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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 27. April 2008

Das Goldene Kalb

7 Da sprach der Herr zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben. 8 Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Boden. Sie bringen ihm Schlachtopfer dar und sagen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben. 9 Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es. 10 Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.
11 Da versuchte Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen, und sagte: Warum, Herr, ist dein Zorn gegen dein Volk entbrannt? Du hast es doch mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten herausgeführt. 12 Sollen etwa die Ägypter sagen können: In böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Lass ab von deinem glühenden Zorn, und lass dich das Böse reuen, das du deinem Volk antun wolltest. 13 Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du mit einem Eid bei deinem eigenen Namen zugesichert und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es für immer besitzen.
14 Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.

Exodus 32, 7-14
Das goldene Kalb, Nicolas Poussin, 17. Jahrhundert
The Adoration of the Golden Calf' by Nicolas Poussin, 17. Jahrhundert

Liebe Gemeinde!

1.1 Was war eigentlich am Goldenen Kalb so verwerflich? Der Stier ist doch ein Symbol von Reichtum und Macht, der noch heute vor vielen Börsen der Welt steht. Damals war er aus purem Gold und anderen Edelmetallen. Heute würde der nicht einen Tag in der Öffentlichkeit stehen, dann wäre er weg. Die Israeliten waren reich. Die Schätze Ägyptens hatten sie beim Auszug mitgenommen. Geht, hatten diese gesagt. Hauptsache ihr seid weg. Jetzt hatten sie alles für das Kalb gespendet, ein echtes Opfer.
Edles Gold steht für die Wahrheit. Ist nicht vieles deshalb auch in unseren Kirchen gold? Was spricht gegen den Reichtum der Wahrheit?
Das Volk Gottes tanzte. Ist tanzen falsch? Tanzten die Kinder Gottes nicht auch nach dem Durchzug durch das Rote Meer und die Befreiung aus Ägypten? -
Was war Sünde am Goldenen Kalb? Hat Gott sich verrannt und Mose Ihn noch einmal besänftigen können?

1.2 Frohsinn ist keine Sünde vor Gott. Das kann nicht sein, wenn Freude im Himmel ist. Schon Jesus hatte man vorgeworfen, dass er Wein trinkt und feiert.
Reichtum ist keine Sünde. Wie sollte das sein, wenn Gott alle Schätze des Himmels und der Erde gehören.
Symbole würdigen kann doch nicht falsch sein, wenn wir damit unsere Ehrfurcht vor dem Leben ausdrücken. Ist das Goldene Kalb nicht das erste Kunstwerk und Zeichen der Kultur? War es nicht gut, dass gerade der Priester Aaron, Moses Bruder, die Freiheit der Kultur im Goldenen Kalb anstieß?


2.1 Der Weg der Wahrheit ist wie immer schmal. Auch hier. Warum war hier das alles Sünde, was sonst auch Gott zur Ehre dienen kann: Reichtum, Tanz, Freiheit der Kunst. Die Antwort liegt nicht in den Dingen, sie liegt im Herz.

2.2 Nach der Befreiung aus Ägypten, nach jedem Sieg, nach jedem gelungenen Schritt des Lebens, kommt eine Frage: Und was kommt jetzt? Ziel erreicht. Und was machen wir nun? -
Die meisten Probleme kommen nach dem Erfolg.
Vaterwerden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.
Hauptsache ich erreiche mein Pensionsalter. Und dann?
Hauptsache ich fahre das und das Auto. Und wenn ich es fahre? Es hat auch nur vier Räder.
Was machen wir mit unseren Erfolgen, wie leben wir sie? Freiheit braucht ein Ziel. Aber welches?

2.3 Mose ging dafür auf den Berg. Gott war die Quelle der Freiheit. ER sollte jetzt auch sagen wie damit leben. Und er empfing die Antwort der zehn Gebote. Zusammengefasst: Liebe Gott. Liebe deinen Nächsten. Steintafeln trugen die Gebote. Sie sollten jetzt ins Herz und lebendig werden. -
Wer frei ist kann sich für die Liebe entscheiden. Das ist die Antwort Gottes für Menschen im Erfolg, die es geschafft haben, denen Möglichkeiten offen stehen.

2.4 Das dauerte dem Volk Gottes damals zu lange. Sie warteten nicht auf Gott. Sie schufen ihre Lösung. Für die muss keiner sich entscheiden. Sie liegt im Herzen immer parat.
Was sind wir doch für prächtige Kerle. Guckt euch mal unseren Erfolg an. Und wenn ihn sonst keiner anguckt, dann bauen wir uns eben selbst mal ein Denkmal. Und wenn uns sonst keiner bejubelt, dann bejubeln wir uns selbst.
So entstehen goldene Kälber. Sie sind der Jubel über das eigene Ich. Das große kleine Ich soll doch auch einmal in der Mitte stehen. Das kann ruhig etwas kosten.
Der Reichtum der Wahrheit wandelt sich zur Wahrheit des Reichtums.

2.5 Das Fatale ist, dass jedes goldene Kalb das Leben still stehen lässt.
Das Volk Gottes wäre mit ihm nie im verheißenen Land angekommen. Warum?
Goldene Kälber sind zwar wertvoll, aber tot. Sie schmeicheln, aber wir sind so nicht. Sie schenken ein Scheinselbst, unser Ich ist anders. Sie sagen: wir machen Erfolge, aber wir übersehen den Geber. Goldene Kälber sind Sünde, weil sie den Geber des Lebens ausschließen. ER verschwindet aus der Mitte unseres Herzens. Damit wechselt Leben zu Tod, Wahrheit zu Lüge, Gott zum Götzen. Der wirkliche Wert wird verwechselt mit Wertvollem. Die Frucht ist leer. Das Leben bleibt stehen. Wir werden untüchtig. -
Kennen wir das?


3.1 Gott hat das nicht durchgehen lassen. Diesen Einbruch des Todes in die Herzen wollte er bei seinem befreiten Volk nicht. Statt Liebe zu Ihm und den Menschen, Anbetung ins Leere? Nein.
ICH fange neu an, sagte ER zu Mose. Sie sind schon tot auch wenn sie leben. - Nein, sagt Mose. Fang nicht neu an. Fang neu mit ihnen an.
Hier zeigt Mose den Schutzraum der Vergebung. Er wird was Jesus für uns alle ist: Fürsprecher vor Gott. Du darfst dein goldenes Kalb wegtun, deine geschenkte Freiheit ausprobieren. Die zweite Chance. Vergebung.

3.2 Rogate ist der Name dieses Sonntags: Betet. Herr, schenke mir doch Deine Vergebung. Herr, gib dem und der noch eine zweite Chance.
Fürsprecher vor Gott werden im Namen Jesu. Dazu hält uns unser Text an. Damit goldene Kälber fallen und schöne Dinge wie Kultur, Wertvolles und Freude nicht zu Götzen werden.



Amen.



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Zuletzt geändert am 09.05.2008 von: (fp)