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zum 14. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 9. September 2007

Die Leiter ist die Lösung

10 Jakob zog aus Beerscheba weg und ging nach Haran. 11 Er kam an einen bestimmten Ort, wo er übernachtete, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein. 12 Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. 13 Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. 14 Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich unaufhaltsam ausbreiten nach Westen und Osten, nach Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. 15 Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe. 16 Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte: Wirklich, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht. 17 Furcht überkam ihn, und er sagte: Wie ehrfurchtgebietend ist doch dieser Ort! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels. 18 Jakob stand früh am Morgen auf, nahm den Stein, den er unter seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Steinmal auf und goss Öl darauf. 19 Dann gab er dem Ort den Namen Bet-El (Gotteshaus).

1. Mose 28, 10-19a

Liebe Gemeinde!

1.1 Wenn Sie heute nach Haran kämen wie Jakob damals, dann wäre da nicht viel zu sehen. Ein paar Wachttürme wüchsen vielleicht aus dem Wüstenboden. Sie befinden sich nämlich im Dreiländereck zwischen Irak, Syrien und der Türkei. Etwa 600 km liegen hinter ihnen, wenn Sie wie Jakob aus Beerscheba angereist sind, ein Ort auf der Höhe vom Toten Meer in Israel. Mit einem Kamel und Esel hätten Sie locker 14 Tage hinter sich. Das alles klingt nicht nach touristischem Event. Und was Sie vorfinden ist auch keine Einladung: Ein paar Steine. Als Lagerplatz finden Sie kein bisschen Grün. So legte Jakob damals seinen Kopf auf einen Stein als Kopfkissen. Haben Sie das mal gemacht? Sie sind mitten in der Wüste.

1.2 In Jakob sah es nicht viel anders aus. Er hatte wüste Zeiten hinter sich. Im Komplott mit seiner Mutter Rebekka hatte er seinen Vater Isaak überlistet. Als Zweitgeborener nach Esau hatte er sich dessen Erstgeborenensegen erschlichen. Formal hatte er sich diesen zuvor von ihm mit einem Linsengericht erkauft. Das war recht krumm. Nun spitzte sich alles zum Tod des Vaters Isaak hin zu. Es ging um das Erbe. Esau wollte da nicht nachstehen. Er plante, seinen Bruder Jakob zu erschlagen wie zuvor Kain den Abel. Jakob floh. Familienwüste hinter ihm.

1.3 Sein Vater gab ihm noch einen äußeren Anlass. Nimm Dir eine Frau aus meiner alten Heimat Mesopotamien, wo unsere alte Verwandtschaft lebt. Ob das gelingen würde? Ob er je zurück fände? Zwischen der alten Welt und der unbekannten neuen lag die Wüste.

1.4 Wir alle kennen solche Zeiten zwischen den Welten. Wenn uns etwas zerbricht, ein Traum, ein Lebensgrund, ein Mensch, der uns genommen wird und uns lieb ist, dann zerbricht auch etwas in uns. Unser Wohnzimmer ist nicht mehr dasselbe, auch wenn die gleichen Möbel drin stehen. Wir selbst sind nicht mehr die gleichen. Unser Inneres ist verwirrt als hätte man uns in eine Wüste gesteckt. Unser erwachsenes Ich kann die äußere Form in der Regel halten. Doch in uns sieht es schlimm aus. Wir schlafen wie auf Steinen. Jakob legte einen von den Steinen dieses Ortes unter seinen Kopf und schlief dort ein.


2.1 Was mir an Jakob gefällt ist, dass er selber den Stein als Kopfkissen nimmt. Sicherlich hätte er auch eine Satteltasche wählen können. Er nimmt den Stein. Härter konnte er nicht liegen. Er ist in der Wüste angekommen. Er stellt sich ihr. Er kommt mit dem Kopf dort an wo es wirklich hart ist.

2.2 Wir finden hier wieder, was man üblicherweise die Chance einer Krise nennt oder auch den Aufbruch innerhalb eines Abbruchs. Der kann gelingen, wenn der Kopf auf den Stein gelegt wird: Es ist hart. Aber die Flucht ist vorbei. Der Neubeginn entsteht dort, wo es am meisten weh tut.

2.3 Bis hierhin verfolgen wir den Weg des Jakob als ein Beispiel für Krisenbewältigung. Wir brauchen solche Beispiele. Irgendwann sind wir selber dran. Dann ist es gut zu wissen: Selbst Erzväter waren keine unberührten Goldlöffel im Edelservice der Heilsgeschichte. Der Neubeginn ist möglich. Kopf auf den Stein.


3.1 Es ist merkwürdig, dass Gott uns auf diese Weise weiterführt. Wer hätte nicht lieber ein wundersames Eingreifen des Himmels mit einer Umleitung um die Wüste. Gott tut das ja auch. Sonst ginge es uns nie gut. Doch oft spricht ER während es hart ist. Auch zu Jakob.

3.2 Eine Leiter ist die Lösung. Von der träumt Jakob. Das erinnert natürlich sofort an den berühmten Wetterfrosch, der aus dem dunklen Grund nach oben ins Helle klettern kann. Genau darum geht es ja: Auftauchen, Überblick bekommen, wieder über den Dingen stehen. Jakob, du kommst da raus.

3.3 Jakob hätte das so sehen können. Und es hätte ihm bestimmt geholfen. Doch damit wäre dieser Text nie in der Bibel erschienen.

3.4 Jakob sieht genauer hin. Es ist nicht seine Leiter, die vor ihm erscheint. Nicht er steigt auf. Es sind Engel Gottes, die ab- und aufsteigen. Es ist eine Gottesleiter, eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Er sieht einen Weg Gottes. Und der kommt bei ihm an. Sein Stein ist eine Stufe. Nicht nur sein Haupt liegt auf diesem Stein. Die Füße der Engel berühren ihn und steigen von dort auf zum Thron Gottes.

3.5 Da verwandelt sich die Situation. Aus der Frage: Wie komme ich hier durch?, wird die Frage: Herr, wie kommst Du hier durch? Was willst Du machen, wenn Deine Engel mit mir gehen? Wo willst Du mit mir hin? Man nennt so etwas eine Berufungsfrage. Sie klärt nicht mehr nur, was ich in meinem Leben will, sondern gibt Auskunft darüber, was Gott mit meinem Leben vor hat.

3.6 Jakob erkennt das und stellt sich dem. Und Gott gibt ihm daraufhin in Worten zu verstehen, wer ER für ihn ist, was ER ihm gibt und was ER von ihm will. ER macht einen Bund mit ihm. Jakob ist nicht mehr nur Sohn des Erzvaters. Er wird selber Erzvater des Volkes Gottes. Gott schenkt ihm Verheißung.

3.7 Noch ist das alles nur ein Traum. Doch Jakob wird wach und sagt nicht: Ich habe geträumt, ein schöner Traum. Er sagt vielmehr: Wirklich, der Herr ist an diesem Ort. Er nimmt den Bundesvorschlag Gottes an. Er wählt seine Berufung. Er akzeptiert damit: meine Steine sind Gottes Steine.

3.8 Sein Stein wird zum Altar. Als Zeichen dafür baut er ihn an diesem Ort. Bet-El ist sein Name, Gottes Haus. Alle Kirchen sind als Gotteshäuser danach benannt. Aus Schicksalssteinen werden Gottessteine. Aus dem eigenen Haus wird ein Gotteshaus. Aus der Wüste wird die Weite.


4.1 Der Jakob hat uns mit seiner Leiter viel zu sagen.

4.2 Haben wir vor Augen welche Leitern auf unseren Steinen stehen und nach oben führen?

4.3 Haben wir genau hingeschaut. Haben wir die Engel Gottes gesehen, ob sie auch mit ihren Füßen unsere Abgründe berühren. Oder haben wir es gesehen und wieder vergessen?

4.4 Haben wir es fest gemacht und unsere Steine geopfert? Jakob hat seinen Stein als Kummerstein aufgegeben und ihn nicht mehr weiter gepflegt. Denn er ist ja jetzt ein Baustein für den Altar Gottes.

4.5 Ergreifen wir die Weite von Gottes Weg in unserem Leben und suchen ihr zu folgen?
Das alles erzählt uns die Jakobsleiter. Ein jeder nehme sie sich heute mit und stelle sie sich in die Wohnung. Und wenn es hart ist, nicht vergessen: Was sagt mir die Jakobsleiter?


5.1 Zum Schluss ist noch interessant, dass Jesus dieses Bild der Himmelsleiter aufgreift. ER sagt Natanael: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn (Johannes 1, 51).

5.2 In Jesus vollendet sich, was wir bei Jakob sahen. Die Steine Seines Lebens, der Boden im Stall von Bethlehem, Golgatha, der Stein vor dem Grab, das alles waren Stufen für die Engel Gottes, wo sie auf- und niederstiegen. Über Jesus stand die Himmelsleiter.

5.3 Ist unser Herz Sein Altar, dann ist das auch in uns so. Und gehen wir zum Tisch des Herrn, um Brot und Wein als Seine Gegenwart zu empfangen, dann ist dort die Himmelsleiter. In welche Weite führt uns das.

5.4 Also: Die Leiter nicht vergessen und nach ihr Ausschau halten. Sie ist die Lösung.



Amen.





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Zuletzt geändert am 06.09.2007 von: (fp)