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zum Johannistag
am 3. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 24. Juni 2007

Johannistag

11 Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

12 Seit den Tagen Johannes' des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich. 13 Denn bis hin zu Johannes haben alle Propheten und das Gesetz (über diese Dinge) geweissagt. 14 Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll. 15 Wer Ohren hat, der höre!

Matthäus 11, 11-15

Liebe Gemeinde!

1.1 Haben Sie heute Nacht etwas Besonderes geträumt? Wenn das der Fall war, dann haben Sie vielleicht auch gestern sieben wilde Blumen von sieben Wiesen gepflückt und unter Ihr Kopfkissen gelegt. Und wenn Sie dann noch unverheiratet sind, dann galt Ihr besonderer Traum Ihrem zukünftigen Lebenspartner. So erzählt es ein schwedischer Brauch zum Mittsommerfest oder Johannistag.
Bäcker und solche, die Brot backen, standen in der Frühe auf, um Tau der Nacht in einer Flasche zu sammeln. Es wurde auf Brot und Brötchen gegossen. Dieser Tau machte sie groß und lecker. So glaubte man.
Wir feiern den Johannistag am Wochenende. Was ist das für ein Tag?

1.2 Im Kalender ist es beinahe die Mitte des Jahres, der 175. Tag. Die Kirche hat auf den 24. Juni, die Sommerweihnacht, den Geburtstag von Johannes den Täufer gelegt, ein halbes Jahr vor Weihnachten am 24. Dezember mit der Geburt Jesu.
Einige nordische Länder feiern ihre Nationaltage an diesem Datum. Es sind die größten Feste.
Die Nacht ist jetzt am kürzesten und der Tag am längsten. Im Norden kann es nicht ganz dunkel werden. Und zum Zeichen dafür brennen überall Feuer, auch hier an den Stränden der Costa del Sol.
Ein Hochfest feiert die Katholische Kirche mit besonderer Liturgie. Für Menschen gibt es nur vier im ganzen Jahr: Joseph, Petrus und Paulus. Und am Wochenende wieder eines, das für Johannes.

1.3 Warum soll man am Johannistag im Traum die Erleuchtung über die Liebe seines Lebens bekommen? Warum schmecken durch den Tau dieser Nacht die Brötchen besser? Warum brennen die Feuer in der Nacht? Warum ist das Mittsommerfest etwas Besonderes?

1.4 Es lässt sich heute nicht mehr entwirren, was die Quellen welcher Traditionen sind. Zu breit ist heute der Strom der Sitten und Gebräuche. Doch auch die evangelische Kirche hat besondere Lesungen und Predigttexte zum Johannistag. Und mit ihnen wird eine biblische Deutung gegeben, die uns als Christen hilfreich ist. Sie hilft uns nicht nur zum Verstehen bekannter Gebräuche. Sie hilft uns, im Glauben weiter zu wachsen. Schauen wir in den Bibeltext.


2.1 Johannes der Täufer - kein Kleiner, sondern ein Großer. So redet Jesus über ihn. Wen bezeichnet Jesus schon als einen Großen? Wie kommt es zu einem solchen hervorragenden Urteil?

2.2 Johannes der Täufer war eine schillernde Figur. Freund und Feind rief er zur Umkehr und zur Buße auf. Als Ort hatte er sich dafür die Wüste ausgesucht, einen Ort, wo nur noch Lebenswichtiges zählt. Luxus ist hier nur Last.
Kehrt um! Das sagte er den Menschen von der Straße. Kehrt um! Das sagte er heuchlerischen Religionsvertretern. Kehr um! Das ließ er Herodes, der politischen Führung im Land, ausrichten. Gott hält Gericht über jeden. Wer jetzt nicht reagiert und anders lebt, den wird ER treffen.

2.3 Und dann steht Jesus vor Johannes. Und Johannes erkennt Ihn als den Sohn Gottes. Er sagt: Das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt. Und: ER muss wachsen. Ich aber muss abnehmen.

2.4 Konnte jemand besser auf Jesu Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen hinweisen? Kehrt um. Dort ist Der, der Sünde wegnimmt, die ihr ablegt. ER muss wachsen, ich abnehmen.
Er war der beste Wegweiser zu Jesus, der größte Prophet vom Reich Gottes, der klarste Hinweis auf IHN, den Herrn. Ein glaubwürdiger Zeuge. Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer (11), sagt Jesus von ihm. Wenn ein Mensch so auf das Reich Gottes Jesu hinweisen kann, dann ist das groß. Er tat es.


3.1 Wir verstehen jetzt, warum die Tradition seinen Geburtstag auf die Mittsommernacht legte. Er ist wirklich unter allen Nächten dieser Welt die hellste. Mit ihm ist in aller Dunkelheit unseres unerlösten Lebens ein helles Feuer entfacht worden. Buße brennt, aber sie macht auch etwas hell und licht. Sie verzehrt Altes und stiftet neue Lebenswärme. Es ist die hellste Leistung einer dunklen Welt, auf die Erlösung Jesu hinzuweisen. In der hellsten Nacht des Jahres soll dies gefeiert werden.

3.2 Wenn ER wachsen muss und ich abnehmen, wie es Johannes der Täufer sagt, dann wird das in den Tagen der zweiten Jahreshälfte im Kalender wahr: Die Tage werden kürzer.
Und in der längsten Nacht, im tiefsten Dunkel, wird Gott Mensch durch Jesu Geburt, am 24. Dezember zu Weihnachten.

3.3 Johannes wird zum Zeichen des größten Menschen, Jesus zum Zeichen für den niedrigsten Menschen, in dem Gott zur Welt kam. Die Sonne steht am höchsten - sie steht am tiefsten, Sommerweihnacht - Winterweihnacht, Johannistag - Heilige Nacht, 24. Juni - 24. Dezember. Der Kalender weist auf dieses geistliche Geheimnis.


4.1 Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass Johannes der Täufer seiner eigenen Botschaft nie gefolgt ist. ER wurde nie ein Jünger Jesu. Ist das nicht merkwürdig.

4.2 Natürlich. Er war der Größte, der auf Jesus hinwies. Und seine Botschaft brachte ihm Gefangenschaft und Not. Im Gefängnis schickte er seine Jünger zu Jesus. Was ließ er diesem ausrichten? Eine Frage. Bist Du es, der da kommen soll. Oder sollen wir auf einen anderen warten. Er ließ nicht mitteilen. Ich habe Dich gefunden. Ich gehe dir voraus.
Wenig später war er tot. So weit wir wissen ist er selbst nie umgekehrt zum Herrn.

4.3 Es ist verblüffend. Er war der größte Zeuge für das Evangelium. Doch hat er selber nie davon gelebt. Er war ein Wegweiser, der präzise sagte, was der Weg ist. Doch ist er selbst den Weg mit Jesus nicht gegangen.
Und Jesus sagt dies hier in unserem Wort vorweg: … der Kleinste im Himmelreich ist größer als er (11). Johannes ist davor geblieben. Er trat nicht ein. Das Heil in Jesus nahm er selbst nicht an. Was für ein Weg.

4.4 So kann es Christen bis heute gehen. Gewusst wie wo und was. Und anderen sogar ganz genau erklärt wie es im Glauben ist. Doch selbst im Himmelreich nicht angekommen.
Die Liebe Gottes für das eigene Leben nur gewusst - doch nicht genommen.
Die Vergebung Gottes für die Beziehungen gekannt - doch nicht gelebt.
Die Hoffnung und die Freude der Verheißungen Gottes auswendig gekannt - doch nicht erlebt.
Jesus sagt: Der Kleinste im Himmelreich ist großer als er. Das kleinste Leben mit dem Herrn ist größer als die größte Bibliothek über Ihn. Wenn der Hinweis nicht dazu dient, auch einzutreten in ein Leben mit dem Herrn, dann … , ja dann. Dann bleiben wir davor - als große Menschen.


5.1 Der Johannistag hält auch dieses Geheimnis in den Traditionen fest.

5.2 Es wird in der Nacht mit Feuern gefeiert. Das schafft Licht und Wärme. Aber die Sonne ist das nicht. Die bleibt mit ihrem Tageslicht die eigentliche Quelle von Wärme und Leben.
So auch als Bild. Johannes war ein Feuer in der Nacht. Das hilft, das leuchtet, das fasziniert. Doch Jesus ist die Lebenssonne, die Leben spendet. Ein Licht, das viel mehr leuchtet als die Feuer unserer Welt.


6.1 So lassen Sie uns zum Johannistag hören und tun, was in einem ökumenischen Kirchengebet zu diesem Tag festgehalten ist:
Täufer, was sollen wir tun, wenn ER jetzt kommt? - Dem Herrn die Ehre zollen und glauben Seinem Bund.
Täufer, was sollen wir tun, wenn ER jetzt kommt? - Teilt Brot und Mantel, raubt niemandem sein Gut und macht mit eurem Wandel bedrückten Menschen Mut
(Jürgen Henkys nach Huub Oosterhuis).

Amen.





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Zuletzt geändert am 31.08.2007 von: (fp)