Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt
Karfreitag 2007
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters
Predigt Ausdruck als pdf Datei

Gottesdienst am 6. April 2007

Karfreitag - Lamm Gottes

33 So kamen sie an den Ort, der Golgata genannt wird, das heißt Schädelhöhe. 34 Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken. 35 Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. 36 Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn. 37 Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden. 38 Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links. 39 Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf 40 und riefen: Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz! 41 Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten verhöhnten ihn und sagten: 42 Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. 43 Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn. 44 Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die man zusammen mit ihm gekreuzigt hatte. 45 Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land. 46 Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 47 Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija. 48 Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. 49 Die anderen aber sagten: Laß doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft. 50 Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. 51 Da riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich. 52 Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. 53 Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen. 54 Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!

Matthäus 27, 33-54


Agnus Dei Eines unschuldigen und unbefleckten Lammes Lamm mit Siegesfahne
Agnus Dei,
Francisco de Zurbaran, 1598-1664, Prado
Eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, Andreas Felger Lamm mit Siegesfahne, Gewandstickerei

Liebe Gemeinde!

1.1 Am Ende der Kreuzigungsgeschichte wird etwas Erstaunliches berichtet. Nachdem dieser furchtbare Sieg des Bösen stattfand und Gottlosigkeit triumphierte, kommt ein Mensch zum Glauben an Gott. Mitten in der Hölle sieht er ein Stück Himmel. Das lässt ihn umkehren. Und das Unglaublichste: Es war einer des Kreuzigungskommandos. Der Hauptmann bekennt gegen sein eigenes Tun: Dieser war Gottes Sohn. Die Bibel berichtet von ihm als ersten Zeugen des Opfertodes Jesu.

1.2 Was mag diesen zu religiösen Dingen kaum prädestinierten Mann dazu gebracht haben? Was ließ ihn im Gekreuzigten Jesus Gott erkennen? Was machte ihn zum Nachfolger? Die Evangelisten halten das alle fest: Dieser sogenannte Heide gab das erste Zeugnis. Er, keiner aus dem Jüngerkreis. Schon hier springt die Botschaft vom Erlösungstod Jesu über die Religions- und Völkergrenze. Was hatte er gesehen? Was hilft uns, Gott im Sterben des Gekreuzigten zu erkennen?


2.1 Wir wollen uns dieser Frage anhand von drei Bildern nähern. Es sind Opferbilder von ganz eigener Art. In allen dreien geht es um ein Lamm.

2.2 Lämmer wurden als Opfertiere bekannt. Johannes der Täufer bezeichnete im Vorgriff auf Jesu späteren Tod Jesus als das solches Lamm Gottes. Johannes 1, 29: Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Unzählige Künstler haben Darstellungen eines Lammes gewählt, um den Opfertod Jesu zu deuten. Drei von ihnen wollen wir betrachten.
Einen Maler des 17. Jahrhunderts, der Neuzeit und einen Künstler unbekannter Herkunft lassen wir sprechen.


3.1 Francisco de Zurbarán, ein Sapnier des 17. Jahrhunderts, malte die große Kunst des kleinen Lebens. Das individuelle Schicksal wurde in feinen Pinselstrichen festgehalten. Agnus Dei heißt sein Bild, das im Prado in Madrid hängt. Was sieht er darin vom Gekreuzigten?

3.2 So wird ein Lamm gebunden, dass es wehrlos wird. Vorder- und Hinterhufe sind gefesselt. Kein eigener Schritt ist möglich. Jetzt kann man alles mit ihm machen. Wehren ist ausgeschlossen.

3.3 Und dieses Lamm, was wehrlos daliegt, bäumt sich nicht auf, wehrt sich nicht selbst. Die Augen sind nicht direkt zu sehen. Es scheint, als ob sie warten. Es erträgt, es gibt sich hin.
Wehrlos und hingegeben lässt sich dies Lamm beschreiben.

3.4 Und das war genau, was auch der Hauptmann an Jesus sah. In keinem Punkt bäumt er sich auf und widersetzt sich. Er gibt sich hin. ER übernimmt das Böse. Wie ein wehrloses Lamm nimmt ER das Böse auf sich.

3.5 Wir sehen hier das erste Geheimnis des Kreuzes: Einer übernimmt das Böse. Christe, Du Lamm Gottes, der Du trägst die Sünd der Welt. Einer für uns.


4.1 Andreas Felger, Künstler unserer Tage, hat in seinem Aquarell eine weitere Beobachtung vom Opfertod Jesu festgehalten.

4.2 In der Mitte von vier Farbflächen steht ein Lamm, das innerlich erleuchtet scheint. Seine Blickrichtung reicht in das helle Gelb, das Sonnenlicht der Liebe Gottes. Doch seine Vorderläufe stehen im blutigen Rot, das für sein Opfer steht. Sein Rücken berührt die Fläche des Grün, die Natur unseres Lebens, die Jesus in sich trug und ertrug. Und seine Hinterläufe kommen aus der Helligkeit der lichten Fläche, die Seine göttliche Herkunft ausdrückt. Die Richtungen erzählen: Vom Licht (unten rechts) - zur Liebe des Vaters (oben links) - in natürlicher Gestalt (oben rechts) - durch das Opfer der Versöhnung (unten links).

4.3 Das zweite Geheimnis des Kreuzes: Gott selbst zeigt Seine Liebe in Jesus. Es ist Sein Werk, was dort zur Erlösung geschieht. Gott versöhnte die Welt. In den Worten des Hauptmann: Dieser ist wahrlich Gottes Sohn. Wir begegnen im Kreuz der Erlösung unseres Gottes. Sie zählt.


5.1 Das letzte Bild hat keinen Namen. Es ist eine Gewandstickerei. Wir können sie bis heute auf Umhängen in Prozessionen finden, die Spanien zur Zeit erlebt. Sie schmücken viele Paramente an Altären.

5.2 Es zeigt wieder ein Lamm. Sehr aktiv und von Natur aus unmöglich trägt es die Siegesfahne. Das Siegeszeichen aber ist das Kreuz, das ursprüngliche Todeszeichen. Das Leid ist überwunden. Das Böse ist besiegt. Die Augen schauen darauf zurück. Den Kopf umgibt der Ehrenkranz der Heiligkeit. Das Gold der Wahrheit ist darin wie auch das Weiß der Reinheit.

5.3 Das dritte Geheimnis des Kreuzes: Hier kommt ein Sieger. Wer das Böse besiegt, dem gehört die erste Ehre. Dem gebe ich mein erstes Bekenntnis, so der Hauptmann. Kein Wunder, dass die Erde bebt, die Toten auferstehen und ein neues Heiligtum entsteht. Der Tempelvorhang riß entzwei. Das Neue hat begonnen.


6.1 ER trägt die Sünde der Welt. Gott selbst schenkt so Versöhnung. Das ist Sein Sieg.
Das sind die drei Botschaften der Lamm Bilder, die den Opfertod Jesu abbilden.
Das sind die drei Botschaften vom Kreuzestod Jesu, die der Hauptmann erkannte.
Das sind drei Botschaften, die uns berühren.

6.2 Sie gelten auch für mich.
Am Kreuz stirbt meine Sünde.
Am Kreuz werde ich versöhnt mit Gott.
Am Kreuz ist entschieden, dass auch mein Leben Sieg sein kann, Sieg Gottes.

6.3 Wir wollen diese Botschaften heute neu aufnehmen und mit uns gehen lassen.


Amen.



Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 30.09.2007 von: (fp)