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zum 13. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 2. September 2007

Das Unsichtbare zählt

1 Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. 2 Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 3 Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. 4 Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Matthäus 6, 1-4

Liebe Gemeinde!

1.1 Ich möchte Sie zu Beginn bitten, etwas zu erraten. Dafür führe ich Ihnen jetzt etwas vor. Ich bitte Sie zu raten, was es ist. Einverstanden? - (Ich bleibe mit offenen Augen auf der Kanzel ohne Bewegung stehen).
Haben Sie es mitbekommen? Ich mache es noch einmal. - (Wiederholung). Vielleicht denken Sie, der macht doch gar nichts.

1.2 Aber das stimmt nicht. Wenn das nicht stimmt, dann denken Sie jetzt vielleicht: der macht, was er immer macht, beten. Da haben Sie richtig geraten. Ich bete und rede mit dem Herrn. Aber nicht nur das. Ich höre auch, was ER sagt.

1.3 Haben Sie etwas gehört? - Nein. Haben Sie etwas gesehen? - Nein. Haben Sie etwas gespürt - Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

1.4 Wie kommt es, dass Sie gar nichts mitbekommen haben? Und dabei habe ich das Größte gemacht, was es auf der Erde gibt. Ich habe mit dem Herrn gesprochen und habe IHN gehört.
Im Himmel mögen dabei die Glocken läuten. Auf Erden ist nichts zu hören.
Ein Kontakt zwischen der Ewigkeit und unserer kleinen Gottesdienstwelt ist gelaufen. Hier war nichts zu sehen, nichts zu hören, nichts zu merken.
Ich habe mit dem Herr gesprochen. Ich habe nicht den Mund bewegt. Ich habe nicht mit den Augen gekullert. Ich habe keine Hände erhoben. Ich habe Ihn gehört. Und Sie mussten echt raten, was es ist.
Ist das nicht merkwürdig? Der Kontakt mit dem lebendigen Gott ist den äußeren Sinnen verborgen.


2.1 Dabei beginnt der Kontakt mit Gott oft mit äußerlichen Dingen.
Wir finden einen Menschen, der uns beeindruckt. Wir spüren, dass er oder sie glaubt. Das lässt uns aufmerken. Das muss Glaube sein.
Wir werden angezogen von der außergewöhnlichen Hilfe und Freundlichkeit, die uns begegnet. Es ist für uns wie ein Wunder. Dann merken wir, diese Haltung wurzelt in einem Glauben an Gott. Das zieht uns an.
Wir besuchen einen Gottesdienst und erleben eine lebendige Atmosphäre. Sie prägt die Menschen, die dort zusammen kommen. Sie erfüllt für eine Stunde auch unser Herz und nimmt uns mit. Wir spüren etwas vom Glauben, der da in der Luft liegt.
Wir lesen eine Geschichte aus der Bibel. Sie spricht zu uns als wären wir ein Teil darin. Wir merken den Glauben, der uns anspricht. Wir werden mitgezogen auf einen neuen Weg.

2.2 Menschen, Hilfen wie Wunder, Gottesdienste, Bibelworte - das alles ist mit den Sinnen äußerlich wahrnehmbar. Das hat etwas mit Glauben zu tun.
Es ist der Weg zum Glauben. Auf dem kann ich beten und Kontakt mit Gott aufnehmen. Ich kann sprechen: Herr, jetzt solltest Du mich hören. Manches Stoßgebet beginnt so. Das ist gut. Doch die meisten wissen nicht, ob Gott ihnen jemals antwortet. Gewissheit fehlt. Viele Christen sind auf dem Weg ihres Glaubens an dieser Stelle angekommen und dabei stehengeblieben. Es ist ein Glauben aufgrund äußerer religiöserer Erfahrungen. Noch einmal: Das ist gut. Aber der Weg im Glauben führt weiter.


3.1 Was unser Herz berührt, die Ahnung von Gottes Gegenwart, rutscht wenn es weiter geht eine Etage tiefer. Sie rutscht in unser Herz. Unser Geist wird dabei von der lebendigen Gegenwart Gottes, von Seinem Geist, berührt. Plötzlich ist das in uns, was wir sonst um uns hatten.

3.2 Der Herr legt es darauf an, dass unser Geist von Seinem Geist erfüllt wird. Das ist das Ziel unserer Schöpfung. ER findet so in uns Sein Bild. Wir werden das, was wir sein sollen: Geschaffen nach IHM.

3.3 Doch ER stülpt uns Seine Gegenwart in uns nicht über. Nur in Freiheit wird Sein Bild in uns schön, nicht mit Zwang. Ich kann echt zu IHM ja oder nein sagen. Ich kann IHN bitten zu kommen oder zu gehen. Ich kann IHN wollen oder abweisen. Ich habe alle Freiheit in meinem Herzen. Und ER hält sich daran.

3.4 Das ist schon stark, dass Gott sich so unter uns demütigt. Doch der Grund ist klar. Seine Gegenwart in uns ist nur schön, wenn ich sie freiwillig wähle. Sonst wird es Zank und Streit, so hässlich wie beim ungebetenen Gast.

3.5 Ich muss schon selber sagen: Komm Herr in mir wohnen. Du hast mich berührt. Jetzt ziehe bei mir ein. Ich will, dass Du in mir bist.
Mein Herz gehört Dir. Habe darin das erste Wort. Mache es Deiner Schöpfung gemäß. Vergib. Erfülle. Verwandle. So werde ich verwandelt in Dein Bild.


4.1 Der Lohn eines solchen Glaubens ist völlig unsichtbar und doch sehr groß. Er besteht zuerst darin, dass unser Geist geweckt wird aus einem meist tiefen Dämmerschlaf. Wir werden wach. Wir sehen, hören, handeln anders.

4.2 Wir sprechen und hören im Herzen auf IHN, den lebendigen Herrn. ER ist gewiss dabei, bei allem, was wir leben. Nichts trennt uns von Seiner Liebe. Der berühmte Satz von Papst Benedikt wird sofort klar: Wer glaubt ist nie allein. Es stimmt: der Herr ist da. Ein großer Gewinn schon jetzt.

4.3 Ein weiterer Lohn ist, dass Seine Gegenwart in vielen Schritten in uns wächst.
Der Herr übernimmt die Lenkung und Führung. Wir können IHN konkret danach fragen. Der Herr gebraucht uns für Aufgaben. Wir tun es für IHN. Der Herr schenkt uns, ein sinnvolles Leben zu führen. Was für ein Lohn. Unsichtbar aber sehr praktisch.

4.4 Der letzte Lohn wird sein, dass wir in Seiner Fülle, beim Thron Gottes als Seine Kinder landen werden. Sein Geist in uns wird uns dahin mitnehmen, wenn wir sterben und diese Schöpfung verlassen werden.

4.5 Nach außen kann kein Mensch das erkennen. Keine Frisur verrät das, kein Talar, kein religiöses Tun. Der Geist ist unsichtbar. Und ebenso der Geist von IHM, dem Herrn, in uns. Äußere Sinne erfassen das nicht. Doch der Geist in uns erkennt sofort, wenn der Geist des Herrn lebendig ist.


5.1 Das Wort Almosen hat im deutschen Sprachgebrauch einen Beigeschmack. Es meint: was du gibst ist nicht ganz echt. Es ist zu wenig. Sonst wäre es ein Opfer. Und es kommt nicht aus dem Herzen. Denn es dient dazu, selber zu zählen durch das, was man zahlt.

5.2 Das war nicht immer so. Und in anderen Religionen hat das Wort auch nicht diesen Beigeschmack. Doch in unserem Bibelwort trifft es genau den Kern. Jesus hat Leute vor Augen, die helfen, um gesehen zu werden.

5.3 Man könnte sagen: Das ist doch auch schon gut. Es wird wenigstens geholfen. Und so ist es auch.


6.1 Doch Jesus spricht vom Glauben. Für den ist so ein Almosen keine Hilfe. Was für ein Wunder! So viel Geld. Was für ein Mensch! - So reden die Leute. So fühlen sich die Geber vielleicht auch selbst.

6.2 Doch der Glaube bleibt damit in den Äußerlichkeiten hängen. Was äußerlich gesehen wird hat auch nur äußerlichen Wert, sagt Jesus. Der Geist verkümmert in der Haltung: Stehe ich nicht gut da? Bin ich nicht wer? Das war es dann. Für Gottes Geist ist gar kein Raum. Man mag vor Menschen glänzen und brillieren.

6.3 Jesus sagt dazu: Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Kein Weg des Glaubens.

6.4 Statt dessen weist Jesus auf den Glauben hin, der nicht zu sehen ist.
Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Und wir verstehen jetzt, was Jesus damit meint. Nicht Understatement ist das Ziel. Das wäre nur eine weitere charakterliche Größe von uns Menschen. Der große Gott ist Ziel, der in uns lebt. Und dessen Geist ist unsichtbar.

6.5 Ist Seine Barmherzigkeit in uns lebendig, dann kann sie durch uns handeln. Gott weiß um sie, ER ist ja in uns. ER sieht sie. ER lenkt uns darin. Sie gibt IHM Gestalt. Die Engel singen, auch wenn kein Mensch das hört und sieht. Vielleicht wissen wir es nicht einmal selbst. Unsere Linke weiß nicht, was die Rechte tut. Aber der Geist weiß es und leitet uns.

6.6 Das ist ein Weg des Glaubens mit dem Lohn des Glaubens. Wer so glaubt unterscheidet sich äußerlich vielleicht nicht von jemandem, der sich selbst mit seinen Gaben ehrt. Vielleicht wird sein Weg sogar völlig verkannt. Viele Christen haben dies so erlebt. Jesus übrigens auch.
Doch der Vater im Himmel, der in das Verborgene sieht, der wird es vergelten.

6.7 Das Unsichtbare zählt. Vergessen wir das nicht.


Amen.





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Zuletzt geändert am 31.08.2007 von: (fp)