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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)
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Gottesdienst am 4. März 2007

Paul Gerhardt zum 400. Geburtstag

Paul Gerhardt
Paul Gerhardt
Angaben zum Kirchenlieddichter.

Paul Gerhardt,
geboren 12.03.1607 in Gräfenhainichen (Sachsen), Hauslehrer in Berlin, 1651 Propst in Mittenwalde (Mark Brandenburg), 1657 Pfarrer an St. Nikolai in Berlin; 1667 seines Amtes enthoben, weil er als überzeugter Lutheraner dem Toleranzedikt des reformierten Großen Kurfürsten nicht zustimmen konnte, 1669 Archidiakonus in Lübben (Spreewald); dort gestorben 1676.

Seine etwa 130 Lieder bezeugen auf dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges persönliches Gottvertrauen und christliche Heilserfahrung; Crüger und Ebeling vertonten viele seiner Gedichte.

Paul Gerhardt gilt als der bedeutendste und bekannteste Kirchenlieddichter nach Luther.

Im EG stehen u.a. von ihm folgende Lieder:
T 11 Wie soll ich Dich, 36 Fröhlich soll mein Herze, 37 Ich steh an Deiner Krippen hier, 39 Kommt und lasst uns Christus ehren, 58 Nun lasst uns gehen und treten, 83 Ein Lämmlein geht, 84 O Welt sieh hier dein Leben, T* 85 O Haupt voll Blut, T 112 Auf auf mein Herz mit Freuden, 133 Zieh ein zu deinen Toren, 283 Herr, der Du vormals hast Dein Land, 302 Du meine Seele singe, 322 Nun danket all und bringet Ehr, 324 ich singe Dir mit Herz und Mund, 325 Sollt ich meinem Gott nicht singen, 351 Ist Gott für mich so trete, 361 Befiehl du deine Wege, 370 Warum sollt ich mich denn grämen, 371 Gib dich zufrieden und sei stille, 446 Wach auf mein Herz und singe, 447 Lobet den Herren alle, die Ihn ehren, 449 Die güldne Sonne, 477 Nun ruhen alle Wälder, 497 Ich weiß mein Gott, dass all mein Tun, 503 Geh aus mein Herz, 529 Ich bin ein Gast auf Erden, 543 Wir singen Dir Immanuel.

EG 361,1: Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
Nach Psalm 37, 5

Liebe Gemeinde!

1.1 Bei einem Biografen von Paul Gerhardt las ich folgenden Satz: Als kleines Kind war ich sehr Krank. Bevor ich ins Krankenhaus kam, wurde ich zu Hause notgetauft. Meine Eltern waren sehr in Sorge. Da macht die Oma meiner Mutter Mut und sagte mit Blick auf mich: Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
Diese kleine Liedzeile richtete auf. Es war die erste Begegnung mit Paul Gerhardt.
Bei wie vielen Menschen hat sich dies wiederholt oder ähnlich zugetragen.
Welcher Mensch steht hinter diesen Worten? Wer war Paul Gerhardt?

1.2 Am 12. März 1607 vor 400 Jahren wird Paul Gerhardt in Gräfenheinichen in Sachsen-Anhalt geboren. Sein Vater ist dort einer von drei Bürgermeistern. Daneben besitzt er eine Landwirtschaft und betreibt einen Ausschank. Pauls Mutter stammt aus der Familie eines Superintendenten. Bäuerliche Bodenständigkeit und gelehrte Theologentradition treffen in Paul Gerhardts Herkunft zusammen.
Als Paul 12 Jahre als ist, stirbt sein Vater. Seine Mutter verliert er zwei Jahre später. Er wird Vollwaise. Das wenige Vermögen der Familie lässt zu, dass er auf die Fürstenschule nach Grimma kommt, ein ehemaliges Augustinerkolster. Die knapp hundert Schüler tragen Kutten und sind wie Mönche in einen strikten Tagesablauf eingespannt. Schon dort muss seine Dichtkunst aufgefallen sein. In einem Zeugnis der Schule heißt es: Die hinzugefügten Verslein sind erträglich.

Lied EG 361,8
Ihn, Ihn lass tun und walten, Er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst, wenn Er, wie Ihm gebühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat.

1.3 Von Anfang seines Lebens an erlebt er Verlust und Not. Was ist vor diesem Hintergrund das Erfolgsgeheimnis seines dichterischen Schaffens? Als erwachsene Person schreibt er später 1665:
Unter allen, die da leben, hat ein jeder seinen Fleiß und weiß, dessen Frucht zu geben.
Doch hat der den größten Preis, der dem Höchsten Ehre bringt und von Gottes Namen singt.
Unter allen, die da singen und mit wohlgefasster Kunst ihrem Schöpfer Opfer bringen,
hat ein jeder seine Gunst. Doch ist der am besten dran, der mit Andacht singen kann.


2.1 Hier finden wir den Schlüssel seines großen Wirkens. Paul Gerhardt war wie ein Licht, eine Kerze, die nach zwei Seiten hin brannte.

2.2 Die eine Seite: Dem Höchsten die Ehre bringen. Wenn es nicht darum geht, geht es um zu wenig. Sollt ich meinem Gott nicht singen. Du meine Seele singe. Das Lob Gottes hält ein Leben in der Spur. Das Lob lässt das Herz nach oben schauen. Das Lob Gottes macht widerstandsfähig gegen die Fürsten dieser Welt und alle Widrigkeiten des Lebens. Das Lob ist ein Licht für dunkle Zeiten. Mit seinen Worten: Wer Gott zur Ehre lebt macht den größten Gewinn.

2.3 Dem Höchsten dienen. Das fängt morgens an: Wach auf, mein Herz und singe, dem Schöpfer aller Dinge. Das hört abends auf: Nun ruhen alle Wälder. Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude und nimm dein Küglein ein. Will Satan dich verschlingen, so lass die Engel singen: Dies Kind soll unverletzt sein. Immer dem Höchsten zur Ehre. Darin war Paul Gerhardt sich treu.

2.4 Die andere Seite seines Brennens: Mit Andacht leben. Was nutzt es, wenn du singst und es geschieht nicht mit Andacht. Leben und Andacht, Kunst und Andacht gehören zusammen. Was nicht in dir ist, ist nicht in dir.

2.5 Fehlt die Andacht, fehlt der Trost und auch die Fähigkeit zu trösten. Gottes Wort muss erst ins Herz, dann auch ins Hirn und in die Hand kommen. Fehlt das Herz bleiben wir erschrocken.
Gottes Wort, das ists vor allen, so uns, wenn das Herz erschrickt, wie ein kühler Tau erquickt, dass wir nicht zu Boden fallen. Wenn die ganze Welt verzagt, steht und siegt, was Gott gesagt.
Erst durch die Andacht berührt Gottes Geist auch unseren Geist.


2.6 Ehrfurcht vor dem Höchsten und Andacht in sich selbst - was sind das für Werte. Wie schön, dass Paul Gerhardt sie nicht nur gelebt, nicht nur als späterer Pastor gepredigt, sondern mit seinen Liedern in die Herzen gesungen hat. Sie strahlen bis heute.

Lied: EG 361,2
Dem Herren musst du trauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.
4 Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht; dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun.


3.1 Verlust und Not trafen auch ihn im Dreißigjähriger Krieg. 1637 lassen die Schweden Gerhardts Heimatort Gräfenhainichen in Flammen aufgehen. Die Pest wütet. Sein Bruder stirbt daran. In Mittenwalde hat der inzwischen verheiratete Dorfpfarrer eine Pastorenstelle. Die Gemeinde ist von 1000 auf 250 Menschen weggestorben. Mit seiner Frau übernimmt er Patenschaften, um in der Not zu helfen.
Hier entsteht das Karfreitagslied: O Haupt voll Blut und Wunden voll Schmerz und voller Hohn.
Der Gekreuzigt geht mit. Seine Erlösung ist Licht im Schatten des Todestals.

3.2 Die Verluste halten an. Die erste Tochter Maria Elisabeth stirbt nach 8 Monaten. Drei weitere Kinder müssen die Eltern nach nur kurzer Lebenszeit begraben. Nur ein Sohn überlebt.
Ach, es ist ein bittres Leiden und ein rechter Myrrhentrank, sich von seinen Kindern scheiden durch den schweren Todesgang. Hier geschieht ein Herzensbrechen, das kein Mund recht kann aussprechen.

3.3 Und dann folgen die Verse aus Die güldene Sonne voller Glauben und Sehnsucht:
Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende; nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille wird mich erwarten im himmlischen Garten; dahin sind meine Gedanken gericht'.

3.4 Ehrfurcht und Andacht hatten wir gesehen waren der Schlüssel für das Wirken von Paul Gerhardt, Vertrauen und Hoffen ließen ihn in der erfahrenen Not beständig bleiben.

Lied: EG 361,6
Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.


4.1 Seinem Sohn hinterlässt der alte Paul Gerhardt ein Testament. Darin schreibt er:

Tue Leuten Gutes, ob sie dir es gleich nicht zu vergelten haben. Denn was Menschen nicht vergelten können, das hat der Schöpfer Himmels und der Erden längst vergolten, da er dich erschaffen hat, da er dir Seinen lieben Sohn geschenkt hat, und da Er dich in der Taufe zu Seinem Kind und Erben auf- und angenommen hat. …
Summa: bete fleißig, studiere was Ehrliches, lebe friedlich und diene redlich und bleibe in deinem Glauben und Bekenntnis beständig, so wirst du einmal auch sterben und von dieser Welt scheiden willig, fröhlich und seliglich. Amen.


Amen.



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Zuletzt geändert am 30.09.2007 von: (fp)