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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 4. Februar 2007

Brandopferaltar und Barmherzigkeit

9 Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. 10 Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. 11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? 12 Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. 13 Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht (Schlacht)Opfer (an anderen). Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.


Matthäus 9, 9-13

Liebe Gemeinde!

1.1 Unbarmherzigkeit ist eine unter Christen weit verbreitete Eigenschaft. Urteile über andere Menschen, vor allem auch über andere Christen, fallen in der Gemeinde oft sehr hart aus.

1.2 Menschlich ist das zunächst einmal sehr verständlich. Fängt jemand an zu glauben, dann hat sein Leben einen Sinn. Er findet eine Position und Meinung zu vielen Dingen. Und nicht nur das.
Diese Position ist auch ein echter Halt, nicht nur eine Biertischmeinung. Auf sie gründet das neue Leben des Glaubens. Die Erlösung durch Jesus ist nicht irgendetwas. Sie ist ein Fundament im Leben und im Sterben.

1.3 Wie verständlich ist es da, sich scharf abzugrenzen, wenn dieses Fundament verletzt wird. Schließlich bleibt keiner ruhig sitzen, wenn ein Bagger den Sockel des Hauses an gräbt, in dem man wohnt. Wahrheit ist eben nicht beliebig, besonders dann nicht, wenn ich von ihr lebe.


2.1 Doch manche unbarmherzige Reaktion aus Wahrheitsgründen ist gar kein Spiegel für die Wahrheit, um die es gehen soll. Andere spüren es schneller als ich selbst. Die eigene Kränkung, nicht Recht zu haben, die Missachtung des Wissen der eigenen großen Erfahrung, das Übersehen der eigenen Wichtigkeit spielen eine große Rolle. Diese Nuancen des Hochmuts mischen sich so schnell ein. Hochmut macht unbarmherzig, nicht Wahrheit.

2.2 Es gibt viele Nicht-Christen, die sich im Kern an ihrer Menschlichkeit festhalten. Tue Gutes für anderen, aber lebe auch selbst davon. Diese Menschen haben ein feines Gespür. Hochmütige Herzen entlarven sie sehr schnell, auch hochmütige Urteile. "Der glaubt an die Barmherzigkeit und redet unbarmherzig", so heißt es. "In der Gemeinde geht es schlimmer zu als im Kegel Club". "Unter diesem frommen Mantel steckt doch nur Heuchelei". Wie viele Sätze dieser Art haben wir alle schon gehört.

2.3 Und wenn auch längst nicht alles, wie viel davon ist dennoch richtig? Es gab nicht nur die großen Kreuzzüge, es gibt auch die kleinen bis heute. Es gab nicht nur damals Pharisäer, es gibt sie auch noch heute. Unbarmherzigkeit aus der Haltung des Glaubens heraus. Wie viele merkten es damals nicht. Wie oft merken wir es heute nicht. Der Fundamentalismus treibt weiter Blüten.


3.1 Der Weg der Wahrheit im Volk Israel hatte genaue Regeln. Damit es gut geht musste jeder auf dem Weg ins Heiligtum des Tempels am Brandopferaltar vorbei. Darin ist eine alte Weisheit festgehalten.

3.2 Wer mit seinem Herzen sich der Wahrheit naht oder aus ihr leben will, der muss zuvor mit seinem Herz am Brandopferaltar vorbei. Bevor nicht das eigene Herz niederbrennt kommt keiner an die Schwelle des Heiligtums. Ohne diese Erfahrung hat keiner das Recht, eine Wahrheit Gottes auszusprechen. Der Hochmut des eigenen Herzens muss weg.

3.3 Wer den Brandopferaltar für sich kennengelernt hat, sagt: Herr, das könnte auch meine Schuld sein. Ich bin nicht besser als mein Gegenüber.
Die Frucht des Brandopferaltares ist Barmherzigkeit.

3.4 Jesus beklagte damals: Ihr entzieht dem Brandopferaltar euer Herz.
Heute würde Jesus beklagen: Ihr entzieht euer Herz dem Brandopferaltar.


4.1 Sie merken: Heute halte ich die Predigt von hinten nach vorne. Denn jetzt sind wir bei unserem Text und bei Matthäus angelangt. Das war sein Thema.

4.2 Als Zöllner und Finanzbevollmächtigter der Regierung wusste er, was Recht und Ordnung ist. Als Vertreter dieses Recht und dieser Ordnung hatte er Macht. Dafür hasste man ihn.
Wie er selbst damit umging ist nicht überliefert. Bestimmt hatte er unter hochmütigen Herzen zu leiden. Und vielleicht ließ er auch andere im Gegenzug unter seinem Hochmut schmoren.

4.3 Und dann wurde Jesus seine innere Mitte. Sein Gott wurde ER, der Herr. Sein eigenes Ich rückte auf Platz zwei.

4.4 Und dieser Herr ging barmherzig mit ihm um. Kein Hochmut, wer bist denn du! Er stellte alle Sünde nicht als Vorwurf hin. Er nahm sie, um sie zu vergeben. Das lies den Hochmut seines eigenen Herzens verbrennen. Jesus wurde sein Brandopferaltar.

4.5 Leg nieder, wo du Recht hast. Leg nieder, wo andere meinen, über dich im Recht zu sein. Das ist nicht das wirkliche Leben. Dein Herz muss alles niederlegen. Erst dann kannst Du Bote Meiner Wahrheit, Meines Rechtes und Meiner Ordnungen sein.
Tust du es nicht trägst du nur dich, nicht Mich zu anderen, bist nicht Mein Jünger.
Tust du es bleibst du ein Bote von Recht und Ordnung. Doch diesmal bist du selbst Empfänger, bist selber unten, lebst selbst von der Gnade, deren Recht und Ordnung du weiter gibst.


5.1 Auf jedem Glaubensweg steht irgendwo der Brandopferaltar. Dort lernen wir Barmherzigkeit. Wir kommen runter vom hohen Ross. Unser Herz verbrennt an der Stelle, wo Jesus sich für uns geopfert hat und uns Barmherzigkeit erzeigt hat. Wir werden dort ein Stückchen so wie er zu uns ist. Das ist unsere Berufung.

5.2 Danach vergeben wir unseren Schuldigern wie ER uns auch vergibt. Danach vertreten wir Recht und Ordnung so, wie Gott uns gegenüber Recht und Ordnung vertritt, in Barmherzigkeit. Danach sagen wir die Wahrheit so, dass sie Liebe weckt und nicht totschlägt.
5.3 Nach dem Passieren des Brandopferaltars gibt es keine Fundamentalisten mehr, wohl aber in Liebe erleuchtete Menschen.


6.1 Geht und lernt, was es heißt: ICH habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit, sagt Jesus.

6.2 Matthäus ist solch ein Mensch geworden. Die schärfsten Wahrheiten konnte er formulieren und blieb doch Bote der Liebe.

6.3 Wenn er Autor des Matthäusevangeliums sein sollte, dann finden wir im Matthäusevangelium die Ordnungen der Bergpredigt, die neue Gerechtigkeit der Himmel in den Gleichnissen Jesu. Und wir finden die Worte gegen den Hochmut eines Pharisäerglaubens, der sich von oben her mit Recht und Ordnung schmückt. Ihr Otterngezücht!, sagt Matthäus zu einer solchen Haltung. Er kannte es zu gut noch von sich selbst.

6.4 So macht Matthäus uns Mut, in der Nachfolge der Botschaft vom Brandopferaltar nicht auszuweichen. Das eigene Herz mit allem Hochmut muss selbst brennen, dann wird die Wahrheit hell für uns und andere.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)