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14. Sonntag nach Trinitatis 2006
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 17. September 2006
Vorbild des Glaubens

Vor-Bild: Das ist jemand, der vor dem Herrn steht und viel von Seinem Bild durchlässt.

Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an euch denken; 3 unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Herrn. 4 Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, dass ihr erwählt seid. 5 Denn wir haben euch das Evangelium nicht nur mit Worten verkündet, sondern auch mit Macht und mit dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit; ihr wisst selbst, wie wir bei euch aufgetreten sind, um euch zu gewinnen. 6 Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn; ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt. 7 So wurdet ihr ein Vorbild für alle Gläubigen in Mazedonien und in Achaia. 8 Von euch aus ist das Wort des Herrn aber nicht nur nach Mazedonien und Achaia gedrungen, sondern überall ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, so dass wir darüber nichts mehr zu sagen brauchen. 9 Denn man erzählt sich überall, welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen 10 und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten, Jesus, den er von den Toten auferweckt hat und der uns dem kommenden Gericht Gottes entreißt.


1. Thessalonicher 1, 2-10

Liebe Gemeinde!

1.1 Niemals hätte Jason gedacht, dass er ein Vorbild des Glaubens sein könnte und dass nach 2000 Jahre von ihm immer noch die Rede sein würde. Sollte er gerade im Himmel eine Pause haben und zuhören können, was wir hier besprechen, würde er das sicherlich bestätigen.

1.2 Jason war nichts anderes als ein Mitarbeitender der kleinen Gruppe in Thessalonich, die dem jüdischen Glauben folgte.


2.1 Oft übernahm er die Organisation und Leitung, wenn kein anderer da war. Doch dann kam dieser Schriftgelehrte Paulus aus Jerusalem, der mit vollmächtigen Worten sprach. Gern überließ er ihm das Wort. Und der legte die Schrift noch ganz anderes aus: tiefer, klarer und vor allem mit einer neuen Botschaft. Der Heiland ist geboren. Der Messias ist gekommen. Die Sünde ist vergeben. Das neue Leben in uns hat angefangen durch den Heiligen Geist. Und das alles wegen dieses Jesus, der gekreuzigt und auferstanden war. Wenn er sprach war zu spüren, dass ER lebt und mitten unter uns ist wie ER es gesagt hatte.
Kein Zweifel, das überzeugte. Und diesem Jesus zu gehören und zu folgen war doch kein Fehler. Warum denn nicht der Erfüllung aller Verheißungen folgen. Auf das Königreich Gottes warten doch alle Glaubenden. Wenn jetzt der König da ist: Ich gehöre zu ihm.

2.2 So weit so gut. Mit Jason sprachen und dachten und glaubten manche der Glaubenden in Thessalonich. Andere zweifelten. Das ist stets so.
Doch damit nicht genug. Die Stimmung in der Gruppe änderte sich. Nicht dass man nur anderer Meinung war. Nein, Neid floss mit ein. Warum bekommt der Paulus so viel Aufmerksamkeit? Warum soll plötzlich alles anders sein als bisher? War es nicht gut genug, was wir glauben. Es knirschte im Gebälk der Macht, wer was eigentlich zu bestimmen hat.
Doch als sich gar nichts änderte, vielmehr die Freude über Jesus Christus herrscht als König, alles wird Ihm untertänig, lauthals besungen wurde und als dann auch noch Neue dazukamen, die diese fröhliche Botschaft hören wollten, war es vorbei.

2.3 Wir können doch nicht dulden, dass alles Alte nicht mehr zählt.
Beziehungen hatte man genug. Man ließ sie spielen und lancierte eine Botschaft zum Präfekten, dem damaligen Generalkonsul, der Stadt. Da gibt es welche, die einen neuen König verehren. Und wir dachten, der Kaiser in Rom sei der einzige.
Und gleichzeitig dingte man ein paar hergelaufene Leute, die vor dem Haus von Jason schreien sollten: Ein neuer König, ein neuer König.
Das reichte als Intrige für die vorläufige Verhaftung des Jason.
Ihm wird es bestimmt eine Lehre sein, so dachten die Strategen im Hintergrund, damit wir unsere alte Ruhe wiederhaben. Die hatten sie bald wieder. Doch anders als sie dachten.

2.4 Denn unser Jason traute seinen Ohren nicht, was ihm vorgeworfen wurde. Missachtung der kaiserlichen Ehre, Verstoß gegen Staatstreue und Verrat. Vergeblich versuchte er sofort die Sache klar zu stellen. Doch die bestellten und bezahlten Schreie auf der Straße sprachen gegen ihn.
Recht haben und Recht bekommen sind ja bekanntlich zwei ganz unterschiedliche Dinge auf dieser Welt.
Das wusste auch schon unser Jason. Und weil er nicht dumm war, suchte er nach einer Lösung und nicht nach Recht. Zunächst sandte er einen Boten nach Paulus und seine Begleiter. Los, bloß weg aus Thessalonich. Ich finde einen Weg für mich. Doch ihr als Fremde habt keine Chance. Bevor man zugreift, verschwindet in die Nachbarstadt Beröa. Noch in der gleichen Nacht geschah dies.
Er selbst gab eine Bürgschaft, die ihn auf freien Fuß setzte. Dann nutzte er sein Image als bekannte Person der Stadt, um nachzuweisen, dass an den Schreien dieses Pöbels nichts dran war außer Unterstellung und Intrige. Und weil Recht oft doch noch ein wenig zählt erkannte man den Schwindel.
Und Ruhe zog auch in der alten Gruppe ein. Sie waren unter sich. Niemals mehr kamen die, die sie verraten hatten, in ihren Kreis.

2.5 Bei Jason traf man sich im Haus. Als neue Hauskirche war das gar kein Problem. Man sang die Lieder von dem neuen König Jesus. Man erzählte sich von den kraftvollen Auslegungen der Schrift durch Paulus. Man las die Psalmen und die alten Texte jetzt mit ganz neuem, innerem Verstehen. Man half denen, die in Not waren, ganz im Sinne der Barmherzigkeit des Herrn, der uns ja alle liebt und trägt. Und man teilte die Hoffnung auf die Zukunft des Herrn, wenn ER wiederkommt, um Sein Reich für alle sichtbar in Herrlichkeit aufzurichten.

2.6 Und Jason war noch immer der, der gerne in der zweiten Reihe saß, selbst wo man sich bei ihm zu Hause traf. Gern überließ er anderen das Reden.
Doch viel sprach er im eigenen Herzen mit Seinem Herrn. Und das erste war stets: Danke Gott. Was ist das für ein Glück, dass ich von Dir den Weg des Evangeliums gezeigt bekam. Was ist das für ein Geschenk, dass ich in Jesus wirklich erlöst bin. Sein Kreuz und Seine Auferstehung schenken meinem Leben Sinn. Ich bin zu einem Weg mit Ihm berufen. Danke Herr. Was kann ich denn dafür, dass diese wunderbare Botschaft bei mir in Thessalonisch, gerade in meinem Herzen und in meinem Haus angekommen ist. Danke, Herr.

2.7 Den alten Freunden hat er wohl verziehen. Doch die haben ihn nur weiter sauer angeschaut. Der Neid ließ kein Verstehen zu. Für sie war er Verräter. Es zählte nur, was sie selbst dachten.


3.1 Es muss Jason sehr berührt haben, als Paulus wenig später Post sandte. Von Korinth aus schrieb Paulus den ersten Thessalonicherbrief, das frühste Schreiben im ganzen neuen Testament aus dem Jahr 50, etwa 17 Jahre nach der Auferstehung Jesu. Ein solches frühes schriftliches Zeugnis ist ganz einmalig in der damaligen Welt. Und ganz am Anfang sagt er, was auch ihn, Paulus, bewegt. Er würde Gott Dank sagen.

3.2 Das verstand Jason sehr gut. Jeden Tag tat er das auch.
Doch dann gingen seine Augen über. Der Grund, warum Paulus das tat, war er, Jason. Und Paulus zählt auf, was er aus dem Glauben an Jesus heraus gemacht hat in Thessalonich, erwähnt seine Opferbereitschaft und Standhaftigkeit, vor allem aber die Hoffnung auf Jesus Christus. Das alles wäre für Paulus ein Grund, Gott zu danken.
Die Freude, mit der sie in Thessalonich den Glauben aufgenommen hätten, wäre für viele Christen ein Vorbild des Glaubens geworden.

3.3 Da hat Jason sicherlich gedacht: Mein Gott, ich habe doch gar nichts gemacht. Ich war doch nur ein ganz normaler Christ, der seinen Weg gegangen ist. Nur ganz normal habe ich mich zu meinem Herrn gehalten und bin Ihm so gefolgt. Ist das ein Vorbild des Glaubens?
Na wenn denn, dann möchte ich meinem Herrn auch dafür Danke sagen, dass ER was von mir gebrauchen konnte. Und wenn es nur meine Freude an Ihm war. Danke, Herr.


4.1 Die Bibel ist längst zu Ende geschrieben. Die Geschichten des Glaubens aber werden weiter geschrieben. Damals gab es Vorbilder, heute gibt es sie.

4.2 Und ich glaube, wenn auch die Bibel mit Recht abgeschlossen ist, so ist doch jeder Christ ein Buch des Glaubens, wie die Bibel selbst sagt. Und im Himmel werden Glaubensbücher auch weiter geschrieben mit unserer Geschichte.

4.3 Einmal werden diese Bücher des Lebens geöffnet und veröffentlicht. Nach ihnen wird gerichtet und geprüft. Nicht unser Ansehen, das wir als Menschen haben, zählt dann. Es zählt was Gott bei uns angesehen hat. Es zählt unser Vorbild im Glauben.

4.4 Wie gut, dass wir von Jason dafür ein Beispiel haben, das Paulus festhielt.
Vorbild des Glaubens? Ein ganz normaler Weg in der Freude unseres Herrn. Ihm nachfolgen: Manchmal opferbereit, manchmal standhaft, immer in der Hoffnung auf Ihn, gewiss dass der Herr uns erwählt hat und liebt.

4.5 Vor-Bild: Das ist jemand, der vor dem Herrn steht und viel von Seinem Bild durchlässt.

4.6 Wie schön, dass wir bis heute in der Reihe der Jasons stehen dürfen.




Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)