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Invocavit
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)
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Gottesdienst am 25. Februar 2007

Sieben im Lobetal

31 Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. 32 Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.
33 Darauf sagte Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. 34 Jesus erwiderte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.


Lukas 22, 31-34

Liebe Gemeinde!

1.1 Gott sei Dank denken wir alle hoch von uns, jedenfalls tief innen. Wir sind doch was. Ohne uns fehlt etwas auf dieser Welt. Es ist gut, dass es uns gibt. Und das ist gut so.
Denn wenn uns diese Haltung fehlt ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Uns schlabbert morgens schon der Kaffee aus der Tasse, wir ziehen die Socken verkehrt herum an, wir stolpern über unsere eigenen Schuhe. Und beim Ausparken treffen wir mit Sicherheit den nächsten Laternenmast mit der Stoßstange, obwohl wir vorher noch hingeschaut haben. Am Ende verlieren wir das Portemonnaie.

1.2 Wir gehen innerlich ein. Uns fehlt der Mut. Den brauchen wir neu.
Spricht uns den jemand erneut glaubhaft zu werden wir wie neu. Es wachsen Kräfte ins uns. Wir sind wieder da. Das Portemonnaie taucht wieder auf. Und mit dem Kaffee ist es auch nicht so schlimm. Wir werden schließlich alle älter. Das Dunkle ist nur eine Trübung des sonst hellen Tages. Wir sind wer. Wie gut tut das Leben.

1.3 Und selbst wenn wir sehr gering von uns denken sollten, stimmt doch der Mechanismus. Denn wenn wir uns für ganz armselige Wesen halten, denen es in dieser Welt ganz schlecht geht, die eigentlich sterben müssten oder für die alles vergeblich ist, dann sind wir doch oft die, denen es dabei am Schlechtesten von allen geht, die am ärmsten dran sind, die sofort sterben müssten. Auch darin sind wir die größten, die größten Ärmsten.


2.1 Die Vorstellung von der Kraft des Guten, Schönen, Starken muss auch Petrus geprägt haben. Das macht ihn so sympathisch menschlich. Der hat mit Selbstbewusstsein zugepackt und nicht lange gezögert. Seine Seele hatte keine Schwielen, allerhöchstens seine Hände.

2.2 Zeigte sich nach dem Fischwunder am See dieser Jesus als Messias, dann gehe ich, Petrus, sofort auf die Knie. Dieser Herr soll mein Herr sein. Der Größte ist gut für mich. Und weil meine Sünde dafür im Weg steht, bitte ich Ihn zu gehen. Herr, gehe von mir hinweg, ich bin ein sündiger Mensch. Das war ein selbstbewusstes Bekenntnis der Sünde.
Und später hat Petrus nicht lange gezögert, wenn es darum ging, Farbe zu bekennen. Wer sagen die Leute, dass ICH bin, fragt Jesus. Und Petrus: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Petrus war so ein Mensch mit Mut. Den zeigte er auch in seinem Glauben.

2.3 Ein Stück von Petrus, das tut jedem gut. Wir müssen deswegen noch lange nicht alle zweifelnden Gedanken beiseite legen. Doch darin ist Petrus Vorbild: Er geht von der Stärke aus. Der Fischer sagt: Ein Boot schwimmt in der Regel auf dem Wasser, wenn es dicht ist. Dann kann es tragen. Ein Glaube richtet sich nach oben, wenn er nicht leckgeschlagen ist. Dann kann er loben. Zum Guten, zum Licht, zum Herrn geht unser Weg. Die Glaubensmelodie ist erst einmal Dur, nicht Moll. Was soll das Jammern. Am Anfang steht die Liebe unseres Herrn.

2.4 Sind wir getauft, dann steht die Kindschaft Gottes ganz am Anfang unseres Seins. Ein jeder Pulsschlag singt zuerst das Lied: Ein Kind des Herrn, ein Kind des Herrn. Wie sollten wir nicht davon ausgehen. Am Anfang steht, dass unser Gott so gnädig ist, uns jeden Tag zu lieben. Auf diesem Felsen können wir stehen. Das macht uns Mut.

2.5 Wo ist dies heute wichtig? Wo soll ich umkehren zu einem Weg des Mutes? Wo soll ich einfach einen Glaubensschritt jetzt tun, wo Sünde lassen? Wo ist es dran, auf meine inneren Knie zu gehen, um so zu akzeptieren, ich bin vor meinem Herrn und ER vor mir? Wo kann ich Zweifel mal auf Platz zwei lassen? Wo kann ich selbstbewusst zu meinem Herrn stehen? ER steht zu mir.

2.6 Jesus wollte, dass Seine Kirche auf solchem Fels gegründet wird. Wir sollten das vor Augen haben, wenn wir an Seine Gemeinde denken oder auch an unseren Glauben. Die Kirche ist ein Lobetal und kein Jammertal.
Wie tröstlich ist diese Stärke. Am Anfang steht nicht das Elend, sondern der Mut des Glaubens.


3.1 Nun gibt es trotz solch guter Lebenshaltung gefährliche Einbrüche. Es gibt Dinge, die gehen über unseren Mut, auch über unseren Glauben.

3.2 Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Da sitzt der Feind. Er wartet nur, dass Menschen selbst- und jesusbewusst ihr Haupt erheben. So etwas vermehrt die Ehre Gottes. Da greift er an.

3.3 Christen werden oft von den unmöglichsten Schwierigkeiten geschüttelt. Sie sind selbstbewusst im Herrn, und dennoch stellt sich alles nur wie quer. Sie sind mit Gebet aufgestanden. Das Wasser in der Dusche wird nicht warm, der Balken in der Garage fällt auf das Auto, der Gully spuckt die Kloake aus, der Brief kommt nicht an, die Tabletten wurden vertauscht beim Arzt, die Missverständnisse in der Nachbarschaft führen zu bösem Leumund, und so weiter. Sie bleiben im Frieden Jesu und der Sturm nimmt zu. Wer kennt nicht solche Zeiten.

3.4 Es müsste doch ganz anders sein, denken Sie. Ich gehe doch vom Herrn aus. Ich bleibe in Seiner Stärke. Warum das alles?
Wissen Sie wie lange es dauert? Bis Sie wieder jammern und von der eigenen Verlorenheit überzeugt sind. Dann ist der Widersacher am Ziel.

3.5 Der Satan hat verlangt, dass er euch sieben darf. Bei diesem Bild vom Ernten werden die Körner im Sieb bleiben, nur Spreu fällt herab auf den Boden. Er hofft, dass sie doch durchfallen. Im Urtext steht das Wort "heraus verlangen". Der Widersacher Gottes will die Frucht. Danach verlangt er, wie schon damals durch die Hand von Eva und Adam. Er greift, er siebt, er schüttelt, aufdass doch einiges oder alles vor ihm zu Boden falle. Nein, nur nicht aufrecht sein vor unserem Herrn. Nur nicht von der Erlösung ausgehen. Bete mich an, die Verlorenheit.

3.6 Von solchen Zeiten spricht der Herr bei Petrus. Sie kreuzen jeden Glaubensweg. Sein Kreuz zu tragen ist dann dran. Doch wie? Aus welcher Kraft? Wie dabei aufrecht stehen vor dem Herrn?


4.1 Jetzt sind wir beim Geheimnis unseres Textes. Empört hätte Jesus reagieren können auf das an sich gute Bekenntnis des Petrus: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. - Was, hätte ER sagen können: Schlimm wie du dich benehmen wirst. Dreimal wirst du mich bald verleugnen. Das wäre menschlich gesprochen, aus der Konkurrenz heraus, wer ist der Stärkste. Doch Jesus weiß, dass das nicht reicht.

4.2 Vielmehr deckt ER das tiefere Geheimnis Seiner und vielleicht auch unserer Glaubensstärke auf. ICH habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört.
Für dich gebetet. Jesus unser Fürbitter. ICH habe dich mehr vor Meinen himmlischen Vater gestellt als du von den Nöten nieder gerissen wirst. Ich habe mehr von himmlischer Kraft für dich erbeten als die Versuchung von dir abziehen möchte. Mehr vor IHM als in der Verdammnis.

4.3 Ich stelle mir das praktisch so vor, dass Jesu Fürbitte uns wie einen nassen Sack packt, uns vor Gott aufbaut und so lange festhält, bis wir wieder bei Trost sind. Dass unser Glaube nicht aufhört. Auf jeden Fall sind wir nicht dem Widersacher übergeben, auch wenn Christen "heraus verlangt". Nein, die Fürbitte hält uns vor Gott.

4.4 Über geben wurde dem Satan nur einer, unser Herr am Kreuz. Ausgeliefert als Opfer für uns.


5.1 So werden wir gesiebt und doch nicht überwunden. Der Mut bleibt und der Trost bleibt.

5.2 Aber beides ist geläutert. Wir sind nicht ohne Schuld und Versagen, nicht ohne Fallen und Fehler. Nie werden wir angeben können mit uns selbst.
Wir stehen selbstbewusst, weil unser Herr uns Sein Selbstbewusstsein schenkt, Kind Gottes zu sein. Was immer auch geschieht: Wir sind erlöst, geliebt, nach oben ausgerichtet um Seinetwillen. Nicht weil wir es schafften. Weil ER es schafft.

5.3 So wurde Petrus zu einer Stärkung für seine Mitchristen. Nicht ich, nein ER macht stark: Mich und auch euch. Das kann er jetzt unbefangen sagen.

5.4 So stärke deine Brüder, sagt ihm der Herr, wenn du dich einst bekehrst, erkannt hast, was das Sieben ist, das Kreuz in deinem Leben, und was es mit dir macht.
Wenn wir doch unsere Lebensenergie, die wir noch haben, dafür einsetzen würden. Das ist die echte Meisterschule der Jünger Jesu. Komm, bleibe stark, im Herrn. Die Kirche ist ein Lobetal.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)