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Drittletzten Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 11. November 2007

Vom Bitten

1 Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:

2 In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3 In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! 4 Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; 5 trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.

6 Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. 7 Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? 8 Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?

Lukas 18, 1-8

Liebe Gemeinde!

1.1 Wie wir zu Gott bitten, darum geht es in unserem Predigttext. Die Antwort, die Jesus mit dieser Gleichnisgeschichte gibt, ist denkbar einfach und klar. Wie sollen wir bitten: Ohne Unterlass und heftig.

1.2 Wenn die Worte Jesu so klar sind, wie geht es uns mit der Umsetzung. Wie bringen wir unsere Bitten vor Gott? Tun wir es und wenn ja wie?


2.1 Dass man Gott bitten kann ist wohl allen Menschen klar. Wer an Gott glaubt, der weiß darum. Aber tun Sie es auch? Bitten Sie Gott?

2.2 Das ist ganz interessant, dass auf diese Frage viele ausweichend reagieren. Ich habe so ein bittendes Gefühl in mir. Ich weiß nicht, so direkt rede ich nicht mit Gott, aber ich bin offen.
Das ist sicher gut. Doch unsere kleine Geschichte spricht anders.

2.3 Da ist dicke Not bei der Witwe. Und sie lässt nicht locker, beim Richter ihr Recht einzufordern.
Es gibt Augenblicke dicker Not, da geht es nicht mehr um ein bittendes Gefühl. Da wird geschrien. Und plötzlich auch zu Gott. Wie viele Menschen sagen im Nachhinein: Ich bete sonst ja nicht. Aber plötzlich habe ich es getan. Herr, wenn es Dich gibt, dann höre mich jetzt. Not lehrt beten.
In der Geschichte steht Witwe für Weh und Not. Denn ohne männlichen Schutz gab es in der damaligen Welt kaum Hilfe. Witwen und Waisen hatten keinen Rechtsanspruch. Sie standen auf verlorenem Posten.

2.4 Warum erst durch die Not beten lernen? Ich empfehle immer das Gegenteil. Es ist viel angenehmer, bei einer Tasse Kaffee, bei Sonnenschein und Meeresrauschen mit Gott zu sprechen. Warum warten bis die Infusionsflaschen gluckern und das EKG Gerät tickt. Bete wenn es dir gut geht. Dann bist du geübt in der Not.


3.1 Mancher sagt vielleicht: In der Geschichte ist das schön erzählt. Da ist das Gegenüber ein ungerechter Richter. Ich weiß nicht, ob es bei Gott nicht auch so ist. Mit vielem komme ich bei Ihm nicht klar. Ich weiß nicht, ob ich nicht Angst vor Ihm haben müsste. So jemand bitten ist riskant. Ich bin sehr enttäuscht worden und könnte es wieder werden.

3.2 Ich denke nicht, dass Jesus Seinen himmlischen Vater als ungerechten Richter hinstellen wollte. Das würde seinen sämtlichen anderen Aussagen widersprechen. Die beste Erklärung über Seinen Vater gibt er mit folgendem Wort: Ich und der Vater sind eins. Jesus war kein ungerechter Richter. So auch der Vater nicht.
Ich denke, Jesus wollte sagen: Wie diese Frau sich schon bei einem abweisenden Menschen mit schlechten Motiven bis zum Erfolg durchsetzte, wie viel mehr könnt ihr bei eurem himmlischen Vater und seinen liebenden Motiven erwarten.
Auf! Bittet! Ran!

3.3 Und damit wir auch wirklich Mut bekommen zu bitten benutzt Jesus in Seinem Gleichnis eine ganz drastische Formulierung, von der Er extra sagt, wir sollten sie bedenken: Sonst kommt sie am Ende und schlägt mich ins Gesicht. Im hebräischen Umfeld muss man sich das so vorstellen. Da geht der ehrwürdige Richter spazieren und genießt die Kühle des Abends. Und plötzlich kommt ihm ein altes Hutzelweib entgegen, die am Stock humpelt. Sie hebt den Stock und schimpft und prügelt auf den alten Herren ein, was denn das Zeug hält. Da steht er nun wie ein begossener Pudel, zwar nicht verletzt, doch lächerlich gemacht. Komm, hilf mir endlich, ruft sie laut. Recht hat sie, sagen die Leute. Sie stehen drum herum und lachen.
Wenn das nicht drastisch ist. Komm, hilf mir endlich! sollen wir zu Gott sagen. Bitte keine Scham.


4.1 Es bleibt beim Bitten immer noch eine wichtige Frage: Warum will Gott gebeten sein? ER weiß doch alles. ER kennt doch längst, was ich Ihm sage. Denn ist ER Gott kennt ER doch meine Bitten. Ich brauche sie nicht zu nennen. Kennt ER sie nicht, ist ER nicht Gott. Dann brauche ich sie Ihm auch nicht zu sagen. In dieser Ohnmacht-Logik stecken viele Denker und beten nicht.

4.2 Lukas nimmt diese Frage in seinem Text mit auf. Er fügt an die Geschichte den kleinen Satz an: Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden? Man hat lange gerätselt, warum er diesen Satz noch anfügt, der bei den anderen Evangelisten fehlt. Er schlägt die Brücke zu der Frage, die wir hatten.

4.3 Wer von Herzen anfängt, Gott zu bitten, verändert auch sein Herz. Ist es bislang zu Gott kalt, leer oder uninteressiert, dann wird durchs Bitten schon ein Lichtstrahl in die Finsternis geworfen. Und sind wir dann beim Bitten auch noch hartnäckig, dann kommt in unser Herz ein Fundament hinein. Das ist wie eine Zwischendecke, die ein Loch abdeckt. Und werden wir uns dessen dann bewusst und akzeptieren, dann ist das Glaube. Das ist ein Boden, von dem aus ich zu Gott gucke. Hält unser Bitten an und findet Mut, dann wachsen auf dem Boden in uns Pflanzen. Es grünt. Der Glaube kriegt schon Farbe. Und wenn wir so voll Energie vor Gott sind wie die Witwe, dann wird der Glaubensgrund in uns gedüngt durch Regen und durch Wärme. Es schießt empor.

4.4 Denn das Geheimnis des Gebets ist dies: Was wir von Gott erbitten, das baut den Glauben in uns auf. Der Strom des Geistes fließt zu uns zurück, den wir als Bitte Gott entgegen senden. Deswegen möchte Jesus, dass wir bitten. Es tut uns gut. Gott kann in unseren Herzen wirken.

4.5 Und Lukas blickt mit seinem Wort auf diese ferne Zeit, wo Jesus wiederkommen wird. Wird dann noch Glaube sein? Werden sich Menschen noch aufs Bitten einlassen? Gibt es noch hartnäckige Witwen-Beter? Oder sind die Herzen so verschlossen, dass kein Lichtstrahl Gottes mehr in Menschenherzen dringen kann.
Wenn Beten endet stirbt der Glaube. Denn Gottes Geist hat keinen Raum mehr, unseren Geist zu füllen. Kennen wir das? Spricht Lukas hier von unserer Zeit?


5.1 Wie gut, dass Jesus uns Mut macht, mit unseren Bitten offen vor den Herrn zu treten. Ganz unabhängig von dem, was Gott uns als Erhörung gibt: Durchs Bitten selbst sind wir im Herrn und damit schon gesegnet. Tun wir es mit Mut.



Amen.





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Zuletzt geändert am 09.11.2007 von: (fp)