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zum 12. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 1. Juli 2007 / 26. August 2007

Wunder - Sehen wie ER ist

22 Und sie kamen nach Betsaida. Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten Ihn, dass ER ihn anrühre. 23 Und ER nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, tat Speichel auf seine Augen, legte Seine Hände auf ihn und fragte ihn: Siehst du etwas? 24 Und er sah auf und sprach: Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen. 25 Danach legte ER abermals die Hände auf seine Augen. Da sah er deutlich und wurde wieder zu Recht gebracht, so dass er alles scharf sehen konnte. 26 Und ER schickte ihn heim und sprach: Geh nicht hinein in das Dorf!

Markus 8, 22-26

Liebe Gemeinde!

1.1 "Kann Gott Wunder tun?" Dieses Thema wurde neulich in einer Fernsehrunde diskutiert. Was haben Sie denn für ein Gottesbild, schimpfte ein Teilnehmer. Sitzt da etwa einer oben, der in unsere Wirklichkeit eingreift! Das klingt wie: Keinesfalls. Die Welt ist dicht.

1.2 Es ließe sich auch umgekehrt fragen: Was haben Sie denn für ein Bild von der Wirklichkeit. Sollte unsere Welt etwa nicht offen dafür sein, dass Gott die Wirklichkeit verändert. Wunder oder Heilungen können so passieren. Das hört sich anders an: Auf jeden Fall. Unsere Welt ist offen.

1.3 Nirgendwo entzünden sich so leidenschaftliche Auseinandersetzungen wie bei der Wunderfrage. Warum? Der Grund ist offensichtlich. Falsche Erwartungen aufgrund eines Wunderglaubens können das Leben ruinieren. Trifft das Wunder nicht ein, wiegen Enttäuschung und Verzweifelung oft mehr als alle Not, bei deren Überwindung das Wunder helfen sollte. Enttäuschter Wunderglaube kann zu Hass umschlagen. Hätte ich doch nie gehofft, geglaubt, erwartet. Wer hoch aufsteigt mit seiner Erwartung kann auch tief stürzen.

1.4 Dem gegenüber ist der Glaube an Wunder für solche Menschen völlig selbstverständlich, die selbst Wunder sehen und erleben konnten. Glücklich erzählen sie von Veränderungen oder Heilungen: Das war für mich ein Wunder. Anders kann ich es nicht sehen. So sagen sie.

1.5 Die einen bringt das Wunder zur Verzweifelung: Glaube ich etwa nicht genug? Bin ich zu schlecht? Die anderen werden durch das Wunder gestärkt: Gottes Gnade ist genug. ER ist gut zu mir.

1.6 Wir kommen da nicht weiter. Schon Jesus ist damals nicht weiter gekommen. Unser Text verrät das.
Und unser Text verrät noch mehr: Was Jesus mit dem Wunder einer Heilung zeigen möchte.
Schauen wir dafür zunächst auf den Zusammenhang bei Markus.


2.1 Ihr habt Augen und seht nicht. Und ihr habt Ohren und hört nicht (18). Das sagt Jesus drei Verse vorher zu seinen Jüngern.

2.2 Vorausgegangen waren die Speisung der viertausend Menschen und ein Streitgespräch mit Pharisäern, die von ihm ein Zeichen vom Himmel, ein Wunder, verlangten. Jesus aber hatte im Anschluss daran seine Jünger gewarnt: Schauet zu und sehet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer (15).

2.3 Wovor warnt ER? ER warnt vor Menschen, die mit ihrem Geist alles Leben durchsetzen wie ein Sauerteig. Sie durchdringen es allerdings nicht mit dem Glauben an Gottes Güte. Sie richten stattdessen alles unter Gottes Regeln wie sie sie verstehen. Sie stehen für Fundamentalisten von der Art, die sagen: Mein Fundament muss auch deines sein. Und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt, innere oder auch äußere. Jesus wurde später deren Opfer.

2.4 Jetzt warnt er vor diesem Geist. Denn keiner kann die Liebe Gottes sehen, der seinen Geist verschließt. Keiner kann Jesus als den Messias begreifen, der nur auf sich schaut. Keiner kann ins Reich Gottes kommen und damit von Gott her leben, der nur von sich bestimmt ist. Wer seine Regeln über Gott stellt bleibt draußen vor.


3.1 Und Jesu Jünger, was sagen sie? Alles klar. Genau verstanden. So ist es also.
Wir sehen: Bei einem solchen Denken sind Wunder nichts anderes als ein Störfall der eigenen Wirklichkeit. Völlig klar, dass sie nicht sein können.
Mit solchem Geist betrachtet sind "Erweise des Geistes und der Kraft" nichts anderes als Gaunereien oder Taten des Teufels.
Vom Ansatz eines solchen Pharisäerglaubens aus kann selbst der Gottessohn nur ein Gotteslästerer sein.

3.2 Doch so ist es leider nicht bei den Jüngern. Die Warnung vor dem üblen Sauerteig solchen Denkens missverstehen sie als Hinweis, nicht falsches Brot einzukaufen.
Sie sind noch nicht geübt, das Denken Jesu zu verstehen. ER drückt das Hintergründige vordergründig aus. Und ER beschreibt mit Alltagsgegenständen Geistiges.

3.3 Es ist wie später beim Sakrament: Die jenseitige Wirklichkeit wird durch die diesseitige gezeigt.

3.4 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie, vernehmt ihr denn nichts? (21) Kein Sehen und kein Hören der Geheimnisse des Reiches Gottes bei allem Sehen und Hören. Das gibt es.
Das gibt es bei den geschilderten Pharisäern, die es nicht anders wollten. Das gibt es bei den Jüngern, die es noch nicht anders konnten.


4.1 Nach dieser Begebenheit folgt der Text von der Blindenheilung. Markus, der diese Reihenfolge berichtet, sagt damit: Geduld! ER kriegt es hin. In Seiner Gegenwart gehen die Augen auf, die äußeren und die inneren. Schritt für Schritt. Nicht auf einmal. Doch ER kommt zu Seinem Ziel. Das Reich Gottes setzt sich durch.

4.2 Zuerst eine Begebenheit aus dem Lebensalltag. Ein Blinder. Jesus wendet sich ihm zu, nimmt ihn mit hinaus aus dem Ort, weg aus seinen bisherigen Lebensumständen. Dort außerhalb schenkt ER ihm das Augenlicht zurück. Zunächst kann er nur undeutlich sehen. Sehen lernen dauert. Dann erneute Zuwendung des Herrn. Jetzt sieht der Blinde alles scharf.
So weit Anfang, mit dem Jesus zeigt: ICH öffne Augen. Schritt für Schritt.

4.3 Was folgt darauf? Das Gespräch Jesu mit seinen Jüngern über Seine Sendung. ER fragt: Wer sagen die Leute, dass Ich sei? ER will sie dadurch sehen lehren bis zum Bekenntnis, das Petrus formuliert: Du bist Christus.
So weit die Fortsetzung. Ein jeder soll das Reich Gottes sehen. Die Jünger begreifen langsam, wer ER ist.

4.4 Markus sagt: Seht ihr? ER bringt Seine Jünger und uns zum Ziel. Wir können uns darauf verlassen. Vertrau Ihm. ER bringt es durch. ER bringt dich durch.


5.1 Es ist schon sehr besonders, wie Jesus vorgeht, zu zeigen wer ER ist. Was ER sagt, das geschieht in allen Bereichen der Wirklichkeiten. Wenn Jesus die Herzen Seine Jünger sehen lehrt, dann sehen auch blinde Augen. Wunder gibt es im Reich Gottes stets im Doppelpack. Inneres und Äußeres werden neu. Im Reich Gottes gibt es keinen Bruch zwischen der Bedeutung Seines Wortes und Seiner Wirkung.
Sehen können, wer der Herr ist. Das zeigt der Herr in der Heilung des Blinden und mit dem Gespräch Seiner Jünger. Das Heilungswunder des Körpers und das Erkenntniswunder des Geistes fallen bei Ihm zusammen. Das Reich Gottes ist der Anbruch einer neuen Schöpfung von Körper und Geist.

5.2 Uns geht es meist so, dass wir das eine oder das andere erfahren, selten ist Gottes Gegenwart so dicht, dass wir auf einmal Teilhaber aller Dimensionen Seines Wirkens werden. So ist es auch in unserem Text. Der wundersam geheilte Blinde weiß wahrscheinlich nichts von dem Gespräch Jesu mit Seinen Jüngern. Er erfährt seinen Puzzleteil des Reiches Gottes, die Jünger ein anderes. Erst im Reich Gottes ersteht das gesamt Bild.
So können auch wir uns freuen, über jede Tat des Herrn in unserer Zeit, über jedes Wunder, auch dann, wenn wir es selber nie erleben. Wenn es uns nur zum Puzzlestein des großen Bildes wird: Jesus der Herr.

5.3 Und wie zärtlich Jesus in Seiner Zuwendung zu dem Blinden bei dessen Heilung vorgeht. Das ist noch ein Wunder mehr. Die sieben Zuwendungen Jesu.
ER nimmt ihn bei der Hand - Jesus beginnt immer bei dem, was geht. Der Blinde kann ja nicht sehen.
ER führt ihn hinaus - es braucht ja eine neue Umgebung, Erwartung, Hoffnung. Die steckt nicht im Alten.
ER streicht ihm Speichel in die Augen - Das ist etwas aus Gottes Mund, was der Blinde fühlt, wo er es braucht.
ER legt Seine Hände auf ihn - Die Kraft von Gott wird durch dies alles wirken.
ER fragt ihn, ob er etwas sähe - Was er selbst neu erfährt, das zählt als Heilung.
ER bleibt daran und wiederholt die Segnung - Es ist genug Zeit. Es darf noch einmal geschehen.
ER schickt ihn heim, nicht in den Ort - Das Wunder soll nicht zur Sensation verkommen, sondern wirken.


6.1 Wir verstehen jetzt, was Jesus mit dem Wunder will. Es ist für Ihn Ausdruck des großen Wunders der Liebe Gottes.
Mal führt sie zu der Heilung eines geschundenen Körpers, mal zur Heilung einer seelischen Wunde, mal zur Heilung eines verkennenden Geistes. Bricht Gottes Reich in Herrlichkeit an geschieht alles auf einmal.
Hier auf Erden sieht unser Glaube jetzt nur Puzzlesteine dieses Wirkens Gottes an vielen Stellen. Es ist Gnade, darin das große Bild zu sehen: Jesus der Herr. Es ist ein Vorabdruck des Kommenden.

Amen.





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Zuletzt geändert am 31.08.2007 von: (fp)