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Sexagesimae
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 11. Februar 2007

Eins - zwei - drei ... was zählen wir?

6 Sucht den Herrn, solange ER sich finden lässt, ruft IHN an, solange ER nahe ist.
7 Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne. Er kehre um zum Herrn, damit ER Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn ER ist groß im Verzeihen.

8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht Meine Wege - Spruch des Herrn.
9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind Meine Wege über eure Wege und Meine Gedanken über eure Gedanken.
10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
11 so ist es auch mit dem Wort, das Meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu Mir zurück, sondern bewirkt, was ICH will, und erreicht all das, wozu ICH es ausgesandt habe.

12 Voll Freude werdet ihr fortziehen, wohlbehalten kehrt ihr zurück.


Jesaja 55, 6-12a

Liebe Gemeinde!

1.1 Eins, zwei, drei, vier, fünf. - Höre auf zu zählen! - Warum denn? Sechs, sieben, acht, neun. - Hör auf! Was soll das? - Du kannst es wohl nicht ertragen zu hören, wie lange Dich Dein Gott schon in der Patsche sitzen lässt. Zehn, elf, zwölf Jahre. - Hör auf, habe ich gesagt. - Ich zähle weiter. Alle die Jahre, die Du schon hier in Babylon fern von Deinem Gott schmoren musst. Jerusalem ist platt. Dreizehn, vierzehn, fünfzehn. Die Heimat ist futsch. Sechzehn, siebzehn, achtzehn. Fern der Heimat sitzen wir in babylonischer Gefangenschaft. Neunzehn, zwanzig Jahre schon und noch viel mehr.
Und Du glaubst immer noch an IHN, den Herrn, der befreit und Zukunft gibt? Ich zähle lieber weiter alle Fakten auf, wo Gottes Hilfe nicht da ist. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Jahre ohne IHN.
Dann habt ihr mich geboren, einen Sohn der rechten, starken Hand, einen Benjamin. Und ich bin auch schon vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwanzig. Und wo ist Seine starke Hand? Was habt Ihr mir überhaupt für einen Namen gegeben! Wie heiße ich! Siebenundzwanzig, achtundzwanzig, neunundzwanzig. Nächstes Jahr werde ich dreißig. So viele Jahre ohne IHN und Seine angebliche Unterstützung für uns und Sein Volk.
Wo ist Dein Gott? Ich sehe nichts von IHM.

1.2 Haben Sie auch schon gezählt?
Kennen Sie die Verzweifelung eines leer gebrannten Herzens? Spüren Sie die Bitterkeit in diesen Worten, wie sie vielleicht zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Gottes im 6. Jahrhundert vor Christus gesprochen worden sind.
Zweifel ist immer bitter.

1.3 Es gibt so viele Anlässe zu zählen.
Wie viele Jahre soll es noch dauern bis sich endlich etwas für mich ändert? Eins - zwei - drei - …
Wie lange muss ich diese Krankheit noch ertragen? Eins - zwei - drei - …
Mein Partner ist weg, ich bin allein. Noch immer werde ich damit nicht fertig. Wie lange? Eins - …
Ich dachte, ich wäre mit dieser Sache durch. Jetzt holt mich alles ein. Wie oft nur falle ich auf meine Nase? Eins - zwei - dreimal - …
Und ich hatte so gehofft, gehofft auf die Hilfe des Herrn.

1.4 Im Hintergrund wird jede Hoffnung ausgezählt. Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust, heißt es beim Dichter. Die eine zählt auf die Hoffnung. Die andere zählt sie aus.
Sie brauchen dafür keine numerischen Zahlen. Jedes Herz hat dafür ein Repertoire eigener Mittel, um dem Zweifel an Gott und der Hoffnung auf IHN Raum zu geben. Wir sind da sehr erfinderisch. Wir lassen nichts aus, wenn es darauf ankommt und unser Herz die Bremse löst.

1.5 Nichts mag der Widersacher lieber als dies, dass Gotteskinder im Boxring der Wirklichkeit stehen und in ihrer Verzweifelung Gott und Seine Hoffnung auszählen. Er wächst bei jeder Zahl.


2.1 Hast Du nicht gehört, was dieser Jesaja gesagt hat, sagte der Vater zu Benjamin. So spricht Gott der Herr: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht Meine Wege. Du kannst Gott nicht in die Karten gucken. Die Wirklichkeit von IHM ist dir verhüllt. Du machst nicht Deinen Lebensweg. ER macht den Weg, auch wenn Du selbst Dein Wagenlenker bist. Du denkst. ER lenkt. -
Das kann ja jeder sagen. Ist das Sein Lenken, dass wir in der Patsche sitzen? Ein schöner Weg. Der soll zum Besten dienen? Nein, danke. -
Du musst nicht gleich Danke sagen. Aber Dein Vertrauen sollst Du nicht wegwerfen. Das trägt eine große Belohnung. Nur mit der Hoffnung bleibst Du wach. Nur im Vertrauen bleibst Du hell. Nur mit dem Glauben an Seine Verheißungen liebst Du. Sonst wirst Du bitter und voll Gram. Wenn ER es gesagt hat, bringt ER uns durch. Und nicht nur das, es entsteht etwas Besseres.

2.2 Wenn ER es gesagt hat, dann bringt ER uns durch.
Liebe Gemeinde, hier sind wir beim Kern des Glaubens. ER sagt, es geschieht. Darauf zähle ich. Der Kern ist nicht: Ich habe alles im Griff und abgesegnet. Jetzt kann es auch so kommen. Und wenn es nicht so kommt, dann zähle ich die Hoffnung aus bis zur Ohnmacht. Am Ende feiere ich den Sieg der Verzweifelung.
Unser Glaube sagt: Unser Herr, der Schöpfer aller Dinge, macht meinen Weg. IHM traue ich. Kommt eine andere Kurve als ich denke, IHM vertraue ich, Er wird mir helfen. Stürze ich ab, IHM vertraue ich, ER wird mich auffangen. Sehe ich nichts, IHM vertraue ich, ER wird mich führen. Von irgendwo kommt immer wieder neu ein Lichtlein her. Es wird geschehen, was ER für mich bestimmt hat. Seine Bestimmung ist Erlösung.
Im Angesicht des Bösen bleiben wir dem Guten zugewandt.
Das ist die Haltung des Glaubens. Wenn ER es gesagt hat, dann bringt ER uns durch.


3.1 Wissen Sie, wann Benjamin die Zahlen ausgegangen sind? Bei 71, in Worten: Einundsiebzig. Wenn er so lange gezählt hat, dann ist er bei siebzig stecken geblieben. Denn nach dieser Zeit hat Gott Sein Volk zurückgeführt. Das Land wurde neu eingenommen, der Tempel erneut gebaut. Wir wissen nicht, ob er zu denen gehörte, die mit zurückgezogen sind.

3.2 Siebzig, das ist die Vollkommenheit Gottes - sieben mal zehn - in Seiner Herrschaft im Himmel und auf Erden. Das ist Sein Weg, nicht unserer, damals wie heute. Aber es war ein Weg.


4.1 Wenn in der Kirche Menschen eingeführt werden, die den Dienst als Pastoren oder PrädikantInnen tun, dann wird dieser Text vor ihrer Einsegnung vorgelesen. Für jeden, der das selbst erlebt hat, bleibt das unvergesslich.
Das Wort sagt nämlich: Du siehst nicht, welchen Weg das Wort Gottes nimmt, wenn Du es sagst. Und das gilt für jeden Christen. Du hast die Verheißungen nicht in der Tasche, sondern nur im Herzen. Doch wirf sie nicht weg. Vertraue darauf, dass Gott einen Weg für Sein Wort, für Dich und für den anderen findet. ER bringt Dich durch.

4.2 Und nicht nur das. ER macht daraus noch mehr. Wie Regen, der auf Wüsten fällt nicht nur Regen bleibt, sondern wirklich blühende Landschaften hervorbringt: So macht es Gottes Wort. Es schafft Frucht. Es entsteht Mehr als Du selbst planst. Lass Dich im Leben von Gott überraschen. Das kannst Du, wenn Du vertraust.


5.1 Es kommt also darauf an wie wir zählen. Mit eins, zwei, drei können wir unsere Hoffnung auszählen. Wir können aber auch auf sie zählen: Eins ist Seine Verheißung, zwei ist seine Treue, drei ist Seine Erlösung. Wir haben die Wahl.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)