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2. Sonntag nach Trinitatis 2006
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 25. Juni 2006
Strebt nach der Liebe


1 Jagt der Liebe nach!
Strebt aber auch nach den Geistesgaben, vor allem nach der prophetischen Rede! 2 Denn wer in Zungen redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; keiner versteht ihn: Im Geist redet er geheimnisvolle Dinge. 3 Wer aber prophetisch redet, redet zu Menschen: Er baut auf, ermutigt, spendet Trost.
20 Seid doch nicht Kinder an Einsicht, Brüder! Seid Unmündige an Bosheit, an Einsicht aber seid reife Menschen! 21 Im Gesetz steht: Durch Leute, die anders und in anderen Sprachen reden, werde Ich zu diesem Volk sprechen; aber auch so werden sie nicht auf Mich hören, spricht der Herr. 22 So ist Zungenreden ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen, prophetisches Reden aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Glaubenden. 23 Wenn also die ganze Gemeinde sich versammelt und alle in Zungen reden, und es kommen Unkundige oder Ungläubige hinzu, werden sie dann nicht sagen: Ihr seid verrückt! 24 Wenn aber alle prophetisch reden und ein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, dann wird ihm von allen ins Gewissen geredet, und er fühlt sich von allen ins Verhör genommen; 25 was in seinem Herzen verborgen ist, wird aufgedeckt. Und so wird er sich niederwerfen, Gott anbeten und ausrufen: Wahrhaftig, Gott ist bei euch!


1. Korinther 14, 1-3.20-25

Liebe Gemeinde!

1.1 Heute haben wir einen Text für Mitarbeitende. Denn es dreht sich um die Frage, wie Probleme in der Gemeinde gelöst werden. Davon kann jeder Mitarbeitende ein Lied singen. Denn es gibt keinen, der damit nicht zu tun hatte.

1.2 Nun könnte man natürlich sagen: Sollen sie das doch regeln. Schlimm genug, wenn es auch in der Kirche Probleme gibt. Damit will ich nichts zu tun haben. Das könnte man sofort verstehen, wenn Paulus nicht darauf geantwortet hätte. Er hat dabei eine Lösungsstrategie aufgezeigt, die hoch interessant ist. Für Christen hat er dabei Maßstäbe gesetzt, die für jeden bemerkenswert sind. Warum?

1.3 Zu jedem Zeitpunkt unseres erwachsenen Lebens entscheiden wir, auf welche Weise wir auf Schwierigkeiten reagieren. Das gilt natürlich auch in der Kirche. Christen gehen dabei nicht den natürlichen Weg ihres Herzens. Sie reagieren nicht einfach so wie jedermann. Sie haben noch andere Maßstäbe. Für Christen sind sie Leitfaden. Von denen ist hier die Rede. Es lohnt sich die zu betrachten.


2.1 Paulus hatte mit der Gemeinde in Korinth ein Problem, was wir nicht haben. Der Umgang mit den Geistesgaben machte Not. Wir haben überhaupt keinen öffentlichen Umgang damit. Für uns könnte eher das ein Problem sein.

2.2 Geistesgaben gibt es nicht erst seit Pfingsten. Sie gab es immer, auch außerhalb des christlichen Glaubens. Wenn ein Geistheiler ohne Röntgenbild den Tumor sieht und ihn weg spricht, dann ist das eine Geistesgabe. Wir wissen nicht von welchem Geist, wahrscheinlich nicht vom Heiligen Geist.
Der Geist ist die unsichtbare Kraft unseres Lebens, die sich in unserer Seele mit unserem Körper verbindet. Es gibt finsteren, grauen und auch heiligen Geist. Der direkte Einsatz dieser Kräfte ist eine Geisteskraft. Weil sie gegeben und nicht beherrscht werden, heißen sie Geistesgaben.

2.3 Christen unterstellen alles ihrem Herrn als erster Autorität, auch Geistesgaben. Eigenes Einlassen auf Mächte der Finsternis ist für sie Sünde, für Gott ist es ein Gräuel. Doch auch gute Geistesgaben verderben, wenn sie eigener Hand genutzt werden. Nur wenn der Herr darüber bestimmt, dann können Geistesgaben zum Segen werden. Alles unter die Leitung des Herrn, das ist der Maßstab.


3.1 Nun waren Leute in Korinth mit Geistesgaben sehr begabt. Sie lebten nach der Devise, was ich kann, das zeige ich. Sie stellten ihre Geistesgaben der Glossolalie, der Fähigkeit der Zungenrede, ungebremst zur Schau. An Selbstbewusstsein mangelte es nicht.

3.2 Es zählte vor allem: Wie stehe ich denn da? Wie werde ich verstanden? Wie hilft das meinem Glauben?
Es fehlte an der Frage: Wie steht der andere da? Wie kann er das verstehen? Wie hilft es seinem Glauben? Die Fragen gab es nicht.

3.3 Und weil es stets um Geistesgaben ging, um dieses große Thema, hatte man immer eine Rechtfertigung. Es geht ja gar nicht um mich. Es geht doch um den Dienst. Wer will mich darin bremsen. Ich muss meinen Auftritt haben, damit der Dienst nicht untergeht.

3.4 Es braucht nicht viel, um sich vorzustellen, wie das schief geht. Auch die frömmsten Dinge führen zum Streit, wenn sie für das eigene Selbstbewusstsein herhalten müssen. So war es in Korinth.
Und so läuft es ab:
"Ich äußere meine Geistesgaben wie ich will. Du kannst davon nur lernen. Schaue nur zu mir. Du wirst bestimmt davon was haben. Und wer das nicht versteht, der muss das eben lernen", so sagte man.
Doch schon bald blieb Anerkennung aus. Wer nicht wahrhaft dem anderen Raum gibt, verliert ihn schnell. Der Vorwurf blieb: Ich werde nicht gesehen. Und umgekehrt: Der will ja nur gesehen werden. Und der Konflikt ist da. Die frömmsten Dinge können so zum Anlass werden. Der Streit war da.
Bis hierhin scheint alles ganz normal. Es menschelt. So sind wir. Nicht nur in der Kirche, aber auch dort.


4.1 Doch jetzt gibt Paulus einen Maßstab vor, der allen Grenzen setzt und weiterführt.
Natürlich, strebt nach Geistesgaben. Sie sind nicht schlecht. Wer sie kennt, der kennt Gutes.
Doch strebt danach, dass ihr damit aufbaut, ermutigt, Trost spendet. Das tut ihr nur, wenn ihr nach jedem anderen schaut, was der braucht, nicht was euch selbst nutzt.
Und alles fasst er so zusammen: Strebt nach der Liebe. Das ist der höchste Wert.
Nicht Geistesgaben, nicht eigenes Verstecken hinter guten Dingen. Nicht ich, nicht nur der andere. Die Liebe zählt. Nach der gilt es zu streben.

4.2 Warum die Liebe?
Wenn Paulus von der Liebe spricht, dann meint er immer Jesus. Er spricht von dem, dem es gelungen ist, der eigenen Botschaft und der Liebe treu zu sein. Er gab sich selbst nicht auf und auch nicht den anderen. So lebte ER. So starb ER. Darin hat Gott Ihn auferweckt. Darin war ER sich treu. ER ist die Liebe.

4.3 Wie konnte ER so leben?
In allem stellte ER Gott an die erste Stelle. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit. Wer das tut, der geht diesen Weg der Liebe.
Geht es um eigenes, dann steht es doch unter Gott.
Geht es um das des anderen, dann steht das ebenso unter Ihm.
In allem soll ER groß werden. Wer sich dafür entscheidet, geht diesen Jesusweg.

4.4 Geht diesen Jesusweg, liebe Mitarbeitenden, liebe Christen. Stellt alles unter Seine Herrschaft. Fragt: was hätte Jesus denn getan? Hätte ER sich hier in die Mitte gestellt? Oder hätte ER geschaut, was der andere jetzt braucht.
Und wenn ich das nicht weiß, dann hilft mir, darauf zu schauen, wie ER mich selbst behandelt. Wie ist Jesus mit mir umgegangen? Wie würde ER mich hier behandeln. Wie ER mir, so ich dir. Das ist der Weg der Liebe.


5.1 Als Christen werden wir zu dieser Haltung eingeladen. Es wird dann weiter menscheln. Denn das ist menschlich. Doch Gott wird groß, wenn wir danach schauen, was Seine Liebe für diesen Moment bedeutet, selbst in den menschlichen Konflikten. Das schafft nicht immer neu Verlierer, sondern Gewinner.

5.2 Denn Gott hält, was ER verspricht. ER hält uns, dass wir nicht liegen bleiben, wenn wir stürzen. Gott sorgt für Seine Kinder. ER bringt uns durch. Handeln wir aus Seiner Liebe, dann fließt sie zu uns selbst zurück. Sie trägt uns selbst zuerst und auch die anderen. Ein ganz besonderer Weg.

5.3 Zu diesem Weg lädt Paulus die Korinther ein mit ihren Nöten. Auch uns gilt dies.

5.4 Riskieren wir es, uns darauf einzulassen: Strebt nach der Liebe. Unser eigenes Herz - und das der anderen - können davon nur gewinnen.



Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)