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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 30. März 2008
Feier der Goldkonfirmation 1958

Auffahren wie Adler

26 Hebt eure Augen in die Höhe, und seht: Wer hat die (Sterne) dort oben erschaffen? Er ist es, der ihr Heer täglich zählt und heraufführt, der sie alle beim Namen ruft. Vor dem Allgewaltigen und Mächtigen wagt keiner zu fehlen. 27 Jakob, warum sagst du, Israel, warum sprichst du: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, meinem Gott entgeht mein Recht? 28 Weißt du es nicht, hörst du es nicht? Der Herr ist ein ewiger Gott, der die weite Erde erschuf. Er wird nicht müde und matt, unergründlich ist seine Einsicht. 29 Er gibt dem Müden Kraft, dem Kraftlosen verleiht er große Stärke. 30 Die Jungen werden müde und matt, junge Männer stolpern und stürzen.
31 Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.

Jesaja 40, 26-31

Liebe Gemeinde!

1.1 Im Klagen gibt es keine Olympischen Spiele. Der Grund ist einfach. In dieser Disziplin sind wir schon alle Weltmeister.

1.2 Das scheint schon immer so gewesen zu sein. Unser Text führt uns zurück in die Welt des Alten Testamentes, in die Zeit der babylonischen Gefangenschaft von Israel. Was Israel heute am Irak fürchtet war damals wahr. Das Volk war nach Babylon deportiert, Palästina verwüstet, die Stimmung verzweifelt. Sie greift der Prophet Jesaja auf, wenn er sagt: Warum sprichst du: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, meinem Gott entgeht mein Recht (27)? Ja warum? Weil es Grund gab.

1.3 Das ist ja bis heute so. Jeder Klagende hat einen Grund, in der Regel jedenfalls.
Wie vielen ist Unrecht widerfahren, auch von uns. Haben wir Recht bekommen? Oft ganz und gar nicht. Und dann steigt die Stimme des Herzens hoch: Meinem Gott entgeht mein Recht.
Wie viele werden ständig übersehen. Wer Sie wirklich sind, danach fragt keiner. Kriegt Gott mit wer ich bin? Nach außen kann man sich daran gewöhnen. Doch wird die Kruste angekratzt, dann steigt die Bitterkeit hoch: Mein Weg ist dem Herrn verborgen (27).

1.4 Sie merken an den wenigen Hinweisen: Es ist nicht schwer, Weltmeister im Klagen zu werden. Und es scheint nicht erst bei uns so zu sein. Schon vor etwa 2.500 Jahren redeten die Menschen nicht anders.


2.1 Da steht Jesaja auf und sagt: Werdet Weltmeister im Aufsehen. Steht auf in neuer Kraft. Lauft und bejammert nicht eure Müdigkeit. Geht und beklagt nicht eure Mattheit.

2.2 Dabei ist er kein Schönredner. Er weiß, dass selbst Junge müde werden und Männer stolpern und stürzen (30). Das kennt er alles.

2.3 Doch er weist auf eine andere Quelle hin, aus der wir leben können. Aus ihr schöpfen Menschen, die das Klagen beenden. Die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler (31, Luther).
Lassen Sie uns sehen, welcher Art diese Quelle ist, die uns zu Weltmeistern im Aufstehen macht, neue Kraft bringt.
Zwei Dinge werden von Jesaja genannt, die neue Kraft bringen: Auf den Herrn warten. Und: Auffahren wie Adler.


3.1 Warten ist nicht modern. Wir leben in einer Zeit, in der wir alles gleich direkt haben. Ein Werbeslogan hieß einmal: Genuss sofort.
Vielen geht es bei Gott nicht anders. Der Wunsch ist da, Gott zu erleben. Doch ER muss sofort zur Stelle sein. Ich habe gebetet. Mir antwortet ER nicht. - Und, wie lange wartest du schon? - Wieso warten?
Zum Warten auf Gott fehlt oft die Geduld. Dabei wächst kein Baum aus einem Samen in einem Moment, keine Frucht aus einer Blüte in einem Augenblick.

3.2 In unserem Text steht ein starkes Wort für warten: Harren.
Wir kennen das nur noch in der negativen Bedeutung, Hoffen und Harren hält manchen zum Narren. Daran ist richtig, dass es vergebliche Sehnsucht gibt.
Das Wort Harren meint starkes Warten. Wenn nicht bald Entscheidendes passiert bin ich verloren. Ich liege verletzt am Boden. Wenn nicht bald jemand kommt bin ich erledigt. Das U-Boot läuft voll Wasser. Wenn nicht jetzt Hilfe kommt ist alles zu spät. Das ist Harren.

3.3 Harren auf den Herrn ist: Komm, Herr. Mach schnell. Ich kann nicht mehr. Das ist Harren.
Die Bibel ist voll solcher Bitten. Sogar der letzte Satz ist so: Komm, Herr Jesus. Wir warten auf Dich und Dein Kommen.


3.4 Warum macht Gott das so? Warum lässt ER uns oft bis an den Rand kommen? Warum reagiert ER nicht immer sofort? Kein Mensch kennt die Antwort. Auch Hiob musste warten. Nur dies können wir sagen:
Harren auf Gott zerbricht zwar unsere Wünsche, aber es stärkt auch unser Vertrauen. Es macht unsere Seele klein. Aber es lässt unseren Geist groß werden. Wenn wir es schaffen an Gott festzuhalten ohne Ihm abzuschwören macht Harren stark. Starker Glauben ist lange gereift, auch durch Warten auf Gott. Was im kargen Boden blüht wird besonders stark.

3.5 Warten wir auf Gott. Es bringt neue Kraft. Geistesstärke, die von innen kommt, Selbständigkeit vor Gott, die ER will.


4.1 Wie die nach außen sichtbar wird zeigt uns das merkwürdige Bild vom Adler. Wie fahren denn Adler auf mit ihren Flügeln? Wie lernen die Jungen zu fliegen, aufzufahren?

4.2 Wahrscheinlich denkt ein junger Adler nicht. Doch täte er es, hockte er im Nest und meint: Jetzt könnte ich eigentlich mal auffahren. Aber wer weiß, ob es klappt. Da hocke ich lieber noch ein bisschen. Und das täte er sein Leben lang.
So hocken wir oft in unserem Glauben. Manchmal lange.

4.3 Doch eines Tages packt die Mutter ihre Jungen - und lässt ihn fliegen. Nein. Im Gegenteil. Sie lässt ihn fallen. Kopfüber stürzt er in die Tiefe. Dann bleibt neben dem Schock nur: Ach, könnte ich fliegen.
So fühlen wir uns manchmal in unserem Glauben, wenn wir auf Gott warten.

4.4 Doch dann stürzt die Adlermutter hinterher. Und vor dem Aufprall breitet sie ihre Schwingen weit aus: Auf Adlerflügeln getragen. Auffangen, fliegen, aufsteigen, Kräfte entfalten lernen, den Schock überwinden.

4.5 Und dann Schwupp: Der nächste Sturz. Bis - ja bis die eigenen Flügel tragen. Du kannst es. Deine Schwingen tragen.


5.1 Merken Sie, wie der Herr die Selbständigkeit im eigenen Glauben übt. Sein Geist trägt, wir ruhen auf IHM wie im Nest. Und dann übt ER, diesem Geist auch in uns zu trauen. Über dem Abgrund vertrauen, dass Sein Geist in uns trägt. Nicht nur oben, auch unten. Nicht nur im Nest, auch beim Fallen. Immer. So stürzen wir, aber immer in Seine Hände.

5.2 Das ist neue Kraft: Im Herrn Halt haben. Getragen werden von IHM.

5.3 Das Warten auf den Herrn bleibt übrigens das ganze Leben auf dieser Erde. Offensichtlich gibt es immer noch etwas zu wachsen. Aber das Vertrauen auf Seinen Halt wächst auch und damit neue Kraft.


Amen.



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Zuletzt geändert am 04.04.2008 von: (fp)