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zum Palmsonntag
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 9. April

Der Weg des Gottesknecht

Das dritte Lied vom Gottesknecht:
4 Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.
5 Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.

Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
6 Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
7 Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

8 Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer wagt es, mit mir zu streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran.
9 Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen. Wer kann mich für schuldig erklären? Seht: Sie alle zerfallen wie ein Gewand, das die Motten zerfressen.

Jesaja 50, 4-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Auf wen das wohl zutrifft, was hier gesagt wird? Es gibt viele fremde Texte in der Bibel über sonderbare Dinge. Aber welches Gesicht mag hinter diesen Worten stehen? Auf wen trifft es zu?

1.2 Unser Text ist ein prophetisches Wort. Christliche Prophetie ist, wenn Gott den Vorhang plötzlich aufmacht und uns sehen lässt, was IHM wichtig ist.

1.3 Zum Beispiel kann ER ein helles Licht zeigen, dass so schön ist, dass das Herz selbst dadurch hell wird.

1.4 Sie wissen dann zwar nicht, ob das Morgen oder in einem Jahr sein wird. Wann ist offen. Denn Prophetie läuft nicht nach menschlichem Kalender. Sie kann wie unser Wort 2.600 Jahre alt sein, das spielt keine Rolle. Aber sie werden heute mit Hoffnung erfüllt: Es wird. Und Ihr Glaube wird gestärkt. Am Ende wartet Licht, nicht Dunkelheit. Ich gebe nicht auf. Ich vertraue. Das geschieht jetzt.

1.5 Im Unterschied zur Wahrsagerei baut Prophetie stets auf Ihren Glauben, mit dem Sie Antwort geben.

1.6 Noch etwas, was wichtig ist im Umgang mit der Prophetie. Wenn uns in einem Bild oder Traum ein schon Verstorbener erscheint und mit uns redet, dann sehen wir oft ganz andere Dinge als bisher. Früher waren uns vielleicht immer die dicken Socken vor Augen oder die gelbe Jacke, die jemand trug. Und wir dachten immer: Himmel, das passt doch nicht. Und jetzt, wenn der Himmel den Vorhang aufmacht, dann sehen wir ganz anderes. Die Socken interessieren nicht. Wir sehen die Augen. Wir fühlen die Nähe. Wir spüren die Kraft der Bewegung. Ganz anders ist das, was Gott uns zeigt. ER wählt aus und zeigt, was zählt. Göttliche Kleinigkeiten von Bedeutung. Die hebt Prophetie hervor. Die gilt es, nicht zu übersehen.
Dann schließt sich meist der Vorhang. Wir sind erneut umgeben von unserem Alltag.

1.7 Mit diesem Wissen wollen wir jetzt unser Wort betrachten und sehen, was es uns bringt.


2.1 Zunge und Ohr sind hier zunächst das Wesentliche. Darauf fällt der Blick. (4) Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers. (5) Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.

2.2 Was passiert, wenn Gott uns eine "Zunge" schenkt? Was ist das, wenn ER uns das Ohr öffnet?
Gott weiß als Schöpfer um unser Herz. ER weiß um unsere Verzagtheit. ER weiß um die Freude, die aus einem erfüllten Herzen fließt. Und ER weiß, dass unsere Zunge wiedergibt, was unser Herz findet. Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über. Das gilt für Freud und Leid.
Und ähnliches gilt für unser Ohr. Wir hören, was wir wollen, worauf das Herz gerichtet ist. Der Rest fällt vielerorts durch und wird vergessen.

2.3 Wenn ER unsere Zunge gebraucht, dann hat ER zuvor unser Herz berührt mit Seiner Gegenwart. Steckt Seine Gegenwart in uns, dann rührt das auch den anderen. Der Müde wird gestärkt, der Niedergeschlagene ermutigt. Die Worte treffen. Sie richten auf. Gott macht das. Denn ER hat Wohnung. Die Worte werden transparent für IHN. Gott selbst kann sie gebrauchen. ER redet, sogar durch uns.

2.4 Beim Hören ist das nicht anders. Ist unser Herz auf IHN gerichtet und hat ER Wohnung dort, dann lässt ER uns IHN hören.
Oft beginnt das mit einer inneren Unterscheidung. Wir spüren: Dieses ganze Gequatsche, das ist es nicht. Diese Sprüche. Diese Flut an Worten, die keine Kraft haben.
Und dann ist da ein einziges Wort. Sie hören vielleicht nur: ICH. Und von diesem Wort des Herrn, wie ER sich vorstellt, geht eine Freude aus. Sie breitet sich über das eigene Ich wie eine wohltuende Salbe, wie eine Flut von Wärme und von Licht.
ER hat Ihnen das Ohr geöffnet. Ein einziges Wort von IHM reicht, um Tausend Wörtern Stand zu halten.

2.5 Von Gott gegebene "Zunge", Worte. Von IHM geöffnete Ohren.
Darauf weist unser Wort hin. Dies wird prophezeit. Das wird es geben. Wie schön. Möchten wir auch.

2.6 Möchten Sie es? Trifft das Ihre Sehnsucht? Geht dahin Ihr Verlange?
Prophetie will stets mit dem eigenen Glauben ergriffen werden. Das hieße: Herr, bitte, auch für mich. Berühre meine Zunge. Öffne mein Ohr. Ein schöner Weg.


3.1 Ein schöner Weg? Vorsicht. Wer Gottes Stimme hört und Seine Worte sagt wird von Gott abhängig.
In unserem Wort wird dies ganz deutlich. Die hier prophezeite Person spürt dies. Sie ist abhängig von Gott bis zum Leid.

3.2 Dieser Mensch muss erleben: (6) Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen. Und diese Duldung war nicht das einzige: (6) die mir den Bart ausrissen, denen bot ich meine Wangen. Und auch diese Prüfung war noch nicht alles: (6) Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
Das war Folter: Schläge, Ausreißen, Schmähungen. Von Gott verlassen, sagen alle.

3.3 Gerade die, bei denen Gott sich Wohnung nimmt, gerade die stehen oft so da: Von Gott verlassen.
So denken andere, so denken Kinder Gottes häufig von sich selbst. Von Gott verlassen.


3.4 Dann gilt es wieder vorne anzufangen. Der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Was sagt ER? Was legt ER in mein Herz, auf meine Zunge?
(7) Doch Gott, der Herr, ER wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. So spricht Sein Wort in mir. Das sagt ER, um den Müden zu stärken. Und manchmal sind die Müden ja wir Christen selbst, in eigener Person.
ER wird mir helfen. Das richtet auf. Das stärkt. Das ist ein Wort von IHM, das durchströmt. ER wird mir helfen.

3.5 Noch eine interessante Beobachtung. Wer so etwas mit dem Herrn erlebt, für den ist das nachfolgende Wort sofort klar. (7) Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel.
Mein Gesicht hart wie ein Kiesel? Geht das und ist das Recht?
Hart wie ein Kiesel ist der Glaube gegen den Unglauben. Hart wie ein Eckstein war Jesus, an dem alle anderen sich stießen. Wessen Gesicht vom Leid geschliffen ist wie ein Kiesel, der ist nicht mehr butterweich gegen den Unglauben und das Böse. Er verzeiht, aber er gibt nicht nach. Er liebt, aber er lässt sich nicht verdrehen.


4.1 Am Schluss unseres Wortes wird noch ein Siegesbild gezeigt. Wie bei einer Gerichtsverhandlung wird gefragt: (8) Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran. (9) Wer kann mich für schuldig erklären? Seht: Sie alle zerfallen wie ein Gewand, das die Motten zerfressen.

4.2 Was ist das für ein Gegner, der hier erledigt wird?
Von Motten Zerfressenes zerfällt zu Staub. Das ist in der Bibel das Bild für den Tod, was übrig ist, wenn Gott nicht eingreift.

4.3 Hier spricht das prophetische Wort das ewige Gericht an. Da steht der Tod und will verklagen. Da steht die Lebensschuld und will Tribut einfordern.
Und das Wort sagt: (8) Er, der mich freispricht, ist nahe.
Mit so einer Botschaft können wir vor unseren Herrn und Gott treten. ER, der mich freispricht, ER ist mir nahe.


5.1 Was für ein Wort:
Erst das Hören und Reden von Gottes Wort.
Dann das Durchleiden der Gottverlassenheit.
Dann der Freispruch im ewigen Gericht.


5.2 Auf wen trifft dieses Wort zu? Für wen passt es?
Ein Gesicht wird nicht beschrieben, wohl aber, was mit ihm passiert. Man hat deshalb den hier beschriebenen Menschen Gottes Knecht genannt. Gottesknecht: In allem bleibt er Diener. Im Hören und im Gehorchen durch das Leben. Im Fallen und im Aufrichten durch den Herrn. Am Ende siegt er.

5.3 Und Christen haben nachträglich klar erkannt: Jesus ist Gottesknecht. ER ist der hier beschriebene Mensch. In ihm erfüllt sich, was hier steht.
ER hört die Stimme Gottes, ER durchlitt die Gottverlassenheit, ER steht im ewigen Gericht als Sieger.

5.4 Und die IHM folgen und gehören, die sind es auch. Die haben Teil an allem, was ER ist und war.
Was für ein Weg für uns, an den Geheimnissen des Gottesknechtes Teil zu haben:
Die Sehnsucht, Gott zu hören, Sein Wort zu sagen, zu stärken, zu ermutigen.
Die Gewissheit, durch Gottverlassenheiten durchzukommen.
Der Sieg im ewigen Gericht beim Herrn zu sein.
Was für ein Weg.



Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)