser. Nur dieses Tropfen. Plitsch. Die Füße in Ketten. Plitsch.

1.2 Ich lobe meinen Gott, von ganzem Herzen. Und ich will erzählen von allen Seinen Wundern und singen Seinem Namen.
Kaum gaben ihre Kehlen Laute frei, so trocken war ihr Mund. Doch die Wände halten wieder, verstärkten was ihren Stimmen fehlte. Wie ein Echo floss es zurück. Plitsch. Das war jetzt wie ein Takt für diesen merkwürdigen Lobgesang an einsamem Ort. Niemand hörte, niemand stimmte ein.
Oder doch? War es nur das Echo der Steine?
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in Dir! Halleluja.

1.3 Was war das? Das war nicht nur Plitsch als der letzte Laut verklang. Das war ein Knacken.
Ich lobe meinen Gott. Das war ein Krachen. Von ganzem Herzen. Ein Poltern. Und ich will erzählen von allen Seinen Wundern. Ein Stürzen und Beben als ob die Wände um und über ihnen einstürzten.

1.4 Dann war Stille. Was war anders? Es gab kein Plitsch mehr. Es hatte aufgehört. Sie blickten nach oben. Risse in der Decke. Geröll vor ihren Füßen. Die Ketten waren ab. Die Gittertore offen. Der Weg nach oben frei.

1.5 Und dann hörten sie ihn schreien. Sie stürzten auf den Gang. Da sahen sie den Gefängnisaufseher wie er sich ins offene Schwert stürzen wollte. Er haftete persönlich für die Gefangenen. Offene Türen hieß für ihn: Alle weg. Sein Leben war erledigt. Halt, riefen sie. Wir sind noch alle hier.

1.6 Er war der erste Christ in dieser Stadt Philippi. Er und seine Familie ließen sich in der gleichen Nacht noch taufen. Ein solcher Gott. Ein solcher Lobpreis. Ein solches Wunder. Eine neue Welt hatte sich für ihn geöffnet. Die alten Mauern waren nicht mehr das Sicherste, was es gab. Neues hatte begonnen. Der Herr war neue Lebensgrundlage. Ich lobe meinen Gott - das hatte auch ihn angesteckt.
Das war im Jahre 50 nach Christus in Philippi, Mazedonien.


2.1 Wahrscheinlich 5 Jahre später war Paulus wieder im Gefängnis, diesmal in Ephesus, etwa 500 km weiter südlich in Kleinasien. Und wieder trägt er Ketten. Wir wissen nicht genau den Anlass seiner Gefangennahme. Einmal schon war er in Ephesus knapp der Verhaftung entkommen. Der Aufstand der Silberschmiede hatte dazu beigetragen, einen Tumult zu provozieren. Die Ausbreitung des christlichen Glaubens, so befürchteten sie, würde den Verkauf der Liebesgöttin Aphrodite, Diana, beeinträchtigen. Groß ist die Diana von Ephesus. Da hatte der Glaube: Groß ist unser Herr keinen Raum.
Da war Paulus noch einmal knapp davon gekommen.

2.2 Doch jetzt war Paulus inhaftiert in Ephesus. Er schreibt er an die Gemeinde in Philippi. Er kann ihnen vertrauen. Wie gut kann der Gefängniswärter nachvollziehen, wie es um ihn stand. Wie können alle verstehen, was er braucht. Eine Geldspende hatten sie ihm schon zukommen lassen.

2.3 Denn diesmal wackeln keine Mauern und öffnen sich im Lobpreis keine Türen. Die Ketten fallen nicht mehr ab. Und im Gebet wird auch kein Weg frei. Paulus saß fest.
Und was macht er jetzt? Wie geht er damit um?
In unserem Bibelwort schreibt er, was ihn bewegt.


3.1 Das Erste: Ihr sollt wissen, dass alles, was mir zugestoßen ist, die Verbreitung des Evangeliums gefördert hat (12). Das ist sein erstes Wort aus Ketten. Gehen die Türen auf - so ist das zum Lob Gottes. Bleiben sie zu - so soll das auch zum Lobe Gottes sein. Der Ausbreitung des Evangeliums soll alles dienen: Ketten oder Freiheit.
Denn es ist am ganzen Sitz des römischen Statthalters deutlich geworden, dass ich um Christi willen im Gefängnis bin (13).
Sein Lebensziel wackelt nicht. Für die Ausbreitung des Evangeliums ist er da. Das gilt.

3.2 Das ist sehr ermutigend zu hören. Was Gott mit uns vorhat, das wird nicht dadurch hinfällig, dass Schwierigkeiten auftreten. Der Herr kommt zu Seinem Ziel.
Paulus erste Lebenskunst ist, sich alles zum Besten dienen lassen.


4.1 Das Zweite: Er sorgt sich um die Gemeindeglieder.
Es gibt ja zwei große Nöte: Christen rechnen nicht mehr mit Gott. Sie fallen um ohne wieder aufzustehen. Gestürzte Kinder Gottes. Wer hilft ihnen auf? Wer macht ihnen Hoffnung? Wer sagt ihnen neu von der Liebe Gottes und Seiner Vergebung?
Und die andere Not: Christen handeln aus eigensüchtigen Motiven. Ich helfe, damit ich gesehen werde. Ich rede, damit man mich hört. Ich, ich, ich und nicht: Der Herr, ER, ER.
Neidische Kinder Gottes. Wer hilft ihnen, demütig zu werden? Wer sagt ihnen, dass ihr Werk vor Gott ohne Frucht ist?
Paulus trägt beides. Sie machen die Last meiner Ketten noch schwerer, sagt er von den Eigensüchtigen.
Aber was liegt daran? In jeder Weise wird Christus verkündigt, und darüber freue ich mich.

4.2 Das ist Lebenskunst. Im Glauben das erspähen, was noch positiv ist. Die Freude des Herrn nicht aufgeben.


5.1 Das Letzt betrifft ihn selbst. Selten bekommen wir in so persönlichen Worten mit, was ihn bewegt.
Paulus, ist das jetzt dein Ende? War das dein Leben? Ist das jetzt vorbei mit dir? Das waren die Fragen.
Und Paulus: Nicht Überleben ist mein Leben, nicht "aus dem Gefängnis rauskommen" ist mein Leben, nicht "noch 20 Jahre haben" ist mein Leben.

5.2 Christus ist mein Leben. Sein Lebensziel ist auch im Hinblick auf sein Schicksal nicht in die zweite Reihe gerutscht. Das Erste zuerst. Der Herr ist mein Leben.
Und wenn jetzt Sterben dran wäre, so ist das auch Gewinn. Denn dann wäre ich beim Herrn. Wie schön. Ich sehne mich danach. Aber um euretwegen will ich hier bleiben.

5.3 Wie viele Mütter und Väter sind um ihrer Kinder willen nicht gestorben, haben ums Leben gekämpft, um da zu sein für die Ihren. Paulus tut das auch um seiner geistlichen Kinder willen.

5.4 Das ist die dritte schöne Lebenskunst: Die Ewigkeit so lieben, dass wir gehen können, Sterben Gewinn ist. Und dann ohne Furcht vor dem Tod hier bleiben. Wer so lebt, der lebt kräftig und wahrhaft mutig.


6.1 Zum Schluss sei noch erwähnt, dass sich auch diesmal die Gefängnistüren wieder öffneten und Paulus frei kam. Der Herr hat ihn für vieles noch gebraucht auf dieser Erde.

6.2 Als ein Geschenk aus dieser Zeit hinterließ er uns das Wort: Christus ist mein Leben.
Und die Lebenskunst: Alles zum Besten dienen zu lassen. Die Freude am Herrn nicht aufzugeben. Die Ewigkeit so zu lieben, dass Sterben Gewinn ist.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)