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 <>< Predigt zum Reformationsfest
21. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 28. Oktober 2007

Reformation und Wächteramt, ein evangelisches Profil

6 Auf deine Mauern, Jerusalem, stellte ICH Wächter. Weder bei Tag noch bei Nacht dürfen sie schweigen.

Jesaja 62, 6.(7.10-12)

Liebe Gemeinde!

1.1 Was ist eigentlich evangelisch? Diese Frage ist heute wieder aktuell. 500 Jahre hat die Reformation die evangelische, aber auch die katholische Entwicklung geprägt. Heute fragt man sich. Und jetzt?


2.1 Bevor wir darauf antworten wollen wir einen kleinen Blick hinter die Konfessionen werfen und fragen: Was ist eigentlich christlich? Denn diese Frage eint alle Konfessionen.

2.2 Es hat in diesem Jahr eine gemeinsame Erklärung vieler christlicher Kirchen zur Taufe gegeben.

Am 29. April 2007 haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Deutsche Bischofskonferenz, orthodoxe und altorientalische Kirchen sowie Freikirchen auf der Ebene der Bundesrepublik Deutschland eine förmliche Erklärung über die wechselseitige Anerkennung der Taufe unterzeichnet. Die Unterzeichnung der Vereinbarung fand im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes im Magdeburger Dom statt. Leitende Vertreter der elf beteiligten Kirchen und die versammelte Gemeinde wurde von dem Ratsvorsitzenden der EKD, Bischof Wolfgang Huber, begrüßt und in den Gottesdienst eingeführt. Wolfgang Huber sagte wörtlich: …

"Jesus Christus ist unser Heil." Als Christen erwarten wir unser Heil von Gottes Sohn Jesus Christus. Das eint uns als christliche Kirchen. Alle Unterschiede, die uns im ökumenischen Miteinander unsere jeweilige Prägung geben, treten dahinter zurück.

"Jesus Christus ist unser Heil." Dieses Bekenntnis markiert auch den bleibenden Abstand des christlichen Glaubens zu anderen Religionen. Bei aller Offenheit für das interreligiöse Gespräch, bei aller Neugier auf gemeinsame Zugänge zu der einen Wahrheit lässt sich dies nicht verwischen. Denn das sagen wir nur als Christen, das sagen wir allein: "Jesus Christus ist unser Heil."

Wer auf die Geschichte der Christenheit schaut, der sieht, wie vielfältig es in ihr seit ihren Anfängen zugegangen ist. Und wie schwer es war, die Einheit im Glauben so zu formulieren, dass möglichst viele zustimmen konnten. Deshalb ist es ein herausragendes Ereignis, wenn elf christliche Kirchen aus unterschiedlichen Traditionen einem gemeinsamen Text über die Taufe zustimmen.

2.3 Ich werde Christ durch die Taufe auf den Namen Jesu Christi. Bin ich getauft gilt auch mir: Jesus Christus ist mein Heil. Das sagen alle Christen, katholische, orthodoxe, protestantische, freikirchliche.

2.4 Die Taufe ist ein Sakrament. Sie macht etwas in der sichtbaren Welt mit Auswirkung in der unsichtbaren. Das Zeichen des Wassers sagt: Gleich fließt von Gottes Geist etwas in deinen Geist, so dass er heilig wird. Gott wohnt in dir. Wer davon lebt und sich umwandelt wird Kind von Gott, gehört zur Familie Gottes. Durch Jesus ist uns das geschenkt und völlig unverdient zu Eigen. Durch unsere Taufe ist Jesus unser Heil. Das Wort von Gott, das bei der Taufe ausgesprochen wird, macht dieses gültig. Wir hören es mit unseren Ohren, doch wirkt es in der unsichtbaren Welt. Und alle Mächte, die uns hier umgeben, wissen das. Jetzt ist er getauft. Jetzt ist sie getauft. Das ist ein Schutz.

2.5 Und alle Christen verbindet dieser Glaube.

2.6 Natürlich kommt es darauf an, das auch zu leben. Wem nutzt ein Euro, den man eingräbt oder verliert. Und da sind Konfessionen unterschiedlicher Meinung. Wie lebe ich Glauben? Wie zeigt er sich? Auch innerhalb der Konfessionen gibt es darüber große Unterschiede.

2.7 Doch gilt es festzuhalten, worin sich alle einig sind. Christ bin ich durch meiner Taufe, wenn Jesus Christus in meinen Geist von Seinem gibt, Sein Heil in mir lebt.

2.8 Wir brauchten keinen Streit zwischen den Konfessionen, der immer wieder die Christenheit zerriss. Er beschämt Jesus, der unsere Einheit will. Er brachte unsägliches Leid über die Menschheit statt Segen wie Jesus es wollte. Wir brauchten nur zu leben, dass wir getaufte Christen sind und Gottes Geist in unserem zulassen. Dann würden wir den anderen mit Respekt und Achtung stehen lassen. Wir würden allerhöchstens fragen: Und wie lebst du Gott? Was sagt ER in dir? Was für ein spannendes Konzept des Lernens und der Ökumene.

2.9 Die Taufe eint. Wie gut, dass das die Christen wenn auch erst nach 2000 Jahren endlich gemeinsam festgestellt haben. Was aber soll denn dann noch evangelisch?


3.1 Ein evangelisches Profil ist dann kein Fehler, wenn das Vorhergesagte über unserer Einheit klar ist.

3.2 Evangelisch bedeutet, Wächter zu sein: Pass auf. Nichts Falsches soll in den Glauben eindringen. Was brauchen Wächter?

3.3 Die eigene Überzeugung ist gefordert: Dein Glaube ist gefragt. Finde ihn. Luther tat es. Das förderte die Selbständigkeit des Menschen, legte das Grundrecht der Freiheit und der Würde des Einzelnen. Evangelische Wurzeln: Sola fidei.

3.4 Nichts darf sich zwischen dir und Gott als ein Vermittler einmischen. Weder die Angst vor Strafe noch der Stolz der guten Tat, noch eine Zugehörigkeit zur Kirche. Allein aus Gottes Gnade bist du Kind Gottes. Halte dich an sie, dann bist du stets gehalten. Gott schenkt sie dir.
Auch das ist evangelisches Profil: Die Dankbarkeit und Demut vor unserem Herrn. Evangelische Wurzeln: Sola gratia. Wer diese Gnade Gottes kennt braucht vor keiner irdischen Autorität mehr einzuknicken, auch keiner kirchlichen. Und doch kann er jedem dienen. Luther lebte das.

3.5 Als Wächter musst du selbst ausgebildet sein. Du selbst bist Papst für deinen Glauben. Du selbst musst Bibel lesen und das Wort Gottes prüfen, lernen, leben. Das nimmt dir keiner ab. Wurzeln evangelischer Frömmigkeit: Sola scriptura. Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche und führte den deutschsprachigen Gottesdienst ein. Die Reformation legte die Wurzeln der modernen Bildung, die jedem Menschen zusteht.

3.6 Drei Wirkungen der 500jährigen Geschichte: Freiheit, Demut, Bildung als kulturelle Früchte. Sie wuchsen aus dem, was evangelischem Glauben wichtig ist: Ich darf selbst glauben. Für mich gilt Gottes Gnade. Ich lese und ich höre Gottes Wort. Allein wenn das gilt dringt nichts Falsches ein. Wächter des Glaubens sein. Das wollte Luther. Das ist evangelisch.


4.1 Mit diesem Erbe kann man gut evangelisch sein, übrigens in jeder Konfession. Denn evangelisch sind längst nicht alle Evangelischen. Und mancher Katholik ist sehr wohl evangelisch, wenn man die Konfession nicht als Institution missversteht. Schon Luther wollte eigentlich nicht eine neue Kirche. Er hat es sehr klar ausgesprochen und gesehen, wie eine neue Kirche längst nicht lebendige Gemeinde schafft.

4.2 Wir sehen heute klar, dass andere Konfessionen andere Schätze einbringen. Und jede Konfession hat ihre eigenen Mängel. Wie gut wäre es, wenn wir als Christen, die getauft sind auf den Namen Jesu, die Einheit leben mit recht unterschiedlichen Profilen. Wäre das nicht gut, für uns, für unsere Welt und unseren Herrn.



Amen.





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Zuletzt geändert am 11.08.2008 von: (fp)