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zum 15. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 16. September 2007

Starker Glaube

5. Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben!
6 Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Lukas 17, 5-6

Liebe Gemeinde!

1.1 Zwei Besonderheiten fallen mir bei diesem Bibelwort sofort auf.

1.2 Was ist da für eine merkwürdige Bitte der Jünger: Stärke uns den Glauben.

1.3 Und dann: Was für eine merkwürdige Antwort gibt Jesus. Die hat es mal wieder in sich.


2.1 Es gibt viele Bitten, mit denen Menschen sich an Jesus wenden.
Herr, stärke meine Gesundheit. Herr, stärke unsere Beziehung. Herr, stärke unsere Finanzen. Herr, stärke unsere Kinder. Herr, stärke unsere Arbeit. Wir könnten weiter machen.

2.2 Aber Glauben stärken, wie soll das gehen? Wir wissen, es gibt starken Glauben und schwachen Glauben. Aber wie misst man das? Gibt es eine Richterskale für Glaubensstärke?
Wovon hängt ab, ob Glaube stark oder schwach ist? Was lässt Glauben stark werden?

2.3 Früher hat man mal gesagt: Glauben, was ist das? Ich glaube, dass zwei Pfund Rindfleisch eine gute Suppe geben. - Ich glaube das auch. Hier ist Glaube ein anderes Wort für Meinung oder begründete Erfahrung. Damals wollte man mit solchen Formulierungen Glaube als religiöse Kraft aus der Politik entfernen. Lächerlich, meinte man, Glaube ist nicht mehr als eine Meinung.

2.4 Dass diese Rechnung nicht aufgeht sehen wir heute auf Schritt und Tritt, wo Glaube wieder Politik macht zur Bedrohung aller. Wir haben den 11. September hinter uns. Leider ist es nur fanatischer Glaube, der stärker wird. Warum nicht normaler Glaube? Wenn der mal wüchse.

2.5 Drei Pfund Rindfleisch macht die Suppe zwar noch stärker. Das verstehen wir. Aber wir verstehen deshalb noch lange nicht, wie Glaube stärker wird - im guten wie im fanatischen Sinne. Glaube ist mehr als Meinung. Wie wird er stärker? Wir müssen tiefer graben.


3.1 Glaubenskraft ist nicht die Kraft von Gedanken, auch nicht die Kraft des Körpers, sie ist eine Kraft des Herzens. Die Bibel nennt die Herzenskräfte unseres Lebens unseren Geist.

3.2 Unser Geist, unsere Herzenskraft, wird durch unsere Seele mit unserem Körper verbunden. Löst sich diese Klammer sterben wir. Wie ein gutes Essen Leib und Seele zusammenhält, so hält unsere Seele Körper und Geist zusammen.

3.3 Unsere Seele können wir wahrnehmen. Das sind unsere Willenskräfte, unsere Fantasie, unsere Denkkraft unsere Gefühle. Sie spüren wir. Die Seele gibt uns durch unsere Sinne Rückmeldung über unseren Körper, aber auch Rückmeldung über unseren Geist, unsere Herzenskräfte.
Verzweiflung im Herzen spürt die Seele genau. Sie sagte zum Körper: Nicht aufstehen. Lohnt sich nicht.
Freude im Herzen spürt die Seele ebenfalls. Sie gibt an den Körper weiter: Klasse. Schönes Frühstück.
Die Seele vermittelt. Sie schwingt zwischen Geist und Leib ständig hin und her.
Die Jugendbewegung hielt dies in dem bekannten Satz als Ideal fest: In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Mens sana in corpore sano. Ohne Herzenskräfte keine Lebenskräfte. Die Seele ist dafür Moderator und Therapeut.

3.4 Fehlen Herzenskräfte dann wird es eng für die Seele. Woher nehmen und nicht stehlen?
Um sich diesen Schmerz nicht ständig zuzumuten, wenden sich viele von ihren fehlenden Herzenskräften ab. Sie vergessen sie und sich. Sie begnügen sich mit allem, was sie vergnügt, was ihnen Wellness bringt, was sie unterhält, was sie beschäftigt, was sie gerade tun. Ihre Seele verliert den Blick nach Innen. Sie ist nur noch mit Äußerlichkeiten beschäftigt. Sieht es gut genug aus? Ist es lecker genug? Habe ich das schlau gemacht? Fühle ich mich wohl? Wie und wo kann ich mehr bekommen? Mehr Fragen gibt es nicht.

3.5 Viele sagen, dass sei geistlos. Das kann sein. Ich würde sagen, es ist geist-schwach, jedenfalls dann, wenn die Seele noch nicht ganz verschlossen ist für die Wahrnehmung des Inneren.
Aber eins stimmt. Ein solches Leben hat einen schwachen Glauben. Die Herzenskräfte fehlen. Sie kommen nicht mehr zum Zug. Der Seele fehlt der Nachschub von Innen. Sie verliert sich in Äußerlichkeiten.
Ein untrügliches Zeichen für schwachen Glauben ist die Empfindung von Sinnlosigkeit. Es ist das letzte Signal eines an sich starken Glaubens, der schwach geworden ist, nicht mehr von Innen lebt und prägt.

3.6 Dem schwachen Glauben fehlen die Herzenskräfte. Hat starker Glaube viel davon? Ja, so ist es. Das bringt uns weiter.
Starker Glaube, der fanatisch ist, hat viel Zerstörungskraft in seinem Herzen, viel Angst, Hass und Verzweifelung. Solche Geister bringen bei intelligenter Umsetzung vielen den Tod.
Umgekehrt gilt:
Die Jünger bitten den Herrn, ER möge Ihnen den Glauben stärken, viele gute Herzenskräfte schenken: Viel Geist des Friedens und der Freude, viel Zuversicht, Demut, Liebe, Wundergaben und Hoffnung. Gerne möchten sie ein Tankwagen aller dieser guten Geister sein, vollgetankt, groß, stark.
Wie schön wäre das? Wie stünde man da? Was wäre das für eine Hilfe in allen Nöten. Wer wollte nicht so einen starken Glauben?


4.1 Jetzt kommt das zweite Besondere an unserem Text. Man sollte doch meinen, Jesus wäre über diese Bitte beglückt, ließe alle Jünger in der Runde knien und legte ihnen segnend die Hände auf mit den Worten: Empfangt die guten Herzenskräfte vom Himmel. Nehmt den Geist des Friedens und der Freude. Nehmt viel.
Das wäre doch die einfachste Art, alle auf Vordermann zu bringen. Ein starker Wunsch, eine starke Antwort. Alle wären fit im Glauben. Welche Mühen und Irrtümer hätte ER sich mit Seinen Jüngern gespart.

4.2 Und wenn wir an Seine Jünger denken, dann denken wir natürlich auch an uns. Könnte ER es bei uns nicht gleich auch so machen.

4.3 ER tut es nicht. ER gibt keinen starken Glauben. Stattdessen stellt ER die Aufgabe eines starken Glaubens. ER gibt ihnen die Bitte zurück. Und wie. Wenn das nicht starker Glaube ist. Ortswechsel eines Gegenstandes. Bei Lukas ein Maulbeerbaum, bei Matthäus und Markus ein ganzer Berg. Der soll vom Land ins Meer. Wesenswechsel eines Gegenstandes. Der Baum soll im Meer stehen. Dafür müsste er Flossen haben oder das Meer fest sein.

4.4 Denkbar ist das. Aus Seinem schöpferischen Wort ist alles entstanden. So kann sich aus Seinem schöpferischen Wort heraus auch alles verändern. Sein Wort machte Kranke gesund, ließ Tote lebendig werden, ließ Brot sich vermehren und Sünde vergehen. Sein Wort ist Quelle aller Materie. Es kann sie verwandeln. Aber unser Wort, wie soll es das können? Unsere Herzenskräfte reichen dazu nicht.


5.1 Das brauchen sie auch nicht, meint Jesus. Nimm doch Meine. - Und wie bekomme ich sie? Genau darum hatten wir doch gebeten. - Du hast sie schon. Sie sind in dir.
Denn wenn du nur so wenig von Meinem Wort in dir hast wie ein Senfkorn klein ist - und das ist sehr, sehr klein - dann reicht das. Denn richtest du alle Kräfte deines Lebens darauf aus, dann wächst daraus ein Baum, der größer ist als alles. Dann werden in dir die guten Herzenskräfte so stark wie in Mir.

5.2 Ich bin schon stark in dir mit jedem Wort Meiner Verheißung, mit jedem Augenblick Meiner Gegenwart. Stelle dich auf Mein Wort. Sei Meiner Gegenwart gewiss. Lass deine Fantasie davon Flügel bekommen. Richte deine Gefühle darauf aus. Dann wird Mein Glaube stark in dir und wächst zum großen Baum.
Der Senfkornglaube ruht in dir, in deinem Herzen, deinem Geist. Pflege ihn mit allen Kräften deiner Seele, dann wird er groß.
Willst du Mich? Träumst Du von Mir? Denkst Du Meine Gedanken? Liebst Du Mich? Die Seele, die das fragt und tut, lässt Senfkornglauben stark werden.

5.3 Jesus gibt also die Frage nach dem starken Glauben an Seine Jünger und an uns zurück. Wir selber sind es, die den Glauben schwächen oder stärken. Doch gibt ER uns Weisung, wie es geschehen kann. Ihn wollen, lieben, denken, fühlen, macht Glauben in uns stark.

5.4 Das Baum oder Bergwunder wartet noch auf uns, auch wenn schon manches im übertragenen Sinn davon wahr geworden ist.
Sind nicht schon Berge von Sünde im Meer verschwunden? Ist nicht schon der Baum des Gottesvolkes im Völkermeer entstanden als Seine Gemeinde?
Mit starkem Glauben kann es noch mehr werden.



Amen.





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Zuletzt geändert am 14.09.2007 von: (fp)