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 <>< Predigt Zweiter Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 1. Juni 2008

Alles Umsonst

16 Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! 17 Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. 18 Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht (auf Unterhalt) verzichte.
19 Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. 20 Den Juden bin ich ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen; denen, die unter dem Gesetz stehen, bin ich, obgleich ich nicht unter dem Gesetz stehe, einer unter dem Gesetz geworden, um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen. 21 Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser - nicht als ein Gesetzloser vor Gott, sondern gebunden an das Gesetz Christi -, um die Gesetzlosen zu gewinnen. 22 Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten.
23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.

1. Korinther 9, 16-23

Liebe Gemeinde!

1.1 Es gab einmal einen Schotten - so erzählt man. Der fuhr auf einer Kreuzfahrt in der billigsten Kabine. Zum Essen ging er stets in den Salon und stellte sich vor die Vorspeise, die Hauptmahlzeit und den Nachtisch. Er nahm aber nicht ein Stück Brot, denn er wollte sparen. So gönnte er sich nichts, sondern nagte stattdessen in seiner dunklen Koje an einigen trockenen Brotkanten, die er eingepackt hatte. Er schaffte es, die ganze Reise zu hungern. Am Ende konnte er sich nicht mehr halten. Er ging zu einem der wohlgenährten Mitreisenden nach dem Abschlussbüfett und fragte ihn. Sagen Sie, was kostet eigentlich so ein Essen. - Wie? Was soll das kosten? - Wie viel muss man zahlen? - Aber werter Herr, das ist doch alles umsonst. Es ist im Fahrpreis eingeschlossen.

1.2 Alles umsonst. Die vielen Geldgeschäfte in der Kirche haben vergessen lassen, dass das die Botschaft des Evangeliums ist: Alles umsonst. Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst sollt ihr es weitergeben, sagt Jesus Seinen Jüngern. Umsonst ist die Vergebung, der Segen, die Führung Gottes, Seine Gnade, Seine Liebe, Seine Freiheit. Im Weg des Glaubens eingeschlossen. Wer Geistliches kaufen will verwechselt Vollmacht Gottes mit Macht der Menschen. Er betreibt Simonie nach dem Zauberer Simon, der meinte, die Wirkungen des Heiligen Geistes kaufen zu können.

1.3 Was kostet die Trauung? So werde ich gefragt. Für die Kosten erhebt die Dt. Ev. Kirche Geld. Der Segen ist gratis. Wer nicht die Gnade umsonst nimmt und gibt, für den ist alles umsonst im Sinne von vergeblich. Der geht hungrig vom Boot. Der hat Gott nicht kennengelernt, der schenkt. Gott verschwindet, wo jemand mit ihm handelt.

1.4 Wie sollte es auch anders sein. Gott, dem aller Reichtum gehört, wie sollten wir Ihn bezahlen.


2.1 Paulus hatte in Korinth mal wieder ein Problem. Jesus hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass Seine Jünger versorgt werden sollten, wenn sie in Seinem Dienste tätig sind. Ich selbst bin noch mit ebendiesem Wort zum Pfarrer ordiniert worden: Die Kirche wird für dich sorgen. Die Apostel der damaligen Zeit erhielten von den Glaubenden ein Auskommen.

2.2 Paulus tat das nicht. Er war neben seiner intellektuellen Ausbildung als Pharisäer noch Zeltmacher. Damit verdiente er seinen Lebensunterhalt. Als Apostel arbeitete er ohne Gehalt.

2.3 Nun gibt es nichts, was man nicht zum Vorwurf machen kann. Paulus musste das selbst bei seinem Unterhalt erleben. Die Tatsache, dass er der Gemeinde in Korinth nichts kostete war der Vorwurf. Was nichts kostet ist nichts. Er nimmt kein Gehalt. Dann ist er auch kein richtiger Apostel.


3.1 Man könnte denken, da fällt einem nichts mehr ein. Doch Paulus ist etwas eingefallen: Unser Predigttext. Er nutzt jeden Vorwurf, nicht nur um das Unrecht abzuweisen, sondern auch um den Glauben aufzubauen. Wie macht er das?

3.2 Paulus nennt seinen Arbeitgeber. Wer ist das? Die Gemeinde in Korinth? Nein. Die Mit-Christen in Jerusalem? Nein. Irgendein Mensch dieser Erde? Nein. Wer berufen ist wie Paulus steht unter höherem Befehl. Er mag hier und dort einen Dienst tun. Doch sein Auftraggeber ist der auferstandene Herr. Redet ER, redet der Bote. Schweigt ER, schweigt der Bote. Umsonst ist, was ein Bote Gottes empfängt. Umsonst gibt er es weiter. Wie sollte Berufung bezahlbar sein. Sollte sie schlecht sein, weil sie umsonst ist? - Hier zeigt Paulus den Tiefgang seines Dienstes.

3.3 Aus diesem Tiefgang lebt jeder Dienst der Kirche. Ob ehrenamtlich ohne Versorgung oder hauptamtlich mit Versorgung: Kümmern wir uns doch um die wichtigste Frage: Wozu hat der Herr mich ausgewählt und gerufen. Und wenn dies klar ist, gereift, gewachsen, festgemacht, dann kann ich dankbar sein, berufen zu sein. Da kommt die Vollmacht her. Nie kommt sie aus einer Bezahlung.


4.1 Paulus nennt seinen hohen Anspruch. Worin liegen der? Weil er von keinem Geld nimmt ist er auch gegenüber jedem frei. Und diese Freiheit nutzt er. Allein dem Herrn verpflichtet wird er Juden ein Jude und Griechen ein Grieche. Wer die Diskussion im Rahmen des mosaischen Gesetzes sucht soll sie bei ihm finden. Denn Paulus ist Jude und kennt sich aus. Wer die Diskussion um den Glauben im Rahmen griechischer Weisheitslehre sucht soll nicht zu kurz kommen. Denn Paulus ist nicht abhängig von den Grenzen jüdischer Gesetzeslehre. Ich werde allen alles, um einige zu gewinnen für den Herrn. So lebt Paulus. Nicht für ein Gehalt ein paar Methoden. Vielmehr für den Herrn alles. Da zerrinnt der Vorwurf vom nicht geforderten Gehalt wie Butter in der Sonne.

4.2 Wie schön ist es, etwas für den Herrn zu tun. Luther hat das nach Paulus in seiner wunderbaren Schrift festgehalten "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Ein Christ ist ein freier Herr aller Dinge und niemand untertan. Und ein Christ ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.
Wer etwas wahrhaft für den Herrn tut, der kniet innerlich vor Ihm und ehrt Ihn von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller seiner Kraft. Und wer vor dem Herrn kniet, der kann vor jedermann frei sein und aufrecht stehen. Von keinem ist ein Christ abhängig. Jedem kann er dienen. Mit oder ohne Versorgung, Hochgestellt oder Einfach, Reich oder Arm, Gebildet oder Schlicht. Damit der Name Jesu groß wird.


5.1 Hat Paulus da nicht gut geantwortet. Die Unterstellungen hat er entkräftet und den Tiefgang einer Berufung und den hohen Anspruch seiner Freiheit gezeigt, aus der er lebt.

5.2 Und uns hat er Mut gemacht, nach diesem Tiefgang zu forschen und diese Höhe der Freiheit der Gotteskinder zu suchen. So werden uns die Früchte des Evangeliums zu Teil und der Name Jesu geehrt. Alles umsonst.



Amen.



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Zuletzt geändert am 30.05.2008 von: (fp)