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19. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 14. Oktober 2007

Steh auf! Nimm dein Bett.

1 Einige Zeit später war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 2 In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf hebräisch Betesda. 3 In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte. 5 Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. 6 Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden? 7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein. 8 Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! 9 Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat. 10 Da sagten die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, du darfst deine Bahre nicht tragen. 11 Er erwiderte: Der Mann, der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm deine Bahre und geh! 12 Sie fragten ihn: Wer ist das denn, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Bahre und geh? 13 Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war. Jesus war nämlich weggegangen, weil sich dort eine große Menschenmenge angesammelt hatte. 14 Später traf ihn Jesus im Tempel und sagte zu ihm: Jetzt bist du gesund; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt. 15 Der Mann ging fort und teilte den Juden mit, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte. 16 Daraufhin verfolgten die Juden Jesus, weil er das an einem Sabbat getan hatte.

Johannes 5, 1-16

Liebe Gemeinde!

1.1 Bathzatha war schon ein trauriger Ort, obwohl sein Name "Olivenhaus" gut klang und viel versprach. Am Schaftor, einem der Stadttore Jerusalems, lag dieser kleine Teich mit überdachten Liegeplätzen rundherum. Eigentlich war es ein Krankenhaus oder besser ein Hospiz. Man ging dorthin, wenn nichts mehr half. Da war man nicht allein, wenn man auf das Ende wartete. Alle taten es. Wer jemanden kannte, der ihn dort versorgte, der hatte Glück. Und Glück hatten auch die, die vielleicht etwas abbekamen von dem, was andere nicht mehr essen konnten. Aber es war eigentlich kein großer Unterschied ob man starb, weil man nicht mehr essen konnte oder nichts zu essen hatte in seiner Krankheit.

1.2 Und doch trug der Name Bethzatha, "Olivenhaus", eine Hoffnung in sich, die in vielen lebte. Das Öl der Oliven ist Zeichen der Fülle, der Gesundheit, der Kraft. Klammert sich nicht jeder an alles, wenn nichts mehr hilft? Vielleicht wird auch mir zuteil, was der Name verspricht. So dachte mancher. Und man hörte gerne die Erzählung von dem wunderbaren Engel, der von Zeit zu Zeit das Wasser berührte. Wer darin dann als erster badete, der würde geheilt. Eine Bethzatha Hoffnung.

1.3 Für unseren Kranken war das alles nichts. Die Gicht hatte seine Knochen zersetzt. Aufs Wasser konnte er nur sehen. Nie konnte er hinein aus eigener Kraft. Wer aber würde ihm den Vortritt lassen, wenn es um Heilung ginge. So lag er im "Olivenhaus" ohne die Hoffnung einer Heilung. Es ist merkwürdig, wie lange Leiden dauern kann. Nach 38 Jahren war er immer noch nicht tot.

1.4 Warum wird 38 Jahre hier erwähnt? Johannes weiß, dass 38 Krankheit und Wüstenzeit bedeutet. Nach der Ablehnung des Kundschafterrates musste Israel noch 38 Jahre durch die Wüste irren. Damals beendete der Tod für alle diese Zeit. Vom Volk kam keiner ins gelobte Land.

1.5 Wer kennt von uns nicht Wüstenzeiten, die 38? Es müssen nicht gleich soviel Jahre sein. Doch oftmals wird der Tod als Freund herbeigesehnt. Das können körperliche Krankheiten oder seelische Leiden oder wirtschaftliche Nöte sein. Jetzt bitte nur noch Schluss, sagt da das Herz. Das bedeutet 38. Da verschwindet jede Olivenernte, jedes Öl, jede Lebensfülle. Für 38iger trägt Bathzatha seinen Namen umsonst.


2.1 Johannes erwähnt, dass Jesus am Fest der Juden zum Teich Bathzatha kommt. Wahrscheinlich war es das Purimfest. Es wurde zum Andenken an die Rettung der Juden gefeiert. Durch den Einsatz der Königin Esther wurden damals alle Juden vor dem Mordanschlag Hamans gerettet.

2.2 Zum Fest der Rettung vor dem Tod kam Jesus in das "Olivenhaus" des Lebens, wo lauter Todkranke lagen. So liest sich der Text von Johannes. Er will damit aussagen, dass alle Umstände des Lebens Jesu die Wirklichkeit des Reiches Gottes widerspiegeln: Zeit, Ort, Schöpfung kommen zu sich selbst und werden, was sie sind. Sie werden transparent für Jesu verborgene Herrlichkeit.


3.1 Dass Jesus sich dieses 38iger Menschen annimmt ist nicht verwunderlich. Immer sucht ER das Verlorene.

3.2 Das ist ja das große Wunder, dass so viele Menschen bei Jesus erleben. ER guckt bei unseren Verlorenheiten nicht weg. ER sieht sie. ER nimmt sich ihrer an. Wo jeder wegsieht, da schaut ER hin. Wunderbar ist das an unserem Herrn. Keiner muss in seiner Verlorenheit denken: Ich nicht. - Du, sagt der Herr. Du. Ich darf mit allem kommen. Ich werde mit allem gesehen.

3.3 Schon das ist Öl für manche Wunden, ein Bathzatha. Denn manche Nöte sind schon dadurch anders, dass wir uns nicht mehr übersehen fühlen. Damit fängt manche Heilung an. Wenn wir uns das gegenseitig geben würden, wie viel wäre das. Das Öl der Wohltat: Ich bin nicht übersehen. Ich übersehe dich auch nicht.


4.1 Es kommt noch mehr bei Jesus. ER fragt ihn, ob er gesund werden will. Einen Todkranken so etwas zu fragen müsste man als äußerst unpassend und als therapeutische Fehlleistung verstehen. Doch Jesus weiß ja, dass ER ihn heilen will und nicht in seinem Sterben begleitet. ER spricht deshalb zum Herzen des Menschen, zu seinem Geist. Hat der sich schon aufgegeben oder richtet er sich noch auf? Das will ER wissen.

4.2 Denn es gibt keine Hilfe ohne eigenen Willen. Von Gottes Geist bekommen wir nur, was wir in unserem Geist auch wollen. Auch eine Heilung aus der Kraft des Geistes geschieht nur, wenn der eigene Geist das will. Gott drückt nichts gegen unseren Willen in unser Herz und Leben. Mein Ja ist wichtig zu Gottes Macht und Ja. Willst du gesund werden?, fragt deshalb Jesus.

4.3 Wir sollten deshalb für uns selber klar haben, was wir von Gott wollen. Der Geist, den Gott uns schenkt, erreicht sonst gar nicht unseren Geist. Er verrinnt in den Rissen unseres unklaren Willens und Herzens.

4.4 Und wir sollten auch bei denen, denen wir als Nächste helfen sollen, darauf achten, was sie denn wirklich wollen. Man kann keinem gegen seinen Willen helfen. Manchmal muss erst die Not gefühlt werden, bevor das Herz die Hilfe will. Den Zeitpunkt gilt es abzuwarten.

4.5 Jesus fragt und spürt, er will. Jesus hat das bestimmt auch vorher gefühlt. Doch er fragt, damit der Kranke selbst es ausspricht und bewusst bekommt.


5.1 In seinen Geist hinein spricht Jesus daraufhin das Schöpfungswort: Steh auf.

5.2 Das ist das Wunder einer Geistheilung, wenn die Kraft des Geistes Jesu unseren Geist erneuert und sich das bis in unsere Körperzellen hinein auswirkt.

5.3 Wir erleben oft nur Bruchteile davon. Sein Geist erfrischt unseren Geist. Wir merken, Sein Wort hat uns erneuert, hell und licht gemacht. Wir sind wie frisch im Inneren. Ein Stück Olivenhaus, Bethzatha.
Manchmal ist unsere Seele auch anders. Wir haben keine Schuldgefühle mehr. Wir sind tief angerührt, getröstet, auferbaut. Die innere Stimme sagt uns, da gehst du wieder hin, das tut dir gut. Das dauert aber nur den Bruchteil einer Sekunde. Schon morgen ist das weg. Die Seele schwankt viel kurzzeitiger als unser Geist.
Und manchmal dringt es durch bis in die Körperzellen. Der Magen ist geheilt. Die Krebszellen sind weg. Die Kopfschmerzen verschwunden. In der katholischen Kirche wird man kein Heiliger, wenn nicht eine Körperheilung aus der Kraft des Geistes nachgewiesen ist.
Geistheilungen geschehen bis heute. Jesus vollzog sie hier. Wir können über jeder Form der Heilung danken.


6.1 Jesus hätte es ja eigentlich mit dem Steh auf! bewenden lassen können. Dann wäre durch Ihn Bethzatha das geworden was es heißt: Olivenhaus Lebenshaus. Ein Todgeweihter hätte seine Lebenschance bekommen.

6.2 Er sagt aber noch dazu: Nimm dein Bett und geh. So ist Jesus. Die größten Dinge haben immer ihren Alltag. Heil und Heilung heben nie von der Erde ab.
Dein Bett steht jetzt an anderer Stelle. Dann stell es auch dahin. Du hast jetzt einen neuen Lebensmittelpunkt, dann bleib auch nicht im alten. Du kannst jetzt etwas tragen, was du vorher nicht konntest, dann trage jetzt.

6.3 Hätten Sie gedacht, dass die erste Tat einer neuen Welt sein kann, ein Bett zu schleppen. Hier ist es so. Es heißt nicht zu Unrecht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. In dem Herz dieses Menschen war zu sehen, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Wie der sein Bett getragen hat! Das war eine Sabbatfeier! Das war eine Feiertagsfreude! Das war ein Jubel! Das war Reich Gottes.

6.4 Wen wundert es, dass die Mitglieder des Hohen Rates der Juden damals nur das Bett sahen, nicht das Herz. Sind wir nicht auch oft so ein Hoher Rat und merken es zu spät?

6.5 Die Einstellung des Herzens macht eine Tat zu einem geistlichen Gewinn oder Verlust, nicht die Tat selbst. So kann das Tragen eines Bettes der Anfang einer neuen Heilszeit sein, wie hier, oder ein Verstoß des Sabbats, so für die anderen. Es zählt allein die Sichtweise des Herzens.

6.6 So ist keine Tat zu klein, kein Alltag zu gering, kein Fingerzeig zu wenig, dass nicht damit bei Ihnen das Reich Gottes anfängt, lebendig zu sein. Stehen wir auf. Und nehmen wir unsere Teile, die zu tragen sind.



Amen.





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Zuletzt geändert am 12.10.2007 von: (fp)