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20. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 21. Oktober 2007

Vom Umgang mit der Wahrheit

23 An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder, und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab. 24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat verboten. 25 Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten - 26 wie er zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die heiligen Brote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab?
27 Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.
28 Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Markus 2, 23-28

Liebe Gemeinde!

1.1 Immer gibt es etwas zu meckern, das wissen wir alle. Besonders bei besonderem Anlass oder über besondere Menschen.

1.2 Jesus war so eine besondere Person. Sein Auftreten führte stets zu besonderen Anlässen. ER sagte, dass Gottes Liebe uns heil macht. Und ER zeigte das bei vielen ganz konkret sogar dadurch, dass ER ihnen Heilung schenkte. So etwas Schönes! Da gibt es was zu meckern. Jeder Geheilte war ein Anlass.

1.3 Warum ist das so? Gemeckert wird oft dann, wenn jemand seine Mittelpunktstellung verliert oder darin bedroht wird. Die religiöse Elite erlebte das zurzeit Jesu ganz stark. Jeder fragte nach diesem Heiland und nicht mehr nach dem Tempel mit den Schriftgelehrten und Pharisäern. Heute würde man sagen: Das war Konkurrenz in den Einschaltquoten. Die Evangelien sind voll dieser Auseinandersetzungen, wer was zählt.

1.4 Manchmal kommt beim Meckern sogar etwas Gutes heraus. In unserer Geschichte war das der Fall. Dann wird deutlich, wo man selbst eine Ziege ist und falsch liegt. Und auf der anderen Seite wird deutlich, wo der wahr Punkt liegt und die Wahrheit steckt.

1.5 Doch worin bestanden die Differenzen? Was war falsch? Und welche Wahrheit kam am Ende heraus?


2.1 Die Gegner Jesu waren Menschen, die die Wahrheit liebten. Merkwürdig, dass es darüber zu heftigem Streit kam. Denn Jesus liebte auch die Wahrheit. Aber wir wissen: Nichts kann so tief entzweien wie verschiedene Vorstellungen von der Wahrheit. Wie Wahrheit leben, das trennte.

2.2 Die Schriftgelehrten waren die damaligen Inquisitoren der Religion. Wahrheit lebt durch Regeln. Wer sie bricht gehört bestraft. Sie waren die Juristen, die Staatsanwälte des Tempels, ein Vortrupp des Jüngsten Gerichts. Was hier bestraft wird, das ist im Endgericht gerettet. Mit dieser Begründung wurde auch gesteinigt.

2.3 Die Pharisäer waren Laien, keine Theologen. Entschiedenes Judentum konnte man sie nennen. Sie waren Fundamentalisten der Schrift. Buchstabentreue, nicht Sinnestreue zählte. 614 Gebote galt es zu halten. Sie taten es. Und weil sie wussten, andere taten es nicht, hielten sie noch ein paar mehr. Vielleicht würden sie Gott mit diesem Mehrwert ihrer Frömmigkeit überzeugen.

2.4 Straftrupp und Überzeugungstrupp, Schriftgelehrte und Pharisäer, keiner wollte denen in die Hände fallen. Denn politisch waren sie nach den Römern die Mächtigsten im Land.

2.5 Und Jesus, wie lebt ER die Wahrheit? Wahrheit sei nicht eine Regel, nicht Überzeugung. Das sind menschliche Formen der Wahrheit. Die Liebe Gottes ist Wahrheit. Sie spricht durch Mich. ICH bin die Wahrheit, sagte ER.

2.6 Das war gegen jede Regel, gegen jede Überzeugung. Jesus, das Leben aus Gott. Jesus, der Weg mit Gott. Jesus Wahrheit Gottes. Das stieß sich hart, mit allen, die die Wahrheit in der Tasche hatten. Das ist bis heute Stein des Anstoßes. In Jesus ist am Besten die Wahrheit über Gottes Liebe zu erkennen. Das soll stimmen? Gott ja. Aber Jesus, nein. So denken heute viele, auch ohne Schriftgelehrte oder Pharisäer zu sein.

2.7 Was mit der Sicht von Jesus anders wird, das können wir an dem Konflikt in unserem Text erkennen.


3.1 Wenn du durch das Kornfeld eines anderen kommst, darfst du mit der Hand Ähren abreißen, aber die Sichel darfst du auf dem Kornfeld eines anderen nicht schwingen. So heißt es in der Thora 5. Mose 23, 26. Genau das geschah hier. Doch leider am Sabbat. An dem war Arbeit verboten. War es Arbeit, was die Jünger taten, Speisenbereitung, dann war es ein Sabbatverstoß. War es reines Essen, um Hunger zu stillen, dann war es erlaubt. Was war es hier? Juristen und Überzeugungstäter kommen bei so etwas immer auf ihre Kosten? Ein lohnender Punkt fürs Meckern.

3.2 Und Jesus? ER tut als sei der Fall ganz klar, entscheidet gegen sich und gibt den Bruch des Sabbats zu, obwohl darüber sich noch streiten ließe. Doch nutzt er diesen Anlass nur, um aufzuzeigen, in welchem Irrtum die Rechthaber leben. Dann zeigt ER selbst die Wahrheit über den Sabbat auf.


4.1 Sabbat, das ist nicht Recht, nicht Du musst aber, nicht Regel im Kalender.

4.2 Sabbat, das ist der Friede Gottes. Wenn Gott sprach, es war sehr gut, dann hielt ER Sabbat. Ein kleines Fitzelchen davon gab ER uns Menschen. Als Vorgeschmack, erlöst zu sein, darf es ein jeder in sich tragen: Ruhe. Der Friede Gottes ist in mir.
Wer Jesu Geist in seinem Geist zulässt, der spürt als erstes meist genau den Frieden, Sabbat. Das überzeugt. Das ist Leben aus Gott, aus Jesus. Das setzt neu Regeln. Der Geist kommt in die Zeit.

4.3 Denn als Erinnerung daran hat Gott den Sabbat als einen Tag gestiftet. Wir Christen feiern ihn als Sonntag, als ersten Tag der Woche wo Jesus auferstand, nicht letzten Tag wie im weltlichen Kalender. Denn mit diesem Frieden fängt die Schöpfung an, die Gott uns überlässt. Mit Jesu Auferstehung fängt die neue Schöpfung an, auf die wir hoffen. Friede Gottes ist Ausgangspunkt für alles. Mit Frieden im Herzen können wir beginnen. Gottes Geist kommt so in unsere Zeitstruktur. Wer mit dem Sonntag in die Woche geht lebt anders.

4.4 In jeder Taufe ist ein Stück davon vorhanden. Denn Gott spricht in der Taufe einem Menschen Seine Liebe zu. Mein Friede ist mit dir, mit deinem ganzen Leben. Sabbat.
Sabbat ist auch nach altem Sprachgebrauch, wenn einer im Namen Gottes abtritt von der Erde und stirbt. Er geht ein in den Frieden Gottes. Das ist die ewige Sabbatruhe.
Sabbat ist auch, wenn wir uns zu dem Herrn bekehren und aus Ihm leben. Sein Friede ist mit uns.
Sabbat ist, wenn wir in Seinem Frieden arbeiten. Wenn es anders wäre: Wie sollte ich als Pastor jemals den Feiertag heiligen, wenn ich sonntags schaffe.
Sabbat ist, wenn wir in Seinem Frieden Pause machen.


5.1 Man kann auch ohne Seinen Frieden Pause machen oder schaffen, sterben oder leben, sogar mit Regeln und mit Überzeugungen, sogar mit Sabbatregeln wie Schriftgelehrte und Pharisäer. Das ist kein Sabbat.
Wie kümmerlich kann das Regelwerk von religiösen Menschen sein. Es macht nicht frei. Es baut nicht auf. Es legt nur Lasten auf, die uns noch tiefer drücken. Wir sind für Regeln da.

5.2 Wie anders ist da Jesus. Nach Ihm kann man den Sabbat als das schönste Geschenk Gottes für den Menschen sehen, Vorzeichen der Erlösung. Er ist für den Menschen da. Das ist die Wahrheit Jesu.

5.3 Welcher Umgang mit der Wahrheit wohl wirksamer ist, fragt uns das Evangelium. Ist es nicht der, wo Jesus der Herr über den Sabbat ist, der Herr über den Frieden von Gott, der für uns da ist.



Amen.





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Zuletzt geändert am 18.10.2007 von: (fp)