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zum Pfingstfest
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 27. Mai 2007,
Pfingstfest

Pfingsten - Wahrheit erfüllt

5 Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? 6 Vielmehr ist euer Herz von Trauer erfüllt, weil ich euch das gesagt habe. 7 Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe.

Denn wenn Ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe Ich aber, so werde Ich Ihn zu euch senden.
8 Und wenn Er kommt, wird Er die Welt überführen (und aufdecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist;
9 Sünde: dass sie nicht an Mich glauben;
10 Gerechtigkeit: dass Ich zum Vater gehe und ihr Mich nicht mehr seht;
11 Gericht: dass der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.
12 Noch vieles habe Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird Er euch in die ganze Wahrheit führen.

Denn Er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern Er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. 14 Er wird mich verherrlichen; denn Er wird von dem, was Mein ist, nehmen und es euch verkünden. 15 Alles, was der Vater hat, ist Mein; darum habe Ich gesagt: Er nimmt von dem, was Mein ist, und wird es euch verkünden.

Johannes 16, 5-15

Liebe Gemeinde!

1.1 Wir sagen: Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Und das ist recht. Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, Pfingsten die Geburt der Kirche. Doch es entsteht sofort die Frage: Und was ist mit den Eltern? Maria und Josef sind uns bekannt. Wer hat der Kirche das Leben geschenkt? Von wem kommt dies neue Kind Kirche?

1.2 Die Antworten sind nicht geheim. Das bekannte Wort eines berühmten Theologen sagt: Die Christen erwarteten nach der Himmelfahrt die Wiederkunft Christi. Aber was kam war die Kirche.
Die Kirche als ungewolltes Kind? Ein Irrtum des Glaubens? Die Verlegenheitslösung Gottes?

1.3 Die Aussagen der biblischen Texte sind eindeutig und klar: Nein. Gott der Vater gab Jesus den Heiligen Geist. Jesus gab Ihn weiter an Seine Apostel. (7) Gehe ich aber, so werde Ich Ihn zu euch senden. Der Heilige Geist ist der Geist Jesu. Er ist Jesu Zeugnis.
Wird dieses Zeugnis Jesu lebendig, fließt dieser Lebensstrom von Gott her, entsteht dieses Leben aus Gott. Das ist Kirche.

1.4 Es ist das größte Wunder, wenn das geschieht. Es ist so erquickend, aufbauend, licht und stärkend. Nie wird einer die Momente vergessen, in denen er Berührung mit dem Strom des Heiligen Geistes bekommt. Man mag Momente irdischer Zeugung vergessen oder gar nicht merken. Dieses geistliche Zeugnis des ewigen Gottes in uns ist einzigartig. Gott schenkt der Kirche das Leben Jesu. Dadurch ist sie da. Das macht ihr Leben aus.

1.5 ER tut es wie ER auch jedem von uns das natürliche Leben schenkt. ER schenkt es. Keiner hat je seine Geburt verdient. Und so schenkt ER auch das geistliche Leben. Wo es ankommt da ist Kirche.
Wir feiern Ihn als Vater der Kirche und Jesus als ihren Übermittler. Der Heilige Geist aber ist ihr Leben. Von Ihm kommt die Erfüllung.


2.1 Das besondere unserer Zeit ist, dass es eine tiefe Sehnsucht nach Erfüllung gibt. Warum? Wir haben nicht zu viel von ihr, sondern eher zu wenig. Unsere so reiche Kultur ist arm an dem, was innerlich satt macht.
Wir haben gelernt, im Leben stark zu sein und zu gewinnen. Doch Stärke ist noch nicht Erfüllung. Erfüllung ist Stärke von innen. Manchmal gewinnt sie sogar nach außen hin, doch längst nicht immer.

2.2 Gehen Sie mal durch Fußgängerzonen unserer Innenstädten, die übrigens bald in ganz Europa gleich aussehen. Da sehen Sie so viel Wertvolles. Doch was macht Sie davon wirklich satt, innerlich satt?
Wir leben in einer Zeit großer Information und intensiver Bilderflut. Doch schauen Sie mal einen Tag Fernsehen an. Ist Ihr Herz anschließend erfüllt und zufrieden? Wer das von sich sagen kann ist ein Lebenskünstler. Es ist ganz anders: Wir leben in reichen Wüsten und unter leeren Bildern.

2.3 Es gibt ein Musical, das im Ruhrgebiet seit vielen Jahren die Menschen aus ganz Deutschland und dem Ausland anzieht: Starlight. Es geht dabei zu wie in einem alten Märchen nur mit modernen Mitteln. Eine alte Lokomotive muss sich gegen die neue Lok in einem Wettlauf behaupten. Dabei kann sie nur verlieren. Doch dann empfängt sie von oben eine wunderbare Kraft als innere Erfüllung. Alles ist auf diesen Moment ausgelegt. Von oben strömt das Licht und die Herrlichkeit in sie ein. Sie erfährt ihr weltliches Pfingsten, fährt damit als erste durch das Ziel. Diese Kraft lässt sie siegen.
Jede Zeit braucht innere Erfüllung. Wird Pfingsten heute in Unterhaltungen und Shows zur Copyware?


3.1 Was Gottes Geist zu Seinem Pfingsten anders machte ist offensichtlich. ER ging durch das Herz. Oder wie es hier im Johannestext heißt: 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Wahrheit hat immer einen Inhalt. Wahrheit erfüllt. Show unterhält. Im Inhalt der Wahrheit findet unser Herz einen Platz und ein zu Hause. Das ist mehr als Unterhaltung.

3.2 Schauen wir wie Johannes diesen Geist der Wahrheit beschreibt. Er nennt drei hervorstechende Merkmale: Erkenntnis über Sünde, Gerechtigkeit und Gericht.


4.1 Nun mag man angesichts dieser großen Worte vielleicht erschrecken und denken: Der Heilige Geist ist doch ein Theologe, vielleicht sogar Philosoph. Was nutzt mir die Erkenntnis dieser tiefsinnigen Begriffe.
Ich hoffe, der Heilige Geist ist auch Theologe, sonst wäre es um diese Zunft ja noch schlechter bestellt. Was auffällt ist freilich etwas anderes.
Der Geist der Wahrheit macht gar keine großartige Theorie zum Thema Sünde - Trennung von Gott. Vielmehr nimmt Er sich unseres Herzens an. Du, du vertraust nicht der Erlösung durch Jesus? Dein Glaube gründet nicht in der Gewissheit, um Jesu willen bin ich Gottes Kind? Die Liebe Gottes ist noch nicht in die Mitte deines Herzens eingedrungen? Du bist noch nicht innig eins mit der Vorstellung, erlöst zu sein? Dann trennt dich dies noch von Gott?
Gib diese Trennung auf. Gott hat das Seine dafür getan. Tue du das Deine als Antwort deines Glaubens.
Diesen Punkt des Glaubens macht der Heilige Geist klar. Er schenkt Erkenntnis darüber, was uns von Gott noch trennt.

4.2 Das zweite ist auch kein Vortrag über Gerechtigkeit. Eher ist es Teilhabe an einer Vision.
Der Heilige Geist nimmt unseren Geist mit auf die Reise der Himmelfahrt Jesu. Er führt uns zum Thron des Vaters, wo sonst nur himmlische Mächte Zutritt haben. Doch jetzt ist unser Bruder da, Jesus der Auferstandene. Und durch Ihn haben wir Zutritt zum Allerheiligsten. Wir dürfen vor Den treten, von Dem alle Macht im Himmel und auf Erden ausgeht. Das ist keine Einschränkung allen Einsatzes für Gerechtigkeit und Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Aber wir dürfen noch einen Schritt weiter gehen. Hin zur Quelle, zu dem Ort, von dem alle Kraft, alles Leben, jeder Frieden und alle Gerechtigkeit ausgehen. Hin zu dem Ort, von dem der Segen in unser und aller Tun fließt. Hin zu dem Ort, von dem einmal ein neuer Himmel und eine neue Erde kommen.
Der Heilige Geist führt uns zum Thron des Vaters.

4.3 Das dritte ist nicht weniger schön. Der Heilige Geist zeigt uns das Gericht Gottes.
Bei allem Reiz, den die Offenheit des Lebens ausmacht. Am Ende ist doch nicht schlecht darüber Klarheit zu gewinnen, wie das letzte Urteil aussieht, das über uns gesprochen wird - und nicht nur gesprochen - nach dem sich dann die Wirklichkeit in Ewigkeit ausrichtet.
Der Heilige Geist nimmt unseren Geist in diesem Punkt in Seine Schule. Er hält uns in allen Punkten der Anklage und Unvollkommenheit stets ein Bild vor Augen: Das unseres Herrn am Kreuz.
Das tat ER für dich. Der Ankläger im letzten Gericht ist besiegt. Er hat kein Recht mehr, dich zu beschuldigen. Er greift durch dich hindurch. Sein Wort trifft Ihn, nicht dich. Sein Anspruch ist zu Nichte. Er selbst ist bereits gerichtet in seiner Anklage: Abgewiesen durch die Erlösung Jesu.
Der Heilige Geist führt durch das Gericht. Mein letztes Urteil ist bereits gesprochen. Welche Sicht.


5.1 An der Costa del Sol wächst ja alles so schnell, dass man mit dem Gucken mithalten muss, um alle Blüten auch zu sehen, die hervorbrechen.
Doch haben sie mal versucht zur normalen Zeit ein Beet zu wässern? Wenn der Nachbar es auch noch versucht, dann kommt aus dem Schlauch nur noch ein dünnes Rinnsal Wasser. Kein Druck. Sollte die Trockenheit anhalten gibt es überhaupt kein Wasser mehr.

5.2 Wie gut, dass Gott kein Rinnsal ist. Die Wasserbecken göttlichen Lebens sind zum Überlaufen voll. Pfingsten erinnert daran: Sie wurden und werden ausgegossen. Herr, wir sind bereit. Komm, Heiliger Geist.

Amen.





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Zuletzt geändert am 02.06.2007 von: (fp)