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 <>< Predigt zum Ostersonntag
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 23. März 2008

Auferstehung

19 Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. 20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.
21 Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
23 Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. 24 Danach kommt das Ende (der Auferstehung), (dann nämlich) wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt.
25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat. 26 Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. 27 Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt. Wenn es aber heißt, alles sei unterworfen, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterwirft. 28 Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem.

1. Korinther 15, 19-28

Liebe Gemeinde!

1.1 Ohne Ostern gäbe es keine Kirche, keinen Glauben an Jesus Christus, wahrscheinlich auch kein Europa wie wir es heute haben.

1.2 Ostern heißt: ER lebt. Oder in einem Wort: Vivit. Es ist die Kernbotschaft des christlichen Glaubens aller Konfessionen und Zeiten. Jesus ist auferstanden. Hätten das die Frauen und Jünger damals nicht erfahren, wäre die Botschaft Jesu genauso im Bücherschrank versunken wie der "bello Gallico" des Julius Cäsar. Würden bis heute nicht Menschen aller Hautfarben und Nationen und Kulturen entdecken: ER lebt. Vivit. - es gäbe keinen lebendigen Glauben. Mit jedem kulturellen Wechsel wäre die christliche Kultur verschwunden wie manche anderen Blüten der Geschichte. Doch immer wieder stehen Menschen auf in China, Afrika, Südamerika, im fernen Osten, hier in Europa, sogar an der Costa del Sol, die sagen: ER lebt. Für mich stimmt das. Ich habe es erfahren. Vivit. Das ist Ostern. Eine Geschichte mit einer langen Wirkung der Erfahrung der Gegenwart des auferstandenen Jesus.

1.3 Voraussetzung dafür ist natürlich der Glaube an die Auferstehung. Fällt der, dann ist es nicht sinnvoll, zu Jesus zu beten. Ich bete ja auch schließlich nicht zu Goethe. Ist Jesus nicht auferstanden, dann ist es auch nicht sinnvoll mit Seiner Gegenwart heute anders zu rechnen als mit jedem anderen eingebildeten klugen Gedanken und seiner vielleicht hypnotischen Wirkung. Auf jeden Fall ist wäre es nicht sinnvoll, Jesus um Schutz, Beistand und Führung im Leben und Glauben zu bitten. Vor allem aber wäre das Rechnen mit Antwort von Ihm ein törichter Wahn. Eine lebendige Beziehung im Glauben zwischen mir und Ihm fiele aus. Schließlich kann man zu keinem guten Gedanken an Jesus eine persönliche Beziehung pflegen.
Christen haben nie bekannt: Ach, die Erinnerung an Jesus, sie sagt mir so zu. Sie haben bekannt: Jesus, Du bist mein Herr. Ein Gedanke ist kein Du. Der Auferstandene wohl.


2.1 Nach unserem heutigen Weltbild ist Jenseitserfahrung nicht mehr nur gut vorstellbar, sondern oft erwünscht. Glaubhafte Zeugnisse mit dem auferstandenen Jesus gelten nicht mehr als intellektuelle Querschläger. Man weiß, die Wirklichkeit ist größer als wir wissen.
Und doch tummelt sich auf diesem Markt ein großer Kreis von Vorstellungen vom Glauben bis zum Aberglauben. Das macht die Orientierung nicht gerade einfach. Wir wollen nicht in alte Fallen tappen, bei denen mit dem Jenseits das Diesseits schön geredet wurde. Wir wollen keine Osterhasen sein, die jedes bunte Ei als Event verkaufen. Sondern wenn, dann wollen wir das Leben finden, aus dem wir sind und zu dem wir geschaffen wurden. Schließlich stand dafür einmal am Anfang auch das Ei als Zeichen für Ostern.

2.2 Die Welt zur Zeit der Auferstehung Jesu stand vor ähnlichen Fragen. Jenseitsglauben blühte unter dem Diktat der mächtigen politischen Herrscher von Rom. Und Auferstehungsvorstellungen faszinierte die Menschen: der Osiris Kult aus Ägypten oder die Gnosis Lehre der Griechen. Wie der Frühling aus dem Winter, so lasst uns Auferstehung feiern in unseren Herzen - so klang es nach dem Osiris Kult. Wie auch im schwachen Körper ein starker Geist wohnen kann, so lasst uns alles körperlich Irdische missachten und auferstehen mit frischem Mut - so klang es nach der Gnosis. Die Kräfte der Natur, die Kräfte der Seele - sie waren die Auferstehungsbotschaften. Glaube an sie, ergreife sie. Das sind die wirkungsvollen Kräfte, die bis ins Jenseits reichen. Auferstehungswelten.

2.3 Wir hören diese Botschaft aus dem 1. Jahrhundert. Ich habe auch gar keine Mühe, Kräften der Natur und auch der Seele viel zu zutrauen. Wir wissen immer noch viel zu wenig über sie. Im Unterschied zur damaligen Welt haben sich heute Wissenschaft und Forschung dieser Kräfte angenommen. Und das ist gut und bringt Klarheit.

2.4 Doch klar ist auch: Die Botschaft von der Auferstehung Jesu ist nicht ein Symbol für das Erwachen der Natur. Die Osterbotschaft hieß nicht: Wir feiern mit der Totensalbung das Erwachen zu neuem inneren Hoffen. Nein, der tote Jesus war weg. ER lebte und begegnete den Frauen und Jüngern. Das war nicht Osiris.

2.5 Und klar ist auch: Die Auferstehung Jesu war nicht die seelische Selbsterhebung verzweifelter Jünger. Im Gegenteil. Sie waren gar nicht darauf aus, so etwas zu erfinden, obwohl die am Grab postierten Soldaten einen solchen Betrug verhindern sollten. Sie hatten Angst. Sie glaubten den Berichten der Frauen von der Auferstehung gar nicht bis sie es selber sahen. Das war keine Gnosis seelischer Auferstehung. Erst der Auferstandene richtete auch ihre Seele wieder auf, nicht ihre Seele einen Glauben an den Auferstandenen.


3.1 Jetzt sind wir mit unserem Ausflug in die damalige Welt bei unserem Bibeltext angekommen. In der Weltstadt Korinth traf alles zusammen. Osiris Kulte, Gnosis Glauben - es blühte. Und jetzt kam noch so ein Jenseits-Happen. Ein weiterer Auferstehungs-Impuls. Was machen wir mit dem? Wie nutzen wir den zu unserer religiösen Erhebung?

3.2 Paulus ahnte: hier geht etwas schief. Die Auferstehung Jesu ist kein neues Frühlingsrauschen und auch kein "Lass uns aufstehen!" Das ist bestimmt auch gut. Es passt auch in die Jahreszeit. Doch das ist nicht Ostern der Christen. Was dann? Darüber schreibt Paulus in die Welthandelsstadt Korinth. Er lässt uns teilhaben an seinem Horizont des Auferstehungsglaubens.


4.1 Das Erste: "Wir hoffen nicht allein auf dieses Leben" (19), beginnt er. Die Welt ist größer als die Zahl der Tage, die wir hier auf Erden haben. Bei 70 Jahren wären das etwa 25.550 Tage. Die Auferstehung Jesu wirkt vor und über unseren Tod hinaus. Mit dem Sterben geht es weiter. Ein offenes Weltbild beginnt.
Doch wenn das bei Jesus so war, wenn ER auferstand, was hat das mit mir zu tun?

4.2 Das führt zum Zweiten: Jesus ist der Erste (23). Die Ihm gehören werden folgen. Auch sie werden auferstehen nach dem Sterben. Das ist so sicher wie wir alle am Schicksal des "alten Adams" teilhaben, der starb. Die Jesus gehören werden teilhaben am "neuen Adam", der auferstand, Jesus. Wie ER so wir. Wir werden verwandelt in sein Bild durch die Nachfolge: Erst in Sein Kreuzesbild, dann in Sein Auferstehungsbild. Eine offene Zukunft. Es wird noch spannend.

4.3 Das Dritte. Der Schluss der Auferstehung ist, wenn alle am Ende der Zeit vor das Angesicht Gottes gestellt werden. Dann wird jeder empfangen wie er war und wie er vor Gott war. Das ist die Auferstehung zum Jüngsten Gericht. Kinder Gottes haben dies vorgezogen. Ihr Jüngstes Gericht ist die hier angenommene Vergebung durch Jesus. Eine großes Geschenk der Gnade und Hoffnung. Es lohnt sich.


5.1 Dieses Auferstehungsleben hat schon längst begonnen. In jedem Menschen lebt es, in dem Jesus lebt. ER bringt es mit. Es wohnt in uns. In diesem Horizont sieht Paulus Auferstehung.

5.2 Natürlich weckt es Kräfte der Natur und natürlich motiviert es die Seele aufzustehen. Aber es ist viel mehr. Es ist durch Jesus mehr als was wir auf Erden haben und hier lassen werden, es ist durch IHN eine offene Zukunft mit Ausblick über den Tod, es ist in IHM eine große Hoffnung, begnadet zu sein.

5.3 Ein schönes Ostergeschenk des Herrn.


Amen.



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Zuletzt geändert am 28.03.2008 von: (fp)