Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt zum
22. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Pdf Datei

Gottesdienst am 4. November 2007

Spiegel oder Gott, vom falschen und vom rechten Opfer

6 Womit soll ich vor den Herrn treten, wie mich beugen vor dem Gott in der Höhe? Soll ich mit Brandopfern vor ihn treten, mit einjährigen Kälbern? 7 Hat der Herr Gefallen an Tausenden von Widdern, an zehntausend Bächen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meine Vergehen, die Frucht meines Leibes für meine Sünde? 8 Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.

Micha 6, 6-8

Liebe Gemeinde!

1.1 Richtiges oder Falsches ist oft nur durch einen kleinen Unterschied bestimmt. Was trennt schon Plus von Minus? Nur ein kleiner Strich. Und doch entsteht ein völlig anderes Ergebnis.

1.2 Opfer gehören zu jedem Leben. Wir bringen sie seitdem wir auf der Welt sind. Wie viele Kinder werden den Launen und Interessen der Eltern geopfert. Wie viele Jugendliche opfern sich für eine ersehnte Anerkennung. Wie viele Erwachsene opfern ihre Lebensziele einer wirtschaftlichen Not oder einem vermeintlich neuen Glück. Wie viele Senioren opfern sich für Spaß und werden niemals weise.
Richtige oder falsche Opfer, die wir bringen. Was ist dafür Maßstab?

1.3 In unserem Bibeltext wird dazu etwas ausgesagt. Lauf nicht den falschen Opfern nach. Bringe das rechte, erklärt der Prophet Micha. Hören wir seinen Rat.


2.1 Ein falsches Opfer ist für den Propheten das, was damals in der "Kirche" ablief. Etwa 200 Jahre stand der Tempel Salomos. Was kann in 2 Jahrhunderten alles schief gehen. Das Christentum blickt auf 2000 Jahre.

2.2 Falsche Opfer im Tempel. Doch was war falsch?
Um das zu verstehen schauen wir auf eine Geschichte, die auch 800 Jahre vor Christus entstand, nur auf der anderen Seite des Mittelmeeres, in Griechenland.

2.3 Es war ein Junge, bei dessen Geburt ein alter Seher die Weissagung sprach: 'Er wird nur dann alt werden, wenn er sich nicht selbst kennen lernt.' Lange blieb diese Weissagung bedeutungslos. Er wuchs heran und wurde schön, so dass er von allen Leuten gerühmt wurde. Als er 16 Jahre alt war, halb Knabe, halb Mann, verliebten sich lauter Männer und Frauen in ihn, doch er wollte niemanden erhören. Eines Tages sah ihn die Nymphe Echo und verliebte sich in ihn. Sie war so außer sich vor Liebe, dass sie ihm auf Schritt und Tritt folgte. Doch aufgrund einer Strafe der Götter konnte sie nicht sprechen, sondern nur immer die letzten Worte wiederholen, die sie eben gehört hatte. So sprach Echo auch jeweils die letzten Worte des Knaben nach, der, abgestoßen davon, vor ihr floh. Auf der Flucht kam er an einen Teich, der so ruhig war, dass er wie ein Spiegel wirkte.
Der Knabe beugte sich über den Teich, um zu trinken, sah sein Spiegelbild und verliebte sich in sich selbst. So sehr verliebte er sich, dass er vor Liebeskummer krank wurde, abmagerte und schließlich starb. Aus seinem Grab spross eine Blume, die man fortan Narzisse nannte, denn der Name des Knaben war: Narzissos.

2.4 Ein falsches Opfer, was er brachte. Sein Leben gab er. Doch wofür? Für sich. Die Liebe seines Opfers galt ihm selbst. Narzissos Opfer.


3.1 Sich selbst kann man in allen Dingen als das Erste suchen: In Kindern, in Gemeinschaft, im Partner, im Beruf, im Älterwerden. An jeder Stelle liegt der Spiegel schon bereit. Ich brauche ihn nur ergreifen und mich in mich verlieben.

3.2 Der Prophet Micha sah dies. Der Tempel sucht sich selbst, er ehrt nicht Gott. Der Dienst verführt die Menschen, sich selbst als groß zu sehen. Narzissos Opfer im Tempel.
Am Tempel in Jerusalem wurden täglich hunderte von Tieren als Opfer geschlachtet, kostbares Öl als Rauchopfer verbrannt. Wessen Name steht hinter den meisten Tieren, hinter dem kostbarsten Öl, so tuschelte man? Micha steht dagegen auf: Solche Opfer will Gott nicht. Ihr seid in euch verliebt und nicht in Gott. Das Opfer macht euch nicht klein vor Gott, es macht euch groß. Nach außen opfert ihr, nach innen seid ihr stolz und liebt euch selbst. Hört auf, die Welt und euch auf dem Altar der Selbstverliebtheit ständig neu zu feiern.

3.3 Trifft das? Und wie. Wer ist denn frei von diesem Knaben Narzissos? Die Menschheit nicht.
Die Schöpfung machen wir uns zum Opfer, das Klima, die Luft, die Flüsse, die Tiere in der Massentierhaltung, die Verkehrstoten, die Opfer der Gewalt. Die Menschheit selbst benimmt sich wie Narziss, selbstverliebt, nur auf sich fixiert. Und wie Narziss an seiner Selbstverliebtheit starb, so ist auch heute der Gedanke längst nicht mehr abwegig, dass die Menschheit an ihrem Narzissmus zu Grunde gehen könnte.

3.4 Und auch wir selbst sind nicht frei von Narzissos. Wir fühlen uns mit unserem Spiegelbild als Gegenüber übergroß und schön und über alles wert, geraten in Euphorie und Überheblichkeit. Oder uns packt das Gegenteil. Wir werten uns ab, geraten in trübe Stimmung und Selbstverzweifelung.
Das sind Narzissos Wege, die falsche Opfer fordern oder bringen.


4.1 Besinnt euch, sagt der Prophet, auf rechte Opfer. Und worin bestehen die? Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet. Und was erwartet der Herr?

4.2 Wie gut es ist, dass wir darüber Klarheit haben.
Ihr sollt Recht tun. Liebt Güte und Treue. In Ehrfurcht geht mit Gott.

4.3 Die Mitte eures Herzens muss frei werden vom Ich. Euer Selbst darf nicht sich selbst anbeten oder lieben. Warum denn nicht? Du fällst immer in das, was in der Mitte deines Herzens ist.
- Ist es dein Spiegel fällst du ins eigene Bild und ertrinkst dort, versinkst in deinem Abgrund.
- Stellst du das Rechte in die Mitte deines Herzens, fällst du stets auf das Rechte zu.
- Ist in der Mitte deines Herzens Liebe, dann fällst du stets in Liebe hinein, was immer du tust.
- Ist in der Mitte Ehrfurcht vor Gott, das ist wenn du das Geheimnis Seiner Gegenwart in dir anerkennst, dann fällst du stets ins Meer von Seiner Liebe und nie in die Verzweiflung deines Abgrundes.
Du selber wählst, worin und auch woran du bist. Was du in deine Mitte nimmst, das wird dir Mitte sein. Dich oder Ihn.
Besinnt euch, sagt der Prophet. Spiegel oder Gott. So klar ist das.

4.4 Natürlich ist da Umkehr nötig. Kein Mensch ist frei davon, dass sich das eigene Ich stets neu in unsere Mitte schiebt. Doch haben wir ja Klarheit und Verstand dafür bekommen. Wir wissen schon, was zählt.

4.5 In Jesus ist neu klar geworden, wie Umkehr möglich ist. ER, der gekreuzigte und auferstandene Herr, ist Spiegel Gottes, Spiegel Seines Lichtes. ER ist lebendiges Wasser, wie es von Ihm heißt.
ER: Nimm Mich als Gegenüber für dein Bild. Du sollst darin verwandelt werden. Du stürzt nicht in deinen Abgrund. Du fällst in Meine Liebe. Ich nehme dich so wie du bist. Du bist von Mir geliebt. Vertraue Mir.
ER: Du ertrinkst nicht in dem Abgrund deines Herzens. Ich habe es erlöst. Du darfst an Mein Herz. Du wirst dort Lebensdurst stillen, Frieden finden, einen Boden, der dich trägt. Gib mir dein Herz.
So redete und redet Jesus. Wer sich darauf einlässt, der kehrt um. Die Mitte Seines Herzens gehört dann Ihm, dem Herrn. Aus Narzissus wird so ein Bild von Jesus Christus in uns, ein Christ.


5.1 Das Umfeld dieses Wortes ist in der Musikgeschichte berühmt geworden. Die Worte des Propheten werden mit einem liebenden Gotteswort eingeleitet, der um Sein Volk wirbt. Wenig vorher heißt es: Was habe Ich dir getan, Mein Volk, und womit habe Ich dich beleidigt? Antworte Mir.
Palestrina hat im 16. Jahrhundert aus diesem Vers sein berühmtes Kyrie komponiert. Und Mendelssohn hat im 19. einen 8stimmigen Chor dieses Liebenswerben Gottes singen lassen.

5.2 Es soll Musik im eigenen Herzen werden. Wer wollte Ihm dann nicht antworten.
Herr: Weg mit den falschen Opfer für mich selbst. Dankbar sage ich: Ich bin für Dich. Du sollst die Mitte meines Lebens sein.



Amen.





Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 02.11.2007 von: (fp)