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13. Sonntag nach Trinitatis 2006
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 10. September 2006
Kain und Abel


Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: Ich habe einen Mann vom Herrn erworben. 2 Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder. Abel wurde Schaf-hirt und Kain Ackerbauer. 3 Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar; 4 auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer, 5 aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß, und sein Blick senkte sich. 6 Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß, und warum senkt sich dein Blick? 7 Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, doch du werde Herr über ihn!

8 Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn. 9 Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders? 10 Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden. 11 So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen. 12 Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein. 13 Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte. 14 Du hast mich heute vom Ackerland verjagt, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein, und wer mich findet, wird mich erschlagen.

15 Der Herr aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde. 16 Dann ging Kain vom Herrn weg.


1. Mose 4, 1-16a

Zeichen Kains;RobertHammerstiel
Das Zeichen Kains, Holzschnitt von Robert Hammerstiel
Angaben zum Künstler.

Liebe Gemeinde!

1.1 Kain und Abel sind sprichwörtliche Begleiter unseres Lebens. Sie stehen für jede Auseinandersetzung, die mit Mord und Totschlag endet. Da gibt es ein blutiges Ende, obwohl man zur gleichen Familie gehört - oder vielleicht gerade weil man zu ihr gehört?

1.2 Wie Adam und Eva für die Schöpfung und den Urfall der Menschen stehen, so stehen Kain und Abel für Streit und Tod zwischen uns Menschen.

1.3 Doch dies sei gleich vorweg gesagt: Die Bibel gibt nicht nur Hinweise auf die Nöte unseres Lebens. Sie zeigt auch einen Weg für deren Überwindung auf. Denn Gottes Ziel ist immer die Erlösung.

1.4 Um zu verstehen, was die uralte Geschichte meint, habe ich einen Holzschnitt des Künstlers Robert Hammerstiel ausgesucht. Beim Hinschauen können wir Einblick gewinnen nicht nur in sein Kunstwerk, sondern auch in unser Herz und das unseres Gottes.


2.1 Unten und oben sind im Bild klar getrennt. Abel liegt. Und Kain steht obendrauf. Mit seinem rechten Fuß tritt er den Kopf von Kain zu Boden. Er macht ihn platt. Mit seiner riesigen linken Hand drückt er das Knie des Liegenden zu Boden. Kein Aufstehen ist da möglich. Und mit der Rechten hoch erhoben schwingt Kain den Hammer. Was dann kommt lässt sich denken. Es fließt Blut.

2.2 Warum das Ganze, möchte man fragen. Was ist der Anlass? Warum nur die Gewalt?
Der Künstler gibt darüber klare Auskunft. Nur einer trägt auf diesem Bild ein menschliches Gesicht: Abel. Kain ist ein Biest. Ein Wolfs- oder Schakalskopf sitzt eng und fest auf seinem Rumpf.

2.3 Kain ist bestimmt vom Neid, der fünften der sieben Todsünden, wie man die Charaktersünden unseres Herzens nennt. Neid ist die Sünde des Unbehagens über das Glück des Nächsten, Quelle und Wurzel des Hasses, der Intrige und Verleumdung. Die Bibel meint, Neid könne überall entstehen, sogar am Altar. Der heiligste Ort ist davor nicht gefeit.

2.4 Das gute Ansehen von Abels Opfer durch Gott, was er zu erkennen glaubte, war für Kain ein echter Schlag. Ist Abel Liebling Gottes und ich nicht? So dachte er. Ungleichheit zehrt. Ein harter Schlag.

2.5 Doch dann: Den Schlag, der ihn traf, gab er weiter. Wir sehen ihn als Hammer in seiner rechten Faust. Warum tut Kain das? Der Neid im Herzen lässt ihn so entscheiden. Wenn mich das Glück des anderen trifft, treffe ich mit meinen Schlägen auch das Glück des anderen. Ein Hammer lässt sich dafür immer finden. Das Glück des anderen muss weg. Doch nicht nur das geht so verloren. Wer Neid nachgibt verliert sein eigenes Gesicht. Wir sehen es im Bild.


3.1 Die Weisung Gottes fehlt nicht beim Weg von Kain. Es ist erstaunlich, dass wir nichts von einem Wort an Abel hören. Doch mit Kain redet Gott. ER spricht die Warnung aus, die Sünde nicht ins Herz zu lassen. ER spricht ihn darauf an, über den Neid zu herrschen. Du werde Herr über ihn (7).

3.2 War für ein Wort vom Herrn. Kain wird zum Herrn, zum wahren Gotteskind ermutigt. Am Sieg Gottes über das Böse soll er teilhaben.

3.3 Doch Kain entscheidet sich nicht für das Wort des Himmels. Komm gehen wir auf den Acker, sagt er zu seinem Bruder. Da kann er oben sein, auch wenn es nicht vom Himmel ist.

3.4 Seit der Zeit wissen wir, dass die Weisung des Herrn für unser Herz nicht ausreicht, um uns vor dem Bösen zu bewahren. Kain erschlug Abel trotz Gottes Warnung. Die 10 Gebote und das Liebesgebot Jesu haben die Herzen unzähliger Menschen erreicht und das Böse nicht verhindert. Das Gesetz ist nötig. Und doch macht es keinen zu einem guten Menschen. Es straft, aber es macht nicht heil.

3.5 Es ist nicht verwunderlich, dass Kain selbst diese Konsequenz ausspricht. Nachdem Gott aufgedeckt hat, was geschah, sagt Kain: So wird es mir ergehen, dass mich totschlägt, wer mich findet (14). Der Kreislauf der Gewalt des Bösen geht weiter.


4.1 Doch Gott unterbricht das Böse. Sein Ziel ist nicht Verdammung, sondern Erlösung. Das Zeichen Kains, den Totschlaghammer, macht ER zum Zeichen auf der Stirn, zum Überleben. Der Hammer wird zum Kreuz. Es soll dich keiner treffen. Dafür hat Kain wieder ein Gesicht, anders als auf diesem Bild. Wieder empfängt Kain Gottes Stimme. Und wieder erhält er die Verheißung für ein neues Leben.

4.2 Sehen wir was Gott in diesem ganzen Drama tut? ER geht dem Sünder nach. ER sucht den Verlorenen. ER lässt ihn in keiner Phase fallen. Selbst als Kain fällt lockt Gott ihn doch zurück auf einen Weg des Heils. So ist Sein Herz. Voll von Erlösung.


5.1 Viel später hat Gott noch viel deutlicher Sein Herz sprechen lassen. Als Hammerschläge Seinen Sohn Jesus trafen und dessen Blut floss, da hat sich Gott des Abels angenommen, des Opfers, des Todes. ER hat darin den Neid und alles Sünde auf sich genommen und besiegt, wo wir als Menschen fehlen. Sünde auf mich. Das war der Gottesacker Golgatha, wo dies geschah. Das Biest schlug zu. Und siegte doch nicht.

5.2 Das Kreuz wurde zum Siegeszeichen durch die Auferstehung.

5.3 Sicherlich hineingelesen habe ich in unser Bild den hellen Flecken zwischen Bein und Körper als einen Hinweis. Ein leeres Feld. Ich denke an das offene Grab Jesu. Es sieht fast aus wie eine Kirche.
Das Grab ist leer. Das Opfer unseres Herrn ist für uns so zum Sieg geworden: Abel - Hauch - ist zu einem neuen Geist geworden, den Gott in unsere Herzen gibt. Jesu Geist der Erlösung.



Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)