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Misericordias Domini
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters
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Gottesdienst am 22. April 2007

Drei Mal Jesus lieben

Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! 16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! 17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! 18 Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. 19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Johannes 21, 15-19

Liebe Gemeinde!

1.1 In diesem berühmten Wort wurde Petrus in die Nachfolge des Auferstandenen berufen. Es wurde ein langer Weg, auf dem er als Jünger Jesu wirkte. Pfingsten gehörte dazu, ebenso seine Verkündigung vor Cornelius, dessen Erfüllung mit dem Heiligen Geist und dessen Taufe wie die Apostelgeschichte es beschreibt. In der Urgemeinde spielte Petrus eine große Rolle. Wichtig aber ist auch sein wahrscheinlicher Märtyrertod am Kreuz in Rom, der nicht in der Bibel beschrieben wird, auf den sich heute noch der Vatikan mit seinem Primat des römischen Bischofsamtes beruft.
Hier hat es begonnen. Der Auferstandene fragt. Petrus antwortet. Das ist Nachfolge.

1.2 So ist das noch heute. Der Herr berührt uns. Wir erfahren das, begreifen, verstehen. Wir reagieren und folgen: Ja oder Nein. So entsteht noch heute lebendige Nachfolge.

1.3 Nun könnte man beim Hören des Textes auf den Gedanken kommen, dass Jesus nachtragend ist. Dreimal hatte Petrus Ihn verleugnet. Dreimal fragt Jesus nach der Liebe des Petrus. Das trifft. So ist auch nicht verwunderlich, dass Petrus traurig wird. Dreimal verraten, dreimal nach der Liebe gefragt. Diese Andeutung tut weh.

1.4 Doch es passt nicht zu Jesus, Gemeinheiten zurück zu geben. Jesus kränkt nicht. ER baut auf. Und wenn ER den Verrat des Petrus anklingen lassen will als Teil von dessen Geschichte, dann nur, um darauf auszubauen. Der Herr reißt nur das ein, was im Bau Seiner Gemeinde so wie so einstürzt. Kränkungen sind nie vom Herrn.
Wir sollten dies für unseren eigenen Glaubensweg beachten und Lebenskränkungen nie Gott zuschieben. Es sind Lügen des Widersachers, die uns zu solchen Annahmen verleiten. Der Herr baut auf.

1.5 Unter dieser Voraussetzung enthüllt unser Text etwas sehr Interessantes. Die drei Fragen Jesu heißen im griechischen Urtext nämlich anders als sie in der deutschen Übersetzung klingen. Es sind nicht drei gleiche Fragen. Vielmehr steckt in jeder Frage ein anderer Duktus. Hinter dem Wort "lieben" stehen jeweils andere griechische Worte mit unterschiedlicher Bedeutung. So lohnt sich ein bisschen Textarbeit.

1.6 Wir können nämlich auf diese Weise herausbekommen, was unser Herr für Seine Nachfolge wichtig hält. Was möchte ER Petrus - und auf Seine Weise auch uns - für eine lebendige Mitarbeit mitgeben? Worauf weist ER hin, wenn ER Menschen in den Dienst nimmt?
So wollen wir hinschauen unter der Frage: Dreimal Jesus lieben.


2.1 Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese Jünger, die hier bei uns sind? Jesu erste Frage könnte beschämend missverstanden werden. Die Jünger lieben Jesus. Petrus liebt Jesus. Wer liebt am meisten? Petrus wäre zu einem Bekenntnis herausgefordert, wer mehr liebt, Das kann kein Mensch geben. Ein Vergleich der Liebe ist nicht möglich. Er ist auch nicht gemeint.

2.2 Gemeint ist vielmehr etwas anderes. Der Text kann nämlich auch so übersetzt werden: Simon, ist deine Liebe zu mir größer als zu anderen Menschen, zu den anderen Jüngern? Zähle Ich bei dir mehr als die Worte der Magd? Stehe ich bei dir an erster Stelle? Bin Ich deine Nummer Eins?

2.3 Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes, hatte Jesus gesagt. Der Reich Gottes, die Vergebung und das neue Leben, waren jetzt in Jesus präsent. Trachtest zu zuerst nach dem, nach Mir?

2.4 Wer nicht den Herrn an erste Stelle Seines Lebens setzt wird in der Nachfolge stets abgelenkt sein von dem, was das Herz am meisten mag. Es wird immer ein krummer Weg. Das Herz wird sagen: Ach, bitte hier lang. Oder dort. Geh mal hier vom Weg ab. Das sieht gut aus. Wer nicht das Ziel kennt, dem ist jede Raststätte gut.

2.5 Zielbestimmung für Simon. Entscheidest du dich für Mich? - Ja, Herr, du weist es. Du hast mein Ja. Agapas me - liebst du mich - hat diese Bedeutung: Würdigst du Mich als Gott und Herrn.

2.6 Das gehört zur Nachfolge. Irgendwann ist eine klare Entscheidung dran. Herr, ich habe viel mitbekommen. Ich bin geheilt worden. Du hast mich gesegnet. Ich vertraue Dir. Und jetzt: Du bist Der, Dem ich als Erstem gehöre. Wo geht mein Leben hin? Zu Dir. Zielbestimmung geklärt.


3.1 Die zweite Frage Jesu an Simon verwendet die gleiche Formulierung aber ohne den Vergleich. Liebst du Mich? Und das bedeutet dann: Du kannst ja alles Mögliche an Gott wunderbar finden. Seinen Segen, Seine Schöpfung, Seine Ideentiefe, Sein Wort. Du hast dich dafür entschieden. Gut. Doch liebst Du nicht nur Gott, sondern Mich, Seinen Sohn? Willst Du Mir, dem Gekreuzigten und Auferstanden Herrn folgen? Willst Du Meinen Geist in dir tragen? Bist du Mein?

3.2 Viele verehren Gott. Doch zu Jesus haben sie ein gespaltenes Verhältnis. ER war ein großer Mensch, sicher. Doch warum sollte ER wie Gott an erster Stelle stehen?

3.3 In Jesus zeigt Gott Seine Vergebung und Erlösung. In Jesus wird Gottes Güte konkret. In Jesus erhalten wir die neue Kindschaft Gottes. In Jesus gehören wir zu Gott. In Ihm und nur in Ihm. Deswegen: Liebst du Mich?

3.4 Christen versammeln sich im Namen Gottes. Und sie erläutern diesen Namen mit der Erfahrung: Des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Im Vater begegnet mir der Schöpfer, im Sohn Jesus sehe ich Gottes Erlösung, im Heiligen Geist Seine Kraft in uns.
Wer Jesus liebt, liebt Gott, der sagt: Du bist Mein Kind. Das wird in Jesus konkret für mich.

3.5 Deswegen gibt es die Lieder: Jesus, höchster Name, teuer Erlöser, ewiger Herr. Oder: Jesu meines Lebens Leben. Oder: Jesu geh voran, auf der Lebensbahn.

3.6 Liebst du Mich? - Ja, Herr, Du weißt es, dass ich Dich liebe. Wer in Jesu Nachfolge steht, der lebt von Jesu Erlösung und von der Kraft Seiner Auferstehung. Jesus, ich folge Dir. Inhalt geklärt.


4.1 Da ist noch Jesu dritte Frage. Diesmal verwendet ER ein anderes Wort. Phileis me - Bist du Mein Freund? Jesus spricht damit nicht die Entscheidung des Geistes oder Herzens an. Er fragt nach der Bereitschaft der Seele. Hast Du mitbekommen, dass es zwischen uns gut ist. Wegen der alten Sache des Verrates ist kein Misstrauen mehr nötig. Ich bin dein Freund. Bist du auch Meiner? Hast du ein reines Herz? Hast du dir vergeben lassen? Bist du o.k. und hast Altes geklärt. Ist unsere Beziehung ungestört, ohne Furcht und ohne Zweifel?

4.2 Das ist ein heikles Kapitel. Man kann ja in Glaubensdingen klar sein. Und es bleiben doch Vorbehalte in der Beziehung zu Jesus. Geheime Vorwürfe an Ihn oder Gott dämpfen das Vertrauen. Ist alles gut? Hast du Mich lieb? Ein täglicher Weg mit Jesus braucht tägliche Reinigung.

4.3 Ja, Herr, ich mag Dich. So die Antwort von Simon. Jesus, mein Freund. Beziehung geklärt.


5.1 Mit diesen drei Fragen ruft Jesus in die Nachfolge. ER fragt nach der Liebe als Entscheidung für Gott als Wichtigsten. ER fragt nach der Liebe für Ihn, den Gekreuzigten und Auferstandenen. ER fragt nach der Liebe als Freundschaft mit Ihm. So fragte ER Simon. So fragt ER bis heute.

5.2 Und der Weg mit Ihm geht weiter, wenn wir wie Simon sagen können: Ja, Herr, Du weißt, dass ich Dich liebe. ER weiß.
Doch es ist gut, wenn wir es trotzdem vor Ihm, vor uns und vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt aussprechen. Ja, Herr.

5.3 Die Nachfolge Jesu bleibt immer ein spannender Weg.
Es ist übrigens interessant, dass Simon bei den Fragen noch Simon heißt. Doch nach seinem Ja wird vieles neu, sogar sein Name. Denn später wird er, was er ist, auch heißen: Petrus, Fels, auf den der Herr Seine Kirche bauen will.
Den neuen Namen Gottes, den Namen der Gottes Kindschaft, Seiner Nachfolge kennen und tragen - er wartet auch auf uns in der Nachfolge Jesu. Einmal werden wir ihn auf der Stirn tragen wie die Offenbarung sagt. Ob wir ihn schon erahnen oder kennen.



Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)