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zum Sonntag Cantate
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 14. Mai 2006
Mit Lobpreis leben


23 Sie ließen ihnen viele Schläge geben und sie ins Gefängnis bringen; dem Gefängniswärter befahlen sie, sie in sicherem Gewahrsam zu halten. 24 Auf diesen Befehl hin warf er sie in das innere Gefängnis und schloss zur Sicherheit ihre Füße in den Block.
25 Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder; und die Gefangenen hörten ihnen zu. 26 Plötzlich begann ein gewaltiges Erdbeben, so dass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Mit einem Schlag sprangen die Türen auf, und allen fielen die Fesseln ab.
27 Als der Gefängniswärter aufwachte und alle Türen des Gefängnisses offen sah, zog er sein Schwert, um sich zu töten; denn er meinte, die Gefangenen seien entflohen. 28 Da rief Paulus laut: Tu dir nichts an! Wir sind alle noch da. 29 Jener rief nach Licht, stürzte hinein und fiel Paulus und Silas zitternd zu Füßen. 30 Er führte sie hinaus und sagte: Ihr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden?
31 Sie antworteten: Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus. 32 Und sie verkündeten ihm und allen in seinem Haus das Wort Gottes. 33 Er nahm sie in jener Nachtstunde bei sich auf, wusch ihre Striemen und ließ sich sogleich mit allen seinen Angehörigen taufen. 34 Dann führte er sie in seine Wohnung hinauf, ließ ihnen den Tisch decken und war mit seinem ganzen Haus voll Freude, weil er zum Glauben an Gott gekommen war.

Apostelgeschichte 16, 23-34

Liebe Gemeinde!

1.1 Loblieder in solch einer Situation anstimmen wie Paulus und Silas das taten, das wirkt fremd und unpassend. So wird fast jeder denken, der davon hört. Die Stimmung vom Gotteslob passt nicht zu den Umständen eines Gefängnisses. Loben passt nicht zu Schmerzen. Anbetung passt nicht in einen Kerker.
Paulus und Silas, was macht ihr da? Habt ihr die Realität nicht mehr vor Augen?

1.2 Doch Paulus und Silas tun für Christen nichts Ungewöhnliches. In Ihrer Not halten sie am Lobpreis Gottes fest.
Christen haben das zu allen Zeiten getan: Gott loben unabhängig von der eigenen Befindlichkeit und den Umständen. Dass das schwer ist, hat nicht außer Kraft gesetzt, dass es wahr ist.

1.3 Warum ist das Lob Gottes in guten und in schlechten Zeiten im Herzen von Christen? Warum gilt "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" stets und immer? Warum ist der Lobpreis so wichtig? Warum wirkt er wie ein Lebenselixier des Glaubens?

1.4 Schauen wir uns, was der Lobpreis ist.
Ganz sicher ist er mehr als ein paar fröhliche Lieder. Denn die hätten die Mauern des Gefängnisses nicht zum Einsturz gebracht. Was also ist der Lobpreis Gottes?


2.1 Das Lob Gottes ist ein Ort im Himmel, ein Bereich, eine heilige Zone. Psalm 22, 4 heißt es: Gott wohnt im Lob. Das Lob Gottes ist also eine Adresse: Gottes Wohnung.
Wer es anstimmt ist vor IHM.

2.2 Als nächstes müssen wir wissen: Diese Adresse hat auch einen Zugang: Einer der Thronwächter Gottes stellt Lob durch. Es ist der Geist der Freude, einer der sieben Geister Gottes um IHN. Dieser Geist der Freude kommt vom Thron Gottes und macht Lobpreis in Menschen lebendig. ER nimmt etwas Wohnung von Gott und macht damit Wohnung in uns. So kommt das.

2.3 Jesus hatte diesen Geist in sich: Lukas 4, 18.19 heißt es von IHM: "Der Geist des Herr ist auf mir". Der Geist hatte Wohnung in IHM genommen, der Lobpreis Gottes lebte in IHM. Deswegen konnte ER Matthäus 11, 25f beten: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde.

2.4 Und Paulus lässt keinen Zweifel daran, dass jeder Christ durch den Heiligen Geist diesen Geist der Freude in sich trägt. In Galater 5, 22 entfaltet Paulus die Früchte des Geistes: Die Früchte des Geistes sind Liebe: als Freude und Friede, Geduld: als Freundlichkeit und Gütigkeit, Glaube: als Sanftmut und Keuschheit. Die Freude steht ganz vorne bei allen genannten Wirkungen.
Der Heilige Geist bringt diesen Geist der Freude. ER gibt Lobpreis ins Herz.


2.5 Den Heiligen Geist tragen wir nicht von Natur aus in uns. Deshalb können wir von uns selbst aus auch nur bestenfalls fröhliche Lieder singen. Geht es schlecht vergeht uns die Stimmung.
Der Heilige Geist aber zieht bei schlechter Wetterlage nicht aus. ER bleibt in uns in Freud und Leid.

2.6 Und wie kommt ER in uns? Wie haben wir Anteil an IHM?
Der Herr gibt IHN uns wenn wir IHN darum bitten: Komm, Heiliger Geist.
Jesus sagt nach dem Gleichnis von der bittenden Witwe: Um wie viel mehr wird Mein himmlischer Vater Seinen Heiligen Geist denen geben, die IHN darum bitten. Geist der Freude, Heiliger Geist, falle auf uns herab. Diese Bitte singen Christen seit Pfingsten in der Erwartung, dass ER kommt.

2.7 Wie kann ich IHN empfangen, den Geist der Freude? Herr, gib Ihn mir. Komm in mir wohnen mit Deinem Lobpreis.
Es ist ein Akt der Erwartung und der Erfüllung. Was von IHM ist kann auch nur von IHM kommen.


3.1 Jetzt verstehen wir, warum Paulus und Silas zu einem Lobpreis im Gefängnis fähig waren.
Sie steckten in tiefer Verzweifelung. Sie bereiteten sich auf ihren letzten Augenblick vor. Sie rechneten mit ihrem Tod. Das war es also. Wir treten ab.
Ob jemand mitbekommt, wo unsere Leichen sein werden? Wir haben für den Herrn getan, was möglich war. Für alle Fehler, Herr, verzeih. Jetzt nimm uns auf in Dein ewiges Reich.
Und da sie den Heiligen Geist in sich trugen war auch der Geist der Freude da. Warum sollten sie nicht im letzten Augenblick dem Herrn Loblieder singen? Dir Herr gebührt die Ehre. Zu Dir, Herr, sind wir unterwegs. Nimm uns auf in Dein ewiges Reich. Wir loben Dich schon jetzt. Und einmal dann in himmlischer Vollendung. Herr, Dir sei Ehre.

3.2 Der Lobpreis in der Todeszelle ist kein Realitätsverlust, sondern eine Wirklichkeitserweiterung. Er lässt die Mauern springen und dringt durch bis zu Gottes Thron. Er findet einen Weg von der Verzweifelung im Herzen bis zum himmlischen Lob vor Gottes Angesicht. Er dringt durch, wo sonst nichts durchkommt. Er sieht den Himmel offen und holt ihn zurück in das eigene Herz. Er hält daran fest, dass Gottes Lob nicht aufhört, auch wenn das eigene Leben endet. Er hält fest: Dort, im Lobe Gottes, dort ist meine erste Heimat. Verankert bin ich dort. Dort will ich hin. Dort bin ich schon jetzt mit meinem Geist, auch wenn die Strömung an mir zerrt. Deshalb mein Lobpreis.

3.3 Wir verstehen, dass das etwas anderes ist als eine gute Stimmung, die mich singen lässt. Es ist nicht Stimmung, sondern eine Stellung meines Herzens, die ich wähle.
Herr, ich bin vor Dir. In dieser Stellung fest zu stehen, macht Lobpreis möglich.


4.1 Meine Frau hat vielen Menschen schon eine große Freude mit einem kleinen Geschenk machen können. Wenn wir morgens am Strand laufen, dann findet sie manchmal einen kleinen viereckigen Stein, nicht größer als eine Briefmarke, ganz blau. Und einmal ist ihr aufgegangen: Dieses kleine bisschen Blau ist ein Stück Himmel auf Erden.
Und so hat sie es weiter gegeben. Ein Stückchen Himmel für Dich. Für Deinen Weg in diesem Augenblick: der Himmel ist dabei.

4.2 So etwas ist auch der Lobpreis. Ein Stückchen Wohnung Gottes bei uns. Ein Ausschnitt aus dem himmlischen Gottesdienst vor Seinem Thron in uns. Der Lobpreis zieht den Himmel auf die Erde.


5.1 Nun haben Paulus und Silas bestimmt nicht ihren ersten Lobpreis in der Kerkerzelle gehalten. Wer im letzten Augenblick auf dieser Erde im Herzen singen möchte, der sollte vorher anfangen zu üben. Dann können wir gelassen in die Zukunft schauen. Der Heilige Geist gibt uns bestimmt das Richtige ein.

5.2 Zum Üben aber gehört, das innere Lob Gottes nicht von den eigenen Stimmungen und Haltungen ersticken zu lassen. Gewiss, wenn unser Herz verzweifelt, im Kummer oder böse ist, dann drängt es gerne jedes Lob von Gott hinaus. Und Sünde, die wir festhalten, lässt Lobgesang verschwinden. Gott wohnt nicht in Sünde. ER vergibt sie, schafft sie weg.

5.3 Doch wenn der Herr in uns zu Hause ist und lebt, dann ist das Lob Gottes in uns wie ein ständig fließender Strom. Er hört nicht auf, erneuert sich wie eine Quelle, ist da in jedem Augenblick und ständig neu.
Darauf zu achten heißt es üben, mit Lobgesang zu leben.


6.1 Zum Schluss ein interessanter Hinweis. Im Hebräischen heißt Cantate, Singt: Borach vom Verb Berech. Die erste Bedeutung dieses Wortes ist die vom Niederknien der Kamele, um Lasten zu übernehmen. Die zweite Bedeutung ist dann Gott loben.
Was hat das Niederknien der Kamele mit dem Loben zu tun. Welche merkwürdige Verbindung.

6.2 Nach dem Gesagten sehen wir jetzt wie es zusammenhängt.
Wer in der Wüste knien kann, der trägt die Kraft des Höchsten in sich. Der kann loben.

6.3 Also, wenn wir uns mal in diesem Bild von belasteten Kamelen wieder finden sollten - nicht vergessen: Lobpreis erhebt.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)