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Misericordia Domini
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 30. April 2006
Lebensstil des Hirten: Weiden


1. Ich richte nun meine Ermahnung an die Ältesten, die unter euch arbeiten - ich bin ein Ältester wie sie; ich habe das Leiden Christi als Augenzeuge gesehen und soll auch Teil empfangen an der Herrlichkeit, die sich offenbaren wird - :
2. Weidet die euch anbefohlene Herde Gottes - nicht aus Zwang, sondern aus innerem Herzensdrang, wie es Gott gefällt; nicht aus schnöder Gewinnsucht, sondern mit Lust und Liebe! 3. Tretet nicht als Herren auf in euern Gemeinden, sondern werdet Vorbilder der Herde!
4. Dann werdet ihr bei der Erscheinung des Oberhirten als Ehrenkranz aus unverwelklichen Blumen die Herrlichkeit empfangen.

1. Petrus 5, 1-4

Liebe Gemeinde!

1.1 Wir haben heute ein Lebensgefühl entwickelt, das uns alle prägt: Jeder ist für sich.
Natürlich ist das auch richtig: Ich trinke meinen Kaffee selbst und ich gehe selbst auf die Toilette. Das kann ich nicht für einen anderen tun, noch ein anderer für mich.
Trinken Sie mal eine Cola für einen anderen. Das löscht dem nicht den Durst.

1.2 Doch ich meine etwas anderes. Bin ich nur für mich, dann kommen andere nur vor, weil ich sie brauche. Sonst stören sie. Und anderen helfen? Warum denn! Pöh. Was habe ich davon. Für sich sein als Lebensstil und Sinn.

1.3 Die Folge: Jeder lebt wie in einem eigenen Kosmos. Andere sind nur Zuschauer. Als solche sind sie natürlich erwünscht.
Oder ich schaue ihnen zu. Das ist wie eine nette Unterhaltung. Danach bin ich wieder wie eh und je für mich.
Ich bin nicht nur allein. Das bin ich immer. Ich bin auch einsam.

1.4 In der Schule spüre ich das in den Klassen: Der helfen. Ich bin doch nicht doof. Die soll sehen wie sie klarkommt.
Auf der Straße lese ich es in Gesichtern. Es gibt nur meine Welt: Meine Sonne, meine Stück Land, mein Interesse.
Maler halten es in Bildern fest, wie zum Beispiel Otto Dix in seinem Bild Metropolis, Entwurf eines Tripticos (1927-28), wo er die Lebenswelten unterschiedlichster Menschen beziehungslos nebeneinander stellt.
Otto Dix, Matropolis, 1927-1928

1.5 Die Botschaft ist klar: Jeder für sich. Sind das die Bilder auf den Altären unserer Zeit?


2.1 Es ist erstaunlich, dass unser Bibelwort heute ein richtiges Kontrastprogramm dazu aufstellt. Weidet die Herde Gottes. So lautet die Botschaft. Es ist ein so tief greifender Unterschied in Haltung und Lebensweise für uns Christen, der hier angesprochen wird, dass es sich lohnt hinzuschauen.

2.2 Und dass der Apostel Petrus sich hier an die Ältesten wendet braucht keinen auszuschließen, der sich vom Alter noch zu den Jüngeren rechnet. Es gibt immer einem, dem wir ein Älterer sind. Noch braucht sich jemand ausgeschlossen fühlen und denken: Ich bin kein Kirchenältester. Denn mit Menschenführung hat oder hatte fast jeder von uns zu tun, die wir hier sind.

2.3 Was ist das für ein Lebensstil: Weidet die Herde.


3.1 Bei unserem Bibeltext ist etwas ganz Typisches zu beobachten. Bevor da irgendetwas steht, was wir oder andere tun sollen, wird erzählt, was Gott tut. Bevor eine Wahrheit über uns gesagt wird, wird erst die Wahrheit Gottes deutlich. Das ist so wichtig. Gott zuerst.
Die Bibel will uns nämlich nicht in unseren Spiegel schauen lassen. Am Ende sind wir damit nämlich so klug und hilflos wie am Anfang. Die Bibel zeigt uns immer zuerst den Spiegel Gottes.
Und was sehen wir darin?

3.2 Der lebendige Gott macht es selbst so: ER ist der gute Hirte. ER weidet Seine Herde.
Zunächst behandelt ER mich so, damit ich es dann für andere auch kann. In unserem Text wird dies deutlich. Der Apostel Petrus weist zu allererst darauf hin.

3.3 Was ist eine Weide? Da gibt es genug zum Leben. Und nicht nur genug. Es gibt die Fülle.
Eine saftige Wiese mit Blumen muss für ein Schaf so etwa wie die Costa del Sol für uns Menschen sein.

3.4 Wie führt uns Gott auf Seine Weide? Wie gibt ER uns genug für uns? Wie gibt ER uns die Fülle? Wie leitet ER uns als guter Hirte?


3.5 Ich war Augenzeuge, schreibt der Apostel Petrus, wie Gott durch das Leiden Jesu in der Passion und am Kreuz und im Tod und durch Seine Auferstehung etwas Wunderbares schuf: Leid ist keine Verdammung von Gott. Schuld ist kein Abgrund ohne Boden. Tod ist nicht das Ende.
Gott führt uns Menschen durch Jesu Weg auf eine Weide, von der wir nur träumen können:
Keine Verdammung zählt. Die Liebe Gottes zu dir ist der Beweis.
Es gibt Vergebung für alle Schuld in deinem Leben am Kreuz von Jesus.
Der Tod ist auf Erden das Letzte, aber nicht das Letzte deines Lebens. Lebe für mehr. Für die Ewigkeit.

3.6 Diese Weide Gottes steht zur Verfügung, jedem. Allen, die Erfüllung im Leben suchen, sagt das Wort: Du kannst sie haben. Allen Christen, die auf ihrem Weg zweifeln, gilt: Dort ist Stärkung für den Weg. Allen, die die Schönheit Gottes suchen, zeigt sie sich auf dieser Weide.
Jesus hat sie geschaffen.

3.7 Der Apostel Petrus sagt, er sei Zeuge davon, wie Gott diese Weide in Jesus entstehen ließ. Und er meint: Jetzt lässt es sich erfahren. Doch einmal wird es sogar für alle sichtbar, nicht nur erlebbar. Das ist dann Fülle. Wenn der Herr wiederkommt und allen Menschen die Augen öffnet über Seine Erlösung. Das steht noch aus. Darauf warten die Christen.

3.8 So behandelt uns Gott. ER teilt aus und gibt, deckt unseren Mangel mit Seiner Fülle. Das ist Seine Hirtenarbeit.


4.1 Wie ER es bei uns tut, so können wir es anderen tun. Wie ER mir, so ich dir. Das ist der zweite Hinweis unseres Wortes.

4.2 In der Regel ist das eine völlig neue Blickrichtung eines Lebens, die wir von Natur aus gar nicht haben.

4.3 Ich sehe einen anderen Menschen.
Ich sage nicht: Ja und. Was geht mich das an.
Ich sage auch nicht: Was muss denn jetzt geschehen, dass der mich sieht und alles, was ich meine. Denn schrecklich ist, wenn man mich übersieht.
Ich sage auch nicht: Was der da sagt ist ziemlich weit daneben. Ach, wie empörend.
Ich sage: Was könnte dem denn helfen, erfülltes Leben zu bekommen. Die Weide Gottes kennt er nicht. Was führt ihn hin? Wie findet er die Botschaft von Gottes Liebe für sich selbst.

4.4 Ich nenne dies das Hirtenmotiv im Lebensstil.
Ich finde etwas Großes im Leben. Und ich sage nicht: Wie kann ich das für mich absichern, dass es kein anderer merkt. Nur ich. Jeder für sich.
Stattdessen spricht das Hirtenherz: Ich sehe. Hier ist viel zu bekommen. Wie können möglichst viele daran teilhaben. Ich suche nach Wegen. Ich mache es bekannt. Ich helfe anderen, dass sie es auch finden.
Ich nutze mein Wissen nicht als Macht für mich. Ich mache mit ihm Wege frei für IHN. Das ist Hirtenstil.

4.5 Im Übrigen geht mir damit nichts verloren. Denn mehr als satt werden und zufrieden sein im Leben kann kein Mensch. Was spricht dagegen, das nicht für mich zu horten, sondern möglichst vielen zu gönnen und zu ermöglichen.
Vergebung wird nicht geringer, wenn ich sie lebe und es anderen zeige, dass das geht. Sie nutzt sich nicht ab. Es gibt genug. Die Liebe Gottes für mich zu nehmen wird nicht dadurch gemindert, dass ich sie anderen auch noch gönne.
Verteilungskämpfe um Lebenssinn macht keinen Sinn.


5.1 Klar, was der Apostel jetzt noch bemerkt:
Zwang, Gewinnsucht, Beherrschen wollen - das alles passt nicht zum Lebensstil des Hirten. So sollen Christen nicht leben. Denn Gott ist nicht so. So sollen Christen andere nicht behandeln.

5.2 Wer so lebt schafft keine Weide, sondern eine Wüste.
Ist hier ein Grund für manche verwüstete Lebenslandschaften in uns, in unseren Familien, in unseren Gemeinden?
Unter Zwang, Gewinnsucht und einander Beherrschen wollen bringt jeder nur den anderen um. Das Ende ist der Tod, meist sogar der eigene. Da lohnt sich Leben kaum. Warum?
Ist hier der Grund, warum so viele Menschen heute fragen: Was macht es denn für einen Sinn?


6.1 Motive wechseln. Das ist angesagt. Nicht jeder für sich. Sondern Weiden schaffen, wo wir selbst und andere zu gutem Leben finden. Die beste Weide ist die unseres Herrn. Als guter Hirte weiß ER, was wir brauchen. Dorthin selbst gehen und andere leiten.

6.2 Hirte sein als Lebensstil. Das sagt uns unser Wort.

6.3 Überraschung zum Schluss. Der Oberhirte lohnt die Seinen. Kommt ER in Herrlichkeit, dann gibt es Ehrenkränze. Schon ohne die lohnt sich der Weg. Doch mit himmlischer Prämie muss es noch schöner sein.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)