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Palmarum,
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 16. März 2008

Glaubenszeit

1 Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, 2 und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. 3 Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren.

Jesaja 54, 7-10

Liebe Gemeinde!

1.1'Alles Ding hat seine Zeit' ist ein bekanntes Sprichwort. Wie wahr es ist erfährt man erst im Laufe seines Lebens. Es ist ein Unterschied, ob man 6 Monate, 6 Jahre oder 60 Jahre alt ist. Allein wie schnell die Zeit vergeht. Als Kind: Endlos. Als Erwachsener: Wie im Flug.

1.2 Wir wissen heute, dass die Zeit wie ein Gewand ist und nicht für jeden gleich. Schon die Dichter sprachen davon: Dem Glücklichen schlägt keine Stunde. Oder: Die Qual dauert ewig. Die Bibel sagt: Vor Gott sind 1000 Jahre wie ein Tag. Es scheint also nicht eine Uhr zu geben, sondern viele Uhren, für jeden Teil des Lebens wie auch für alles in der Natur.

1.3 Das scheint auch für den Glauben zu gelten. Es gibt Glaubenszeit, damit auch eine Uhr. Sie bemisst unsere Glaubenszeit, die wir im Wettkampf des Glaubens auf dieser Welt verbringen. So sagt unser Text. Was wird dabei gemessen? Was zählt? Das sind die Fragen. Lassen Sie uns schauen: Was zählt bei der Glaubenszeit? Wann tickt die Glaubensuhr?


2.1 Zunächst fällt auf, was alles nicht zählt beim Glaubenswettlauf. Unsere Glaubensuhr tickt dann nicht, bleibt vielleicht stehen.
Lebenszeit wird hier nicht genannt. Junge zählen nicht mehr als Alte und Alte nicht mehr als Junge. Das ist doch interessant, dass wir in der Gemeinde als Wettkämpfer nie sagen können: Ach, die da. Lebensalter, Hautfarbe, Geschlecht, Stil, Herkunft - das alles zählt nicht.
Ich habe schon so viele Außenseiter gefunden, die tief gläubig waren. Und ich habe entgegen allem Meckern an der Kirche so viele Traditionsmenschen in der Kirche gefunden, die tief glaubten. Glaubenszeit kann bei jedem sein. Die Glaubensuhr läuft nicht nur in unseren Gemeinschaften oder nach unserem Geschmack.

2.2 Was weiter in unserem Text auffällt. Bei jedem Wettlauf gibt es Start und Ziel. Dazwischen läuft die Zeit ab, die zählt. Beides wird nur indirekt genannt. Wann der Glaube anfängt und wann er aufhört, Startpunkt und Zielpunkt, werden als bekannt vorausgesetzt. Hier geht es darum, dass wir schon mitten drin sind. Die Glaubenszeit läuft.
Nur zur Wiederholung: Was ist der Startpunkt des Glaubens? Wenn ich als Kind Gottes anfange, mein Leben aus Gott zu leben. Für mich beginnt das bei der Taufe, wo Gott mich zu Seinem Kind macht, und mit meiner eigenen Zustimmung: Jesus, ich akzeptiere Dein Leben in mir. Ich will Dir folgen. Ab da läuft Glaubenszeit.
Und der Zielpunkt? Auch der ist klar. Nicht meine Konfirmation, Trauung oder mein Sterben hier auf Erden. Zielpunkt ist der Thron Gottes, bis ich IHN von Angesicht zu Angesicht sehe. Der Hebräerbrief nennt das die Ruhe in Gott, den ewigen Sabbat. Die Bibel spricht auch von unserer Wohnung im himmlischen Jerusalem. Man könnte sagen, Ziel ist wenn Jesus sagt: Du hast Mich oft am Tisch des Herrn empfangen. Jetzt nimm Platz am Tisch in der Ewigkeit, wo Freude die Fülle ist. Dann bleibt die Glaubensuhr stehen. Ich bin angekommen.

2.3 Das Dritte, was beim Glaubenswettkampf nicht genannt wird, sind Leistungsziele. Die erste Runde in der Zeit. Von der Taufe bis zur Bekehrung, so lange. Durchlesen der Bibel in einem Jahr. Jeden Tag stille Zeit.
Pardon: Ich meine, dass man die Bibel in einem Jahr durchlesen kann. Und ich meine auch, dass es gut ist, jeden Tag Zeit mit Gott zu verbringen. Ich tue das. Aber das alles steht hier nicht als Leistungen, die die Glaubensuhr laufen lassen. Frömmigkeit kommt aus Dankbarkeit. Sie bringt uns nicht schneller zum Thron Gottes, sondern durch sie kommt Jesus schneller zu uns.


3.1 Der Bibeltext nennt ganz andere Dinge, die unsere Glaubensuhr ticken lassen und uns im Glaubenswettlauf weiterbringen.
Als Erstes werden die Zuschauer genannt: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben (1). Hier ist sie wieder, die Wolke der Zeugen: Abraham, Mose, David, die Propheten - die Glaubensväter der Bibel. Ein Ausleger schreibt: ‚Sie sehen gleichsam mit gespannter Teilnahme zu, wie wir uns in dem verordneten Kampf bewähren'. Wer glaubt ist nicht allein, der Satz gilt bis in die ewige Welt hinein.
Was bringt ihr Zuschauen? Identität. Wie sie so wir. Sie sind einst gelaufen, wir tun es heute. Sie sind nicht abgewichen, wir brauchen es auch nicht. Sie stehen hinter uns, die gelitten haben, und siegten. Deswegen: Keine Müdigkeit beim Glauben. Geduld haben in Bedrängnis. In der Bahn bleiben. Die Glaubensuhr läuft.

3.2 Das Zweite: Wer läuft spürt, dass jedes Pfund beim Laufen stört. Und wenn dann noch ein Rucksack dazu kommt oder sogar noch Fesseln. Und geistlich laufen wir immer eher einen Berg hoch als herunter.
Wir wollen alle Last und Fesseln der Sünde abwerfen (1). Warum ist das die erste Bestimmung für uns im Glauben? Weil wir vor der ewigen Welt sonst wie die letzten Wettkämpfer aussehen. Wenn die ewige Welt das Unsichtbare sieht, dann sind wir bepackt mit Lasten ohne Ende. Wir schleppen kaputte Beziehungen, verlogene Aussagen, belastende Erfahrungen wie Gegenstände auf unserem Herzen mit, was uns schier die Luft nimmt und auf der Stelle festnagelt. Und wenn dann noch Bindungen hinzukommen, die wir nicht lassen können, gehen wir in Ketten. Das ist ein Wettlauf.
Ich genieße es schon, dass mein Koffer vier Rollen hat. Mancher brauchte für seinen Glaubensweg einen LKW. Doch keiner kommt mit seinem Gut oder Lasten vor dem Thron Gottes an.
Lasten und Fesseln abwerfen, sagt die Bibel, sonst steht die Glaubensuhr. Das ist die Umkehr und die Beichte vor dem Herrn. Herr, ich lege nieder, was ich Dir und anderen tat. Ich lasse davon. Ich lege nieder, was andere mir taten. Ich lasse es bei Dir. Lasten und Fesseln sind das Wesen der Sünde, sie führen zur Wegabweichung, zur Trennung vom Weg Gottes, zum Ende des Glaubensweges.
Loslassen. Das Blut Jesu Christi reinigt uns von aller Untugend. Wer das tut bei dem tickt die Glaubensuhr.

3.3 Das Dritte. Wohin schauen Läufer? Auf sich und andere. Eigenbeobachtung und Fremdwahrnehmung zählen. Das ist in der Gemeinde sehr verbreitet, beobachten des Mitläufers. Wie weit ist der? Strauchelt er? Wo ist meine Chance? Ha, jetzt hat er auch mal ein Problem. Die so typischen menschlichen Vergleiche sind nicht Bestandteil der Glaubenszeit, die zählt. Die Glaubensuhr bleibt bei so etwas stehen. Die Zeit ist verloren.
Der Glaubensläufer macht es wieder anders: Lasst uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens (2). Auf Jesus sehen. Jesus, den Auferstandenen, mit seinem Inneren sehen, ist wohl die größte Kunst im Glauben. ER als Anfänger: Der Anfang, Taufe und Hingabe an Jesus, ist klar. ER als Vollender: Der Abschluss, Vollendung vor dem Thron Gottes, ist auch klar. Aber mittendrin auf Jesus blicken. Gleich am Morgen, zwischendurch, jeden Tag, gleich hier.
Von IHM kommt die Rückmeldung: Jetzt stopp. Hier weiter. Es ist egal. Dir ist vergeben. Du bist ungehorsam. Frage Mich. Vertraue Mir. Du sollst Mir folgen. ICH bin da.
Manche spüren diese Gegenwart des Herrn im inneren Frieden. Manche erfahren sie in hellster Klarheit ihres Denkens. Manche sehen sie wie in einem inneren Bild. Manche scheinen sie als Wort zu hören. Es ist unser Geist, der vom Heiligen Geist erfüllt wird und unserer Seele dann ein Echo gibt. Immer ist der verbunden mit Liebe zu Gott und einer Liebe zu den Menschen.

Wie geht das, Aufsehen auf Jesus?

  • Was hätte Jesus wohl getan? Das ist eine gute Frage für das Denken, um "aufzusehen auf Jesus".
  • Im Frieden des Herrn alle Dinge für IHN tun, das ist ebenfalls ein Wettkampfweg des Glaubens. Geht der Friede weg halte ich inne und frage: Herr, habe ich Dich aus den Augen verloren?
  • "Aufsehen auf Jesus" mache ich, wenn ich auf Jesus Erlösung am Kreuz blicke, und wenn ich IHM dem Auferstandenen dafür Danke sage. Das tun viele Christen. Doch dann kommt das innere Warten auf Sein Echo. Der Trainer antwortet. Was entsteht in meinem Herz als Antwort von Ihm? Das Innere Warten auf den Herrn ist so entscheidend. Da läuft die Glaubensuhr.
  • Warum ist das Aufsehen auf Jesus so wichtig? In IHM steckt unsere Zeit, die wir im Glauben haben. ER teilt sie zu. Wo ER ist läuft die Glaubenszeit, sonst nicht. Und im Anschauen Seines Bildes werden wir verwandelt in Sein Bild. Da sind wir an der Quelle.


    4.1 Was für ein Zeitmaß! Glaubenszeit in unserer Lebenszeit.

    4.2 Wie alt sind wir eigentlich im Glauben?
    Tickt unsere Uhr?



    Amen.



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    Zuletzt geändert am 13.03.2008 von: (fp)